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:: Gibt es ein ökologisches Wirtschaftswunder?
Franz Alt: Tatsächlich werden kleinere Autos schick in den USA und Hybridautos aus Japan gelten in Hollywood geradezu als sexy. Hollywoods neue grüne Helden – zum Beispiel Julia Roberts, Pierce Brosnan und Leonardo di Caprio – sind bei der letzten Oscar-Preisverleihung in Hybridautos aus Japan vorgefahren. Und in Hollywood begann noch jeder neue Trend.
Als Pierce Brosnan – alias James Bond – in Berlin die Goldene Kamera für sein Umwelt-Engagement erhielt, sagte Nina Ruge bei der Preisübergabe: „Sein Feind ist die Gleichgültigkeit.“ Ein wenig Glamour kann dem Umweltschutz wirklich nicht schaden! Brosnan meinte schließlich, auch seine „Liebe zu schönen Frauen sei umweltpolitisch völlig unbedenklich“.
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Und ernsthaft fügte der Frauen-Liebling hinzu: „Wir haben die Welt nicht von unseren Eltern geerbt, wir haben sie von unseren Kindern geliehen.“ Der Männer-Liebling Julia Roberts meint: „Was nachhaltig wirtschaften heißt, habe ich in meinem Garten gelernt.“   Sie kauft ausschließlich Bio-Lebensmittel und nutzt zu 100% Öko-Energien. Der wohl einflussreichste Umweltaktivist in Hollywood, Leonardo di Caprio, empfahl nach seinem Zusammentreffen mit Al Gore: „Stimmen Sie für politische Führer, die das Klima schützen!“ Der 32-jährige di Caprio ist Chef des mit 1,2 Millionen Mitgliedern schlagkräftigen US-Umweltverbandes „Natural Resources Defence Council“.
Als Leonardo die Caprio Al Gores Film „Eine unbequeme Wahrheit“ im Prominenten- Ort Malibu an der Pazifikküste vorstellte, sagte er für sein Publikum ganz ungewohnte Worte wie diese: „Ich stehe vor Ihnen als Vater, als Umweltschützer und als besorgter Bürger.“ Und zu seinem 31. Geburtstag schrieb der Mann, den seine Filmkollegin Kate Winslet „den schönsten Mann der Welt“ nannte, an seine Fans in der ganzen Welt: „Mein größter Wunsch ist es, dass jeder helfen möge, unseren Planeten wiederherzustellen.“
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Umweltbewusstsein als neuer gesellschaftlicher Trend – auch bald in Deutschland?
Franz Alt: Heute schon ist Deutschland Exportweltmeister bei Umwelttechnologien. Einst haben die deutschen Unternehmer Umweltauflagen verteufelt, jetzt profitieren sie davon.
- Kraftwerke mussten ihre Abgase entschwefeln
- PKWs den Katalysator einbauen
- Chemiefabriken ihre Abwässer klären
- Müllfabriken Filter installieren
2007 ist Deutschland Windweltmeister. Allein das Bundesland Bayern hat 2006 mehr Solaranlagen installiert als die USA und Japan zusammen. Die Deutschen kaufen energiesparsame Küchengeräte, Energiesparlampen und wassersparende Waschmaschinen. Das alles macht Sinn in vierfacher Hinsicht: Ökologisches Handeln ist gut für die Umwelt, gut für unseren Geldbeutel, gut für neue Arbeitsplätze und gut für künftige Generationen, denen wir unerträgliche Umweltbelastungen ersparen.
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Das klingt so, als könnten wir ein neues Wirtschaftswunder schaffen – diesmal ein ökologisches Wirtschaftswunder?
Franz Alt: Was sich die Grünen in Jahrzehnten der Moralappelle und Mahnwachen immer wünschten, wird 2007 plötzlich mehrheitsfähig.
Mit der neuen Zeit beginnt auch eine neue wirtschaftliche Epoche. Die Weltwirtschaft steuert auf eine grüne Epoche zu, die im 21. Jahrhundert nicht weniger revolutionäre Veränderungen mit sich bringen wird, wie einst die Erfindungen der Dampfmaschine, der Eisenbahn, des Telefons oder der Telekommunikation. Wirtschaftswachstum und gleichzeitig immer weniger CO2-Emissionen sind möglich.
"Wenn sie morgen grünes Geld verdienen wollen, müssen Sie heute handeln!"
Wer sich rechtzeitig umstellt und ergrünt, wird gewinnen, wer dagegen den Öko-Zug der Zeit verpasst, wird abgehängt. Hier bestätigt sich wieder mal: Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Einzelne Politiker im Deutschen Bundestag wie Hermann Scheer von der SPD, Hans-Josef Fell von den Grünen, Klaus Töpfer von der CDU oder Josef Göppel von der CSU haben dem Erneuerbare- Energien-Gesetz im Bundestag zur Mehrheit verholfen und Angela Merkel hat es in der großen Koalition übernommen.  Â
Dieses weltweit erfolgreichste Gesetz zur raschen Förderung von erneuerbaren Energien haben inzwischen 47 Länder übernommen – auch Indien und China. Und Deutschland hat auf der Basis dieses Gesetzes heute weltweit eine Vorreiterrolle und bei erneuerbaren Energien bereits über 200.000 neue, dauerhafte Arbeitsplätze geschaffen. Tendenz stark steigend.
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Shell baut Solarfabriken und Windräder, BP produziert Solarzellen und nennt sich nicht mehr British Petroleum, sondern Beyond Petroleum, also Nachöl-Energiekonzern. Steigen jetzt auch die großen Energiekonzerne um?
Franz Alt: Viel zu langsam, aber sie bewegen sich, weil ihnen die alten Stoffe wie Uran, Kohle, Gas und Öl ausgehen.
Shell will Windräder in der Nordsee errichten, aber auch Bioenergie produzieren. BP bringt in großen Anzeigen auf den Punkt, worum es beim Energiesparen wirklich geht: „Weniger CO2, mehr IQ.“ Mehr Energieeffizienz gilt als Gewinn. Deutsche Windräder drehen sich inzwischen in China und Indien, in den USA und Brasilien, in Australien und Neuseeland. Solarzellen made in Germany versorgen bald Millionen Spanier und Italiener mit umweltfreundlichem Strom. Wasserkraftwerke aus Deutschland produzieren Ökostrom in China, Indonesien, Afrika und Brasilien. Und Minister Gabriel prophezeit: In den deutschen Umweltbranchen arbeiten bis 2020 mindestens drei Millionen Menschen.
Der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Norbert Walter, hatte schon 2005 erkannt: „Wer heute noch gegen erneuerbare Energien ist, hat nicht alle Tassen im Schrank.“ Die Volkswirtschaften der Welt werden weit weniger belastet, wenn wir zur Vernunft kommen und ökologisch umsteuern.  Freilich sind die Autoren der Weltklimaberichte auch darüber einig, dass wir nicht länger so bedenkenträgerisch wie bisher mit dem Handeln warten dürfen. Die Zeit drängt und die Probleme drängen erst recht. Es ist nicht „fünf vor zwölf“, es ist zwölf. Jeder Tag, an dem wir nicht handeln, ist für unsere Kinder und Enkel ein verlorener Tag.
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Aber manche deutsche Branchen verschlafen den Trend?
Franz Alt: Da haben Sie Recht. Zum Beispiel ist die Krise der heutigen deutschen Autokonzerne der Beweis für jahrelange Managementfehler und die Gier nach Größe. In den ersten vier Monaten des Jahres 2007 wurden in Deutschland 26% weniger Autos verkauft als ein Jahr zuvor. Dass Öl- und Benzinpreise steigen werden, weil die Ölquellen bald nicht mehr sprudeln, konnte jeder wissen – doch die hiesigen Autobauer haben ihre absehbaren Probleme durch den Bau von immer größeren Spritfressern vertuscht, verdrängt und beschönigt. Das sehr große Interesse an kleinen Autos wollten die Größenwahnsinnigen nicht wahrhaben und wachsende Umweltsensibilität ist ihnen fremd.
Doch die letzte IAA in Frankfurt hat erneut bewiesen, dass die Faszination Auto nicht allein vom Hubraum abhängig ist. Noch nie waren Kleinwagen übrigens so groß und komfortabel wie jetzt in den Zeiten des teuren Benzins.
Kleine Autos werden so attraktiv wie der öffentliche Verkehr. Und mit Verzicht hat das alles gar nichts zu tun – eher mit Gewinn: Gewinn für den Geldbeutel und für die Umwelt.  Â
Das erste Serien-Hybridauto, also eine Kombination von Elektro- und Otto-Motor, hat nicht ein deutscher Autobauer, sondern Toyota auf den Weltmarkt gebracht. Dabei ist das Hybridauto eine Erfindung an der Hochschule Aachen im Jahr 1972. VW, Daimler und Co. waren ja nicht mal in der Lage, rechtzeitig den von der EU vorgeschriebenen Dieselrußfilter einzubauen. Keine andere deutsche Wirtschaftsbranche hat die Zukunft so verpennt wie unsere Autobauer.  Â
cases 2007
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