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:: Grüne: Claudia Roth strahlt wieder, Postwachstum ungeklärt

Das Denken in Ökosex Kategorien ist nicht nur in Sachen ökologischer Lebensführung hilfreich, sondern natürlich auch beim Beurteilen politischer Parteien. Kolumne von Martin Unfried

Am Sonntag saßen vier Journalisten im Presseclub bei der ARD und diskutierten über die deutschen Grünen, und ob Sie jetzt endlich reif seien für Schwarz/Grün. Ich guckte erst recht gespannt zu, weil nämlich mein großer Bruder dabei saß. Dennoch musste ich nach 10 Minuten gähnen, so langweilig war das. Die Debatte hätte mit ähnlichen Oberflächlichkeiten auch vor Jahren stattfinden können. Es ging schwerpunktmäßig um Antigefühle bei der CDU gegen Jürgen Trittin (Überraschung!).

 

Es wurde festgestellt, dass es keine Fundis und Realos mehr gäbe (Uiih!). Es ging um Grüne, die ihre Ernsthaftigkeit nun beweisen würden durch das haushaltkompatible Durchrechnen ihrer Programme (echt!). Und leider ging es unvermeidlich um das persönliche Schicksal der Claudia Roth und die Mainstreamfähigkeit von Katrin Göring-Eckardt.

 

Mein Fazit: Claudia Roth ist nicht mehr beleidigt, aber die Frage mit dem Postwachstum noch nicht geklärt.

 

Am meisten erstaunt mich an diesen deutschen Debatten eigentlich immer die völlige Abwesenheit der europäischen Dimension. Da fällt keinem ein, mal zu fragen, warum die deutschen Grünen eigentlich im europäischen Vergleich so stabil und erfolgreich sind. Weil sie nämlich anders als beispielsweise französische oder niederländische KollegInnen tatsächlich überraschend professionelle Regierungspolitiker hervorgebracht haben. Und Jürgen Trittin war einer. Da konnte die BILD Zeitung noch so lange Dosenpfand und Benzinwut brüllen. Heute jedoch muss man von den Grünen Neues erwarten.

 

Nämlich, dass sie neue Konzepte zur Postwachstumsgesellschaft jenseits von Atomausstieg und Hartz IV vorstellen. Und genau dies wird leider noch nicht wirklich prominent diskutiert. Schade, angesichts der Nachrichtenlage am heutigen Montag: laut Weltbank steuert die Welt auf eine Situation zu, in der die globale Durchschnittstemperatur bis zum Ende des Jahrhunderts um vier Grad steigen werde. Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung spricht dabei von Risiken außerhalb der Erfahrungen unserer Zivilisation.

 

Da fällt mir ein, dass Frau Göring-Eckardt sich mal bei mir erkundigt hat, ob ich ökosex-technisch einen Lexus Hybrid als Dienstwagen der BundestagspräsidentInnen sinnvoll finde. Das ist wichtig, reicht aber natürlich noch nicht wirklich um sich als Ikone einer radikal carbonfreien Wirtschaft zu profilieren. Frau Roth steht ja angeblich für die Seele der Partei, damit kann aber das Postwachstum nicht gemeint sein.

 

Und überraschenderweise war der angebliche Ideologe Jürgen Trittin in Sachen Erneuerbare erstaunlich ideologiefrei. Der wollte sich noch vor Jahren nicht mit der Vision einer 100%igen erneuerbaren Stromversorgung identifizieren.  Leute wie Hans-Josef Fell, vor Jahren noch bei den Grünen als erneuerbare Nervensäge gehandelt, haben den offensichtlichsten Erfolg grüner Politik erst möglich gemacht. Witziger Weise mit Hermann Scheer von der Kohle-SPD, von deren Kandidat Steinbrück man heute alles erwarten kann, aber sicher keine öko-soziale Revolution.

 

Interessant wird es also erst, wenn wir uns fragen, was die Grünen eigentlich zu bieten haben, jenseits des christsozialdemokratischen Mainstreams. Natürlich würden Frau Merkel und Herr Steinbrück hübsch zusammen passen in ihrer Prinzipienlosigkeit, die oft mit Pragmatismus verwechselt wird. Zur Erinnerung: beide sahen weder die Finanzkrise kommen, noch haben sie auf die gehört, die schon vor 2008 strikte Bankenregulierung und Transaktionssteuern gefordert hatten. Sven Giegold war einer von denen bei Attac. Heute ist er für die Grünen im EU Parlament. Wär doch mal interessant, wenn wir hören könnten, welche Prioritäten er bei einer Regierungsbeteiligung hätte.

 

Tatsächlich gibt es nämlich bei den Grünen durchaus Sachverständige: Hermann Ott und Reinhard Loske waren früher Nachhaltigkeitsforscher beim Wuppertal-Institut. Sie gehören zu den Kritikern eines luftigen „Green Deals“, der lediglich grün-angestrichenes Wirtschaftswachstum bedeutet. Wann diskutieren Journalisten mal ernsthaft, was die Grünen zum "Weniger" zu sagen haben? Und auch darüber, warum von Winfried Kretschmann, der mit "weniger Autos" schon mal gut angefangen hatte, da in Zukunft eher weniger zu erwarten ist? Noch weiß nämlich auch bei den Grünen niemand, wie man über weniger Wachstum und weniger Konsum spricht. Weder die Claudia, noch die Katrin, noch der Jürgen wollen nämlich am Wahltag gnadenlos abgestraft werden.

 

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