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:: Ein warmer Mantel für jedes Haus

Etwa 40 Prozent des Endverbrauchs von Energie in Deutschland wird in Ge­bäuden verbraucht, und davon wieder 75 Prozent für Heizung und zwölf Prozent für Warmwasser. Neubauten können heu­te ohne Probleme als Passivhäuser herge­stellt werden — mit einem zusätzlichen Aufwand, der weniger als zehn Prozent der Baukosten betragen kann. Eicke R. Weber plädiert, dafür, alle Gebäude s schnell wie möglich besser zu dämmen.

Die drohende Klimakatastrophe sowie die deutlich werdende Endlichkeit der fossilen Energien erfordern eine schnellstmögliche Umstellung unseres Energiesystems auf erneuerbare Energi­en. Dabei sollten wir aber nicht vernach­lässigen, dass größere Effizienz im Um­gang mit der wertvoller werdenden Ener­gie der gleichgewichtige Partner der er­forderlichen Umstellung ist.

 

Nutzt man das Erneuerbare-Energien-Gesetz und in­stalliert ohne effektive Mehrkosten eine Photovoltaikanlage, lassen sich sogar Plusenergiehäuser bauen, die mehr Ener­gie herstellen als im Haus verbraucht wird. Der Freiburger Architekt Rolf Disch hat dies in vielbeachteten Projekten reali­siert. Da aber Neubauten jährlich nur et­wa ein Prozent zum Gebäudebestand bei­tragen, können wir nicht warten, bis der Gebäudebestand auf diese Weise nen­nenswert energieeffizienter wird. Wir müssen jetzt handeln, und wir sollten schnell handeln. Der Fortschritt auf die­sem Gebiet schreitet rasch voran, und ich will den augenblicklichen Stand der Tech­nik kurz skizzieren.

 

Schlecht sanierte Altbauten können leicht einen jährlichen Heizenergiebe­darf von 200 Kilowattstunden (kWh) pro Quadratmeter haben. Dies entspricht Heizkosten von 2000 Euro. Bereits durch einfache Wärmedämmung der Fenster, Wände und des Daches kann dieser Betrag wesentlich reduziert wer­den. Ein Energiebedarf von 75 Kilowattstunden pro Quadratmeter, der Stan­dard eines Niedrigenergie­hauses, ist unschwer zu er­reichen. Mit umfassende­ren Maßnahmen können auch Altbauten zu Passiv­häusern werden, die weni­ger als 15 Kilowattstunden pro Quadratmeter verbrau­chen. Unser Ziel sollte es sein, auch ältere Gebäude zu Passivhäusern zu ma­chen. Für Freiburg hat der Gemeinderat dieses Ziel bereits beschlossen.

 

Zur Wärmedämmung sollte auch die Umstellung der Heizungssysteme kom­men. Als Etagenheizung sind Gas-Brenn­wertthermen besonders energieeffizient. Wenn ganze Häuser beheizt werden, kommen kleine Blockheizkraftwerke in Frage, die gleichzeitig Strom und Wärme herstellen. In Niedrigenergiehäusern wird auch die Verwendung von Wärme pumpen effizient, die Oberflächenwärme wie auch Kälte nutzbar machen. Zusätz­lich können solarthermische Module auf dem Dach zur Heizung des Warmwassers und zur Unterstützung der Heizung eingesetzt wer­den. Die Kraft der Sonne lässt sich auch zur Kühlung einsetzen — besonders inter­essant für Bürogebäude, aber diese Technik ist noch in der Entwicklung. Schließlich sollte der restli­che Strombedarf mit Photo­voltaik abgedeckt werden.

 

Wie lässt sich eine solch energetische Sanierung fi‑ nanzieren? Da man etwa zehn Jahre braucht, bis sich die Investitionen rechnen, ist eine Kreditfinanzierung möglich, in der man zwölf bis 15 Jahre den alten Betrag für die Hei‑ zung ausgibt und den eingesparten Betrag zur Bedienung des Kredits einsetzt, oder aber ein Mischmodell bei dem nur zum Teil finanziert wird, die Kredite aber ent‑ sprechend schneller zurück bezahlt wer‑ den. Eine weitere wichtige Frage stellt

sich bei Mietwohnungen: In einem Nied­rigenergiehaus könnte der Vermieter, der die Sanierung finanziert, günstige Warm­mieten anbieten, aber auch von den Ener­gieeinsparungen direkt profitieren.

 

In Südbaden ist es vielerorts leicht, ei­ne energetische Analyse seines Hauses zu erhalten. In Freiburg zum Beispiel gibt ei­nen finanziellen Zuschuss für eine solche Analyse (Näheres bei der Freiburger En­ergieagentur; im Internet unter www.energie-agentur-freiburg.de). Infor­mieren kann man sich auch bei der Messe Gebäude, Energie, Technik GET vom 6. bis 8. März in Freiburg.

 

Jedes Jahr könnten fünf Prozent der Altbauten saniert werden

In Deutschland werden jährlich nur etwa zwei Prozent der Altbauten energe­tisch saniert. Wir sollten versuchen, in Südbaden eine bedeutend schnellere Sa­nierung zu erreichen, fünf Prozent pro Jahr wäre ein attraktives Ziel. Außer fi­nanziellen Anreizen würde ich die Ein­führung einer Energieplakette vorschla­gen, die Besitzer von Niedrigenergiehäu­sern anbringen könnten, um diese Leis­tung auch außen sichtbar zu würdigen.

Quelle:

Eicke R. Weber 2009

Der Autor ist Direktor des Fraunhofer- Instituts für Solare Energiesysteme in Freiburg.

Erstveröffentlichung "Badische Zeitung" 02/09

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