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Professor Martin Jänicke von der Forschungsstelle für Umweltpolitik an der Freien Universität Berlin. © klima-sucht-schutz.de
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:: Experteninterviews zur 15. UN-Klimakonferenz: Martin Jänicke

Kurzinterview mit Professor Martin Jänicke von der Forschungsstelle für Umweltpolitik an der Freien Universität Berlin.

Prof. Dr. Martin Jänicke war von 1971 bis 2002 Professor für Vergleichende Analyse am Fachbereich Politische Wissenschaft der FU Berlin und leitete dort die Forschungsstelle für Umweltpolitik. Von 1999-2008 war er Mitglied im Sachverständigenrat für Umweltfragen und von 2000 bis 2004 dessen Stellvertretender Vorsitzender. Martin Jänicke ist Mitglied des Internationalen Beirats des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie und des Kuratoriums der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) sowie Vorstand der Stiftung Naturschutz Berlin. Er war 2006/7 Reviewer des Intergovernmental Panel of Climate Change (IPCC, 4. Sachstandsbericht).

 

1. Welcher Aspekt des Klimawandels wird bei der öffentlichen Diskussion in Deutschland bisher vernachlässigt?

In Deutschland wissen 62 Prozent der Bürger, dass anspruchsvoller Klimaschutz ein wirtschaftlicher Vorteil ist. Das ist gut so und anders als in vielen Ländern. Viel weniger bewusst ist den Deutschen, wie viel vom nicht-technischen Klimaschutz in der Land- und Forstwirtschaft und im Naturschutz abhängt. Ohne eine Vitalisierung der Naturräume wird der technische Klimaschutz nicht ausreichen. Das schränkt seine Bedeutung keineswegs ein.

 

2. Was wäre aus Ihrer Sicht die wirkungsvollste Klimaschutzmaßnahme auf internationaler Ebene?

Anspruchsvolle Klimaziele für die Industrieländer, die für weitergehende Zielvorgaben in Pionierländern offen sind (Reduzierung der Emissionen um 80-95 Prozent möglichst schon vor 2050). Es hat sich in Ländern wie Deutschland, Großbritannien, Japan, aber auch China gezeigt, dass anspruchsvolle Klimaziele (bzw. Ziele für die Erneuerbaren Energien) Innovationsprozesse auslösen, die wiederum Handlungsspielraum für noch anspruchsvollere Ziele schaffen. In China ist zum Beispiel die Zielvorgabe für Windenergie für 2020 von 30 auf 100 Gigawatt (GW) heraufgesetzt worden. Das war die Reaktion auf ein hohes Innovationstempo, das bereits das erste Ziel ausgelöst hat. Das japanische Top-Runner-Programm ist ein anderes Beispiel für diese sich selbst verstärkende Dynamik. Es geht in Kopenhagen nicht zuletzt darum, den Innovationswettbewerb um klimafreundliche Technik anzukurbeln.

 

3. Ich glaube an wirkungsvolle Ergebnisse des Gipfels, weil...

... (1) inzwischen selbst Länder wie China und Indien Druck machen und beispielsweise bei den Erneuerbaren Energien erstaunlichen Ehrgeiz entwickeln, weil (2) bei klimafreundlichen Technologien längst ein internationaler Wettbewerb stattfindet, der unabhängig von den Klimaverhandlungen seine politischen Wirkungen erzeugt, und (3) weil die politischen Hemmnisse in der jetzigen Rezession zwar erheblich sind, der Wiederaufschwung am Weltmarkt aber wesentlich von öko-effizienten Technologien getragen werden wird. Viel wird von erfolgreichen Investitionshilfen für Entwicklungsländer abhängen.

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