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:: Die Kirchen ersetzen den Staat in Zimbabwe

Eine Regierung, die ihr Volk zugrunde gehen lässt - „Zimbabwe is mine!“. Von Rupert Neudeck

Als wir in der letzten Januarwoche in den noch geöffneten Supermarkt der südafrikanischen Handelskette TM in Bulawayo gingen, da fragten wir, ob wir die wenigen Nahrungsmittel, die Säcke mit Weizen, Mais und Mealie Meal auch in Zimbabwe Dollars, also schlicht der einheimischen Währung bezahlen könnten? Da wurden wir beinahe ausgelacht. Nein, das könnten wir nicht. Es standen auch an den nur mäßig vollen Regalen immer drei Preise untereinander: einer in Rand (also der Währung Südafrikas), ein nächster in Pula (Währung in Botswana, dem weiteren Nachbarland) und einer in US-Dollars.

 

Es war der Tag, an dem in den Weltnachrichten bekannt wurde, dass die Gelddruckerei in Harare nicht mehr Billionen Zim-Dollar in Scheinen ausdruckt und ausspuckt, sondern mittlerweile Trillionen. Auch wenn man sich klarmacht, dass die englische Billion immer noch die deutsche Milliarde ist, bringt das keinen großen Trost.

 

Wir gingen auf der Hauptstraße von Bulawayo, wo es nur noch geringen Verkehr gibt, weiter in ein noch offenes Reisebüro. Wir wollten uns erkundigen, was ein Flug von Bulawayo nach Harare kosten würde. Mein Gewährsmann hatte mir etwas von 15.- US Dollar gesagt. Aber der Preis war um das Mehrfache in die Höhe geschnellt: es kostete der Flug jetzt 205 US Dollar. Die Gesellschaft war gezwungen, den offiziellen Umrechnungskurs für die Summe von 20 QUINTILLIONEN Zim Dollar zu nehmen. Das waren dann 205.- US Dollars.

 

Die staatlichen Krankenhäuser sind geschlossen. Das große Referenz Hospital in Zimbabwe, das Parirenyatwa Hospital in Harare hat seine Pforten geschlossen. Auch die Krankenschwester Schule hat geschlossen. In einem nüchternen Bericht wird uns mitgeteilt, welch abenteuerliche Zustände dazu geführt haben, dass das staatlich-wichtigste Krankenhaus des Landes schließen musste. Das Hospital hat seit dem August 2008 kein fließendes Wasser mehr. Die Toiletten im ganzen Haus sind verstopft, und die Patienten wie auch das Personal konnten dem nicht mehr entgehen. Das Hospital wurde einfach unbewohnbar. Das Parirenyatwa Hospital, so heißt es in dem Bericht weiter, wurde vor 4 Monaten in ein Cholera Not-Hospital umgewandelt. Das wiederum bedingte die Schließung aller anderen Abteilungen. Aber jetzt muss auch diese Cholera Behandlung gestoppt werden, denn man kann die Cholera nicht ohne sauberes Wasser und funktionierende Toiletten behandeln.

 

Es sollen nach dem Stand von Mitte Januar und der Erklärung des UNICEF Sprechers bisher 24.000 Cholera Fälle gemeldet sein. 5 Prozent dieser Fälle sind Todesfälle, eine sehr hohe Zahl, wenn man sie mit sonstigen Choleras Ausbrüchen vergleicht. In einer Cholera Epidemie zeigen in der Regel nur 5 Prozent einen schweren Verlauf, während die anderen 95 % eher leichte Infektionen sind. Die statistische Aussage von UNICEF bedeutet also, dass praktisch alle schweren Verläufe sterben. Das heißt auch, dass das Gesundheitssystem praktisch komplett versagt. Nur die wenigen Missionshospitäler können Kranke behandeln wie auch wenige NGO Zentren, weil die Kranken dort unentgeltlich behandelt werden.

 

In dem Mlope Hospital in Bulawayo steht man noch kurz vor dem Zusammenbruch. Dafür sorgt die auswärtige Organisation „Ärzte ohne Grenzen“, die auch die Bezahlung von 5 Medizinern hier übernommen hat und das Krankenhaus noch notdürftig mit Medizin und Medikamenten versorgt. Am Morgen werden noch einige Behandlungen über fünf Mediziner gemacht, die von MSF dorthin kommen. In einer Apotheke werden noch die allerletzten Medikamente vergeben, die das Krankenhaus aber nur noch hat, weil es von außen unterstützt wird.

 

Die Lage wird noch so gerade aufrechterhalten, dass man also keine Leichen und keine Verhungerten auf den Straßen liegen sieht, weil die christlichen Kirchen sehr aktiv sind. Überall finden mittlerweile Nahrungsmittelverteilungen statt. Einerseits im Hospital. Andererseits draußen.

 

Im Ìngutsheni Krankenhaus, dem größten Psychiatriekrankenhaus des südlichen Afrika mit 720 Plätzen und Betten, etwa ausserhalb des Zentrums von Bulawayo in Belmont gelegen, herrschen grauenhafte Zustände. Mir wurde eine geschlossene Abteilung aufgemacht, die Kranken liegen apathisch in ihrem eigenen Kot und bekommen weder Betreuung noch Behandlung noch zureichend zu essen.

 

Wir fuhren von Bulawayo Richtung Victoria Falls in das Buschhospital St. Luke’s in der Nähe der größeren Stadt Lupane, wo es seit acht Jahren einen deutschen Gynäkologen gibt, der von seiner eigenen Organisation in Saarbrücken unterstützt wird. St. Luke’s Hospital ist ein kirchliches Missions- Hospital, das erfreulicherweise noch ganz läuft. Dr. Hans Schales ist im Lande geblieben und macht weiter seine Kaiserschnitte. Am Tage, als wir die 144 km von Bulawayo gekommen sind, muss er kurz nach Ankunft schon den ersten Kaiserschnitt machen.

 

Es gibt noch zwei weitere Hospitäler in der Region, die ebenfalls dafür gerade stehen, dass die Menschen, die von ihrer eigenen Regierung verraten sind, wenigstens eine überlebenswichtige Versorgung bekommen. Aber das Krankenhaus ist überfüllt. Und die Menschen können natürlich auch nicht so weit laufen oder transportiert werden.

 

Die Schulen liegen alle brach, die Regierung hat schon mal den regulären Schulbeginn um zwei Wochen hinausgezögert. Aber auch nach zwei Wochen werden die Lehrer nicht kommen, denn sie können mit ihrem Gehalt, das sie kaum noch kriegen, den Bus nicht mal mehr zahlen, der sie zur Schule fahren würde. Das Gehalt bekommen sie meist gar nicht mehr, weil der Währungsverfall das nicht mehr zulässt. Verdient jemand z.B. 120 Billionen  Zim $, dann darf er aber nur 10 Billionen Zim Dollar von der Bank abholen, die noch nicht geschlossen hat.

 

Die Industriezweige des Landes, die in Bulawayo konzentriert waren, sind alle zusammengebrochen. Der Tourismus ist nicht mehr da, es gibt keine Touristen, die in diese Anarchie- und Währungs-Wüste hineinwollen. Tapfer gibt es immer noch alle zwei Tage einen Flug der South African Airlines, die nach Victoria Falls fliegt. Aber die Touristen bleiben dort nur ein paar Stunden und fliegen nach Süd-Afrika-Johannesburg zurück. Es bleibt niemand zur Nacht in Zimbabwe.

 

Grauenhaft, in der Hauptstadt des Landes gibt es für das Leichenhaus des Hospitals keinen Strom, dass heißt stinkend verrotten die Leichname in dem Leichenschauhaus. Alles geht nicht mehr. Noch einmal, ohne dass die katholische, die protestantische und die anglikanische Kirche ihre Nachschubwege aktivieren, z.T. über die sehr rührige Misereor und Missio in Aachen, und Brot für die Welt in Stuttgart, ohne diese ständige erschöpfende Arbeit wäre die Bevölkerung nicht mehr in der Lage, ihre Überleben zu fristen. Stark auch die anglikanische Kirche, die über ihren Bischof Sebastian Bakare und seine deutsche Frau Ruth auch heroisches leisten. Wurde Bischof Bakare ja noch von einem Mugabe-treuen Konkurrenzbischof namens Kononga aus der Residenz in Harare gejagt. Kononga wurde berüchtigt durch seinen Satz: Mugabe sei „der Prophet Gottes“!

 

Robert Mugabe ist durch einen schrecklichen Satz am Ende eines Lebens bekannt geworden, das ja durch den Befreiungskrieg und 11 Jahre Gefängnis unter den Briten sehr heroisch begann. „Zimbabwe is mine!“

 

Das erinnert gefährlich an den Satz „Zaire ist mein land“ am 12. April 1997 ausgesprochen von einem ebenfalls 30 Jahre an der macht klebenden Sese Seko Mobutu. Am 7. September 1997 war er von Prostata krebs hinweggerafft. Es gibt viele in Zimbabwe, die sich an stelle der sich nicht ergebenden Revolte einen solche natürliche Krankheit für Mugabe wünschen würden.

 

Das hat es in der Menschheitsgeschichte nicht oft gegeben, dass jemand für sich persönlich ein ganzes Land zu seinem Besitz und die Bevölkerung zu seiner Geisel erklärte.

 

Robert Mugabe gibt nicht mal die Krise zu, weil sie für ihn und seine Luxus-gierige Frau Grace ja nichts geändert hat. Für seine Frau hat er mal schnell 94.000 US Dollar aus der Staatskasse genommen, als er mit ihr nach Malaysia flog zum Urlaub, wie jedes Jahr im Januar 2009. er ist dann aber zurückgekommen, wahrscheinlich doch in der begründeten angst, dass jemand in seiner langen Abwesenheit einen putsch machen könnte. Das ist mit Afrikanischen Diktatoren schon manchmal passiert, dass sie zu einer Konferenz geflogen sind, die dann damit endete, dass sie nicht mehr zurückdürften.

 

Eigentlich ist so ein Zustand in der internationalen Staatenordnung nicht vorgesehen, dass man eine Regierung hat, die sich nicht mehr für das Volk verantwortlich zeigt. Die einzige Sorge für Robert Mugabe ist nur, die Dollars immer jeden Monat zusammenzukratzen, die er braucht, um seine Armee und Polizei stillzustellen. Dafür tut er immer noch alles. Journalisten können ihm dabei jetzt helfen, wenn sie von gut betuchten Sendern (CNN?) kommen, sie können jetzt ganz einfach die Akkreditierung bekommen, in dem sie bei der Einreise 30.000 US $ hinblättern.

Quelle:

Rupert Neudeck

Bulawayo im Januar 2009

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