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Interview 87 von 173

:: Dalai Lama „Ich werde nach Tibet zurückkehren“

"China ist schon lange kein kommunistisches Land mehr. Es ist ökonomisch eher kapitalistisch. Und das heißt: Es gibt ständig Veränderungen. Freiheit ist ansteckend. Das ist meine Hoffnung. Ich vertraue vor allem auf Chinas Jugend."

Franz Alt: Heiligkeit, lieber Freund - Sie sind ein optimistischer Mensch - sehen Sie in der gegenwärtigen Welt-Finanzkrise auch eine Chance?

Dalai Lama: Ich bin ganz sicher, dass es auch in dieser Krise eine Chance gibt. Wir haben weltpolitisch eine völlig neue Situation. Die Leute waren zu lange fast nur aufs Geld fixiert. Das ist die wahre Ursache der Krise. Geistige Werte und vor allem die Werte, die eine glückliche Familie ausmachen,  kamen viel zu kurz. Die Finanzkrise lehrt uns hauptsächlich, dass wir eine neue Bescheidenheit lernen müssen.

 

Franz Alt: Das 21. Jahrhundert wird ein Jahrhundert der Flüchtlinge. Sie selbst sind der prominenteste Flüchtling der Welt. Sie reisen mit einem indischen Flüchtlingspass. Was war die schwierigste Erfahrung während Ihres 5o-jährigen Exils?

Dalai Lama: Zweifellos die Sturheit, Enge und Angst der chinesischen Regierung. Und ihre Kurzsichtigkeit. In den sechs Gesprächsrunden seit 2002 bekamen meine Vertreter nur dieses Argument zu hören: „Es gibt kein Tibet-Problem“. Dabei gibt es täglich Folter und Menschenrechtsverletzungen in meiner Heimat und Tausende politische Gefangene. Die chinesische Regierung denkt gegenüber Tibet einfach unrealistisch. Das ist das entscheidende Problem.

 

Franz Alt: Sie sind jetzt 73 – sehen Sie persönlich noch eine Chance für eine Rückkehr in Ihre Heimat?

Dalai Lama: Ja, klar. Da bin ich sogar ganz sicher. China ist schon lange kein kommunistisches Land mehr. Es ist ökonomisch eher kapitalistisch. Und das heißt: Es gibt ständig Veränderungen. Wenn China weiterhin ökonomisch Erfolg hat, wird es natürlich auch politische Veränderungen geben. Freiheit ist ansteckend. Das ist meine Hoffnung. Ich vertraue vor allem auf Chinas Jugend.

 

Franz Alt: Was denken Sie über die Zukunft Tibets?

Dalai Lama: Sie kennen mein Land und wissen, das mehrere Tausend Jahre tibetischer Kultur nicht durch 50 Jahre Kommunismus ausgelöscht werden können. Unsere Kultur, Spiritualität und unsere Religion sind unsere Stärke. Das tibetische Volk lebt aus seinen heiligen Schriften. Darauf sind wir Tibeter sehr stolz. Das geistige Element, nicht der Materialismus, ist unsere Bestimmung – eine Bestimmung für die ganze Welt. Auch die heutige tibetische Jugend lebt unsere Tradition und Religion. Ich weiß das ganz genau, weil es mir tibetische Flüchtlinge beinahe täglich berichten.

 

Hinzu kommt, dass immer mehr Chinesen Verständnis für den Buddhismus haben. In China erleben wir zurzeit ein geistiges Erwachen und eine Renaissance der Religion. Ich selbst erfahre zunehmend Solidarität von chinesischen Schriftstellern. Allein in diesen Wochen erhielt ich über 300 Artikel von chinesischen Autoren mit viel Sympathie für Tibet. Diese Veränderungen im Denken Chinas geben   mir Hoffnung für die Zukunft.

 

Auch bei Ihnen in Deutschland erfahre ich zunehmend Solidarität. Die vielen Fernsehsendungen, die wir beide seit 26 Jahren miteinander gemacht haben, waren dabei sehr hilfreich. Deutschland ist ja praktisch schon meine zweite Heimat geworden. Ich liebe Deutschland. Die Wachheit der Medien ist überlebenswichtig für Tibets Zukunft. Je mehr Solidarität und Respekt Tibet weltweit erfährt, desto schneller wird Chinas Regierung ihre bisher sture Haltung aufgeben und sich ändern müssen. Ich bin sicher, dass sich China in den nächsten fünf bis zehn Jahren stark ändern wird und dann haben wir eine völlig neue Situation. Deshalb war auch der Medienpreis in Baden-Baden für Tibet sehr wichtig.

 

Teil 1: Vor 50 Jahren musste der Dalai Lama fliehen mehr

Teil 2: Brutale Menschenrechtsverletzungen in Tibet mehr

Quelle:

© Franz Alt 2009

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