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:: "Werbemüll ist Schwachsinn in Zeiten des Internets"
Interview mit Tim Marbach, dem Mitgründer und Sprecher des neuen Internetunternehmens kaufda.de.
Herr Marbach, mit der Kampagne "Mach's grün" hat Ihr Internetportal KaufDA.de sich zum Ziel gesetzt, eine Million Bäume vor der Abholzung zu retten. Einfach indem Sie auf Online-Antrag hin kostenlos "Bitte keine Werbung!"-Aufkleber verschicken, die man sich dann an den Briefkasten kleben kann. Macht das wirklich so viel aus?
Wir waren selbst überrascht, als wir das recherchiert haben. In jedem deutschen Briefkasten landen pro Jahr im Schnitt 33 Kilogramm unadressierte Werbeprospekte. Das macht, die Nutzung von Altpapier eingerechnet, ungefähr alle sieben Jahre ein Baum, der dafür drauf geht. In ganz Deutschland sind es pro Jahr fast drei Millionen Bäume. Und zwar großteils vollkommen unnütz, denn die meisten dieser Prospekte werden ungelesen in den Papierkorb geschmissen.
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Dürfen dann wirklich keine Prospekte mehr eingeworfen werden, wenn auf einem Briefkasten "Bitte keine Werbung!" draufsteht?
Ja genau. Eine Firma, von der trotzdem Werbung im Briefkasten landet, kann man abmahnen und letztlich verklagen.
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Nun gibt es aber natürlich auch viele Verbraucher, die gern in solchen Prospekten blättern, um auf Schnäppchenjagd zu gehen...
Für genau die haben wir unsere Internetseite gestaltet, die der Kampagne Mach's grün zugrunde liegt. KaufDA.de ist ein Verbraucherportal für lokales Einkaufen. Die meisten Werbeprospekte gibt es bei uns als E-Book zum virtuellen Durchblättern. Egal, wo in Deutschland jemand wohnt: Bei uns findet sie oder er die Angebote der Supermärkte, Baumärkte, Elektromärkte, Möbelhäuser, Spielwarenläden in der Umgebung - von Aldi bis Dänisches Bettenlager. Über eine Suchfunktion lassen sich bestimmte Produkten oder Marken finden. Geplant ist sogar, dass man sich bald auch benachrichtigen lassen kann, wenn ein bestimmtes Produkt in irgendeinem Laden der Umgebung im Angebot ist.
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Wenn ich als junger Vater also ständig auf der Suche nach Angeboten für Windeln oder Feuchttücher zum Popo abputzen bin, kann ich mich da von Ihnen gezielt auf dem Laufenden halten?
Genau so ist es gedacht, ja.
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Und die Prospekte bekommen Sie von den Unternehmen geschickt?
Richtig. Wir arbeiten bereits mit fast 100 Firmen zusammen. Bislang hauptsächlich mit den großen Einzelhandelsketten, mittelfristig wollen wir aber auch kleinere Händler im Angebot haben. Der Vorteil liegt ja nicht nur beim Verbraucher, sondern auch die Firmen sparen sich einen schönen Batzen Geld, wenn sie weniger Prospekte drucken und verteilen lassen müssen.
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Gibt es auch Firmen, die sich Ihrer Idee versperren?
Ja, sicher. In der Regel, weil ihnen unser Projekt noch zu unbedeutend erscheint.
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Wer zum Beispiel?
Namen will ich da lieber noch nicht nennen, denn wir hoffen ja, dass sie irgendwann doch noch aufspringen. Und später wollen wir dann auch ein bisschen Geld dafür haben, dass wir die Prospekte der Händler veröffentlichen. Das ist unser Geschäftsmodell: Wir bringen den Händlern neue Kunden, aber ökologischer und kosteneffizienter als über andere Werbekanäle.
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Bannerwerbung auf Ihrer Seite ist also nicht geplant?
Das müssen wir noch sehen. Wir halten uns die Option offen, vielleicht auch spezielle Angebote von Händlern als Banner aufzunehmen. Aber zunächst einmal ist die Plattform dazu da, Händler und Verbraucher effizient zusammenzubringen und dabei die Umwelt zu schonen. Natürlich wollen wir aber langfristig auch Geld damit verdienen.
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Den Umweltgedanken untermalen Sie durch eine Kooperation mit der Organisation Prima Klima...
Richtig. Über Prima Klima halten wir unser gesamtes Unternehmen CO2-neutral. Das heißt, ähnlich wie man bei Flugreisen über eine Agentur wie atmosfair den Treibhausgasausstoß neutralisieren kann, investieren wir in die Aufforstungsprojekte von Prima Klima, um so unsere CO2-Bilanz auszugleichen. Dafür erhalten wir das Prima-Klima-Siegel.
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Wie kamen Sie ursprünglich auf die Idee für kaufDA.de?
Das war, als Christian Gaiser, damals mein Kommilitone beim BWL-Studium, und ich im Silicon Valley in Kalifornien für unsere Abschlussarbeit unterwegs waren. Wir wussten, dass wir nach dem Studium ein Unternehmen gründen wollen, wussten aber noch nicht, mit welcher Idee. Uns fiel jedoch auf, dass selbst im innovativen, grün angehauchten Kalifornien überall solche Prospekte in den Briefkästen steckten und dachten: Warum dieser ganze Werbemüll? Das ist doch in Zeiten des Internets totaler Schwachsinn - nicht nur ökologisch gesehen, sondern auch wegen der Effizienz. Gerade für die junge Zielgruppe, die viel im Internet surft, ist es doch viel praktischer, wenn sie sich dort gezielt darüber informieren kann, was sie wirklich interessiert. Als wir dann zurück in Deutschland waren, haben wir uns mit Cihan Aksakal und Thomas Frieling zusammengetan, zwei Wirtschaftsinformatik-Studenten, die kaufda.de programmiert haben. Nach Abschluss unseres Studiums im Sommer letzten Jahres haben wir die Firma dann im September gegründet, und im Dezember sind wir online gegangen. Inzwischen sind wir 13 Leute im Team.
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Woher hatten Sie das nötige Geld für die Gründung?
Da hat uns unsere Uni sehr geholfen. An der WHU, der Otto-Beisheim School of Management, an der Christian und ich studiert haben, gibt es schon relativ viele erfolgreiche Unternehmensgründer. Und da die Uni recht klein ist, konnten wir da schnell Kontakte aufbauen und fanden so Investoren wie Michael Brehm, Gründer des Online-Studentennetzwerks StudiVZ, Stephan Schubert vom Börsenportal OnVista und Stefan Glänzer, der die Musik-Community last.fm und das Auktionshaus ricardo aufgebaut hat. Denen haben wir unsere Idee präsentiert, und sie haben darin großes Potential gesehen.
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Wo wollt Ihr mit kaufDA.de in fünf Jahren stehen?
Vielleicht schaffen wir es bis dahin, die eine Million Bäume zu retten. Wir stehen im Moment bei knapp 8000. Wenn man das hochrechnet, ist das Ziel durchaus realistisch. Unser Traum wäre natürlich, dass es irgendwann keine Werbeprospekte mehr gibt und die Verbraucher sich nur noch bei uns informieren. Wenn wir auf der Straße ein Gespräch belauschen, wo es dann nicht heißt "Habe ich bei E-Bay ersteigert", sondern "Habe ich bei kaufDa.de gefunden" - das wäre super.
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