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:: Röttgen gegen Merkel

Der Streit über längere Laufzeiten für deutsche AKW spaltet nicht nur die Bevölkerung, sondern auch die Bundesregierung und die Unionsparteien. An diesem Sonntag soll auf einem Atomgipfel im Kanzleramt endgültig entschieden werden. Doch dies wird schwierig.

Die Entscheidung soll auf der Basis eines untauglichen Gutachtens getroffen werden. Als Angela Merkel bestärkt durch dieses Gutachten am letzten Sonntag „10 bis 15 Jahre längere Laufzeiten für vernünftig“ erklärte, gab es Widerspruch aus dem Umweltministerium ihres Parteifreundes Röttgen.

 

Das Gutachten sei voller Tricksereien und bizarrer Annahmen. Dies ist eine realistische Beschreibung. Also wird auch dieser Gipfel kein zufriedenstellendes Ergebnis bringen können. Die Regierung hat ein Gutachten über längere Laufzeiten bestellt nachdem sie diese längst beschlossen hatte. Das ist der unlösbare Grundwiderspruch. Ohne jedes Gutachten sind längere Laufzeiten im Koalitionsvertrag schon vor einem Jahr festgeschrieben worden – ausschließlich aus ideologischen Gründen und ohne jeden Sinn und Verstand.

 

Also gaben sich die „Gutachter“, die zum Teil sehr eng mit der Atomindustrie verbandelt sind, auch alle Mühe, die Notwendigkeit längerer Laufzeiten um jeden Preis nachzuweisen. Offen, so das Gutachten, sei nicht ob Laufzeiten notwendig seien,  sondern nur wie lange: 4 oder 8 oder 16 oder 20 oder 28 Jahre. Das Motto hieß einzig : Wer bietet am meisten! Jahrmarkt statt Politik.

 

Das Festhalten am rot-grünen Ausstieg würde den Klimaschutz gefährden, so die „Gutachter“. Das Gegenteil ist natürlich richtig.

 

Je länger die AKW laufen, desto schwerer haben es die Energieeffizienz, sparsamere Autos, die Wärmedämmung und die Erneuerbaren Energien. Alles andere sind „ungeheure Unterstellungen“, schreibt zu recht Fritz Vorholz in der „Zeit“.

 

Effiziente Energiemaßnahmen und Erneuerbare Energien haben selbstverständlich einen weit größeren Einfluss auf das Klima als ein paar Jahre längere Laufzeiten von AKW, die ohnehin nur noch 11% des Stroms in Deutschland generieren. Das weiß die Physikerin und Umweltpolitikerin Merkel genau so gut wie ihr Umweltminister.

 

Nur: Angela Merkel verschweigt ihre Einsicht durch Rücksicht auf die Atomlobby und Norbert Röttgen spricht seine Erkenntnis offen aus.

 

Der Umweltminister weist zurecht ebenfalls darauf hin , dass sich der Betrieb alter Meiler durch notwendige Sicherheitsmaßnahmen bald nicht mehr rechnen dürfte.

Die Bundesregierung sollte endlich klar stellen, dass Atomenergie viel zu teuer ist und Milliarden an Euro verschlingt, die dringend für die solare Energiewende gebraucht werden.

 

AKW bleiben gefährlich und niemand weiß wohin mit dem immer mehr Müll. Wahrscheinlich müssen die Wähler das Problem entscheiden. So haben es die demokratischen Spielregeln vorgesehen, wenn eine Regierung nichts begreift oder sich kaufen lässt.

Quelle:

© Franz Alt 2010

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