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Interview 76 von 142

:: Klimaschutz made in Austria

Andreas Wabl: "Spätestens in dreißig Jahren wird es auch im Fall der Schneegrenzen zu dramatischen Änderungen gekom­men sein. Die Krise des Wintertouris­mus ist aber auch eine Chance - weg vom harten Massentourismus hin zum sanften Qualitätstourismus."
Ist mit dem Klimaschutzbeauftragten jetzt „der" Job für einen wirklichen Wandel geschaffen worden?
„Den" Job für den wirklichen Wandel gibt es nicht. Allerdings habe ich mit großer Freude beobachtet, dass nicht nur BK Gusenbauer eine gute Entscheidung getrof­fen hat, eine derartige Position wie jene des Klimaschutzbauftragten zu kreieren, sondern dass insgesamt in allen gesell­schaftlichen Gruppierungen eine hohe Sensibilität in dieser wichtigen Frage zu bemerken ist. Meiner Wahrnehmung nach haben inzwischen viele die Proble­matik zwar verstanden, aber jetzt geht es darum, das auch politisch anzupacken.
 
 
Für einen wirklichen Wandel müssen die „falschen" politischen, nicht nachhaltigen Prozesse dramatisch eingeschränkt wer­den, damit die ökologisch richtigen, sozial verträglichen und ökonomisch effizienten Maßnahmen wirken und die Treibhausgase reduziert werden. Das wäre wirklicher Wan­del. Die Schaffung der Position eines Klimaschutzbeauftragten zeigt nur den Wandel des Bewusstseins beim Bundeskanzler an.
 Dem würde ich zu hundert Prozent zu­stimmen.
 
 
Was kann der oberste Klimaschutzbeauftragte des Kanzlers bewirken?
Ich kann den Kanzler in Sachfragen beraten, ihn im Präsidium des Kli.en-­Fonds (dem Klima- und Energie-Fonds) vertreten und mich, in dieser Funktion darum bemühen, dass die vorhande­nen Gelder sinnvoll ausgegeben wer­den. Darüber hinaus kann ich Themen zum Thema machen, nachbohren, läs­tig sein. Das gilt im Positiven wie im Negativen. Natürlich geht es auch dar­um, falsche Entwicklungen kritisch zu beleuchten und Interessenspolitik, die originär nichts mit Klimaschutz zu tun hat, zurück zu drängen.
 
 
Das Kyoto-Ziel werden wir wohl nicht mehr erreichen. Was lief bisher falsch und wie können wir jetzt noch soviel als möglich verbessern?
Es ist nicht das Problem, dass wir ein gesetztes Ziel so dramatisch verfehlen. Vielmehr ist das Problem, dass auf der einen Seite viele richtige Schritte gesetzt werden, jedoch auf der anderen Seite die Beharrungskräfte so stark sind, dass das falsche fast unvermindert weiterge­macht wird.
 
 
Wir sind als Alpenland besonders vom Klimawandel betroffen (größerer Tem­peraturanstieg als in anderen Regionen). Da braucht's wohl auch besondere Maß­nahmen. Welche Aktivitäten sind für 2008 geplant? Welche haben Priorität?
Priorität hat die sinnvolle Investition der vorhandenen Mittel des Kli.en-Fonds. Zu­dem müssen wir drei Bereiche schnellst­möglich angehen: Die Energieproduktion, den Verkehr und das private und gewerb­liche Bauwesen. Bei ersterem geht es um den Umstieg von fossilen auf solare Ener­gieträger, um Effizienzsteigerung und er­neuerbare Energie. Im Fall des Verkehrs ist es ein alter Hut: Wir müssen konsequent in ein neues, öffentliches Mobilitätssystem einsteigen. Beim Bauwesen geht es einerseits um die Bindung von Förde­rungen (15-A-Verträge, 2,5 Mrd. jährlich) an die Erfüllung klimaschutzpolitischer Auflagen und die Sanierung bestehen­der Bauten.
 
Wieviel kann der KLI.EN bewirken?
Viel, aber für sich genommen nicht ge­nug. Der Kli.en kann eine Initialzündung sein, sofern seine Mittel klug verwendet werden.
 
„WinterAde?" in Prognosen. Wird der Winter(sport)tourismus
als Wirtschaftsfaktor eine Neuorientie­rung erleben müssen?
Ich bin mir nicht sicher, ob die prognos­tizierten Klimaänderungen tatsächlich innerhalb der nächsten zehn Jahre schlagend werden, bestimmt aber in­nerhalb der nächsten dreißig. Das heißt: Momentan verschieben sich die Niederschlagsmengen kaum, wohl aber die Regenhäufigkeit. Der Wintertourismus sollte daraus nicht den falschen Schluss ziehen zu meinen „uns kann ja egal sein, wie oft der Schnee kommt, Hauptsache, er kommt." Spätestens in dreißig Jahren wird es auch im Fall der Schneegrenzen zu dramatischen Änderungen gekom­men sein. Die Krise des Wintertouris­mus ist aber auch eine Chance - weg vom harten Massentourismus hin zum sanften Qualitätstourismus.
 
Was trägt der Klimaschutzbeauftragte selbst zum Klimaschutz bei?
Meine private Raumwärme erzeuge ich solarthermisch bzw. mit Holz. Ich lege möglichst viele Strecken mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurück und zu 95% gelingt mir das übrigens problemlos.
 
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Andreas Wabl, ehema­liger Gemeinderat, NationaIratsabgeord­neter und Klubob­mann der Grünen ist seit August 2007 der Klimaschutzbeauftragte von Bundeskanzler Gusenbauer. Er wird den Kanzler im Klima- ­und Energiefonds vertreten sowie den künftig jährlichen geplanten Klimaschutzgipfel koordinieren. In dieser Funktion soll er auch Nichtregierungsorganisationen und Interessenver­bänden, Wissenschaftler und interessierten Bürgern als Ansprechpartner zur Verfügung stehen.
Quelle:
Wolfgang Mehl 2008
Klimabündnis Kärnten 2008
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