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:: Werden E.on und RWE grüner?

Der Anteil des Ökostroms in Deutschland stieg vom Jahr 2.000 bis heute von vier Prozent auf 21% - eine weltweit einmalige Erfolgsgeschichte. Doch bisher sind an dieser Erfolgsgeschichte zu 90% Privatleute, Mittelständler und Stadtwerke beteiligt und nur zu zehn Prozent die alten Energieversorger. RWE, E.on, Vattenfall und EnBW haben bisher die Energiewende nahezu verschlafen.

Doch jetzt kündigten sie Milliarden-Investitionen an. Auch sie wollen grüner werden. Aber die neue Energiewelt wird bunter, kleinteiliger und dezentraler. Eigentlich werden die alten Dinosaurier der Energiewirtschaft in ferner Zukunft gar nicht mehr gebraucht.

 

Die Marktanteile der „Großen Vier“ von heute etwa noch 80% sind seit einiger Zeit rückläufig. Allein die Stadtwerke wollen ihre Anteile bis 2020 auf 20% verdoppeln. Und es gibt immer mehr Mitspieler. Bereits über eine Million Photovoltaik-Anlagen erzeugen auf Hausdächern in Deutschland Strom. Und zwar dort wo er gebraucht wird.

 

E.on betont, der Konzern habe in den letzten sieben Jahren sieben Milliarden Euro in Ökoenergien gesteckt. Das ist weniger als das, was der Konzern in einem Jahr verdient hat. Und in den nächsten fünf Jahren sollen es nochmal sieben Milliarden sein- freilich hauptsächlich in den zentralisierten Strukturen von Offshore-Windparks, für die Leitungen über viele hundert Kilometer benötigt werden. Dabei ist Windstrom, der auf hoher See produziert wird, etwa doppelt so teuer wie Windstrom an Land.

 

Auch bei RWE hört man: „Wir haben verstanden.“ Aber erst 2008 hat RWE-Chef Jürgen Großmann die eigene Ökostromsparte Innogy gegründet.

 

Auch Vattenfall will grüner werden. Ein Vorstandsmitglied, das anonym bleiben will, sagt freilich: „Wir haben die Energiewende um 15 Jahre verschlafen“. EnBW, an der die grün-rote Landesregierung in Baden-Württemberg beteiligt ist, will den Ökostromanteil von heute lediglich 3.000 Megawatt bis 2020 auf 6.000 Megawatt verdoppeln. Dafür sollen acht bis zehn Milliarden Euro investiert werden.

 

Die Energieriesen tun sich strukturell grundsätzlich schwer mit der Energiewende. So produziert EnBW heute erst 10% seines Stroms erneuerbar, aber 51% Atomstrom. Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Die Energiewende wird überwiegend dezentral und kleinteilig organisiert werden. 20 Millionen Gebäude in Deutschland können 20 Millionen kleine Kraftwerke werden.

 

Werden E.on und RWE grüner? Ein bisschen ja, aber in Wirklichkeit bremsen sie die Energiewende anstatt sie zu beschleunigen. Nicht Worte zählen, sondern Taten.

 

Das konkrete Verhalten und die Argumentation der vier großen Energieversorger sind noch immer rückwärtsgewandt und innovationsfeindlich. So sagt Herr Großmann: „In Deutschland Solarstrom erzeugen ist wie Ananas anbauen in Alaska.“ Dümmer geht ´s nimmer.

 

Eine Million deutsche Solarstromerzeuger beweisen schlicht das Gegenteil. Der RWE-Boss blendet die größte aller Energiequellen einfach aus. Die Sonne schickt uns jede Sekunde unseres Hierseins 15.000mal mehr Energie als alle Menschen zurzeit verbrauchen.

 

Und die Minister Röttgen und Rösler sind dabei mit ihrem Solarausstiegs-Gesetz die nützlichen politischen Helfershelfer der alten Energiewirtschaft. Die Energiewende kann nur dann funktionieren, wenn die Bürger sie selbst in die Hand nehmen. Die „Vier Großen“ liefern dafür jeden Tag neu den Beweis.

Quelle:

© Franz Alt 2012

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