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:: Navarra weist den Weg in die Energiezukunft

Drei Viertel des Strombedarfs der Region kommen bis 2010 aus erneuerbaren Quellen.
„Alle politischen Parteien in un­serem Land sind sich einig, dass in Spanien der Ausbau der erneuer­baren Energie forciert werden muss. Auch ein politischer Machtwechsel im Land würde daran nichts ändern", erklärte Javier Balerra Gorrochategui, Chef der Abteilung für Innova­tion im Ministerium für Wirtschaft und Arbeit in der nordspanischen Provinz Navarra, einer staunenden Schar österreichischer Journalisten.
 
Der Journalistentross war ge­meinsam mit dem Österreichischen Biomasse-Verband gekommen, um die Fortschritte Spaniens im Bereich der erneuerbaren Energien in Augen­schein zu nehmen und darüber zu berichten. Navarra - von der Fläche her etwa gleich groß wie das Bundes­land Kärnten - hat in den letzten zehn bis 15 Jahren eine enorme Entwicklung genommen. Kaum ein an­deres Land der Welt dürfte eine der­artige Dichte an Windrädern auf­weisen. Wer durch die malerische Landschaft fährt oder auf dem welt­berühmten Jakobsweg durch Navarra wandert, sieht eine malerische Land­schaft und wie Perlenketten sind die Windräder auf den sanften Berg­rücken aufgereiht.
 
„Anlagen zur Erzeugung erneu­erbarer Energie stehen in Spanien vorzugsweise in wirtschaftlich schwä­cheren Regionen", berichtet Gorrochategui. „Das bringt Geld in die Re­gion, reduziert die Abhängigkeit von Energieimporten und schafft Arbeits­plätze." Mittlerweile seien in Navar­ra schon 1,5 Prozent aller Arbeitnehmer direkt oder indirekt mit der Erzeugung erneuerbarer Energie befasst. Allein im Bereich Windenergie seien in der etwa 10.000 km2 gro­ßen Provinz 3.500 Arbeitsplätze ge­schaffen worden.
 
In Navarra hatte die Anhäufung von Anlagen zur Erzeugung erneu­erbarer Energie sogar eine überra­schende positive Nebenwirkung. „Es kommen immer mehr Touristen aus aller Welt, die unsere Anlagen be­sichtigen wollen."
 
Wichtig sei es auch, fossile Brenn­stoffe wie Öl, Kohle oder Gas nicht nur durch erneuerbare zu ersetzen, sondern mit Energie besonders spar­sam und effizient umzugehen. „Er­neuerbare Energie erzeugen und dann verschwenden, ist Unsinn."
 
Der erste Windpark wurde in Na­varra im Jahr 1994 errichtet. Auf dem Berg El Perdón, etwa 15 Kilometer von der weltberühmten Stierkampfstadt Pamplona entfernt, wurden sechs Windräder mit einer Gesamt­leistung von drei MW errichtet. Im Jahr 2000 erreichte die Kapazität im Windkraftsektor in Navarra bereits 474 MW. Im Jahr 2006 lieferten in Navarra bereits mehr als 1.100 Wind­räder in 32 Windparks mit einer Ge­samtkapazität von 936 MW Strom für Haushalte und Wirtschaftsbe­triebe.

Gorrochategui machte bei einem gemeinsamen Pressegespräch mit dem Vorsitzenden des Österreichischen Biomasse-Verbandes, Heinz Kopetz, und Geschäftsführer Ernst Scheiber für die zahlreichen österreichischen Journalisten von Fernsehen, Hör­funk und Printmedien auch deut­lich, was unter Energieeffizienz zu verstehen sei. „Das bedeutet vor al­lem Wirtschaftswachstum ohne weitere Steigerung des Energiever­brauchs."
 
Während in Österreich die Er­richtung von Windrädern bei Teilen der Bevölkerung Widerstand aus­löst, sind die Spanier der Region stolz auf ihre Windparks. „Strom aus Windkraft hat in der Bevölkerung eine hohe Akzeptanz", unterstreicht Gorrochategui. Stolz ist man auch darauf, dass die installierte Windenergiekapazität in Navarra größer ist als in Ländern wie Frankreich, Schweden, Griechenland, Belgien oder Finnland.
 
Auch das flächenmäßig acht­mal so große Österreich hinkt Na­varra hinterher. Dieser Abstand wird nun immer größer, weil mit der ab 2005 geltenden Novelle zum Öko­stromgesetz keine Anträge auf Er­richtung von Anlagen mehr gestellt wurden. Das wäre aus Sicht der In­vestoren wegen des Fehlens geeig­neter Rahmenbedingungen nicht möglich gewesen. Gebaut wurden in Österreich seit 2005 fast ausschließ­lich Anlagen, die bereits spätestens gemeinsamen zum Jahresende 2004 nach den alten Rahmenbedingungen genehmigt wor­den waren.
 
Mit ebenso viel Nachdruck und für die zahlreichen österreichischen Unterstützung privater Unternehmen treibt Navarra auch die Entwicklung in anderen Sparten der erneuerbaren Energie voran. Seit dem Jahr 2005 hat ein Biodieselwerk in Caparroso mit einer Kapazität von 35.000 Ton­nen pro Jahr die Produktion aufge­nommen. Das deckt etwa zehn Pro­zent des Dieselbedarfs in der Region.
 
Darüber hinaus wird in Navarra in großem Stil unter anderem Strom aus Stroh, Bioethanol aus Abfall, Biogas und Strom aus photovoltaischen und thermischen Solaranla­gen erzeugt. All das hat der Provinz im Jahr 2003 einen EU-Preis für die beste Regionalpolitik im Bereich der erneuerbaren Energie eingebracht. Zwischen 2005 und 2010 sollen insgesamt rund 900 Millionen Euro in neue Projekte investiert werden. Bis dahin sollen auch 75 Prozent des in der Provinz verbrauchten elek­trischen Stroms aus erneuerbaren Quellen kommen.
 
„Auf europäische Ebene über­tragen zeigt das Beispiel von Na­varra, dass die Ziele für den Anteil der erneuerbaren Energie in jedem einzelnen EU-Land erreichbar sind, wenn das mit Nachdruck verfolgt wird", sagteBiomasse-Verbands­Präsident Kopetz. „Bei Wärme aus Biomasse sind wir auch in Österreich schon sehr weit, aber in vielen anderen Bereichen wie Wind­energie oder Nutzung der Sonnen­energie können wir viel von den Spa­niern lernen."           
Quelle:
Ökoenergie 69/2008 | Kurt Ceipek
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