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:: Photovoltaik-Förderung - "International ein Mäusepieps"

Photovoltaic-Austria-Präsident fordert nachhaltiges Ökostromgesetz. Der Sturm der Österreicher auf die Photovoltaikförderung von Hausanlagen, die vergangenen Freitag (18.07.08) nach nur 15 Minuten den gesamten Fördertopf von acht Mio. Euro aufgebraucht hatte, wirft einige Fragen hinsichtlich der Zukunft der Photovoltaik in Österreich auf.
Pressetext sprach mit dem Präsidenten des Verbands Photovoltaic Austria, Hans Kronberger über die Auswirkungen dieser Aktion.

pressetext: War der Förderanteil von 2.800 Euro für dachintegrierte Photovoltaik-Anlagen und 3.500 Euro für Fassadenintegrierte so lukrativ, dass die Österreicher den Klimafonds gestürmt haben?
Kronberger: Nein, sicher nicht. Tschechien garantiert auf 20 Jahre einen Tarif von 52 Cent pro Kilowattstunde. Das rechnet sich. Österreich gewährt bei Anlagen unter fünf Kilowatt/Peak einmalig die genannte Investitionsförderung. Keiner der Antragsteller wird damit Geld machen. Allerdings leistet jeder damit einen Beitrag zur langfristigen Sicherung der Stromversorgung und mittelfristig auch zur Versorgungssicherheit und Preisstabilität.

pressetext: Die Fördersumme war also nicht der Anreiz?
Kronberger: Nein. Außerdem ist der Begriff Förderung meiner Meinung nach in diesem Zusammenhang unrichtig. Es handelt sich volkswirtschaftlich gesehen, um eine höchst sinnvolle Investition. Die österreichischen Sonnenstrompioniere sind offensiv dazu bereit ihren Anteil an der Stromversorgung der Zukunft zu leisten.

pressetext: Was kann man mit einer Summe von acht Mio. Euro erreichen - oder anders gefragt - was kann man damit bebauen?
Kronberger: Zwischen zweieinhalb bis drei Megawatt Leistung sind möglich. International gesehen ist das bestenfalls ein Mäusepieps. International geht in der Photovoltaik längst die Post ab. Im vorigen Jahr wurden weltweit über vier Gigawattstunden Leistung installiert. Die Menge wird sich in den nächsten Jahren mehrmals verdoppeln.

pressetext: Vielfach wird auch die Vergabepraxis in Wettbewerbsform kritisiert. Wie sehen Sie das?
Kronberger: Natürlich kommt keine Vergabegerechtigkeit auf, wenn innerhalb einer viertel Stunde das gesamte Volumen vergeben ist. Leidtragende sind die Gewerbetreibenden. Sie stehen vor dem Problem für ein paar Wochen fette Auftragsbücher zu haben, danach folgt jedoch gähnende Leere.

pressetext: Im Klimafonds gab es den Streit zwischen Andreas Wabl und Umweltminister Josef Pröll über die Photovoltaik. Gibt es da jetzt einen Sieger?
Kronberger: Von einem Sieger würde ich nicht sprechen. Ein Sieger hätte das gesamte System in Schwung gebracht und müsste jetzt nicht tausende Interessierte enttäuschen. Wohl aber hat Minister Pröll die Situation realistischer eingeschätzt und auch erkannt, dass dringender Handlungsbedarf besteht. Seine Ankündigung einer Aufstockung der Mittel ist grundsätzlich richtig, aber noch nicht eine vollkommene Lösung.

pressetext: Wie würde eine solche Lösung aussehen?
Kronberger: An einem fundierten, weitreichenden und nachhaltigem Ökostromgesetz für Österreich, das auf internationale Erfahrungen aufbaut, führt kein Weg vorbei. Es sollte eines der ersten Vorhaben der neuen Regierung sein.

pressetext: Wie soll ein solches Gesetz aussehen?
Kronberger: In Österreich würde man derzeit einen Tarif von ca. 44 bis 46 Cent auf 16 bis 18 Jahre für Anlagen bis zehn Kilowatt/Peak brauchen. Die Feinabstimmung kann nach aktuellen Daten erfolgen. Es ist in den nächsten drei Jahren mit einer Kostendegression von ca. fünf Prozent pro Jahr bei den Anlagen zu rechnen. Das Ziel ist die Erreichung der so genannten "Netzparität". Das heißt, dass die Erzeugungskosten durch Photovoltaik gleich hoch sind wie die Kosten, die der Endverbraucher an den Energieversorger zu bezahlen hat. Da er den Strom selber verbrauchen kann, rechnet sich damit die Anlage auf Dauer von selbst. Dies ist in den nächsten fünf bis zehn Jahren zu erwarten, hängt aber auch von den aktuellen Preissteigerungen von fossilen und atomaren Strom ab.

pressetext: Wird die Stromversorgung zum Wahlkampfthema?
Kronberger: Die interessierten Bürger sollten unbedingt von den Mandataren erfahren, was in punkto Versorgungssicherheit und Preisstabilität zu erwarten ist. Ein stabiles Energieversorgungssystem kann nur auf Basis erneuerbarer Energieträger funktionieren, bei denen die Rohstoffe Licht, Wasser, Wind und Biomasse auf Dauer gesichert sind.

pressetext: Vielen Dank für das Gespräch.
Quelle:
pressetext.austria 2008
Wolfgang Weitlaner 2008
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