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:: Kirche baut im Einklang mit der Schöpfung
Die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde von Eisingen, Kist und Waldbrunn war gerade dabei, ihr erstes Gotteshaus zu bauen. Da wurde die Idee geboren, eine Solarstromanlage am Gebäude zu installieren. Gegen alle Vorbehalte wurde das Vorhaben vor zehn Jahren umgesetzt. Die Unterfranken wollten ein Zeichen zur Wahrung der Schöpfung setzen. Das Kraftwerk läuft seither einwandfrei, die Einnahmen aus dem Stromverkauf werden jedes Jahr gespendet.
Wer Gott ein Haus bauen will, darf seiner Schöpfung dabei keine Gewalt antun. Angesichts einer manifesten Gefährdung unserer Lebensgrundlagen, die mit Schlagwörtern wie Ozonloch, Klimaveränderung oder Waldsterben nur sehr grob umrissen ist, angesichts auch des schier unbegrenzt technisch Machbaren und des gnadenlosen Vorranges der Ökonomie (alias Mammon) ist gerade von einer christlichen Kirchengemeinde Selbstbescheidung beim Umgang mit natürlichen Ressourcen und besondere Rücksichtnahme auf die natürlichen Bedürfnisse der Menschen gefordert. Ökologisch handeln heißt daher die Devise.
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Bei rigider Auslegung der Forderung nach Bewahrung der Natur hätten wir die Philippuskirche im Grunde gar nicht bauen dürfen: Dem Bau mußten Teile eines nicht mehr intensiv genutzten, deswegen für die Natur umso wertvolleren Streuobstbestandes weichen. Ob der Versuch, einzelne Bäume zu bewahren, Erfolg haben wird, muß die Zukunft zeigen. Auch in anderer Hinsicht ist jedes Bauwerk zunächst einmal ökologisch eine Katastrophe: Wir versiegeln Oberfläche. Wir vernichten Lebensraum. Wir verbrauchen Energie in großem Stile. Bauen ohne Nebenwirkungen ist also nicht zu haben. Ökologisch bauen kann demnach bestenfalls heißen, schädliche Auswirkungen für Mensch, Natur und Umwelt so weit als möglich zu reduzieren.
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Die beteiligten Gremien, allen voran Kirchenvorstand und Bauausschuß, haben mit großem Einsatz daran gearbeitet, mögliche Schadfolgen zu bedenken und weitestmöglich zu beschränken. In zahllosen Sitzungen, Besprechungen mit Fachleuten und Anbietern, ja sogar mit Hilfe eines beratenden Ingenieurbüros für Energie- und Umwelttechnik haben wir uns über Energieeinsparung, Heiztechnik und Wärmedämmung, über Wassersparmaßnahmen, über menschenfreundliche Baumaterialien und vieles mehr kundig gemacht.
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Daß am Ende dann doch oft genug scheinbar konventionelle Entscheidungen gefallen sind, liegt auch daran, daß die Philippuskirche eine Kirche ist. Ein Blockheizkraftwerk, mit Rapsöl aus der Region betrieben, hat gewiß viele ökologische Vorzüge. Es läßt sich aber weder wirtschaftlich noch ökologisch sinnvoll für eine Kirche mit ihrem niedrigen und typisch punktuellen Bedarfsprofil einsetzen. In den Toiletten werden Sie strombetriebene Durchlauferhitzer vorfinden - ökologische Schmutzfinken par excellence zwar, aber es wäre noch weitaus unsinniger gewesen, für den gelegentlichen Bedarf ein eigenes Leitungsnetz einzurichten und darin beständig Warmwasser vorzuhalten. Aus dem gleichen Grund wurden keine Sonnenkollektoren zur Warmwasserbereitung installiert.
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Als Heizungsform haben wir letzten Endes einen erdgasbefeuerten Brennwertkessel ausgewählt, wobei uns zugute kam, daß Eisingen just in der Bauphase von den Stadtwerken Würzburg an das Erdgasnetz angeschlossen wurde. Der Wirkungsgrad eines solchen Kessels ist besonders hoch; der Energieinhalt des Erdgases wird optimal genutzt. Die Schadstoffemission ist (wenigstens vor Ort) denkbar gering. Die Technik ist bestens eingeführt, wartungsarm und - nicht zuletzt: bezahlbar.
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Damit die sparsam erzeugte Wärme nicht nutzlos verpufft, haben wir durch verschiedene Maßnahmen (z.B. durch ein Fensterglas mit einem K-Wert von 1,1 W/m²K) dafür gesorgt, daß der Bau nicht nur die Mindestanforderungen der Wärmeschutzverordnung von 1995, sondern sogar die Anforderungen des Niedrigenergiestandards übertrifft. Wesentlich trägt dazu bei, daß etwa 35% des Heizenergiebedarfs durch die Sonnenbestrahlung, also durch kostenlose solare und interne Wärmegewinne gedeckt werden können.
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Um Trinkwasser einzusparen, die Abwasseranlage zu vereinfachen und Versiegelungsfolgen für das Grundwasser zu reduzieren, wird das gesamte Regenwasser von den Dachflächen in einem ehemaligen Trinkwasserspeicher gesammelt und zur Bewässerung des Kirchengrundstücks und des angrenzenden Friedhofs verwendet. Die Verkehrsflächen sind weitgehend mit versickerungsfähigen Belägen versehen.
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Deutlich sichtbar wird unser ökologischer Ansatz durch die an der Südfassade installierte Photovoltaikanlage (Leistung: 3,3 kWp). Wir haben aus drei Gründen viel Mühe darauf verwendet, diese Anlage zu realisieren.
- Zum einen sehen wir uns als Gemeinde in der öffentlichen Verantwortung. Wer »Schöpfung bewahren« fordert, darf nicht auf andere deuten, sondern muß selbst mit gutem, sichtbaren Beispiel vorangehen.
- Zum zweiten wollen wir so unseren Beitrag dazu leisten, daß immer mehr Energie dezentral und ohne Jahrtausende überstrahlenden Müll erzeugt wird. Die Photovoltaikanlage wird einen Teil des künftigen Bedarfs abdecken und gleichzeitig zur sommerlichen Verschattung der Südfenster dienen: eine äußerst willkommene Kombination.
- Zum dritten: Wir verbinden ökologische und soziale Ziele. Die Vergütung, die die Kirchengemeinde für den eingespeisten Strom erhält, wird dem Projekt "Wöllrieder Hof" des Diakonischen Werks Würzburg zur Verfügung gestellt, das arbeitslose Menschen unterstützt. Nicht zuletzt deswegen durften wir auf großzügige Unterstützung des Überlandwerks Würzburg und anderer Institutionen zählen, für die wir herzlich danken.
Dass der Ertrag gespendet werden würde, war von Anbeginn das Ansinnen der Kirchengemeinde. "Uns war daran gelegen, ein Zeichen christlicher Weltverantwortung zu setzen - für mehr soziale Gerechtigkeit und Zukunftsvorsorge", so Pfarrer Peter Fuchs.
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