Startseite
zurück zur Übersichtvorheriges Interviewnächstes Interview
Interview 50 von 142

:: Die Klimakrise: Ein Problem für die nächsten tausend Jahre 3/5

Wie 22 Millionen deutsche Häuser zu Kraftwerken werden und was die Konzentration am Energiemarkt die Republik kostet. Interview mit Franz Alt - Teil 3

PHOENIX.online: Probieren wir ein anderes Argument: Solarstrom ist zwar gut, steht aber nicht immer dort zur Verfügung, wo er gebraucht wird. Man muss ihn also unrentabel transportieren.

ALT: Richtig ist, dass wir neue Netzstrukturen brauchen. Die alten Strukturen sind auf Großkraftwerke ausgerichtet. Die Zukunft sind dezentrale Netzstrukturen. Die Große Koalition hat ein solches Gesetz übrigens eben erst beschlossen. Und das novellierte Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) sieht vor, dass jeder, der Solarstrom erzeugt, diesen auch selbst nutzen kann. Man muss also nicht nur einspeisen, wenn man Einspeisevergütung will. Einige Weichen sind bereits in die richtige Richtung gestellt.

 

PHOENIX.online: In Deutschland scheint die Sonne nicht wirklich üppig. Einige schlagen daher vor, Solarstrom dort zu erzeugen, wo das kein Problem ist: in der Wüste.

ALT: Ich will keinen Strom aus der Wüste, aus Afrika. Das ist dummes Zeug. Ich will, dass 22 Millionen Dächer in Deutschland zu 22 Millionen kleinen Kraftwerken, die von der Sonne betrieben werden, umgebaut werden. Das ist meine Vision: hier im Land erzeugen.

 

PHOENIX.online: Das Argument gegen eine Solarstromversorgung lautet: wenn die Sonne nicht scheint, ist es bei mir zuhause zappenduster.

ALT: Wir haben eine typische Übergangssituation. Das EEG ist das weltweit erfolgreichste Gesetz - 47 Länder haben es übernommen. Das EEG sieht vor, dass jeder der Solarstrom betreibt, ihn nicht nur einspeisen kann, sondern auch Strom hat, wenn die Sonne nicht scheint, bzw. kein Licht da ist. Ein objektives Problem ist, dass wir den Solarstrom noch nicht effektiv speichern können. Deshalb ist es gut, dass das öffentliche Netz unser Speicher ist.

 

PHOENIX.online: Megaprojekten, die z.B. Strom im Weltraum erzeugen wollen, können Sie nichts abgewinnen?

ALT: Weil es immer die großtechnischen Phantasievorstellungen sind. Wir sind gewohnt in Großprojekten zu denken. Meine Vision ist: die Träger der solaren Energierevolution sind Millionen Hausbesitzer, Hundertausende Bauern (über Biomasse und Windräder) und Hundertausende Mittelständler. Eine dezentrale Energieversorgung ist demokratisch. Sie wird nicht von den vier Besatzungsmächten gemacht, die wir heute haben: RWE, E-ON, Vattenfall und EnBW.

 

PHOENIX.online: Wir sind von bösen Stromriesen okkupiert?

ALT: Deren Zeit läuft ab, weshalb sie ihre Argumente gegen die erneuerbaren Energien propagieren. Deswegen erzählen sie ihren alten Widerstand weiter. Nach dem Motto "Bürger zur Sonne zur Freiheit" demokratisieren wir die Energieversorgung. Dann sind wir auch nicht mehr so abhängig von Putin oder den Ölscheichs. Ich will, dass dieses Deutschland sich selbst versorgt und frei wird. Heute sind wir zu 80 Prozent von Außen abhängig. Die deutsche Volkswirtschaft schiebt pro Jahr 100 Milliarden Euro ins Ausland. Nicht zuletzt deshalb haben wir Massenarbeitslosigkeit. Hätten wir dieses Geld hier, könnten wir mehr als eine Millionen Arbeitsplätze schaffen. Es gibt auch keine Folgekosten, die uns erdrücken werden. Das ist ein unschlagbarer ökonomischer Vorteil.

 

PHOENIX.online: Ein weiteres bekanntes Argument ist dieses: mit Solaranlagen und Windrädern verschandeln wir die Landschaft.

ALT: Wer was Neues in die Landschaft stellt, kriegt immer den Vorwurf, er würde die Landschaft verschandeln. Als die ersten Eisenbahnen gebaut wurden, haben die Leute auch gesagt, die Landschaft wird verschandelt. Mit jeder neuen Autobahn wird die Landschaft verschandelt - und trotzdem wird’s gemacht. Als vor 150 Jahren die ersten Windräder in Holland aufgestellt wurden, hat man auch gesagt, die Landschaft wird verschandelt. Heute gilt es als besonders schick, einen alten holländischen Meister zu haben, auf dessen Bild die ersten Windräder, die Windmühlen zu sehen sind. Genauso wird es bei neuen Technologien kommen.

 

PHOENIX.online: Also Augen zu und durch?

ALT: Richtig ist bei dem Argument: jede Energieerzeugung ist ein Eingriff in eine Landschaft. Das müssen wir als Realisten sehen. Nur die Träumer wollen Landschaften haben, wie sie vor 5000 Jahren waren. Aber zugleich wollen sie Strom haben. Wo soll der herkommen? Ich kenne viele Leute, die sind gegen Atomstrom. Aber wenn ich gegen Atomstrom bin, kann ich seriöser Weise nicht auch noch gegen Windräder sein. Irgendwo muss der Strom herkommen.

 

PHOENIX.online: Das bedeutet Photovoltaik-Auen?

ALT: Ich kennen einen bayerischen Bauern, der seine Photovoltaik sieben Meter über seinem Acker aufrichtet. Drunter betreibt er herkömmlich Landwirtschaft. Er hat also doppelte Ernte. Er hat begriffen, dass wir nicht alles so wie früher machen können. Das Landschaftsschutzargument ist dasselbe wie vor 150 Jahren gegen die Eisenbahn.

 

 

Lesen Sie im vierten Teil des Interviews mit Franz Alt, wie die heutige Ökonomie die Welt gefährdet und wo Deutschland noch Energiereserven hat - mehr

zurück zur Übersichtvorheriges Interviewnächstes Interview
Interview 50 von 142

Auch im Social Web

facebook twitter youtube

Schriftgröße wählen

normal mittel gross

Suche

Frank Asbeck

ARD: "Tränen über Tibet" Franz Alt 1995

Heimlich gedrehte Aufnahmen dokumentieren eine unvorstellbare Kulturbarbarei und ökologische Zerstörung in Tibet - unter Ausschluss der Öffentlichkeit - Video

behind-media.de/flashvideogalerie/tibet/film3.htm

Serie von Franz Alt

Das Wunder der Erneuerbaren Energien
Sonne und Wind mehr
Biogas und Wasser mehr
Erdwärme und Wellen mehr

"Im Dialog" mit Franz Alt

Hoffnung für Tibet

http://www.sonnenseite.com/Interviews,Der+Dalai+Lama+%E2%80%9EIch+werde+nach+Tibet+zurueckkehren%E2%80%9C,20,a12335.html

Ein Themenschwerpunkt TIBET von Franz Alt

Chinesischer Feiertag – tibetischer Trauertag mehr

Vor 50 Jahren musste der Dalai Lama fliehen mehr

Brutale Menschenrechtsverletzungen in Tibet mehr

Der Sinn des Lebens ist Glück mehr

Interview mit Dalai Lama „Ich werde nach Tibet zurückkehren“ (4. Februar 2009) mehr

Erklärung Seiner Heiligkeit des Dalai Lama zum 50. Jahrestag des tibetischen Volksaufstandes mehr

Weltweiter Marsch für Frieden + Gewaltfreiheit

http://www.youtube.com/watch?v=a7UlMcJ-SDg

Hoffnung für Tibet

Der Dalai Lama im Gespräch mit Franz Alt mehr

Video | Referat Franz Alt

Sonnige Aussichten  -  Wie Klimaschutz ein Gewinn für alle wird
mit DSL-Zugang
mit ISDN-Zugang

Jesus heute

Kann man mit der Bergpredigt regieren? (Teil 1) mehr


Jesus und die Politik des Dalai Lama (Teil 2) mehr

Die Armut besiegen

www.sonnenseite.com/index.php?pageID=34&article:oid=a9791&template=article_detail.html

Newsletter (ab)bestellen

http://www.sonnenseite.com/Newsletter,67.html

Newsletterversand kajomi.de

Jeden Sonntag einen kostenlosen NEWSletter

Bigi+Franz Alt
Chris Alt