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:: Gefahr für eine Zukunftsbranche
Eicke R. Weber warnt davor, die Vergütung für Solarstrom zu rasch und zu drastisch abzusenken. Im Fraunhofer ISE haben wir errechnet, wie stark die Vergütung entsprechend der Kostensenkungsfortschritte der vergangenen Jahre noch in diesem Jahr zusätzlich gesenkt werden könnte.
Die deutsche Wirtschaft arbeitet sich mühsam aus der größten Rezession der Nachkriegsgeschichte heraus. Internationale Gefahren wie die drohende Pleite Griechenlands und anderer wirtschaftlich schwacher Länder in der EU sowie die Krise des kommerziellen Häusermarkts in den USA können uns immer noch eine zweite Rezession, den "double dip", bescheren, der bereits 1931 die Welt erst richtig in die Krise führte.
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Die Regierung beschäftigt sich damit, ein trotz Krise außerordentlich erfolgreiches Programm zur Förderung der Wirtschaft herunterzufahren, das Arbeitsplätze im ganzen Bundesgebiet sichert, ohne das Haushaltsdefizit zu vergrößern. Dabei ist die Frage nicht mehr, ob ein solcher Eingriff in geltendes Recht vorgenommen werden soll; streitig ist nur noch, wie stark die Dämpfung der Nachfrage nach photovoltaischen Systemen ausfallen soll.
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Die Photovoltaik (PV) erlaubt die direkte Umwandlung von Sonnenlicht in elektrischen Strom. In der Vergangenheit war dies die teuerste Art der Erzeugung regenerativen Stroms. Auf Dauer erwarten wir, dass dies die dominante Art der Stromerzeugung werden wird. Die Kosten der Halbleitertechnologie PV sinken kontinuierlich – und Sonnenlicht steht in unbegrenzter Menge zur Verfügung. Die Einführung dieser Technik wird durch ein sorgfältig ausgearbeitetes System unterstützt, dem Einspeisetarif im Erneuerbare Energiengesetz (EEG). Jeder Käufer von PV weiß, dass er 20 Jahre lang einen festgeschriebenen Preis für jede Kilowattstunde des erzeugten PV-Stroms erhält. Für Neuanlagen wird dieser garantierte Preis jährlich abgesenkt, so dass absehbar ist, wann Solarstrom billiger ist als Strom aus anderen Energiequellen.
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In den Jahren 2005 bis 2008 war die globale Nachfrage nach PV so groß, dass sie selbst durch das um jährlich über 100 Prozent wachsende Angebot nicht befriedigt werden konnte. Daher blieben die Preise stabil, obwohl die Produktionskosten sanken. Die Unternehmen benutzten ihre Profite dazu, schnell Kapazitäten zuzubauen.
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Die Wirtschaftskrise führte zu einem Einbruch der Nachfrage und die Preise fielen drastisch. Daher lässt sich in der Tat diskutieren, ob die gesetzlich vorgesehene Degression zum 1. Januar 2011 von weiteren circa zehn Prozent nicht zu kurz greift und wir uns eine zusätzliche Senkung zur Mitte dieses Jahres leisten können.
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Im Fraunhofer ISE haben wir errechnet, wie stark die Vergütung entsprechend der Kostensenkungsfortschritte der vergangenen Jahre noch in diesem Jahr zusätzlich gesenkt werden könnte. Dabei kamen wir auf sechs Prozent für Kleinanlagen bis 30 Kilowatt und zehn Prozent für größere Anlagen bis 100 Kilowatt. Eine darüber hinausgehende Absenkung bedeutet eine ernsthafte Gefährdung der Produktion in Deutschland.Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) hatte vorgeschlagen, die Vergütung für Solarstrom bereits zum 1. April um 15 Prozent für Aufdachanlagen, zum 1. Juli um 25 Prozent für Anlagen auf ehemaligen Ackerflächen und 15 Prozent für sonstige Freiflächenanlagen zu senken – bei Anhebung der Zielgröße für die jährliche Installation von 1500 Megawatt auf 3000 Megawatt.
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Die Koalition hat nun beschlossen, den unrealistischen Termin 1. April auf den 1. Juli zu verschieben, aber die Absenkung auf 16 Prozent zu erhöhen – bei Freiflächenanlagen nur auf elf Prozent –, aber Anlagen auf ehemaligen Ackerflächen gar nicht mehr zuzulassen. Diese Zahlen wurden leider nicht durch solide Daten untermauert, sonder sind Ergebnis eines politischen Kompromisses von dem sich inzwischen selbst der bayerische Ministerpräsident distanziert.
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Und nicht nur er: Eine Infratest-Umfrage vom Februar 2010 zeigte, dass 84 Prozent der Bevölkerung gegen eine rasche und drastische Absenkung der Solarvergütung sind, so wie sie vorgeschlagen wurde. Eine zu rasche Senkung gefährdet viele Arbeitsplätze in der PV-Produktion wie auch der Installation in Deutschland. Da die Preise innerhalb eines Jahres bereits um etwa 30 Prozent gesunken sind, sind die Hersteller nicht mehr in der Lage, eine zusätzliche Senkung um 16 Prozent in diesem Jahr zu kompensieren.
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Es bleibt zu hoffen, dass die Debatte im Bundestag zu einer Lösung führt, die diesen Prozess wirtschaftlich verträglich macht. In einer Freiburger Erklärung zum EEG vom 22. Februar 2010 betonen Handwerkskammer, Stadt Freiburg, Fraunhofer ISE, Badenova und lokaler Solarunternehmen, dass es ein gravierender Fehler wäre, gerade jetzt diese Zukunftsbranche zu gefährden.
Der Autor ist Direktor des Fraunhofer- Instituts für Solare Energiesysteme
Erstveröffentlichung "Badische Zeitung" 06.03.2010
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