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:: Der Papst, der Zölibat und die Sexualität
Bislang weisen Papst und Bischöfe einen Zusammenhang zwischen Zölibat und sexuellen Missbrauchsfällen entrüstet zurück. Benedikt XVI. spricht noch immer vom „heiligen Zölibat“. Der Theologe Hans Küng nennt den Zölibat „nicht einmal selig“, sondern „eher unselig“, weil er zahllose Kandidaten vom Priesteramt ausschließt und viele heiratswillige Priester aus dem Amt vertrieben hat.
Die Bibel erlaubt allen kirchlichen Amtsträgern die Ehe. In den ersten 11 Jahrhunderten waren die meisten Priester verheiratet. Kein göttliches Gesetz, sondern ein einfaches Kirchengebot führte den Zwangszölibat für Priester ein.
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In einer soeben veröffentlichten Umfrage der ARD fordern 87% der Deutschen die Abschaffung des Zölibats- nur 9% finden ihn noch zeitgemäß.
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Erzbischof Zollitsch meinte in diesen Tagen, „alle Wissenschaftler“ seien sich darin einig, dass sexueller Missbrauch und Zölibat nichts miteinander zu tun hätten. Aber viele Psychologen sehen durchaus Zusammenhänge. Der Zölibat verpflichtet die Priester zu sexueller Enthaltsamkeit, aber jeder Priester hat naturgemäß sexuelle Bedürfnisse.
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Jede Tabuisierung drängt nach einer Kompensierung. Der US-Psychotherapeut Richard Sipe hat 25 Jahre lang dieses Problem von Priestern untersucht und kommt zum Schluss, dass zölibatäre Lebensformen pädophilen Neigungen Vorschub leisten. Bei Zölibatären trete deshalb eine psychosexuelle Störung eher auf als bei verheirateten Männern.
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Je länger auch dieser Papst den Zölibat „heilig“ spricht, desto größer wird seine Mitverantwortung für den unseligen Zustand seiner Kirche, die immer mehr von Doppelmoral, Scheinheiligkeit und Sexualfeindlichkeit geprägt ist.
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Die katholische Kirche ist mitverantwortlich für Millionen Sexualneurosen und Partnerschaftskrankheiten. Je länger sie diese Last mit sich herumschleppt anstatt sie psychotherapeutisch aufzuarbeiten, desto wirkungsloser wird ihr ethischer Anspruch an die Gesellschaft.
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Päpstliche Entschuldigungen für sexuelle Gewalt reichen nicht aus. Prävention gelingt nur durch die Enttabuisierung des Zölibats. Schließlich verdankt die Menschheit dem wunderbaren Mann aus Nazareth eine Frohbotschaft und keine Drohbotschaft.
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Spiegel Online: Hirtenbrief von Benedikt XVI.
Papst schweigt zu Missbrauch in Deutschland
...die Fälle in Deutschland erwähnt Benedikt XVI. mit keinem einzigen Wort - die deutschen Bischöfe reagieren prompt... mehr
© Franz Alt 2010
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