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:: Kirche, Sex und Zölibat
Publizistisch war dies die Woche der Kirchen. Die oberste Protestantin Deutschlands fährt am Beginn der Fastenzeit mit 1.54 Promille Alkohol, also vollbetrunken, über eine rote Ampel, wird erwischt und tritt vier Tage später zurück. Respekt und Hochachtung von allen Seiten für diese glaubwürdig konsequente Reue. Für reuige Sünder gilt noch immer das Jesus-Wort „Wer ohne Fehler ist, der werde den ersten Stein.“
Ganz anders der oberste Katholik, Erzbischof Zollitsch. Weil die Bundesjustizministerin den Bischöfen vorgeworfen hatte, sie zeigten zu wenig Interesse an „lückenloser Aufklärung“ der vielen Fälle von sexueller Gewalt innerhalb der Kirche, verlor der Kirchenmann die Fassung und verlangte ultimativ eine Entschuldigung der Ministerin und zwar „innerhalb von 24 Stunden.“
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Ein spektakulärer und einmaliger Vorgang – dazu noch in einer für die Kirche und ihre hehren sexuellen Moralvorstellungen sehr delikaten Angelegenheit.
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Plötzlich knirscht es gewaltig im sonst friedlichen Verhältnis von Kirche und Staat
Beide großen Kirchen haben viele Privilegien in Deutschland. Aber sexuelle Gewalt muss vom Staat verfolgt werden, es kann dabei kein Sonderrecht für Kirchenmänner geben. Das aber gab es lange Zeit. Und auch deshalb konnten die jetzt bekannt gewordenen Missbrauchsfälle so lange vertuscht, verdrängt und von einigen Kirchenmännern sogar verniedlicht werden.
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Zu Recht wehren sich die Bischöfe jetzt gegen die pauschale Verdächtigung, die Kirche sei ein Verein perverser sexueller Gewalttäter. Aber die katholische Kirche muss ihrerseits deutlich bekennen, dass sie jahrzehntelang Sexualverbrecher gedeckt und versteckt hat – hinter Klostermauern und in nicht informierten Pfarreien.
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Eine kluge Kanzlerin hat inzwischen eine Gesprächsbrücke zwischen dem hilflosen Vorsitzenden der katholischen Bischofskonferenz und der Justizministerin gebaut. Die katholische Kirche hat sich in dieser Woche unter viel publizistischem Getöse zweimal bei den Opfern entschuldigt. Die Bischöfe bitten glaubwürdig um Vergebung.
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Doch die eigentliche Aufgabe steht der katholischen Kirche noch bevor: Nämlich den inneren Zusammenhang von sexueller Gewalt und verdrängter Sexualität sowie von Zölibat und kirchlicher Sexualfeindlichkeit anzuerkennen und aufzuarbeiten.
© Franz Alt 2010
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