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Interview 71 von 142

:: Ökologisches Handwerk hat Zukunft

In der Malerzeitschrift "Mappe" forderte der Fernsehjournalist Franz Alt Maler, Stuckateure und alle am Bau beschäftigten Handwerker auf, die Chancen ökologischen Sanierens und Restaurierens von Millionen Gebäuden in Deutschland zu erkennen und mit ihren Kunden umzusetzen.
Mappe: Herr Alt, ökologische Kun­den legen Wert auf gutes Innenraumkli­ma und angeneh­me Oberflächen. Heißt das, dass sie Lebensqualität mehr schätzen als konventionelle Kun­den?
 
Franz Alt: Nach meiner Erfahrung schätzen ökologisch orientierte Menschen auch ein angenehmes Wohnumfeld. Dazu gehören Ökofarben und Ökolacke und möglichst wenig chemische Verunreinigungen in der Wohnung. Ihre „Dritte Haut“, die Wohnung, soll möglichst ange­nehm sein. Öko muss schön sein, wenn es akzeptiert werden soll.

 
Mappe: Konsequent ökologische Produkte sind mitunter empfindlich: Lehm ist relativ weich, mineralisch matte Innenflächen sind schmutzempfindlich. Wie können Handwerker dennoch solche öko­logischen Produkte verkaufen?
 
Franz Alt: Das geht natürlich nur, wenn die Handwerker selbst von den Vorteilen ihrer Pro­dukte überzeugt sind. Am überzeugendsten ist, wer selbst so wohnt, wie er es seinen Kunden empfiehlt.
 

Mappe: Ökologisches Bauen bedeutet, wenn möglich, den Bestand zu integrieren. Sanierung ist aber meist aufwendiger — sowohl in der Pla­nung als auch in der Ausführung. Was sind Ar­gumente für diesen Mehraufwand?
 
Franz Alt: Als Klaus Töpfer noch Bauminister war, hat er gesagt: „Ökologisches Bauen heißt gar nicht bauen, sondern renovieren und sanie­ren.“ Die staatlichen Zuschüsse wurden beim besseren Dämmen und energetischen Sanieren nicht zufällig stark erhöht.
 

Mappe: Wie krisensicher ist ein ökologisches Malerunternehmen?

Franz Alt: In Deutschland müssen in den nächsten 20 Jahren etwa 20 Millionen Gebäu­de energetisch saniert und renoviert werden. Auf Maler und Lackierer, die ökologische Arbeit anbieten, warten beste Geschäfte. Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Wer sich recht­zeitig auf die Herausforderungen des Klima­wandels einstellt, der macht die Geschäfte von morgen. Denn der Klimawandel und seine He­rausforderungen sind die Megathemen des 21. Jahrhunderts.
 
Jammern hilft nicht. Wer rechtzei­tig handelt, hat auch gar keine Zeit zum Jam­mern. Außerdem sind Sanierer meist älter als Neubauer, haben mehr Geld und sind an­spruchsvoller. Diese Chancen können kluge Handwerker nutzen.

Mappe: Vielen Dank für das Gespräch.
Quelle:
Die Malerzeitschrift 3/2008
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