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Interview 85 von 179

:: Die Klimakrise: Ein Problem für die nächsten tausend Jahre 5/5

Wie sich der Klimawandel auf die Migration auswirkt und was die deutsche Politik tun muss. Interview mit Franz Alt - Teil 5

PHOENIX.online: Bitte sagen Sie doch etwas zu der folgenden These: Eine große Gefahr besteht darin, dass sich die Industrienationen darauf besinnen, dass wir etwas für die Umwelt tun müssen, aber die Ärmsten die nicht mehr revidierbaren Folgen des Klimawandels alleine tragen müssen.

ALT: In dem Augenblick, in welchem wir miteinander sprechen, stehen im Hafen von Dakar im Senegal hunderttausend junge Afrikaner bereit für eine Flucht über ein klappriges Boot - wissend, dass jeder Zehnte absäuft. Es kommen die Umweltflüchtlinge auf uns zu. Die Ursachen für diese Flucht haben aber nicht die Afrikaner selbst geschaffen, sondern wir in den reichen Staaten. Ein Afrikaner verbraucht ein Vierzigstel der Energie gegenüber einem Europäer. Wir sind das Problem, die Armen müssen’s nur ausbaden. Das stimmt leider.

 

PHOENIX.online: Denken Sie nicht zu pessimistisch, wenn Sie die afrikanische Flut an Europas Grenzen anbranden lassen?

ALT: Wer den Klimaschutz vernachlässigt, wird Klimaflüchtlinge ernten. Das ist ein logisches Gesetz. Die UNO geht davon aus, dass im Jahr 2020 200 Millionen Klimaflüchtlinge auf dem Globus umherirren werden. Und wohin sollen die Afrikaner? Die haben nur Europa. Es gibt keine andere Chance. Sie werden uns in die Kellerlöcher und Speicherfenster dringen und kein Bundeswehrsoldat wird sie aufhalten. Bangladesch liegt nur knapp über dem Meeresspiegel, die Malediven haben die ersten Inseln geräumt. Klimaflüchtlinge werden ein Riesenproblem. Wenn wir nicht den Klimawandel ernster nehmen als bisher.

 

PHOENIX.online: Angela Merkel startete als Klimakanzlerin…

ALT: Sie war mal Umweltministerin, das hat sie nicht vergessen.

 

PHOENIX.online: …der Elan scheint aber etwas erschlafft zu sein.

ALT: Den Eindruck habe ich auch. In der Wirtschaftskrise scheint er erschlafft zu sein. Die unsägliche Abwrackprämie ist dafür das beste Beispiel.

 

PHOENIX.online: Sie sind gegen die "Umweltprämie"?

ALT: Das ist ein Unsinn. Das ist ein Aufleben der Wegwerfgesellschaft. Als Umweltministerin wollte Angela Merkel weg von der Wegwerfgesellschaft, keine Ressourcen mehr verschwenden. Die Prämie ist das größte Förderprogramm für die Wegwerfgesellschaft, das es je gab. Es ist ein katastrophaler Rückfall ins 20. Jahrhundert. Ich kenne Leute, die sich illegal eine Bescheinigung besorgen, dass sie ihr Auto abgewrackt haben. Damit kassieren sie 2.500 Euro und verkaufen ihr Auto nach Tschechien für 8.000 Euro. Da sieht man, was diese Karre noch Wert ist. Es handelt sich nicht um eine Umweltprämie, sondern um eine Umweltzerstörungsprämie.

 

PHOENIX.online: Sehen Sie denn gar keine positiven Aspekte?

ALT: Obama macht es intelligenter. Er gibt jedem Amerikaner, der ein Elektroauto kauft 5.000 Dollar. Die japanische Regierung hat gerade beschlossen: Jeder, der in Japan ein Elektroauto kauft, bekommt 40 Prozent des Preises vom Staat. Wenn schon Hilfe für die Automobilwirtschaft, dann doch für die zukünftige und nicht für die von Vorvorgestern. Das passt marktwirtschaftlich nicht mehr in die Zeit. Opel mit Steuergeldern zu retten wäre nur verantwortlich, wenn man daraus den ersten grünen Autokonzern machen würde. Aktuell wird Innovation verhindert.

 

PHOENIX.online: Geht die deutsche Politik insgesamt mit dem Thema Umwelt unverantwortlicher um als noch vor ein paar Jahren?

ALT: Je näher der Wahlkampf kommt, umso populistischer wird argumentiert.

 

PHOENIX.online: Mit der Bewahrung der Schöpfung kann man auch populistisch umgehen.

ALT: Ja, das ist ein wertkonservatives Thema. Ich bin sicher, dass Politik, Umweltpolitik nur dann erfolgreich ist, wenn sie auch ethisch argumentiert. Technisch allein, das habe auch ich mit meinen vielen Fernsehsendungen und Büchern zu dem Thema gemerkt, verstehen die Menschen nichts. Man muss sie emotional erreichen. Dazu gehört die spirituelle Dimension des Themas. Erst dann begreifen Menschen, die Kinder haben, dass sie eine Veranwortung haben. Die große Aufgabe der Umweltpolitik ist, Ethik und Technik zusammenzubringen. Dann machen die Menschen mit.

 

PHOENIX.online: Wir werden konkret: Sie dürfen sich eine Maßnahme von der nächsten Bundesregierung wünschen.

ALT: Die FDP fordert in ihrem Wahlprogramm die Abschaffung des EEG. Dieses ist ein weltweit vorbildliches Gesetz. Eine Abschaffung wäre ein Rückschlag für die erneuerbaren Energien nicht nur in Deutschland, sondern auf der ganzen Welt. Ich wünsche mir im Gegenteil, dass das EEG verbessert wird. Dass die Politik neue Netzstrukturen und die Erforschung der Speichertechnologie unterstützt. Für Windräder sollten beispielsweise in Süddeutschland Vorranggebiete geschaffen werden - wo es im Moment die Bebauungspläne verhindern.

 

PHOENIX.online: Und was wünschen Sie sich von den PHOENIX.online-Usern?

ALT: Ich wünsche mir, dass möglichst viele die Chancen verstehen und nicht nur jammern. Das machen wir Deutsche ja wirklich gerne, Deutschland ist Oberjammergau. Wer sich aber mit der Realität beschäftigt, erkennt die Möglichkeiten im Bereich der Energie. Und dort liegt nun wirklich der Schlüssel für die Zukunft einer Gesellschaft - denn ohne Energie geht gar nichts. Es ist die Überlebensfrage der Menschheit. Jeder kann etwas tun: ich brauche keine Bundesregierung. wenn ich heute aktiv werden will, kann ich mir eine Pelletsheizung in den Keller und eine Solaranlage auf das Dach stellen. Damit kann sich jeder energetisch unabhängig machen. Die Kombination der Solarthermie auf dem Dach und Pellets im Keller ist die Chance schlechthin.

 

PHOENIX.online: Herr Alt, vielen Dank für das Gespräch. Von Matthias Schöberl (PHOENIX.online)

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