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Interview 106 von 173

:: "Auf was warten wir noch?"

Tropenstürme, Hochwasser, Gletscherschmelze, Ozonloch. Ist die Menschheit gerade dabei, sich selbst zu vernichten? Die Botschaft scheint angekommen: Wenn nicht bald eine globale Bewusstseinsveränderung eintritt, werden die folgenden Generationen vor unlösbaren ökologischen und ökonomischen Problemen stehen.
Profits: Öffentlichkeit und Politiker sind aufgeschreckt und alle Daten alarmierend. Steht unsere Welt am Abgrund?
Alt: Wir rennen auf den Abgrund zu und manche empfehlen auch noch, das Tempo zu beschleunigen. Durch den Klimawandel sterben jeden Tag 150 Tier- und Pflanzenarten aus, schaffen wir täglich 30.000 Hektar Wüste mehr, verlieren wir täglich 86 Millionen Tonnen fruchtbaren Boden und verbrennen an einem Tag an Kohle, Gas und Öl, was die Natur in 500.000 Tagen angesammelt hat. Wir führen einen Dritten Weltkrieg gegen die Natur.
 
 
Profits: Das bedeutet, dass dringend etwas geschehen muss.
Alt: Ja. Wir werden rasch den 100prozentigen Umstieg auf erneuerbare Energie organisieren müssen, das heißt: den Umstieg auf Sonne, Wind, Wasser, Bioenergie, Wellenenergie und Erdwärme.
 
 
Profits: Geht das denn so einfach in einem Land wie Deutschland, wo es noch immer mächtige Einwände gegen alternative Energieträger gibt?
Alt: Es gibt gar kein Energieproblem - weder in Deutschland, noch auf der Welt. Es gibt nur falsches Energieverhalten. Die Welt ist voller Energie. Deutschland ist ein unglaublich rohstoffreiches Land. Wir haben alles: Sonne, Wind, Wasser, Bioenergie, Erdwärme, Gezeitenergie – das alles haben wir, und zwar für alle Zeiten. Der große ökonomische Vorteil der erneuerbaren Energie ist es, dass der Stoff nichts kostet. Sonne und Wind schicken uns keine Rechnung, das ist der unschlagbare Vorteil der Erneuerbaren, während die alte Energie immer teurer wird. Inzwischen sind 72% der Deutschen für Erneuerbare Energien und noch 10% für neue Atomkraftwerke. Es ist klar, wem die Zukunft gehören wird.
 
 
Profits: Dass „alte Energien“ immer teurer werden, das erfahren die Verbraucher gerade auf schmerzhafte Weise. Dennoch scheint alles noch sehr zäh zu sein.
Alt: Dieser Eindruck ist nicht ganz richtig. Es gibt bereits einige Städte in Deutschland, die zeigen, dass das geht: Die Stadt Kassel ist im vergangenen Jahr zu 100 Prozent auf Ökostrom umgestiegen, die Stadt Nürnberg wird seit Jahresbeginn zu 100 Prozent mit Ökostrom versorgt. Die Stadtwerke Emden versorgen ihre Stadt schon seit anderthalb Jahren schon zu 100 Prozent mit Ökostrom – Sie sehen, dass hier richtig Bewegung reinkommt, und das hat nichts mit „Grün,“ sondern einfach etwas mit dem Verstand zu tun – und mit dem Geldbeutel. Auch ein Dutzend Dörfer sind bereits zu 100 % auf Ökoenergie umgestiegen und sparen viel Geld.
 
Fahren Sie mal durchs konservative Allgäu, dort werden Sie Dörfer vorfinden, wo auf jeder Scheune und auf jedem Stall Solaranlagen installiert sind. Warum? Der Bauernverband und die Genossenschaftsbanken haben ihren Mitgliedern vorgerechnet,  was man damit sparen und sogar auch verdienen kann, denn wenn ein landwirtschaftlicher Betrieb ins öffentliche Netz einspeist, gibt´s nach dem Erneuerbaren Energiegesetz (EEG) zwanzig Jahre lang Geld und der alte Energieversorger ist gesetzlich verpflichtet, den Strom abzunehmen.
 
 
Profits: Und wie hält es die Familie Alt in Baden-Baden?
Alt: Wir selbst betreiben auf unserem Hausdach seit 16 Jahren zwei Solaranlagen. Wenn man 16 Jahre lang keine Rechnung von der Sonne bekommt, schüttelt man nur den Kopf über alle Nachbarn, die das noch nicht begriffen haben.
 
 
Profits: Aus Ihren bisherigen Ausführungen klingt sehr viel Leidenschaft, aber auch Hoffnung. Was macht Sie so hoffnungsvoll?
Alt: Da gibt es sehr viele positive Beispiele. Eines davon lautet so: Wenn selbst die „Bildzeitung“, das jahrzehntelange Zentralorgan der deutschen Atomwirtschaft, jetzt für Ökostrom trommelt, ist klar, dass ein Wind des Wandels eingesetzt hat. Das hat mit den Katastrophenbildern aus mehr oder weniger fernen Regionen etwas zu tun, aber auch damit, dass Ökostrom in den meisten Gegenden inzwischen schon preiswerter ist als der alte Atomstrom oder Strom aus Steinkohle oder Braunkohle. Und noch etwas: Es ist kein Zufall, dass es heute zwei Frauen sind, die in Deutschland diesen Umstieg am meisten vorantreiben: die Bundeskanzlerin und CDU-Vorsitzende Merkel und die hessische SPD-Vorsitzende Ypsilanti, die „Hessen bis 2030 zu hundert Prozent erneuerbar“ machen will.
 
Diese Frauen sind dem Leben – und wohl auch der ökonomischen Vernunft – etwas näher als die meisten Herren, die noch an den gestrigen Geschichten hängen. Ich kann nur hoffen, dass die beiden eben genannten Frauen dafür sorgen, dass das Land etwas Feuer unter den Hintern bekommt. Denn nichts wird so teuer als den alten Energiemix weiter zu betreiben und damit die Zukunft zu verschlafen.
 
 
Profits: „Alter Energiemix“ heißt natürlich auch Abhängigkeit.
Alt: Und wie! Wir holen uns heute Öl aus Arabien, Gas aus Sibirien und Uran für die AKWs aus Australien. Blödsinniger geht’s überhaupt nicht! Wir machen das Klima damit kaputt, wir zahlen viel zu viel Geld für diese Rohstoffe und machen uns abhängig von Herrn Putins Gnaden, und von den Ghaddafis dieser Welt. Dabei  können wir zu 100 Prozent umsteigen -– und je rascher wir das machen, desto besser ist es für unsere gesamte Volkswirtschaft. Denn es ist eine Binsenwahrheit, dass jenes Industrieland, das als erstes seine Zukunftschance begreift, die Nase vorne haben und die Konkurrenzländer ökonomisch abhängen wird. Und noch etwas zum Thema Volkswirtschaft: Es kommt hinzu, dass wir noch riesige Kosten bekommen werden durch den Klimawandel. Im Report des früheren Chefökonomen der Weltbank, Sir Nicolas Stern, heißt es, dass  die aktuelle Klimazerstörung etwa das Zehnfache dessen kostet, was der Klimaschutz kosten würde. Wenn wir halbwegs bei Trost sind –- auch aus ökonomischen Gründen - werden wir ganz rasch aus dieser Sackgasse herauskommen müssen. Eine EU-Studie hat ausgerechnet, dass fünf Millionen neue Arbeitsplätze bei einem Umstieg auf 100 Prozent erneuerbare Energie entstehen, und eine Studie des US-Finanzministeriums sagt, dass sich in den nächsten sieben, acht Jahren der Ölpreis nochmal verdreifachen wird. Auf was warten wir eigentlich noch? Es wird uns Hören und Sehen vergehen, wenn wir nicht rasch auf diese kostenlosen, umweltfreundlichen und ewig vorhandenenEnergiequellen umsteigen. Wir haben schon genug Zeit verloren.
Quelle:
Reinold Rehberger 2008
PROFITS 2008
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