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:: Frauen in die erneuerbaren Energien!
Die erneuerbaren Energien werden einer der Leitmärkte der Zukunft sein, wissen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Deshalb hat die Politik es jetzt in der Hand, die Wirtschaft ökologisch, sozial und friedlich auszurichten. Ein Konjunkturprogramm der etwas anderen Art. Ein Bericht von Clara Luckmann
Jetzt ist die ideale Zeit, Maßnahmen gegen den Klimawandel voranzubringen. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz formuliert die Zielvorgabe: im Jahre 2020 sollen mindestens 20% der gesamten Stromversorgung aus den Erneuerbaren Energien kommen.
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„Produktionswandel als Mittel gegen den Klimawandel“, dieses Motto scheint bei den bekennenden ‚Klimaschützerinnen und Klimaschützern’ in der Regierung noch nicht angekommen sein. Als „klimapolitischen Amoklauf“ bezeichnet der Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, Jürgen Resch die Subventionierung des Verkaufs von PS-starken und Sprit-durstigen Ladenhütern der Automobilbranche. Auf einen nachhaltigen Klimaschutz weist dagegen die Dämmung der Gebäude im Konjunkturprogramm hin.
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Die erneuerbaren Energien bieten die große Chance für einen Wechsel in eine schadstoffarme Zukunft! Zudem schafft dieser dynamische Wirtschaftszweig nachweislich in großem Umfang neue Arbeitsplätze – Die Anzahl der Arbeitskräfte ist von 2004 bis 2007 um 55% angestiegen (BMU) - in Zukunft kann mit einem weiteren Anstieg gerechnet werden. Doch welche Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sucht diese Branche? Gerade Frauen befürworten die erneuerbaren Energien und lehnen mehrheitlich Atomenergie ab - doch schlägt sich das auch in einem hohen Frauenanteil nieder? Die kürzlich veröffentlichte Studie des Berliner Bildungsträgers LIFE e.V. ging dieser Frage nach und untersuchte die Beteiligung von Frauen in diesem Arbeitsmarktsegment. Seit nunmehr 20 Jahren setzt sich LIFE e.V. für Geschlechtergerechtigkeit in Bildung und Beschäftigung sowie für Umwelt - und Klimaschutz ein.
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Im Winter 2007/2008 beteiligten sich 19 Unternehmen der Erneuerbare-Energien-Branche in Berlin und Brandenburg an einer Umfrage im Rahmen des Life-Projekts „Frauen in die erneuerbaren Energien“. Die Ergebnisse der Befragung waren ernüchternd: „Der Frauenanteil in der Branche der erneuerbaren Energien ist im Vergleich zu anderen Branche eher gering“, so die Projektkoordinatorin Deborah Ruggieri. Nur eine Solarfirma wartet mit einem weiblichen Anteil der Beschäftigten von über 40% auf, bundesweit liegt der Anteil von Arbeitnehmerinnen in dieser Branche bei 25 % (Wissenschaftsladen Bonn).
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Die Studie stellt fest, dass der Energiebereich weiterhin als ‚Männerbereich’ assoziiert wird
Die befragten Unternehmen befürworten zwar die Erhöhung des Frauenanteils in ihren Unternehmen, zeigen jedoch in den Antworten zu den Anforderungen an zukünftige Arbeitnehmerinnen mögliche Hinderungsgründe auf: Hohe räumliche Mobilität und lange, flexible, also familienunfreundliche Arbeitszeiten. Weitere Gründe werden in der Art der Stellenausschreibungen und den Bewerbungsabläufen gesehen, die oftmals nicht geschlechtsneutral sind.
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Welche Anforderungen hat die Branche an ihre Arbeitnehmerinnen? Welche Wege führen für Frauen zu einem Arbeitsplatz in den erneuerbaren Energien? Darüber gibt die Studie Auskunft.
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Innovation wird aber auch von den ArbeitsvermittlerInnen und BerufsberaterInnen erwartet. Solange ihnen der Arbeitsmarkt der Erneuerbaren Energien nicht geläufig ist, können sie dahin nicht vermitteln oder lehnen die Finanzierung von notwendiger Weiterbildung ab.
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Zum Zeitpunkt der Studienerstellung boten in Berlin zehn Weiterbildungsträger Qualifikationen dezidiert im Bereich erneuerbare Energien an. Sie richten sich an Fachkräfte aus den Bereichen Technik, Bauwesen und Ingenieurwesen.
Die Unternehmen der Erneuerbaren Energien sehen es hingegen als problematisch an, dass Ausbildung, Studien- und Weiterbildungsgänge oft dem Bedarf nicht entsprechen.
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Viele Betriebe bilden deshalb ihre MitarbeiterInnen im „Training on the job“ innerbetrieblich selber aus oder gründeten sogar eigene Weiterbildungsakademien.
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Aktuell sind die Aktienkurse der börsennotierten Erneuerbare-Energien-Unternehmen wie alle anderen eingebrochen und es wird mit einem mindestens vorübergehenden Investitionsrückgang gerechnet. Doch an Energie aus Sonne, Wind, Wasser & Co führt kein Weg mehr vorbei. Selbst die Internationale Energieagentur (IEA) verändert ihre Prognosen für das Jahr 2008 und verweist auf die Endlichkeit der Ölvorräte und auf unkalkulierbare Preiserhöhungen für diese Ressource. Die IEA fordert jetzt sogar, den Anteil Erneuerbarer Energien weltweit bis zum Jahre 2030 auf 40% zu steigern, um eine Chance zu erhalten, die globale Erwärmung zu begrenzen.
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Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer, aber dass Dagmar Vogt zur Berliner Unternehmerin des Jahres 2008 gekürt wurde, macht Mut. Dagmar Vogt ist die Gründerin und Geschäftsführerin von ibvogt GmbH und damit weltweit in der Planung und Realisierung von Photovoltaik-Fabriken aktiv.
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Interview Deborah Ruggieri, Life e.V.
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Clara Luckmann: Frau Ruggieri, Sie waren die Projektkoordinatorin des einjährigen Projekts „Frauen in die erneuerbaren Energien“ und u.a. verantwortlich für die Erhebung der Daten der Studie. Was prognostizierten die Betriebe vor einem Jahr bezüglich ihres Personalbedarfs?
Deborah Ruggieri: Vor der Finanzkrise gaben über Dreiviertel der befragten Betriebe an, weitere Mitarbeiter einstellen zu wollen, die Auftragsbücher waren voll. Wenn aber, als Auswirkung der Finanzkrise, in naher Zukunft Investitionskredite für Unternehmen wie Verbraucher nur unter erschwerten Bedingungen zu haben sind, könnte der Bedarf an Arbeitskräften vorübergehend zurückgehen. Hier kann die Politik ansetzen, um die erneuerbaren Energien weiter zu fördern und einen Investitionsstau zu verhindern. Nichtsdestotrotz gehe ich davon aus, dass der Wirtschaftsbereich der erneuerbaren Energien einer der Arbeitsmärkte der Zukunft sein wird, nicht nur aus umweltpolitischen und auch sozialen Gründen, sondern weil die fossilen Energieressourcen zu Ende gehen.
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Clara Luckmann: Ihre Studie kommt zu dem Ergebnis, dass Frauen in den Unternehmen der erneuerbaren Energien unterrepräsentiert sind. Frauen haben ein großes Interesse an diesem Arbeitsbereich, stellten Sie auch bei den gut besuchten Informationsveranstalten, Workshops und Kursen des Projektes fest.
Deborah Ruggieri: Viele Projektteilnehmerinnen haben eine technische oder ingenieurswissenschaftliche Ausbildung. Das Fatale ist eben, dass 2/3 der Frauen mit dieser Ausbildung in ganz anderen Branchen arbeiten. Bezüglich der Studie kommen wir zu dem Ergebnis, dass die deutsche Unternehmenskultur große Defizite aufweist. Derzeitige Arbeitsbedingungen gehen am Menschen vorbei und erschweren den Zugang beispielsweise von Frauen mit Kindern. Da hört es sich zwar prima an, wenn die Politik Frauen auffordert ein Technikstudium zu starten – aber was soll’s, wenn sie hinterher keinen Arbeitsplatz finden.
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Clara Luckmann: Das ist die eine Seite. Sie haben die Unternehmer auch nach deren Wünschen an zukünftiges Personal befragt. Lassen sich daraus Maßnahmen ableiten, mit denen Frauen sich fit machen können für diesen Arbeitsbereich?
Deborah Ruggieri: Ja, wir konnten die Ergebnisse direkt in Kursen und Workshops umsetzen. Den Informationsdefiziten der Frauen über die Erneuerbaren Energien begegneten wir mit stark nachgefragten Veranstaltungen, in denen wir über den Arbeitsmarkt und die einzelnen Bereiche der erneuerbaren Energien informierten.
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Persönliches Coaching wurde genutzt, um den Blick für die eigenen Fähigkeiten der Frauen in Relation zu den gewünschten Anforderungen der Branche zu schärfen.  Bewerbungsverfahren waren als eine Hürde für Frauen analysiert worden. Frauen sind meist genauso gut, wenn nicht sogar besser qualifiziert als Männer - doch das ist vielen nicht bewusst. Bescheidenheit ist nicht immer eine Zier, sondern führt dazu, dass die vorhandenen Qualifikationen nicht adäquat präsentiert werden. Das macht es den Unternehmen schwer, die Fähigkeiten der Bewerberinnen richtig einzuschätzen.
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Wir führten zum Beispiel bei einigen Teilnehmerinnen der Kurse Potenzialanalysen durch, die deren vielfältige Kompetenzen deutlich aufzeigten. Einige Frauen wagten im Laufe des Projekts den Schritt in diese Branche und arbeiten heute in teilweise exponierten Positionen.
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Clara Luckmann: Zu wünschen ist, dass die Studie vielen Frauen umsetzbare Hilfen bietet, aber auch bei den vermittelnden Institutionen Wirkung zeigt.
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Deborah Ruggieri: Tatsächlich verzeichnen wir eine gute Resonanz: Arbeitsagenturen und Universitäten fragen die Studie an. Im Segment Erneuerbare wird sich weiter viel bewegen!
Die Studie gibt es kostenlos bei:
Dirksenstr. 47, 10178 Berlin
Tel. 030 / 308 798 – 35
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