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Martin Frey | Diplom Geograph | Fachjournalist und Berater Regenerative Energiewirtschaft © solarreise.de


Vergütungssätze für Photovoltaik für das Jahr 2010
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:: Solarstrom ernten einfach gemacht

Was muss ich tun, wenn ich eine Photovoltaikanlage auf dem Dach meines Hauses haben möchte? In 10 Schritten zur eigenen Solarstromanlage. Von Martin Frey

1. Die Idee

Wäre es nicht eine wunderbare Sache, auf Ihrem eigenen Grundstück Solarstrom zu erzeugen und diesen anschließend zu verkaufen? Sie würden damit einen Beitrag zum Umweltschutz leisten und zugleich etwas zur eigenen Altersvorsorge beitragen, denn die Anlage liefert höchst wahrscheinlich über Jahrzehnte verlässliche Energieerträge. Doch wie kommt diese Anlage auf Ihr Haus, und an was müssen Sie alles denken? Wir erklären in zehn Schritten, wie die Realisierung funktioniert. Bitte bedenken Sie aber, dass alle Angaben nur der Orientierung dienen und keine auf den Einzelfall zugeschnittene Fachberatung ersetzen können.

 

2. Informationsbeschaffung

Zu allererst sollten Sie sich die Frage stellen, ob es derzeit der richtige Zeitpunkt ist, sich für eine solche Investition zu entscheiden. Besonders günstig ist es, wenn bei Ihrem Haus eine Dachsanierung ansteht. Ist dies geklärt, sollten Sie sich umfassend informieren. Dazu gehört zuerst einmal die Frage, wo Sie Ihre Solaranlage montieren möchten. Soll sie auf das Hausdach aufgesetzt werden (Aufdach-Montage) oder Teile des Hausdaches ersetzen (Indach-Montage)? Soll sie an der Fassade, auf einem Flachdach oder etwa auf einer Freifläche montiert werden? Soll die Anlage fest montiert sein oder der Sonne nachgeführt werden, um Mehrerträge zu erzielen?

 

Ein erster Check, den Sie selbst durchführen können, gibt Ihnen wichtige Informationen darüber, ob Ihr Dach geeignet ist: Wie alt ist die Dachabdeckung, wie ist ihre Materialbeschaffenheit? Das Dach sollte eine längere Lebensdauer besitzen als die Solaranlage, die mindestens 20 Jahre laufen soll. Dann schauen Sie, welche Dachneigung und Ausrichtung nach Süden es besitzt. Kleinere Abweichungen vom Optimum 35 Grad Neigung und absoluter Südausrichtung mindern den späteren Ertrag nur unwesentlich, aber ein Dach nach Nordwesten wird Ihnen später wenig Freude bereiten. Wie sich die unterschiedlichen Bedingungen auf den Ertrag auswirken, lässt sich unter www.solartechnikberater.de anschaulich berechnen. Außerdem können Sie selbst überprüfen, ob eine Verschattung der Solarstromanlage droht: Schornsteine, Gauben, Antennen oder Satellitenschüsseln dürfen keine Sonnenstrahlen abhalten – auch nicht bei tiefstehender Sonne im Herbst und Winter. Achten Sie auch auf Bäume, die in den kommenden Jahren weiter wachsen oder auf die Möglichkeit von Neubauten in der Nachbarschaft.

 

Finden Sie ein kompetentes Unternehmen, das Ihre Solarstromanlage montieren kann: Hier können Sie auf Ihren eigenen Hauselektriker zurückgreifen, sofern er bereits Erfahrungen darin gesammelt hat, oder aber Sie finden eine spezielle Solarfirma dafür. Die Seite www.solarfoerderung.de zeigt unter dem Punkt „Handwerkerkontakt“ eine große Auswahl an Anbietern für Ihren Postleitzahlbereich. Fragen Sie auch Nachbarn, die bereits eine Solaranlage haben, von wem deren Anlage stammt.

 

Nun ist es Zeit für eine Fachberatung vor Ort. Der Mitarbeiter der Solarfirma wird sich Ihr Haus genau anschauen und auch Dinge prüfen, die Sie bislang nicht berücksichtigt hatten, wie etwa die Statik des Daches. Lassen Sie sich ein detailliertes Angebot machen und holen Sie zugleich zwei Vergleichsangebote ein. Achten Sie darauf, dass Sie alle Inhalte des Angebotes verstehen. Alle Komponenten der Anlage sowie alle Dienstleistungen müssen aufgeführt sein und bestenfalls vergleichbar sein mit den anderen Angeboten. Lassen Sie hier im Zweifel noch einen Dritten darüber schauen, etwa einen Energieberater Ihrer Gemeinde. Bei einem denkmalgeschützten Haus ist es Zeit, nun eine Genehmigung für Ihr Vorhaben einzuholen.

 

3. Finanzierung sicherstellen

In der Regel finanziert man seine Solarstromanlage dadurch, dass man den erzeugten Strom ins öffentliche Netz einspeist und dafür - abgesichert durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) – zwanzig Jahre lang eine Vergütung vom lokalen Netzbetreiber erhält. Wer im Jahr 2010 ab Juli seine Anlage ans Netz bringt, erhält für diese ganze Zeit 34,05 ct pro Kilowattstunde (Dachanlage, bis 30 kWp Leistung). Im Oktober 2010 sinkt der Satz für dann neue Anlagen auf 32,88 ct pro Kilowattstunde. Diese Angaben stammen von dem Grünen-Bundestagsmitglied Hans-Josef Fell, ohne Gewähr. Zur Jahresmitte 2010 waren die vorweggegangenen außerplanmäßigen Absenkungen der Vergütung politisch heiß umstritten. Zum Jahreswechsel 2010/2011 findet erneut eine Absenkung der Vergütung statt.

 

Berechnen Sie nun den Ertrag Ihrer künftigen Anlage: Der „EEG-Vergütungsrechner“ unter www.solarfoerderung.de hilft Ihnen dabei. Wenn Sie 20 Meter Platz auf Ihrem Dach haben setzen Sie 2 kWp als Leistung ein. Sie erfahren nach einem Klick, wie viel Sie mit Ihrer Anlage in einem und in 20 Jahren erwirtschaften. In der Regel werden Sie damit Ihre Anlage nach etwa 15 Jahren oder früher abbezahlt haben und können dann damit fünf Jahre lang nach EEG-Bedingungen Gewinn machen. Welche Regelungen der Staat für die Zeit danach vorsieht, ist heute noch nicht absehbar. Hält die Anlage länger, können Sie den Strom selbst verbrauchen und zumindest eingesparte Stromkosten gegenrechnen.

 

Sie sollten jetzt klären, welchen Anteil der Anlagenkosten Sie selbst finanzieren können, denn komplett mit Krediten abgedeckt wird sie sich eher nicht rechnen. Dann sollten Sie mögliche weitere Geldquellen prüfen. Besonders günstige Kredite gibt es bei der Kreditanstalt für den Wiederaufbau (KfW) www.kfw.de. Der Antrag ist über die Hausbank einzureichen und es ist darauf zu achten, dass dieser gestellt und bewilligt ist, bevor der Auftrag an den Handwerker geht und mit dem Bau begonnen wird. Auch andere Spezialbanken, wie die GLS-Bank, sollten Sie in Betracht ziehen, da diese keinen Grundbucheintrag verlangen. Seltener geben die lokalen Energieversorger oder auch die jeweiligen Bundesländer Zuschüsse. Einen aktuellen Überblick über mögliche Geldgeber bietet die Funktion „Förderberatung“ auf www.solarfoerderung.de. Warten Sie nun gegebenenfalls die Bewilligung ihres KfW-Kredits ab.

 

4. Rund um den Auftrag

Nun dürften die Angebote der angefragten Unternehmen bei Ihnen eintreffen. Nehmen Sie sich ausgiebig Zeit dafür und prüfen sie diese auf Herz und Nieren. Achten Sie zum Beispiel darauf, dass alle angeforderten Leistungen wieder im Angebot auftauchen, auch dass Garantieleistungen ausgewiesen sind, und dass Arbeitsstunden und andere schwer kalkulierbare Kosten angemessen berücksichtigt sind. Nun dürfen Sie sich entscheiden: Vergeben Sie Ihren Auftrag und fordern Sie den KfW-Kredit ab. Bezahlen Sie die Materialkosten bei Ihrem Lieferanten, damit er die Komponenten der Solaranlage einkaufen kann. Dies ist üblich in der Branche, da es sich in der Regel um erhebliche Summen handelt, für die der Montagebetrieb nicht in Vorlage treten will und kann.

 

5. Formalitäten regeln

Bevor die Montage beginnt ist der Netzanschluss zu beantragen. Dies macht in der Regel der Installateur. Formell ist die örtliche Baubehörde über die Baumaßnahme zu informieren, was meist aber nicht nötig ist. Gegebenenfalls ist ein Gewerbe anzumelden: Bis Anlagengrößen von 8-10 kWp handelt es sich um ein Kleingewerbe, das keine Gewerbeanmeldung braucht. Darüber hinaus und stets bei landwirtschaftlichen Betrieben ist eine Gewerbeanmeldung erforderlich. Egal ob Gewerbe oder nicht: denken Sie daran, dass Sie die Mehrwertsteuer zurückbekommen und die Anlage über 10 bis 15 Jahre abschreiben können. In allen steuerrelevanten Fragen sollten Sie unbedingt Ihren Steuerberater und das Finanzamt hinzuziehen. Die Informationen hier sind rechtlich nicht maßgebend.

 

6. Anlagenmontage

Der große Tag ist gekommen: Mehrere Lieferwagen Ihres Montagebetriebs fahren vor, darin befinden sich Gerüste, die aufgestellt werden, aber auch sämtliche Materialien, allen voran die Solarmodule mit den blau glitzernden Solarzellen. Nun kann es mehrere Tage dauern, bis die Anlage fertig ist. Es kann schon mal etwas Lärm geben und schmutzig werden, wenn für die Kabel Etagendecken durchbohrt werden. Üblicherweise verschlingt die Arbeit im Haus die meiste Zeit. Auf dem Dach geht es dann relativ fix zugange: Dachanker werden am Gebälk verschraubt, Montageschienen angebracht, die Module hochgehievt und festgemacht und parallel die Verkabelung zwischen diesen hergestellt. Im Keller beim Zählerkasten wird der Wechselrichter montiert und die Verbindung zum Netz hergestellt.

 

7. Inbetriebnahme

Bald darauf lernen Sie auch einen Mitarbeiter Ihres Netzbetreibers kennen, vielleicht jemand der örtlichen Stadtwerke. Er wird neben Ihren bisherigen Zähler, mit dem der Bezug des Hausstroms gemessen wird, einen Einspeisezähler setzen. Wenn Sie ihn dazu beauftragen, dann werden Sie künftig eine Zählermiete zu zahlen haben. Sie können aber auch bei einem Elektronikhändler einen eigenen Zähler kaufen und diesen dann von dem Arbeiter des Netzbetreibers verplomben lassen. Sprechen Sie das aber im Vorfeld im Detail ab. In den meisten Fällen werden Sie mit dem eigenen Zähler nämlich günstiger fahren. Mit diesem Besuch ist der Zähler auf Null gestellt und die offizielle Produktion Ihrer Solaranlage beginnt. Neue Anlagen müssen seit 2009 bei der Bundesnetzagentur angemeldet werden. Wird dies vergessen, muss der Energieversorger den Strom nicht nach dem EEG vergüten.

 

8. Unmittelbar nach Inbetriebnahme

Das Rädchen am Zähler dreht sich, und Sie freuen sich über das schöne Wetter und die gut in Betrieb gegangene Solarstromanlage. Denken Sie aber auch daran, den Rest der Rechnung zu bezahlen. Und schon bald kommt eine weitere Aufgabe auf Sie zu: Der Stromnetzbetreiber wird Sie auffordern, einen Einspeisevertrag zu unterschreiben. In diesem wird geregelt, unter welchen Bedingungen Sie Ihren Strom abgeben. Es ist immer noch etwas strittig, ob es dieses Vertrages überhaupt bedarf. Denn das Gesetz regelt mit dem EEG eigentlich alle Rahmenbedingungen ausreichend. Manche Einspeiseverträge bergen zudem Fußangeln, wie eine Klausel, nach der die Einspeisung nur solange geregelt ist, solange das EEG Bestand hat. Hier könnten unnötige Gefahren lauern. Es hat sich gezeigt, dass in den meisten Fällen gar nichts passiert, wenn man den Vertrag einfach zu den Akten heftet – viel Erfahrung hat hier der Solarenergie-Förderverein Deutschland e.V. (SFV) (www.sfv.de). Bereiten Sie anschließend die Abrechnung mit Ihrem Netzbetreiber vor. Berechnen Sie dazu den durchschnittlichen monatlichen Ertrag und fordern Sie monatliche Abschlagszahlungen ein.

 

9. Versicherungen

Von Ihrer Anlage können auch Gefahren ausgehen, etwa wenn sich Teile lösen und herunterfallen. Aber auch Unwetter oder schlechte Erträge können Ihr Projekt belasten. Für all das gibt es Versicherungen. Denken Sie daran - vor allem an eine Haftpflichtversicherung für die Anlage. Nötigenfalls müssen Sie Ihre Hausratsversicherung erhöhen oder eine eigene Solarversicherung abzuschließen, in der dies inbegriffen ist. Eine Solarversicherung enthält meist auch eine Hagel- und Blitz-Versicherung, die mögliche Brände abdeckt. Bei großen Anlagen lohnt eine Ertragsversicherung, die dafür sorgt, dass Ihre Finanzierung auch infolge schlechter Sonnenjahre nicht ins Schleudern gerät.

 

10. In der Zeit danach

Allgemein bereitet die Solaranlage mehr Freude als Arbeit. Dennoch bleibt auch diese nicht aus: Sie müssen immer am Monatsende den Zählerstand ablesen, notieren und darauf achten, dass die Abschläge vom Netzbetreiber überwiesen werden. Jährlich müssen Sie eine Jahresabrechnung erstellen und diese dem Unternehmen vorlegen. Alle paar Jahre sollten Sie zudem die Anlage von Verunreinigungen mit klarem Wasser reinigen und auf Defekte hin untersuchen. Vergessen Sie nicht, Rückstellungen zu bilden, um eventuell auftretende Kosten für Reparaturen bezahlen zu können, sofern die Garantie einmal nicht mehr greift. Ansonsten werden Sie hin und wieder im Gartenstuhl sitzen, den Blick nach oben schweifen lassen und ein Lächeln wird über Ihre Mundwinkel huschen. Und wem all dies zu viel ist: Gibt es einen Anbieter, der alle Schritte aus einer Hand macht? Die Antwort heißt: Jain! Montagefirmen bieten zwar Serviceverträge an, aber es wird Ihnen keiner die süße Last abnehmen, sich in das Thema mehr oder weniger tief einzuarbeiten.

Quelle:

Martin Frey 2010

Alle Angaben ohne Gewähr. Dieser Text ersetzt keine Fachberatung. Der Autor ist freier Fachjournalist in Mainz. Der Text ist urheberrechtlich geschützt und darf nur gegen Honorar weiter verwendet werden.

 

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