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Rosi Gollman mit Franz Alt © Bernhard H. M. Krause
"Ich habe keine anderen Hände als die Euren."
Rosi Gollman mit Leprakranken.
Hasna sieht sich zum ersten mal nach ihrer Augenoperation im Spiegel.
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Interview 121 von 173

:: Rosi Gollmann - 40 Jahre engagiert für mehr Menschlichkeit

Vor 40 Jahren hat die Bonner Religionslehrerin Rosi Gollmann die "Andheri Hilfe Bonn e.V." gegründet. Heute Abend zeigt das SWR Fernsehen eine Reportage von Franz Alt über die 40 Jahre Arbeit der Andheri Hilfe in Indien und Bangladesch.
In dieser Zeit kann die kleine Bonner Hilfsorganisation mit wenigen festangestellten Mitarbeitern, über 200 ehrenamtlichen Helfern und 25.000 Spendern diese unglaubliche Hilfsbilanz vorweisen:

  • In Bangladesch konnten eine Million Blinde, die am grauen Star erkrankt waren, geheilt werden.
  • Drei Millionen Frauen in 10.000 indischen Dörfern haben sich mit Unterstützung der Andheri-Hilfe zu Frauengruppen zusammengeschlossen, Kindergärten und Schulen gebaut, öffentliche Verkehrsverbindungen organisiert und Frauenbanken gegründet, die Kleinkredite an Arme vergeben. Viele der Frauen wurden Bürgermeisterinnen und Landrätinnen.
  • In vielen südindischen Dörfern, wo bisher bis zu 80 Prozent der neugeborenen Mädchen getötet wurden, weil sie Mädchen waren, wird jetzt kein einziges Mädchen mehr getötet.  
  • Die Andheri-Hilfe hat 100.000 Kinder aus der Kindersklaverei in Fabriken befreit und Schulen für die ehemaligen Kinderarbeiter gebaut. Jetzt gehen die Kinder zur Schule und ihre Eltern in die Fabrik.
  • Die Andheri-Hilfe hat im südindischen Andra Pradesh über 2.000 Tempelprostituierte aus ihrem Elend befreit und ihnen eine Berufsausbildung und Familiengründung ermöglicht.
  • Für über 2.000 Tsunami-Opfer unter den Kastenlosen wurden soeben 400 Häuser fertig gestellt.
  • Die Andheri-Hilfe hat in Indien die ersten Dörfer für Leprakranke gebaut. 
Franz Alt hat in seinen Fernsehsendungen seit 25 Jahren Filme über diese segensreiche Arbeit gezeigt. Die Fernsehzuschauer der ARD haben insgesamt 50 Millionen Euro  für die Arbeit der Andheri-Hilfe gespendet.
 
In diesen Tagen wurde die Gründerin und heutige Ehrenvorsitzende der Andheri- Hilfe, Rosi Gollmann, 80 Jahre alt.
  • Viermal erhielt sie das Bundesverdienstkreuz
  • Zweimal hat der Papst sie empfangen
  • Bei Thomas Gottschalk und Johannes Kerner warb sie für ihre Arbeit. 
Franz Alt sprach für mit ihr, die in Indien und Bangladesch "Mutter Teresa aus Deutschland" genannt wird.
 
 
Franz Alt: Sie konnten Millionen Menschen helfen. Haben Sie auch mal Ihre Grenzen gespürt? 
 
Rosi Gollmann: Grenzen gab es eigentlich immer wieder. Am Anfang wurde ich zum Beispiel gefragt: Bei einer Million Blinden in Bangladesch – wo willst Du denn da anfangen? Meine Antwort hieß „Mit dem Ersten“. Und jetzt können eine Million Menschen, die blind waren, sehen. Ich sah Grenzen. Aber ich habe immer versucht, diese Grenzen zu durchbrechen. Weil Menschen da waren, die Hilfe brauchten.

 
Franz Alt: Gab es auch Brüche in Ihrem Leben?
 
Rosi Gollmann: Brüche? Als Aufbruch – das schon. Dass immer neue Stationen kamen, immer neue Herausforderungen. Für mich war – wie es mal einer ausgedrückt hat – der Weg immer gleichzeitig das Ziel.

 
Franz Alt: Haben ihre Eltern haben ihr soziales Engagement geschätzt und gestützt?
 
Rosi Gollmann: Mein Vater war ein kleiner Kaufmann, äußerst korrekt. Mutter war die Liebe in Person. Und dann hat mich natürlich auch beeinflusst das Erlebnis des Krieges. Ich habe furchtbare Situationen mit durchgemacht. Ich habe als 16-Jährige halbverbrannte Kinder nach Fliegerangriffen behandeln und retten müssen. Ich habe Nächte durch gelöscht. Das hat mich natürlich auch weiterhin beeinflusst.“

 
Franz Alt: Mit 80: Müssen Sie sich irgend etwas vorwerfen?
 
Rosi Gollmann: Ich müsste wirklich überlegen. Ganz sicher hat man Fehler gemacht. Ganz sicher ist nicht immer alles so gewesen, wie es sein sollte. Aber ich kann schon sagen, dass ich mich bemüht habe, weil ich auch absolut frei war, ohne Familie, ohne andere Bindungen, dass ich immer frei war für die Menschen und für meine Aufgabe.

 
Franz Alt: Diese Freiheit von anderen Bindungen haben Sie bewusst so gewollt?
 
Rosi Gollmann:  Ja, ganz bewusst.

 
Franz Alt: Um ganz frei zu sein für die Ärmsten. Ist das eine Art Zölibat?
 
Rosi Gollmann: Ja, wenn man es so nennen will (lacht)
 
 
Franz Alt: Sind Sie stolz auf Ihre Erfolge, Frau Gollmann?
 
Rosi Gollmann: Ich werde oft gefragt, ob ich stolz bin. Ich bin nicht stolz, glauben Sie mir das. Ich bin nur dankbar. Dankbar den vielen Menschen, die mich in diesen Jahren begleitet haben. Dankbar aber vor allen Dingen dem, der von sich gesagt hat: Ich bin der Weg. Ich habe mich nie allein gefühlt, sondern weiß heute mehr als je zuvor, dass dieses große Werk getragen war von einem guten Gott.

 
Franz Alt: Am Andheri-Kruzifix Ihrer Organisation fehlen die Arme. Am Querbalken steht dafür „Ich habe keine anderenHände als die Euren.“ Ist diese Inschrift ein Symbol für Ihre Arbeit?
 
Rosi Gollmann: Das Christentum erweist sich an seinen Taten, nicht an frommen Sprüchen. Davon bin ich tief überzeugt und dafür arbeite ich weiter.
 

Franz Alt: Was ist der Ansporn Ihrer Arbeit?
 
Rosi Gollmann: Für mich war eigentlich immer maßgebend der Mensch. Der Mensch in seiner Würde, seinem Dasein, seinen Rechten. Darum kreist immer meine gesamte Arbeit.

 
Franz Alt: Was heißt das eigentlich konkret: Die Würde des Menschen?
 
Rosi Gollmann: Da gibt es nicht arm und reich, nicht niedrig und hoch, nicht Habenichtse und die, die alles haben. Da ist der Mensch mit seiner Existenz, die ihm das Recht gibt auf sein eigenes Leben. Das ist für mich maßgebend.
 
 
Franz Alt: Was war Ihr glücklichstes Erlebnis?
 
Rosi Gollmann: Das war die einmillionste Augenoperation mit der 14-jährigen Hasna. Als sie zum Spiegel lief und lachte und weinte und sich erstmals im Spiegel sah und sagte: Das bin ich!

Das war schon das größte Erlebnis und für dieses Erlebnis würde ich viele Orden und Ehrenzeichen hergeben. Dieses Erlebnis möchte ich nie missen.
                                              
Sie, Herr Alt, waren ja dabei und ich erinnere mich, dass wir alle geweint haben vor Freude. Und dieses 14-jährige Mädchen, das dank der Hilfe aus Deutschland jetzt sehen kann, steht für eine Million Blinde Menschen in Bangladesch, die geheilt wurden und jetzt sehen können.


Für INFOS und SPENDEN:
Andheri-Hilfe Bonn e.V. | Mackestr. 53 | 53119 Bonn
Fon (0228) 67 15 86 | Fax (0228) 68 04 24
andheri.bonn@andheri.org

Spendenkonto: Sparkasse KölnBonn
Konto Nr. 40 006 | BLZ 370 501 98
IBAN: DE80 3705 0198 0000 0400 06, SWIFT-BIC: COLSDE33

Quelle:
Franz Alt 2007
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