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:: Halbherziger Atomausstieg

Bei aller Freude über den beschlossenen Atomausstieg: bis zu einer wirklichen Energiewende liegt noch viel Arbeit vor uns. Das Gesetzespaket dieser Tage hat mehr als nur Schönheitsfehler.

Erstens: Wer das atomare Restrisiko ernst nimmt, weiß, dass jeder Tag ein Tag zu viel ist. Ihre eigene Ethik-Kommission hatte der Bundesregierung vorgeschlagen „spätestens 2021“ in Deutschland das letzte AKW zu schließen. Auch das regierungseigene Umweltbundesamt hatte festgestellt und gut begründet, dass ohne Versorgungslücken das letzte AKW schon 2017 dichtgemacht werden könne.

 

Warum dann aber längere Laufzeiten bis 2022?

Diese Frist ist gemessen am Restrisiko zu lang und die Abschaltungen massieren sich in den beiden letzten Jahren 2021 und 2022. Dies macht den definitiven Umstieg auf erneuerbare Energien unnötig schwer.

 

Zweitens: Die alten Energieversorger werden auch weiterhin mit unsinnig hohen Einspeise-Vergütungen bis zu 18 Cent für Windräder auf hoher See gepäppelt. Das ist etwa doppelt so viel wie die Einspeise-Vergütungen für Windräder an Land.

 

Bislang haben Eon und Co. den Erneuerbaren immer vorgehalten, sie seien zu teuer. Und jetzt setzen ausgerechnet die vier alten Energie-Besatzungsmächte Eon, RWE, Vattenall und EnBW selbst auf den teuersten Ökostrom anstatt dass an Land, vor allem im Süden der Republik, entschieden mehr Windräder aufgestellt und die bisherigen kleineren Räder durch größere ersetzt werden. 10.000 neue große Windmühlen an Land können dreimal mehr Ökostrom erzeugen als die bisherigen 23.000 kleineren.

 

Drittens: Obwohl viele Wissenschaftler der Meinung sind, dass Salzstöcke das schlechteste Medium für Atommüll sind, wird in Gorleben jeden Tag weitergebaut. Im neuen Atomgesetz wird die Endlager-Frage faktisch ausgeklammert.

 

Vor lauter Euphorie über den neuen „Atom-Konsens“ besteht die große Gefahr, dass die Atommüllfrage verdrängt wird. Doch dieses Problem bleibt langfristig das größte. Jeder Tag Laufzeit von AKW bedeutet natürlich mehr Atommüll.

Quelle:

© Franz Alt 2011

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