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Interview 46 von 142

:: "Der größte Bürgerkrieg aller Zeiten"

Rüdiger Nehberg über sein Engagement gegen die Genitalverstümmelung. Interview von Jan Berndorff in natur+kosmos.

Herr Nehberg, am 17. September startet der Film "Wüstenblume" im Kino, der die Genitalverstümmelung von Frauen thematisiert. Sie kämpfen seit Jahren gegen diesen Brauch. Wie sind Sie als Wildnisexperte und Überlebenskünstler darauf gekommen?

Erstmals gehört habe ich davon vor 30 Jahren, als mir bei einer Wüstendurchquerung in Äthiopien eine Frau begegnete, die man bei einer Beschneidung übelst verstümmelt hatte und die nun mit einem Mann zwangsverheiratet werden sollte, den sie hasste. Sie war geflohen. Ich fand das schrecklich, war aber zu der Zeit damit beschäftigt, den Yanomami-Indianern in Brasilien zu helfen, die sich der Übergriffe von Goldsuchern erwehrten.

 

(Nehberg sorgte mit spektakulären Aktionen wie Meeresüberquerungen auf primitiven Flößen dafür, dass die Yanomami-Indianer, die er bei einer seiner Überlebenstouren durch den Regenwald kennenlernte, von den Übergriffen durch Goldsucher geschützt wurden und ein eigenes Reservat erhielten. Unter anderem dafür bekam er 2002 das Bundesverdienstkreuz. d. Red. natur+kosmos)

 

Und ich wagte auch nicht zu glauben, dass man als kleiner Bürger da etwas tun kann. Erst später lehrte mich meine Erfahrung mit den Yanomami, dass sich niemand für zu gering halten sollte, etwas verändern zu können. 20 Jahre nachdem ich die Frau getroffen hatte, wurde ich dann an diese Begegnung erinnert: Ich las "Wüstenblume" von Waris Dirie.

 

... das Buch, auf dem der neue Kinofilm beruht ...

Richtig. Und da war ich an einigen Stellen wirklich entsetzt, ich musste weinen. Jetzt war ich bereit, mich gegen diesen Brauch zu wenden...

 

 

Wie häufig werden Mädchen insgesamt beschnitten?

Weltweit geschieht dies 8000 Mal am Tag, alle elf Sekunden. Etwa 130 bis 150 Millionen lebende Frauen sind betroffen. Und das wird schon seit 5000 Jahren so praktiziert. Für mich ist das der größte Bürgerkrieg aller Zeiten - die Gesellschaft gegen die Frauen.

 

Welchen Sinn soll die Beschneidung denn haben?

Die Frauen sollen gefügig gemacht, zur Treue gezwungen werden. Die Verstümmelung nimmt ihnen den sexuellen Trieb, sie verlieren das Interesse an Männern - und werden so zu Gebrauchsgegenständen degradiert. Unbeschnittene gelten als triebhaft, als Prostituierte...

 

 

Der Kinofilm "Wüstenblume" wird wieder die Aufmerksamkeit auf das Thema lenken.

Ja, und das ist auch gut so. Ende des Jahres soll zudem eine Dokumentation über unsere Arbeit im deutschen Fernsehen gezeigt werden. Sie wird gerade geschnitten.

 

Gibt es noch weitere Pläne?

Ja, viele. Mein Wunschtraum ist, ein Transparent mit der Botschaft "Genitalverstümmelung ist eine Sünde" zur Hauptpilgerzeit über den heiligen Platz in Mekka zu spannen. Da kommen vier Millionen Pilger, das würde sich weltweit herumsprechen wie ein Lauffeuer.

 

Ist das realistisch?

Wir bräuchten gute Fürsprecher, mit denen wir den saudischen König überzeugen können. Ich würde sagen, die Wahrscheinlichkeit ist nicht gleich Null. Wir arbeiten daran.

 

Das komplette Interview können Sie hier lesen oder in

"natur+kosmos" Heft 09/2009 - online bestellen

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