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Interview 41 von 142

:: Experteninterviews zur 15. UN-Klimakonferenz: Claudia Kemfert

Kurzinterview mit Professor Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin).

Prof. Dr. Claudia Kemfert leitet seit April 2004 die Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) und ist Professorin für Energieökonomie und Nachhaltigkeit an der Hertie School of Governance in Berlin. Sie ist Wirtschaftsexpertin auf den Gebieten Energieforschung und Klimaschutz. Claudia Kemfert ist Beraterin von EU-Präsident José Manuel Barroso und Gutachterin des Intergovernmental Panel of Climate Change (IPCC).

 

 

1. Welcher Aspekt des Klimawandels wird bei der öffentlichen Diskussion in Deutschland bisher vernachlässigt?

Die wirtschaftlichen Chancen, die effektiver Klimaschutz bietet. Die politischen Diskussionen fokussieren völlig einseitig auf die Kosten des Klimaschutzes und vernachlässigen die Chancen. Man sollte die Krise als Chance begreifen. Denn der Klimaschutz ist der Weg aus der Krise. Wenn wir jetzt klug die politischen Weichen stellen, schlagen wir drei Krisen mit einer Klappe: die Wirtschaftskrise, die Energiekrise und die Klimakrise. Die Verbesserung der Energieeffizienz ist volkswirtschaftlich die preiswerteste und effizienteste Möglichkeit des Klimaschutzes. Wir können uns keine weitere Krise mehr leisten! Es darf nicht heißen „jetzt erst einmal nicht“, sondern „jetzt erst recht“. Klimaschutz ist keine Last, sondern der Wirtschaftsmotor der Zukunft.

 

2. Was wäre aus Ihrer Sicht die wirkungsvollste Klimaschutzmaßnahme auf internationaler Ebene?

Aus rein volkswirtschaftlicher Sicht der internationale Emissionsrechtehandel, welcher alle Sektoren und alle Treibhausgase umfassen sollte und in allen Ländern Anwendung finden sollte. Ich bin aber zu nah an den politischen Prozessen zur Ausgestaltung von Instrumenten um zu wissen, dass dies eine Wunschvorstellung bleiben wird. Eine wichtige Klimaschutzmaßnahme ist insbesondere die technologische Innovation und Kooperation. Nur mit innovativen und klimaschonenden Energietechniken und Antriebstechniken werden wir den Klimawandel eindämmen können. Eine gezielte finanzielle Förderung ist ebenso wichtig wie die langfristig ausgerichteten Klimaschutzziele. Unternehmen benötigen Planungssicherheit. Aus diesem Grund ist es unerlässlich, dass die Weltnationen mittel- bis langfristig verlässliche Rahmenbedingungen schaffen.

 

3. Ich glaube an wirkungsvolle Ergebnisse des Gipfels, weil...

...für mich ein Erfolg ist, wenn die Weltnationen sich gemeinsam auf die Erreichung eines mittel- bis langfristigen Klimaziels einigen könnten, wie beispielsweise die Akzeptanz des 2-Grad-Ziels. Sicherlich wird man in Kopenhagen kein rechtlich verbindliches Dokument erarbeiten, welches festschreibt, wann welches Land wie viel Emissionen vermindern soll. Insbesondere die USA würden einem solchen Abkommen zumindest zu diesem Zeitpunkt nicht zustimmen (können). Ich bin jedoch zuversichtlich, dass sowohl China als auch die USA einem Abkommen zustimmen werden, welches Flexibilität in der Zielerreichung ermöglicht.

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