|
:: Investitionsgarantien für Schlüsseltechnologien
Die Zahlen zum wirtschaftlichen Wachstum in diesem Jahr sind unerwartet positiv. Dabei wird gern übersehen, dass die rasch wachsende Branche der erneuerbaren Energien und Effizienztechnologien mit den zwei Säulen Windenergie und Photovoltaik und nun 400 000 Beschäftigten einen wesentlichen Beitrag zu dieser Entwicklung liefert. Dieser neue Baum bedarf jedoch immer noch der Pflege. Eicke R. Weber fordert, mit Hilfe von Garantien mehr Kapital in zukunftsträchtige Industrien zu lenken.
Das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) legte die Basis dieser erfreulichen Entwicklung. Es gibt aber starke Kräfte, besonders von den kernkraftbetreibenden Stromversorgern, durch die regulär anstehende Novellierung des EEG im nächsten Jahr eine wesentliche Wende zur Sicherung der Profite aus den alten Kraftwerken durch den Bundestag zu bringen. Die Aufkündigung des für den politischen Frieden im Land so nützlichen Atomausstiegkompromisses von 2001 gab uns einen Vorgeschmack. Bis zu den Landtagswahlen im März wird noch still gehalten, aber danach werden wir einen heftigen Kampf beobachten können.
Â
Vielleicht kommen diese Anstrengungen bereits zu spät: Die neuesten Zahlen lassen einen Zubau der Photovoltaik 2010 weltweit um mehr als 15 Gigawatt erwarten, davon etwa acht Gigawatt in Deutschland, deren Stromertrag bereits zwei bis drei ausgewachsenen Kernkraftwerken entspricht. Zum Vergleich: Die Kernkraftbranche hofft, dass 2011 vielleicht der neue Meiler in Finnland ans Netz geht, seit vielen Jahren der erste realisierte Neubau in einem westlichen Industrieland.
Â
Deutschland hat ohne Zweifel die Technologieführerschaft in der Photovoltaik, ist auch beim Wind unter den führenden Ländern. Während die besonders auch in Baden-Württemberg angesiedelten Hersteller von Photovoltaik-Produktionsanlagen die Welt beliefern, zeigt der Markt der Photovoltaik-Hersteller ein ganz anderes Bild – hier dominieren bereits Hersteller in Asien, besonders in China.
Â
Wie ist dies zu erklären? Der Anteil von Personalkosten bei der Herstellung von Solarzellen macht weniger als zehn Prozent der Herstellkosten aus, mit fallender Tendenz durch Automatisierung. Dieser Vorteil asiatischer Produktion ist also zu vernachlässigen. Der Hauptvorteil ist ein leichter Zugang zum Investitionskapital: Wenn ein Markt sich innerhalb eines Jahres verdoppelt kommt es darauf an, Kapazitäten schnell hochzufahren. Die Banken in Deutschland und Europa sind leider bei Investitionsentscheidungen viel zu zögerlich, sie zocken lieber mit ihren Einlagen auf den Märkten für Zertifikate. Diese Zögerlichkeit gilt übrigens nicht nur für die Branche der Erneuerbaren Energien, wir können dies in vielen für die Zukunft Europas entscheidend wichtigen Schlüsseltechnologien beobachten.
Â
Was ist zu tun? Es gibt tatsächlich eine Möglichkeit, diese Entwicklung der Industrieproduktion in Schlüsseltechnologien weg aus Europa umzudrehen: Wir müssen den Zugang zum Investitionskapital erleichtern. Die direkte Subventionierung von Investitionen in den neuen Bundesländern hat zum Boom der Solarindustrie dort geführt. Die Gründung des Exzellenzclusters Solarvalley Mitteldeutschland ist das sichtbarste Ergebnis dieser Entwicklung.
Â
Mein Vorschlag ist die Bereitstellung von Investitionsgarantien auf europäischer Ebene. Sie sollten den Ausbau von Produktionskapazität in klar zu beschreibenden Schlüsseltechnologien wie der Photovoltaik und anderer Photonik, Mikroelektronik, Informationstechnologien oder moderne Werkstoffe unterstützen. Dabei wäre eine 50-prozentige Garantie sehr nützlich: 50 Prozent einer Investition sollten garantiert werden, für die anderen 50 Prozent sollten die Banken weiterhin das Risiko tragen. So könnte gesichert werden, dass die einzelne Investition weiterhin sorgfältig geprüft würde, aber Banken mit nur dem halben Risiko leichter zu einer positiven Entscheidung kommen. Ein Topf von zunächst 50 Milliarden Euro würde das Investitionsklima in Europa bereits spürbar verbessern.
Â
Zig Milliarden waren für die Banken da, aber nicht für Zukunftstechnologie
Wir haben Hunderte Milliarden Euro für die Rettung des Bankensektors bereitgestellt, und diese Summen fließen nicht in Investitionen, sondern dienen nur zur Vermeidung eines Falls ins Bodenlose. Sollte Europa sich nicht aufraffen, einen wesentlich kleineren Garantiebetrag für die Erhaltung der industriellen Kapazität in den für unser wirtschaftliches Überleben so wichtigen Schlüsseltechnologien bereit zu stellen?
Der Autor ist Direktor des Fraunhofer- Instituts für Solare Energiesysteme
Erstveröffentlichung "Badische Zeitung" | 11.12.2010
|



















