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:: Die Klimakrise: Ein Problem für die nächsten tausend Jahre 4/5
Wie die heutige Ökonomie die Welt gefährdet und wo Deutschland noch Energiereserven hat. Interview mit Franz Alt - Teil 4
PHOENIX.online: Ist bei der Wasserkraft in Deutschland noch viel zu holen?
ALT: Ja. Wir könnten den Wasserkraftstrom mindestens verdoppeln. Vor hundert Jahren gab es knapp hundertausend kleine Wasserkraftwerke. Davon sind weniger als zehntausend übrig geblieben. Nach dem Motto "Viel Kleinvieh gibt auch Mist" bin ich dafür, die alte, kleine, dezentrale Wasserkraft wieder auszubauen. Jeder Bauer der es will, muss es - unter Berücksichtigung von Auflagen - können. Die große Wasserkraft ist allerdings ausgereizt. Die kleine wäre aber im Einklang mit der Natur und dem Landschaftsschutz zu reaktivieren. Ein Freund musste dafür 15 Jahre vor Gericht kämpfen - das ist hier das Hauptproblem.
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PHOENIX.online: Nennen Sie doch ein Argument gegen die Solarenergie…
ALT: Worüber man nachdenken muss: Da heute der Solarstrom etwa dreimal so teuer ist wie der Windstrom, muss man überlegen, ob man nicht zuerst Windstrom ausbauen müsste, bevor man Solarstrom ausbaut. Beim Solarstrom stehen wir technologisch auf der Stufe, wo wir beim Windstrom im Jahr 1992 waren. Ich finde aber, wir müssen beides tun, denn nur der Mix aus Sonne, Bioenergie, Wind, Wasserkraft, Erdwärme und Strömungs- und Wellenenergie ermöglicht eine hundertprozentige Energiewende.
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PHOENIX.online: Was ist mit der Speicherkapazität, Sicherheit?
ALT: In anderen Ländern werden Windräder an Land und auf See gebaut. Irgendwo gibt es immer Wind. Zwischen Skandinavien, Norddeutschland und Holland gewinnen sieben Millionen Menschen ihren Strom über Wind - und die haben immer irgendwo irgendwelchen Wind durch die Kombination. Das ist ein Teil der Lösung des Speicherproblems.
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PHOENIX.online: Es geht darum, schreiben Sie, der Natur zurückzugeben, was wir von ihr erhalten haben. Das klingt - mit Verlaub - ein wenig esoterisch.
ALT: Das ist nicht esoterisch, sondern tief religiös und Schöpfungsverantwortlich. Wir verbrennen heute an einem Tag soviel Gas und Öl, wie die Natur in 500.000 Tagen geschaffen hat. In der Relation 1:500.000 verbrennen wir die Zukunft unserer Kinder. Wir führen den dritten Weltkrieg gegen die Natur. Wer heute als Christ an der Bewahrung der Schöpfung interessiert ist, kann gar nicht anders als den hundertprozentigen Umstieg propagieren und leben.
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PHOENIX.online: Kritiker weisen darauf hin, dass Klimaschutz etwas ist, das man sich leisten können muss.
ALT: Sie meinen das ökonomisch? Der frühere Chefvolkswirt der Weltbank hat ausgerechnet, dass der Klimaschutz ein Zehntel dessen kostet, was die Klimazerstörung kostet. Im Jahr 2008 wurden 150 Milliarden Dollar in Klimaschutz investiert. Im Jahr 2012 werden wir 800 Milliarden Dollar in Klimaschutz investieren. Das große Kapital hat also begriffen, Investitionen in Klimaschutz sind rentabel. Sie haben Recht: Klimaschutz kostet. Aber kein Klimaschutz kostet die Welt und kostet die Zukunft.
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PHOENIX.online: Jeder sieht doch, welche Naturereignisse uns mit immer stärkeren Auswirkungen treffen. Wieso bemühen sich dann die Menschen, verstärkt die positiven Aspekte des Klimawandels zu sehen? Zum Beispiel Weinanbau in Norddeutschland, mehr Sonne im Süden usw…
ALT: Ich weiß nicht, ob wir ausbeuterisch veranlagt sind, aber wir geben uns zumindest so. Wir denken zu kurzsichtig. Das ist nicht ökonomisch im Sinne von "Haushalten". Die heutige Ökonomie ist selbstzerstörerisch. Das ist der Egoismus, der auch immer in uns steckt. Aber in uns stecken auch altruistische Möglichkeiten, die wir entwickeln können und entwickeln müssen. In glaube nicht, dass sich die Menschheit letztlich selbst zerstören wird. Aber ich fürchte, dass noch furchtbare Katastrophen geschehen müssen, bis wir diese positiven Elemente in uns entdecken.
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Lesen Sie im fünften Teil des Interviews mit Franz Alt, wie sich der Klimawandel auf die Migration auswirkt und was die deutsche Politik tun muss - mehr
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