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:: "Energie vom Himmel"
Julian Aicher aus Leutkirch-Rotis im Allgäu, geboren 1958 in Ulm, setzt sich seit über 15 Jahren stark für Erneuerbare Energien ein. Dass er Neffe von Hans und Sophie Scholl ist, macht Aicher indes selten zum Thema. Eine Ausnahme: Der 90. Geburtstag von Sophie Scholl (9. Mai 2011) und der 89 Geburtstag von Otl Aicher, der vor 20 Jahren (September 1991) an den Folgen eines Verkehrsunfalls starb. Interview mit Julian Aicher geführt von Dipl. Ing Manfred Ertle
Manfred Ertle:Julian Aicher hat im Mai Rottenburg bei Tübingen besucht. Anlass?
Julian Aicher: Zwei Informations-Auftritte in Schulen. Deren Neugier: Sie wollten von mir als einem Neffen von Hans und Sophie Scholl mehr über diese Mitglieder der „Weißen Rose“ erfahren. Sophie Scholl wäre ja am 9. Mai 90 Jahre alt geworden.
Außerdem hatte ich eine dieser Bildungshäuser in Rottenburg schon mal besucht – und wollte gute Erinnerungen auffrischen.
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Ertle: Prominente Verwandtschaft?
Julian Aicher: Wenn man so will, ja. Meine Mutter Inge Aicher-Scholl, die von 1917 bis 1998 lebte, war die älteste Schwester von Hans und Sophie Scholl.
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Ertle:Und der Vater Julian Aichers, Otl Aicher?
Julian Aicher: Ja, eins nach dem anderen.
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Ertle: Also der Grafik-Designer, der für die Olympischen Spiele München 1972 das bewerkstelligte, was man heute „Corporate Indentity“ nennt? Damals hieß das „Erscheinungsbild“.
Julian Aicher: Ja, vom Kloschild bis zur Fahne – an sich alles. Mein Vater, dessen Todestag sich im September 2011 zum 20. Mal jährt, hatte am 13. Mai 1922 Geburtstag. Er war auch mit Hans, Sophie und Werner Scholl befreundet.
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Ertle: Was macht man, wenn man Julian Aicher heißt, 1958 zur Welt gekommen ist und so bekannte Verwandte hat?
Julian Aicher: Am besten das Beste draus.
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Ertle: O.K. Konkreter?
Julian Aicher: Ich versuche immer wieder, genau hin zu schauen und heraus zu kriegen: Was hat das mit mir zu tun? Helfen mir selber die langen Linien dieser Familiengeschichte auf dem eigenen Weg?
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Ertle: Und, tun sie’s?
Julian Aicher: Sie können es. Zumindest dann, wenn ich meinen Weg gehen will.
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Ertle: Wohin?
Julian Aicher: Na, zum Beispiel jetzt in die Meinrad-Schule nach Rottenburg bei Tübingen. Hier bat mich eine Lehrerin, am 13. Mai ihrer Klasse Rede und Antwort zum Thema „Weiße Rose“, Hans und Sophie Scholl und den sich daraus ergebenden Gesichtspunkten zu stehen.
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Hier nahm ich aber im Frühjahr 2008 auch an einem Seminar der Diözese Rottenburg-Stuttgart über Solarenergie teil. Die Meinrad-Schule ist eine kirchliche Einrichtung. Und sie hat sich mit Hilfe des Rottenburger Bischofs Dr. Gebhard Fürst Solarmodule aufs Dach schrauben lassen.
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Auch auf seinem Bischofshaus blinzeln solche Solarzellen. Wie übrigens auf der Empfangshalle im Vatikan auch.
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Ertle: Also in Rottenburg: Sonne macht Schule.
Julian Aicher: Genau. Wörtlich zu nehmen. Damals, Frühjahr 2008, befand ich mich mit der Diözese Rottenburg-Stuttgart in einem interessanten Kontakt. Und der hatte Folgen.
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Ertle: Welche?
Julian Aicher: Mein 2002 gegründetes Büro rio’s – was so viel wie „regenerativ-informations- und organisations-service“ heißt, und der sich unter www.rio-s.de
auch im Netz zeigt, lieferte 2009 an die Diözese die Wanderausstellung „Energie vom Himmel“.
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Also 12 schnell montierbare Info-Stelen mit einprägsamen Bildern und kurzen Texten. Pro Stele rund 2,30 Meter hoch und etwa 85 cm breit. Und diese „Energie vom Himmel“ konnten seither rund 100.000 Leute sehen. Einen ersten Eindruck von „Energie vom Himmel“ gibt’s übrigens im Netz unter www.energie-vom-himmel.net
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Ertle:Beachtlich. Nochmals zurück zum 9. und zum 13 Mai  jetzt – also zu den bekannten Verwandten. Sind sie zum Beispiel in „Energie vom Himmel“ irgendwie sichtbar.
Julian Aicher: Das kann man bewerten, wie man will. Aber mir sagten frühere Mitarbeiterinnen meines Vaters Otl Aicher, die geraden Kanten und Linien in der Gestaltung von Otl Aicher seien in Informationsträgern meines Büros rio’s durchaus wieder zu erkennen.
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Nur beim genauen Hinschauen zu bemerken: Die Umstände, unter denen so etwas wie die Wanderausstellung „Energie vom Himmel“ entstand. Da lassen sich Traditionslinien zu Äußerungen meines Vaters – wenn man so will – sicherlich erkennen. Tüchtige Tradition, wie ich finde. Und diese haben mit Verantwortung und Unabhängigkeit zu tun.
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Ertle: Unabhängigkeit als Auftragnehmer gegenüber einer Einrichtung der katholischen Kirche?
Julian Aicher: Durchaus. So hat mein Büro rio’s das meiste Geld für die Kosten der genannten Info-Stelen selbst bei Sponsoren eingeworben. Übrigens fast alles mittelständische Betriebe mit jahrelanger Erfahrung und daher Glaubwürdigkeit bezüglich Erneuerbarer Energien.
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Ertle: Aber die Inhalte widersprechen doch nicht den Wünschen der auftraggebenden Diözese?
Julian Aicher: Klar. Jedes Wort dort wurde vor Druck durch die Diözese freigegeben. Das ist doch selbstverständlich. Das hält rio’s bei jedem Kunden so.
Aber durch die für die Kundin Diözese günstige Finanzierungsform konnte ich mir mit meinem Büro rio’s eben auch eine so sonnige Kundin wie die Diözese Rottenburg-Stuttgart aussuchen.
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Ertle: Wirkt die Arbeit von rio’s, von Julian Aicher immer so weit wie auf die 100.000 Leute, die „Energie vom Himmel“ erreichte?
Julian Aicher: Nein. Ich erkläre auch mal einem Einzelnen zwei Stunden Erneuerbare Energien. Oder ich radle mit einem runden Dutzend Leuten zu Wasserkraftwerken oder Biogasanlagen. Aber insgesamt bekommen immer mehr Leute die Informationen mit, die rio’s mit verbreitet. Allein im ersten Quartal 2011 über eine Millionen Personen. Nachprüfbar gezählt.
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Ertle: Zu den erwähnten Einzelgesprächen kann es auch in Rotis kommen – dem Firmensitz von rio’s?
Julian Aicher: Ja. Immer wieder. Zumal meine Frau Christine Abele-Aicher und ich ja im selben Gebäude leben. Und da sind Solarmodule auf dem Dach, die Sonne heizt auch im Frühjahr und Herbst durch eine große Glasfront nach Südwesten als Verbindung zwischen der Landschaft außen und dem Wohnzimmer drinnen. Und nebenan brummelt leise leicht das Kleinwasserkraftwerk, wenn es gerade läuft.
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Am Gebäude entsteht also drei bis sieben mal mehr Strom, als dort verbraucht wird.
Und Zusatzwärme kommt aus dem Stückholzofen im Wohnzimmer.
Wenn jemand von steigenden Heizöl- oder Gaspreisen berichtet, geht uns das persönlich nichts mehr an.
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Die Außen-Maße dieses Gebäudes stammen noch aus dem Entwurf von Otl Aicher. Bis 2003/2004 sah es innen wie eine Scheune aus – schlichte Bretterwände. Daraus haben meine Frau und ich Wohn- und Arbeitsräume machen lassen. Zuvor lebten in in einem anderen Haus der Rotismühle meine Eltern mit uns Kindern seit 1972 – bis zu ihrem Tod 1991 beziehungsweise 1998.
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Fünf Bauherrschaften, darunter die Familien meiner Brüder samt meiner Frau und mir haben seit 2002 über eine Million Euro in die Hand genommen, um das Areal Rotismühle zu erhalten. Mehr dazu unter www.rotismuehle-aktuell.de
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Ertle: Ein Erbe erhalten – manchmal mit Aufwand verbunden?
Julian Aicher: Zweifellos: ja. Dazu mag man auch zählen, dass ich versuche, Einrichtungen wie das „Dokumentationszentrum Oberer Kuhberg Ulm, KZ-Gedenkkstätte e.V.“ zu unterstützen.
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Ertle: Der Name Rotis steht auch für eine von Otl Aichers Büro entwickelte gleichnamige Schrift-Type?
Julian Aicher: Ja. Soweit rio’s es entscheidet, wird diese Schrift auf rio’s Informationstafeln stets verwendet.
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Ertle: Der Ort Rotis verfügt nicht zuletzt über einen Guten Namen als Ort für Veranstaltungen, Vorträge, Seminar über Erneuerbare Energien?
Julian Aicher: Ja. Vor allem in den 1990er Jahren gab es davon viele in Rotis. Aber auch seit 2000 noch das eine oder andere. Daraus sind viele Kontakte entstanden.
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Ertle: Zum Beispiel?
Julian Aicher: Zu Franz Alt oder Hermann Scheer. Aber auch zu vielen ‚einfachen’ Fachleuten – etwa Biogas-Bauern.
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Vor vielleicht zehn Jahren stand ein grüner Landtagsabgeordneter namens Winfried Kretschmann auf meinem Wassertriebwerks-Kanal hier und lauschte aufmerksam, was ich ihm an kurzen Zahlen über die enormen Steigerungs-Potenziale der Wasserkraft im Land sagte. Diese kann man heute noch nachlesen unter rio’s jüngster Internetpräsenz www.strom-fuer-millionen.de
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Dann habe ich Kretschmann 2008 wieder getroffen und mit ihm ein paar Takte gesprochen – bei Verleihung des „Franziskuspreises“ von Bischof Fürst in Stuttgart. Und dann nochmal jetzt am 3. Mai  2011 in Ulm.
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Ertle: Da war Kretschmann dann schon eine ganz wichtige Persönlichkeit. Ließ er sich da auch noch ansprechen?
Julian Aicher: Ja. Er hielt sogar eine Art Bürgerfragestunde ab. Und bei dieser Gelegenheit lud ich ihn ein, zwischen seinem Heimatort Laiz an der Donau und Ulm bald ein paar schöne und vorbildliche Wassertriebwerke zu besuchen – sozusagen auf „Turbinen-Tour“.
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Ertle: Einladung angenommen?
Julian Aicher: Ja. Wie übrigens auch FDP-Fraktionsgeschäftsführer Tobias Thalhammer aus dem Münchner Landtag. Dieser vergleichsweise junge Politiker hatte sich auf die Schrift „Bayern-besonnen“ www.bayern-besonnen.de bei mir gemeldet, die von meiner Frau und mir letzten Spätsommer im Münchner Landtag verteilt worden waren. Daraufhin kam Thalhammer im März nach Oberstdorf.
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Ertle: Was steht in „Bayern-besonnen“ drin?
Julian Aicher: Beispiele dazu, wie heute schon Erneuerbare Energien vorbildlich in Bayern genutzt werden. Zudem: Äußerungen derjenigen Leute, die das angepackt haben zur Frage: Wie schnell können Erneuerbare Energien die ganze Stromversorgung in Bayern übernehmen? Und was ist bis 2020 machbar? Das Ganze übrigens pro Energieträger – wie Wasser oder Wind – immer auf zwei Din-A-4-Seiten, auch mit Bildern. So eine Doppelseite lässt sich in fünf Minuten lesen. Also gut für Leute, die wenig Zeit finden – wie zum Beispiel Politiker.
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Ertle: Man darf also annehmen, rio’s pflegt Kontakte zur entscheidenden Politik?
Julian Aicher: Darf man. Dabei habe ich übrigens so gut wie keine sogenannten ‚Berührungsängste’. Letztes Frühjahr sprach ich in Ulm bei der CDU-Veranstaltung „90 Minuten Politik“, dann am 24. März diesen Jahres bei den „Grünen“ in Leutkirch. Und mit dem früheren SPD-Bundestagsabgeordneten und international geachteten Klima- und Umweltexperten Ernst Ulrich von Weizsäcker traf ich mich im März auch. Mit ihm gibt’s einen regelmäßig-unregelmäßigen Informationsaustausch.
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Ertle: Zielrichtung?
Julian Aicher: Eindeutig: Nutzung Erneuerbarer Energien. Mehr als bisher. Viel mehr.
Dabei durfte mein Büro rio’s zum Beispiel auch schon mal helfen, Informationen vor einem Bürgerentscheid über ein Wasserkraftwerk zu liefern. Die Mehrheit sprach sich mit ihren Stimmzetteln dann für das Wassertriebwerk aus.
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Wenn die Leute die Fakten kennen, entscheiden sich viele  f ü r  Erneuerbare Energien. Hier und jetzt. Deshalb nennen rio’s Schriften wie „Südwest-sonnig“, „Bayern-besonnen“ oder die Internetseite www.strom-fuer-millionen.de
diese Tatsachen auch klar, kurz und verständlich. Oder, wie ich sonst gerne sage: Sinnlich, sachlich,sonnig. Ach ja – für Leute in Baden-Württemberg auch noch:
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Ertle: Wenig Platz also für Bedenkenträger?
Julian Aicher: Die Veröffentlichungen meines Büros rio’s greifen solche Bedenken auf. Und spiegeln sie dann in den gedruckten Heften mit den Fakten.
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Ertle: Beispiel?
Julian Aicher: Beispiel Biogas. In „Bayern-Besonnen“ steht, wie’s Biogasbauern es im Landkreis Donau-Ries auch mit weniger Mais hinkriegen.
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Ertle: Erstaunlich – was heute in einer „Ethik-Kommission“ beraten wird und zur Zeit öfter in Zeitungen, Radio- oder Fernsehsendungen diskutiert wird, hat Julian Aicher mit rio’s Schriften schon 2010 öffentlich beantwortet.
Julian Aicher: Eindeutig: Ja. Und auch noch wissenschaftlich belegt – etwa mit Interviews mit Ernst Ulrich von Weizsäcker odeer Professor Klaus Pfeilsticker von der Uni Heidelberg. Solche Informationen erscheinen mir heute übrigens wichtiger denn je. Denn zur Zeit wird ja allerhand Unsinn über Erneuerbare Energien verbreitet.
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Ertle: Welcher?
Julian Aicher: Etwa die Aussage, Erneuerbare Energien könnten Deutschland nur versorgen mit viel Windstrom aus der Nordsee, mit Wasserkraft-Strom aus Norwegen oder gar Solarstrom aus der afrikanischen Wüste. Beispiele in rio’s Heften „Bayern-besonnen“ und „Südwest-sonnig“ zeigen: Das kriegen wir hier in Süddeutschland auch selber hin.
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Ertle: Eine gewagte Aussage. Befasst sich Julian Aicher öfter mit solchen Überlegungen zu Zukunft?
Julian Aicher: Ja, schon. Diese Form, über die Zukunft nach zu denken und sich zu überlegen, was bald sein könnte, hat sicherlich mit einem politischen Erbe von mir zu tun.
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Ertle: Welchem?
Julian Aicher: Mit dem von meinem Opa mütterlicherseits, mit Robert Scholl. Er hat mit seiner Familie offenbar öfters solche Überlegungen angestellt. Und nicht allein mit ihr. Dafür musste er im „Dritten Reich“ ins Gefängnis, ins „Zuchthaus“.
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Ertle: Warum?
Julian Aicher: Weil er wohl schon 1942 vorausgesagt hat, dass Hitler den Krieg verliert.
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Ertle: Hat Julian Aicher auch schon solche Aussagen für die Zukunft gemacht?
Julian Aicher: Ja. Dafür wurde ich aber nicht bestraft. Wir leben ja in einer Demokratie. So bekam ich für meine Voraussage öffentlich Lob. 2006 erinnerte bei einem meiner Vorträge daran, dass ich 1997 in einem Vorwort für eine Schrift über Energie-Perspektiven des Landkreises Unterallgäu den Besuch der Bundeskanzlerin 2008 im Allgäu als „Zukunftsbericht“ geschildert hatte.
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Zur Erinnerung: 1998 kandierten zwei Männer um den Chefsessel im Bundeskanzleramt. An dem, was ich da schildere, zeigt sich: Kenntnis vergangener Geschichte erleichtert manchmal Blicke in die Zukunft.
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Ertle: Erneuerbare Energien. Energien der Zukunft. Trotzdem nochmals zurück zu der bekannten Verwandtschaft. Wie stark wirkt sie noch auf den Alltag von Julian Aicher? Bestimmen sie ihn gar?
Julian Aicher: Schwierige Frage. Bei einem Vortrag, den ich neulich vor den Frauen der „Soroptimisten“ in Ulm hielt, erinnerte ich an den angeblichen Satz von Sophie Scholl: „Die Sonne scheint – und ich muss schon gehen.“ Dabei äußerte ich meine Meinung, dass man sich wohl kaum an so eine sicherlich historisch gewordene Äußerung täglich erinnern muss, um einfach zu empfinden:
Die Sonne scheint so schön – und ich darf drunter leben. Oder auch: Die Sonne scheint – und wir nutzen ihre Kräfte.
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Aber als ich mir am 9. Mai mehr oder minder zufällig nochmals den Film über die letzten Tage der Geschwister Scholl ansah, dachte ich: Wie schwierig, geheim seine eigene Erkenntnisse zu verbreiten. Und wie vergleichsweise leicht dies doch heute geht. Öffentlich.
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Ertle: Also auch da eine Traditionslinie, die sich in Schriften wie „Bayern-besonnen“ und „Südwest-sonnig“ zeigt, mit denen Julian Aichers Büro rio’s Landtagsabgeordnete und dann viele andere mit Informationen über Erneuerbare Energien versorgt?
Julian Aicher: Wenn man’s unbedingt so sehen mag – von mir aus. Dieser Gedanke war mir aber bei Herstellung der beiden Hefte nie gekommen. Insofern meine ich: Nicht alles, was hinkt, ist ein Vergleich. Trotzdem: Verglichen mit den tödlichen Schwierigkeiten, die die „Weiße Rose“ mit ihren Flugblättern hatte, tut man sich doch heute maßlos und unvergleichlich leichter.
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Das mahnt vielleicht manchmal zu der Erkenntnis: Wer in der Demokratie einschläft, wacht in der Diktatur auf.
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