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:: Liebe ganz praktisch – am Beispiel der Andheri-Hilfe
"Für mich gibt es jeden Tag neue Herausforderungen in der Begegnung mit anderen Menschen. Da ist es mir wichtig, achtsam zu sein -  achtsam vor allem mit mir selbst: mit meinen Gedanken und Worten, mit meinen Gefühlen und meinen Handlungen. Das gelingt mir bei weitem nicht immer. Doch was mich tröstet: Ich kann immer wieder neu beginnen, jeden Tag, jeden Augenblick – auf dem Übungsweg der Liebe!" Beitrag von Elvira Greiner
Das wichtigste Werk ist immer die Liebe
„Entschuldigen Sie, sind Sie eine Missionarin?“ Seinen ganzen Mut hat er zusammengenommen, der schmächtige Inder mit der schlichten Uniform des Bodenpersonals. Wir sind uns ein wenig vertraut geworden in den vielen Stunden an dem kleinen Flughafen in Visakhapatnam, an der Ostküste Indiens. Schon am Vormittag sollte meine Maschine nach Chennai starten, von dort dann in der nächsten Nacht der Rückflug nach Hause, nach Deutschland. Eine Projektreise neigt sich dem Ende zu. Doch der Flieger hat Verspätung. Als er endlich kommt, heißt es, vor dem Weiterflug müsse erst ein technischer Defekt behoben werden. Wann es weitergeht und ob, das steht in den Sternen. Vielleicht gibt es einen Ersatzflug – nichts ist klar. Spät erst die Entscheidung: Es geht an diesem Tag gar nicht mehr – viel zu spät, um eine Alternative - Zug oder Auto - ins Auge zu fassen. Na super, den Rückflug nach Deutschland kann ich vergessen. Eine der typisch indischen Geduldsproben… Mitten hinein in meine Überlegungen, was nun zu tun ist, die Frage: „Entschuldigen Sie, sind Sie eine Missionarin? Wie eine Geschäftsfrau sehen Sie nämlich nicht aus, aber auch nicht wie eine Touristin. Und Sie strahlen so viel Herzlichkeit, so viel Wärme aus.“ Ich bin überrascht und muss beinahe lachen. Eine Missionarin, ich? Nein, wirklich nicht! Aber beim zweiten Gedanken kann ich den Mann verstehen. Es stimmt schon: Mit meinem indischen Salvar Kamez – der traditionellen Kleidung unverheirateter indischer Mädchen – passe ich wirklich in keine Schublade. Dass der Mann meine Ausstrahlung als herzlich empfindet, das freut mich. Aber Missionarin – nein, nun wirklich nicht! Das ist eine der obersten Prämissen für uns alle bei der Andheri-Hilfe. In dem islamisch geprägten Bangladesch arbeiten wir vorwiegend mit Moslems, in Indien mit Hindus, Jains und Sikhs, mit Animisten und auch mit Christen. Aber bitte: Keine Missionierung! Wenn mich jemand nach meiner ganz persönlichen Motivation für meine Arbeit oder nach meinen Kraftquellen fragt, ja, dann hat das für mich viel mit Glaube und mit Gott zu tun. Doch das ist meine ganz persönliche Sache. Andere Menschen von der „Richtigkeit“ meines Glaubens überzeugen zu wollen, liegt mir gänzlich fern. Gerade in Indien und Bangladesch habe ich tiefgründige Menschen kennengelernt, die aus unterschiedlichsten Quellen schöpfen: Venkat, den tiefgläubigen Hindu; Fayaz, den überzeugten Moslem, Rayamma, die Animistin vom Stamm der Konda Reddies; Jains und Sikhs und auch überzeugte Atheisten. Ich liebe es, mit ihnen intensive Gespräche zu führen über ihre Werte und ihre Kraftquellen und es ist immer wieder bereichernd zu erfahren, wie viel Verbindendes es gibt, wenn es niemandem um Wertungen, um besser oder schlechter, um richtig oder falsch geht. Das ist die Offenheit, die ich bei der Andheri-Hilfe so schätze: Menschen in Not die Hand zu reichen ungeachtet von Religion und Kaste – und in tiefem Respekt vor der Einzigartigkeit eines jeden Menschen.
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Der Inder steht immer noch vor mir und schaut mich fragend an. „Nein, ich bin keine Missionarin. Ich versuche nur, Menschen zu helfen, sich selbst zu helfen.“ „Welchen Menschen?“ „Menschen, die in Armut leben, die unterdrückt und ausgebeutet sind, die allein keine Chance haben, sich aus ihrem Elend zu befreien – meist Dalits* oder Adivasi*, vor allem Frauen und Kinder.“ „Wieso tun Sie das?“ Ja, wieso tue ich das? Diese Frage habe ich mir schon oft gestellt, schon vor dreißig Jahren, beim ersten Kontakt zur Andheri-Hilfe. Er war mir „einfach so zugefallen“ durch eine kleine Annonce: „Ehrenamtliche Unterstützung für Übersetzungen gesucht“. Aber: Ist ein „Zufall“ wirklich nur ein Zufall oder vielmehr das, was mir „zufällt“ im Sinne einer Chance, einer Führung durch eine höher Macht? Es war mir eine Freude, ehrenamtlich mitzuarbeiten. Überraschend kam die Frage, ob ich nicht ganz einsteigen wolle, als erste hauptamtliche Mitarbeiterin. Sie beschäftigte mich sehr, gerade im Kontext meiner Überlegungen zum Thema „Zufall“. Schließlich sagte ich zu, drei Monate mitzuarbeiten. Daraus sind jetzt fast dreißig Jahre geworden…. Wieso mache ich das? Diese Frage habe ich mir in diesen Jahren mehr als einmal gestellt. Die Antwort verändert sich, so wie auch ich mich verändere. Doch der Kern bleibt: der Glaube an eine Lebensaufgabe. Sie zu erkennen, ist die erste schwierige Aufgabe. Sie zu erfüllen – bestmöglich – die zweite. Ich glaube, dass ich meine Lebensaufgabe gefunden habe – in der Andheri-Hilfe. Mein ursprünglicher Lebensplan war ein anderer – aber wessen Lebensplan verwirklicht sich schon so, wie mit 18 erdacht? Loszulassen, umzudenken, neue Herausforderungen anzunehmen, das ist nicht immer einfach. Doch von Anfang an hat es mich fasziniert zu erleben, dass ich bei der Andheri-Hilfe einen – wenn auch kleinen, so doch sehr konkreten – Beitrag leisten kann, dass Not leidende Menschen endlich menschenwürdig leben können. Auf den ersten Blick scheint es so, als ob ich dabei die Gebende bin. Doch dies ist nur ein Teil der Wahrheit. Gleichzeitig bin ich auch die Beschenkte: Was die Menschen, mit denen wir arbeiten, mir geben, das ist der größte Lohn, die wertvollste Motivation: Sie geben ein lebendiges Zeugnis dafür, was wirklich zählt – und das ist letztlich immer nur die Liebe.
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Von einigen dieser Menschen möchte ich hier berichten – stellvertretend für die vielen, die sich an ihrem Platz, in ihrer ganz persönlichen Art und Weise, engagieren für ein wenig mehr Menschlichkeit und Liebe in dieser unserer Welt.
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Meera und ihre Liebe zu den Adivasi – den Ureinwohnern
„Ich will für die Adivasi arbeiten!“ Mit diesem euphorischen Ausspruch überraschte Meera, die attraktive junge Frau aus hoch angesehener Hindufamilie, ihre Eltern, kaum dass sie ihr Jurastudium abgeschlossen hatte. Keine Frage, die Eltern hatten eine ganz andere Karriere für ihre Tochter im Kopf. Doch sie liebten sie und kannten ihren starken Willen. So wussten sie, dass sie ein kategorisches „Nein“ kaum akzeptieren würde. Sehr weise schlug der Vater daher vor: „Mein liebes Kind. Du bist hier in der Großstadt, in wohlhabenden Verhältnissen aufgewachsen. Das Leben der Adivasi in ihren Lehmhütten in den abgelegenen Dörfern kennst Du nur von einem kurzen Studienaufenthalt. Wenn Du ernsthaft mit diesen Menschen arbeiten möchtest, dann geh’ und lebe ein Jahr mit ihnen. Wenn Du danach immer noch den gleichen Wunsch hast wie heute, dann werden wir dies respektieren.“ Meera ging in die Dörfer, teilte das Leben der Adivasi. Es war nicht etwa Mitleid, das sie trieb oder irgend eine Aussteigerfantasie. Nein, es war eine hohe Achtung vor diesen Menschen und ihrer Kultur. Es war so etwas wie Liebe – nicht zu einem bestimmten Menschen, sondern zu diesen Menschen, die so ganz anders lebten als sie, das Mädchen aus der Stadt, und die ihr doch so viel zu geben haben. Es wird eine tiefe Beziehung, die beide Seiten bereichert: Während Meera lernt, wie schön die einfachen Dinge des Lebens sind und wie wenig ein Mensch wirklich braucht, um glücklich zu sein, hilft sie den Adivasi, ihren Lebensraum zu schützen. Sie haben noch nie von Landrechten und Landtiteln gehört. Sie leben wie Generationen vor ihnen im Wald und vom Wald – in großem Respekt vor der Natur: ihrer Heimat und Lebensgrundlage. Doch dann kommen immer häufiger Fremde, die ihnen etwas von besseren Lebensbedingungen in neuen Dörfern erzählen, von festen Steinhäusern und guten Schulen, von leichterer Arbeit und guter Krankenversorgung. Das alles klingt verlockend, doch ein Haken ist dabei: Sie sollen ihre Dörfer verlassen. Denn diese würden in den Fluten eines neuen Staudamms untergehen. Dieser Damm sei sehr wichtig für den Fortschritt, für bessere Landwirtschaft und mehr Nahrung und überhaupt, sie dürften sich der Entwicklung des Landes nicht in den Weg stellen. Die Adivasi – meist ohne Schulbildung und nicht geübt im Umgang mit Fremden – sind verwirrt. Eines ist ihnen klar: Sie wollen ihre Heimat nicht verlassen. Sie lieben ihre Dörfer, ihre Wälder, ihren Fluss. Und außerdem leben doch hier – und nur hier – die Seelen ihrer Ahnen und ihre Götter. Zum Glück gibt es Meera, die wohlversierte Rechtsanwältin aus der Stadt. Anders als die Beamten versteht sie von tiefstem Herzen, dass es hier um so vieles geht, was nicht im „Rehabilitationspaket“ der Regierung eingeschlossen werden könnte. Nein, die Wohnstätten der Ahnen und der Götter lassen sich nicht „kompensieren“ und nicht umsiedeln. Meera gehört zu den wenigen, die die Adivasi aufklären, sie informieren über ihre Rechte und darüber, was eine Umsiedlung für sie bedeuten würde. Sie hilft ihnen, bei der Regierung ihre Landtitel zu beantragen und sich zu wappnen für den Kampf um ihre Heimat. Dieser Kampf wird nicht mit Waffen ausgefochten, sondern mit Wissen um Rechte, mit der Kraft der Einigkeit und der grenzenlose Liebe zum Land der Ahnen.
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Paul und seine Liebe zu den Straßenkindern
Kriminologie hat er studiert und sich darauf gefreut, Karriere bei der Polizei zu machen. Doch bei der Aufnahmeprüfung scheitert er – nicht etwa, weil seine Leistungen zu schlecht sind, sondern seine Sehkraft. Eine Brille braucht er. An sich nicht tragisch, aber das „Aus-Kriterium“ für die Polizeikarriere! Zufall? Fügung? Wie auch immer. Paul schlägt eine andere Richtung ein. Während des Studiums hat er immer wieder mit Straßenkindern zu tun gehabt, diesen Jungs, die teils als Kleinkriminelle ihren Lebensunterhalt bestreiten, teils von „großen“ Kriminellen zu Straftaten gezwungen werden, teils auch völlig unschuldig angeklagt werden, „weil doch ohnedies alle Straßenkinder Kriminelle sind“. Er hat genug mitbekommen um zu wissen, dass die Dinge so einfach nicht sind. Er wäre wohl nie der Typ „abgebrühter Polizist“ geworden, der gleich mit dem Knüppel auf diese „dreckigen Jungs“ einschlägt. Er hat sich immer interessiert für ihre Geschichten. Gut, meist haben sie ihm wirklich nur Geschichten erzählt. Sie alle haben genügend bittere Erfahrungen hinter sich, dass „Vertrauen“ für sie zu einem Fremdwort geworden ist. Meist stimmt nicht einmal der Name, den sie nennen. Sind sie deshalb Lügner, denen man gleich alles zutrauen kann? Nein, Paul fühlt viel zu sehr mit ihnen, um sie in diese Schublade zu stecken. Er empfindet eine tiefe Zuneigung zu diesen Kindern. Immer wieder geht er an die bekannten Stellen: an den Bahnhof, an die belebten Plätze, auf die Märkte. Er sucht das Gespräch oder hört einfach nur zu – ohne Wertung. Aber er weiß, das reicht nicht. Hier auf der Straße sind die Jungs ständig in Gefahr. Mit Unterstützung der Andheri-Hilfe beginnt er, ein Zentrum aufzubauen, einen Zufluchtsort für Straßenkinder. Kein Heim, wo wie auf Dauer leben, sondern eine Anlaufstelle, wo sie erst einmal in Sicherheit sind, wo sie keine Angst haben müssen. Hier können sie sich ausruhen, ihre Habseligkeiten deponieren, wenn sie zur Arbeit auf die Straße gehen. Hier können sie in Ruhe über ihre Zukunft nachdenken: Was wollen sie machen aus ihrem Leben? Es ist viel an Zuwendung – an Liebe – notwendig, um in diesen Kindern, in denen das Urvertrauen auf brutale Weise zerstört wurde, wieder Vertrauen wachsen zu lassen: Selbstvertrauen und Vertrauen in andere Menschen.
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Dr. Subhedar und seine Liebe zu den Kleinfarmern
„Sagen Sie den Farmern doch jetzt bitte noch einmal ganz deutlich, wie sie ihre Felder richtig bestellen!“ Ein wenig ungeduldig ist Harish, unser Partner, der für das Ressourcenschutzprojekt zuständig ist. Dr. Subhedar, der pensionierte Landwirtschaftsexperte, begleitet uns auf unserem Projektbesuch. Viel hat sich hier in diesen abgelegenen Dörfern in Madhya Pradesh verändert, seit ich sie vor gut drei Jahren zum ersten Mal besucht habe. Damals waren sie umgeben von verdorrter Erde und kahlen Hügeln. Tiefe Furchen hatte der Monsunregen gegraben und dabei die fruchtbare Bodenkrume ins Tal geschwemmt, wo sie die neue Saat auf den Feldern begrub. „Ich kann mich noch erinnern, dass hier die ganzen Hänge mit dichtem Wald bedeckt waren, so dicht, dass wir uns der wilden Tiere wegen nicht alleine hinein wagten!“, erzählte mir ein alter Mann. Ja, alte Männer und Frauen, dazu kleine Kinder – sie waren noch im Dorf geblieben. Die größeren Kinder und die Erwachsenen hatten die Dörfer verlassen – für viele Monate jedes Jahr oder sogar für immer – auf der Suche nach Arbeit und Einkommen. Dabei liebten sie ihre Heimat und hassten das Leben auf den Baustellen, in den Steinbrüchen oder den Slums der Großstädte. 2007: Unsere indische Partnerorganisation WOTR bittet um unsere Unterstützung, hier ein Ressourcenschutzprojekt zu planen und zu realisieren. Andernorts haben sie damit bereits eindrucksvolle Erfolge erzielt, gerade in Gegenden, die fast Wüsten gleich geworden waren. Wir sagen unsere Beteiligung an diesem Projekt zu, das ein Modell für die ganze Region werden soll. Wohl gemerkt: nur unsere Beteiligung! Die Hauptarbeit müssen die Dorfbewohner selbst leisten: Von der höchsten Stelle am Hang muss das ganze Wassereinzugsgebiet (Watershed) bearbeitet werden: Gräben müssen ausgehoben und kleine Wälle aufgeschüttet, Regenabflussrinnen verbaut werden, damit der Monsunregen nicht mehr ins Tal schießt, sondern langsam versickern kann. Dann kann wieder aufgeforstet werden. Das bedeutet mühsames Pflanzen, Wässern und Schützen der Jungpflanzen. Doch als Belohnung steigt allmählich der Grundwasserspiegel, Brunnen führen wieder Wasser. Jetzt können die Felder wieder bearbeitet und neue Flächen erstmals landwirtschaftlich genutzt werden. Doch wie? Traditionelles Wissen ist weitgehend verloren gegangen. Viele Fehler werden gemacht. Dr. Subhedar sieht dies wohl. Doch er ist nicht der Belehrende. Er hat große Hochachtung vor den Menschen in diesen Dörfern, die nach indischem Verständnis gesellschaftlich weit unter ihm stehen. Und deshalb sagt er ihnen auch nicht, was sie falsch machen. Deshalb fragt er erst einmal, was sie genau machen und wie sie es machen. Er würdigt ihre Anstrengungen und gibt ihnen das Gefühl, stolz sein zu können auf das, was sie tun – und mehr noch: auf das, was sie sind! Menschen ihre Würde zuerkennen – unabhängig von ihrem sozialen Rang – das ist in der von Kasten geprägten indischen Gesellschaft alles andere als selbstverständlich. Doch Dr. Subhedar hat diese ganz tiefe Achtung „vor dem göttlichen Kern in jedem Menschen“. Er achtet – er liebt – die Menschen, denen er begegnet. Und so wird ein Treffen mit ihm zu einer echten Begegnung – zu einem Geschenk, auch für mich!
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Selvi und die Liebe zu ihrer getöteten Tochter
„Wie konnte Gott mich nur in eine solche Lage bringen, dass ich meine eigene kleine Tochter umbringen musste?“ Selvi berichtet von dem Hass, der ihr vom eigenen Ehemann und den Schwiegereltern entgegenschlug, als sie eine Tochter zur Welt brachte. Ein Mädchen! Welch’ ein Unglück für die Familie. Später würde man viel Geld und Gold für eine Mitgift aufbringen müssen, um sie zu verheiraten, und dann würde sie zur Familie des Ehemannes gehören. „Ein Mädchen großzuziehen ist, wie den Garten des Nachbarn zu bewässern.“, sagt ein indisches Sprichwort. Selvi leidet, doch sie muss die Anfeindungen ertragen. Demütig und gehorsam zu sein, dass hat sie ja von klein auf gelernt. Sie kommt ihren Pflichten als Hausfrau und Mutter, als Schwiegertochter und Ehefrau klaglos nach. Wieder wird sie schwanger. Schon wird ihr gedroht: „Bring’ ja nicht noch einmal ein Mädchen zur Welt!“ Sie hat Angst. Doch was soll sie tun. Die Geburt bestätigt alle Befürchtungen: Wieder eine Tochter. Brutal schlägt ihr Mann sie zusammen. Er und seine Eltern machen ihr unmissverständlich klar: Sie muss dieses neugeborene Kind umbringen – so schnell wie möglich! Kann es eine furchtbarere Forderung an eine Mutter geben? Selvi ist völlig verzweifelt, sieht keinen Ausweg. Sie weiß, wird sie ihr Kind leben lassen, so wird nicht nur dieses Mädchen, sondern auch die erste Tochter die Hölle auf Erden erleben. So fügt sie sich in das Unvermeidliche…. Doch nie – niemals, so lange sie lebt – wird Selvi dieses Kind, das sie neun Monate unter ihrem Herzen getragen hat, vergessen. Zwei Jahre später die nächste Schwangerschaft – erneut gepaart mit großer Angst. Vor der Geburt flüchtet Selvi in das Haus ihrer Eltern. Es ist nur eine winzige Hütte, doch hier fühlt sie sich sicherer. Hier im Dorf hört sie zum ersten Mal, dass Frauen sich gegen die Tötung von Mädchen zur Wehr setzen; dass sie sogar öffentlich darüber reden und diese Verbrechen anklagen. Sie haben sich in einer Gruppe zusammengeschlossen, fühlen sich nicht mehr hilflos, sondern stark in ihrer Gemeinschaft. Selvi sucht Kontakt, ist beeindruckt, dass so etwas möglich ist. Das macht ihr Mut – Mut, den sie dringend braucht, als ihr drittes Kind zur Welt kommt: wieder ein Mädchen. Selvi weiß, dass sie damit nicht bei ihrem Mann erscheinen darf. Doch welche Alternative hat sie? Sie könnte bei ihren Eltern bleiben, aber sie weiß, was dies bedeutet. Als Frau in Indien allein zu leben – als alleinerziehende Mutter – das bedeutet soziale Ächtung, finanzielle Not, Einsamkeit… Doch Selvi liebt ihre kleine Tochter, liebt sie, wie auch die ersten beiden. Ihre Liebe zu dem zweiten Mädchen wird immer gepaart sein mit der Trauer um ihren gewaltsamen Tod. Noch einmal wird sie dies nicht tun – koste es was es wolle! Sie ist bereit, jeden Preis zu zahlen für das Leben ihrer Tochter. Seitdem lebt Selvi mit den beiden Mädchen im Haus ihrer Eltern – in einem Raum, in dem nicht einmal ein Bett Platz hätte. Doch sie schlafen ohnedies auf dem Fußboden. Es ist wahrlich nicht leicht, das tägliche Leben zu meistern; genug zu verdienen, um die Mädchen zu ernähren, zu kleiden und sie sogar zur Schule zu schicken. Doch die Liebe ist wichtiger als alles andere.
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Liebe scheitert nicht an HIV und AIDS
Nur die kleinen Glöckchen an ihren Fußgelenkten klimpern, als die kleine Nirmala leichtfüßig durch den Krankensaal hüpft. Hier ein Lächeln, dort ein Streicheln und überall folgt eine Spur von Freude auf den von schwerster Krankheit gezeichneten Gesichtern. So unbefangen, wie dieses Kind mit diesen dem Tode geweihten Menschen umgeht, das ist Liebe in Vollendung! Mir selbst steckt derweil ein Kloß im Hals, als ich von Bett zu Bett gehe. Die Patienten hier sind alle im Endstadium, haben nur noch wenige Tage oder Wochen zu leben. Mit einer HIV-Infektion fing es an. Als das Immunsystem immer schwächer wurde, hatten andere Krankheitserreger leichtes Spiel. Jetzt ist es bei vielen die Tuberkulose, die wohl zum Tode führen wird.
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Hinterher, im Büro unseres Partners, ist es wieder das kleine Mädchen, das hilft – dieses Mal mir: diesen Kloß im Hals hinunterzuschlucken. Sie klettert auf meinen Schoß: „Ich bin Nirmala, acht Jahre alt und HIV-positiv. Und Du, wer bist Du?“ HIV-positiv! Mit welcher Natürlichkeit dieses Kind diese Worte ausspricht, so als sei dies das Normalste der Welt. Infiziert wurde sie von ihrer Mutter, bei ihrer Geburt. Ihr Vater lebt nicht mehr. Er hatte den Tod bringenden Virus in die Familie gebracht. Nach seinem Tod wusste Nirmala’s Mutter nicht weiter, dachte an Selbstmord – wenn da nicht ihr kleines Mädchen gewesen wäre. Durch Zufall hörte sie, dass es in Warangal eine Anlaufstelle gibt für HIV-Infizierte, dass sie hier Hilfe finden, auch wenn sie nicht zahlen können. Wir sind stolz, solche Partner zu haben, die sich voller Liebe dieser Menschen annehmen. Nirmala und ihre Mutter wurden untersucht. Seitdem erhalten sie – über staatliche Programme – regelmäßig die „ART (Anti-retro-viral Therapy)“-Medikamente. Damit wird das Immunsystem gestärkt. Das gibt ihnen die Chance, noch Jahre zu leben trotz HIV – vielleicht sogar noch viele Jahre, wenn die Medikamente regelmäßig genommen werden und die Ernährung ausreichend ist. Nirmala’s Mutter wurde im Hospital angestellt, als Putzfrau. Immerhin, es ist eine sichere Stelle, auch wenn sie einmal nicht die Kraft hat zu arbeiten. Und die Kleine ist gut versorgt. Unser Partner und sein Team schenken so viel Liebe – diesen Menschen, die von der Gesellschaft ausgestoßen werden, wie einst die Leprakranken. Und als Lohn erhalten sie die Liebe von Nirmala….
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Professor Prabakar und seine Liebe zu den Kindern „mit anderen Fähigkeiten“
Eigentlich ist er ja Physiker – ein hochintelligenter Mann aus guter indischer Familie. Alle Türen standen ihm offen nach dem Studium. Und dann entwickelt er primitive Hörgeräte und Spielmaterialien aus Müll? Prof. Prabakar hat sich für die Arbeit mit Kindern entschieden, die anders sind als andere. „Disabled“ werden sie genannt. Doch er nennt sie „differently abled“: Kinder mit anderen Fähigkeiten. Das sind sie für ihn, die Kinder, die mit einer körperlichen oder geistigen Behinderung leben. Er hat erkannt, dass Einschränkungen auf der einen Seite häufig besondere Talente auf einer anderen Seite bedeuten. Und selbst wenn wir – mit unseren üblichen Prägungen und Wertungen – keine besonderen Fähigkeiten erkennen können, dann ist für Prof. Prabakar doch jedes Kind ein Geschenk Gottes, ein geliebtes Geschöpf, das es verdient, mit Würde behandelt zu werden. Welch’ ungewöhnliche Sichtweise in einem Land wie Indien, in welchem bis heute häufig behinderte Kinder im Haus versteckt werden, weil sie als „Strafe der Götter“ gelten. Welche Sünden müssen die Eltern begangen haben, um mit einem solchen Kind bestraft zu werden?
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Prof. Prabakar setzt alles daran, diese Denkweise zu ändern, die Kinder aus ihrer Isolation herauszuholen, den Eltern Mut zuzusprechen. Viel an Aufklärungsarbeit ist notwendig über die wahren Ursachen von Behinderungen. Und möglichst frühzeitige Untersuchung, Behandlung, Therapie. Wird z.B. zu spät erkannt, dass ein Kind schwerhörig ist, so wird es später nie mehr seine Hörfähigkeit entwickeln können, selbst wenn eine Operation oder ein Hörgerät die physischen Voraussetzungen schaffen. Die entsprechenden „Schaltkreise“ im Gehirn haben sich einfach nicht entwickeln können. Deshalb geht es ihm immer wieder darum, dass Behinderungen so früh wie möglich erkannt werden. Und ein Weiteres ist ihm wichtig: „Ich setze kein Hilfsmittel ein und keine Therapie, die nicht auch von der ärmsten Familie im abgelegendsten Dorf genutzt werden kann!“ Deshalb entwickelte er, der Physiker, z.B. ganz einfache Hörgeräte. Die kleinen, kaum sichtbaren High-Tech-Geräte, sind wunderbar, doch viel zu teuer und viel zu empfindlich. Seine Geräte sehen eher aus wie ein Walkman, werden vom Kind an einer Schnur um den Hals getragen. Sie sind robust und die Batterien billig zu haben. Das ist es, was zählt! Und die Physiotherapie für die Kinder, die an Polio erkrankt waren: Übungen, die die Eltern einfach erlernen und dann mit den Kindern durchführen können, sind gefragt. Und die Materialien zur Förderung der geistig behinderten Kinder: „Es sind alles Alltagsgegenstände oder Dinge, die wir aus Abfall selbst hergestellt haben.“ Prof. Prabakar ist ein Mensch, der ganz in seiner Aufgabe aufgeht: Liebevoll jedes einzelne behinderte Kind wahrzunehmen und seine besonderen Talente zu fördern!
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Professor Husain und seine Liebe zu den Blinden
„Es sind sicher eine Million Blinde hier in Bangladesch. Wo sollen wir da anfangen?“ Professor – damals Doktor – Husain war ein junger Augenarzt in seinem armen Heimatland Bangladesch, als er zum ersten Mal Anfang der 1970er Jahre diese Frage mit Vertretern der Andheri-Hilfe diskutierte. Die Aufgabe erschien so riesig, dass viele – in Bangladesch wie in Deutschland – in Frage stellten, ob es sich denn überhaupt lohne, zu beginnen. Es war der Enthusiasmus des jungen Augenarztes, gepaart mit dem Mut der Andheri-Hilfe Gründerin Rosi Gollmann, die den Ausschlag gab: „Lasst uns einfach mit dem ersten Blinden beginnen!“ Den ersten Überlegungen folgten immense Anstrengungen, um einfache Augenhospitäler über das Land verteilt aufzubauen, um Ärzte und Fachpfleger auszubilden, um mit mobilen medizinischen Teams auch in entlegene Ecken des Landes zu fahren, um dort direkt vor Ort zu untersuchen, zu behandeln und zu operieren – Patienten, die nie den Weg zum Augenarzt in die weit entfernte Stadt hätten unternehmen können. Immer mehr Menschen sind bereit, mitzumachen – Spender hier in Deutschland – Ärzte und Helfer in Bangladesch. Was damals niemand zu hoffen gewagt hätte: Inzwischen konnten weit mehr als eine Million Augenoperationen durchgeführt werden. Noch viel mehr Menschen wurden durch rechtzeitige Behandlung oder durch Vorsorgemaßnahmen vor dem Schicksal der Erblindung bewahrt. Unheilbar Blinde werden so gefördert, dass sie menschenwürdig leben können. Und immer mehr Menschen, die nach der Operation wieder sehen können, erhalten eine Starthilfe, um sich eine Existenzgrundlage aufzubauen: neue Lebenschancen werden geschaffen.
Welche Freude ist es, Licht in das Leben von Blinden zu bringen und andere vor dem Schicksal der Erblindung zu bewahren – welch’ ein wunderbarer Ausdruck der Liebe von Mensch zu Mensch!
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Mathamma Tolla und ihre Liebe zu ihrer Berufung
„Ich war noch ganz klein, als ich der Göttin Mathamma geweiht wurde, vielleicht drei oder vier Jahre alt. Ich kann mich nicht erinnern, aber meine Mutter hat mir später von den Zeremonien im Tempel erzählt. Woran ich mich erinnern kann, das ist der Tanzunterricht. Ich war wohl so etwa sechs, als die erfahrenen Mathammas mir die Tempeltänze beibrachten. Das hat mir sehr viel Freude gemacht. Und wie war ich stolz, als ich mit 13 zum ersten Mal bei einem Tempelfest tanzen sollte – ich, Tolla, als Stellvertreterin der Göttin Mathamma – als Mathamma Tolla! Mein Herz schlug bis zum Hals. Es war ein wundervolles Fest. Bis dann einer der Dorfführer zu mir kam und mich brutal vergewaltigte. Und ihm folgten andere Männer. Ich wusste nicht, wie mir geschah, war gänzlich unvorbereitet. In der Nacht, als es endlich vorbei war, wollte ich mich bei meiner Mutter ausweinen. Aber sie sagte nur: ‚Das gehört eben dazu. Du wirst Dich daran gewöhnen.’ Das war noch mal wie ein Schlag ins Gesicht… Heute weiß ich, dass meine Mutter einfach nicht anders konnte. Wir gehören zu den Madigas, sind sozusagen ‚die Untersten der Unteren’: Kastenlose, Dalits. Aber innerhalb der Dalits nochmals die ganz am Ende der sozialen Leiter. Bei den Madigas gibt es einen Brauch: Wenn es eine große Not in der Familie gibt, dann wird ein Mädchen der Göttin Mathamma geweiht, um ihre Gnade zu erflehen. Nun, ich war ein solches „Opfer für die Göttin“. Und ich musste erfahren: Es gab keinen Ausweg aus meinem vorbestimmten Weg: Tanzen für die Göttin und dann den Männern sexuell zur Verfügung stehen. Alle im Dorf wussten natürlich davon. Es war das reinste Spießrutenlaufen. Kein Mädchen durfte mehr mit mir spielen, keine Tür wurde mir mehr geöffnet. Und dann kam, was kommen musste: Ich wurde schwanger. Von wem, konnte ich natürlich nicht wissen. Doch bestraft dafür wurde mein Baby, ein kleiner Junge. Beschimpft und bespuckt wurde er, der Vaterlose, der Sohn einer Prostituierten. Als ob er etwas dafür könnte…. Ich habe erst gar nicht versucht, ihn zur Schule zu schicken. Es war ja klar, was sie dort mit ihm machen würden…“
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Das Schicksal von Mathamma Tolla ist kein Einzelfall, im Gegenteil. Es gibt Zehntausende Frauen allein im indischen Bundesstaat Andhra Pradesh, die der Göttin geweiht und später auf das Schlimmste missbraucht werden. Dem wollte einer nicht mehr länger zusehen: Nune Vengaiah, selbst als Madiga geboren. Gerade deshalb empfindet er so viel Mitgefühl für diese Frauen und ihre Kinder. Wir sagten zu, den mutigen Kampf dieses Mannes zu unterstützen. Doch das alte System wurde von vielen überaus geschätzt und Nune entsprechend angefeindet: Man vergiftete seinen Brunnen, zündete sein Haus an. Und trotzdem habe ich nie auch nur ein Wort des Hasses von ihm gehört. Er ist ein Vorbild für gewaltlosen Widerstand und für das konsequente Verfolgen eines Zieles, das man als lohnenswert erkannt hat. „Das Leben ist ein Buch. Anfang und Ende sind bestimmt. Die Seiten dazwischen musst Du selber schreiben.“ Diesen Spruch hat er groß auf seine Hauswand gemalt.
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Mathamma Tolla schreibt die Kapitel ihres Lebens inzwischen selbst: Sie und viele Mathammas in ihrem Umkreis haben es geschafft, sich von dieser unheilvollen Praxis zu distanzieren. Das Recht steht auf ihrer Seite: Längst ist Tempelprostitution verboten. Doch erst durch den mutigen Einsatz von Nune Vengaiah werden diese Gesetze auch geachtet – wenigstens in den gut 500 Dörfern, in denen er arbeitet. Mutig sind auch Frauen wie Mathamma Tolla: Sie hat inzwischen eine eigene kleine Organisation gegründet mit dem Ziel, Mathammas zu helfen, endlich ein menschenwürdiges Leben zu führen und zu verhindern, dass weitere Mädchen der Göttin geweiht werden. Sie trägt ihren Namen Mathamma Tolla inzwischen mit Stolz: „Ich bin heute glücklich, eine Mathamma zu sein, Stellvertreterin der Göttin hier auf Erden. Ich sehe es als meine Berufung, den Menschen verständlich zu machen, was wirklich Wille der Göttin und was menschengemachte, unheilvolle Traditionen sind.“
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P.S. Mathamma Tolla ist seit Jahren verheiratet und ihr Sohn konnte doch noch die Schule besuchen. Heute studiert er und ist der ganze Stolz seiner Mutter.
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Die Frauen in den Slums von Chennai: Liebe zu ihren Kindern
Sie leben in Verschlägen aus Wellblech oder unter Plastikplanen am Straßenrand. Von sanitären Einrichtungen oder Privatsphäre können sie nur träumen – genauso wie von einem geregelten Einkommen oder von Geld für den Arzt. Die Menschen auf den Straßen und in den Slums von Chennai, dieser Millionenstadt an der Südostküste des Landes. Die meisten von ihnen haben aus Verzweiflung und Not ihre Heimat verlassen – getrieben von der Hoffnung auf ein besseres Leben in der Stadt, auf Arbeit und Lohn. Die Realität übertrifft alle Erwartungen: Das alte Elend wird meist von noch viel größerem Elend – gepaart mit Entwurzlung und Hoffnungslosigkeit – abgelöst. Doch hier in den Slums von Chennai haben sich die Frauen mit Unterstützung der Andheri-Hilfe in Gruppen zusammengeschlossen. Gemeinsam sparen sie kleinste Beträge, helfen sich im Notfall untereinander. So werden sie ein Stück weit unabhängiger vom Geldverleiher mit seinen Wucherzinsen, wenn z.B. jemand krank wird und ärztliche Hilfe braucht oder eine Frau sich eine Existenzgrundlage aufbauen möchte. Gemeinsam setzten sie sich auch für Verbesserungen ein: für Trinkwasserversorgung und Latrinen oder dafür, dass ihre „Häuser“ nicht einfach vom Bulldozer niedergewalzt werden. Und für noch etwas setzten sie sich ein: All ihre Kinder gehen heute in den Kindergarten und dann zur Schule! Vor wenigen Jahren war es normal, dass ihre Kinder schon früh mitarbeiten mussten. So konnten sie ein paar Cents verdienen. Und überhaupt, wozu sollte denn Schule gut sein für die Kinder der Straße? Doch genau dieses Bewusstsein hat sich durch unsere Arbeit mit diesen Frauen geändert. Sie wissen heute: Sie können ihren Kindern keine bessere „Mitgift“ geben, keine wertvollere Chance für ein besseres Leben, als eine gute Schulbildung. So sind sie heute zu großen Opfern bereit, verzichten auf das Einkommen der Kinder, sorgen dafür, dass sie regelmäßig zur Schule gehen. Im Rahmen des Projektes wurde lokale Unterstützung organisiert, z.B. Studenten, die jeden Nachmittag einige Stunden mit den Schulkindern arbeiten, ihnen bei den Hausaufgaben und Prüfungsvorbereitungen helfen. Sicher, noch immer leben diese Familien auf der Straße, unter menschenunwürdigen Bedingungen. Doch etwas ganz Wesentliches hat sich verändert: Sie haben Hoffnung! Und sie setzen sich ein mit all ihrer Kraft – und ihrer Liebe – für ihre Kinder. So viele strahlende Kinder habe ich selten erlebt!
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Eines dieser Mädchen hat mein Herz besonders berührt: Nagavalli. Bei meinem Besuch in der Barracks-Road (Baracken-Straße – dieser Name beschreibt die Wirklichkeit recht gut!) im Januar 2007 sucht die Kleine meine Nähe, strahlt mich an, will meine Hand halten. Die non-verbale Kommunikation funktioniert perfekt – gut so, denn mein Tamil ist so schlecht wie ihr Englisch. Paul kommt uns zur Hilfe: „Nagavalli ist quasi unser Sorgenkind. Sie ist etwa 11 Jahre alt und die einzige hier in der Straße, die noch nicht zur Schule geht. Ihre Eltern sind verschollen. Sie lebt bei den Großeltern, doch die sind völlig überfordert.“ Ich überlege, frage, ob wir die Großeltern gemeinsam aufsuchen können. In Ordnung. Nagavalli führt mich an den Baracken entlang. Weit hinten, unter einer Plane kauern zwei alte, hagere Gestalten: gezeichnet von Hunger, Alkohol und Hoffnungslosigkeit. Ihre Großeltern. Mir ist sofort klar, dass diese beiden Alten sich nicht um Nagavallis Erziehung und Schulbildung kümmern können. Und doch mache ich einen Versuch, ihnen zu vermitteln, dass dies das größte Geschenk ist, was sie ihrer Enkelin machen können: Ihr den Besuch der Schule zu ermöglichen, ihr damit eine Chance zu geben, dieses Elend der Straße irgendwann einmal hinter sich zu lassen. Aber ich habe gut reden, fliege bald nach Deutschland in mein geordnetes Leben zurück. Wie sollen diese beiden alten Leute denn schaffen, worum ich sie hier bitte? Was dann geschieht, werde ich nie vergessen: Die Nachbarinnen, alle organisiert in einer Frauengruppe, sind wunderbar: Die eine bietet an, Nagavalli morgens zu wecken und für die Schule fertig zu machen. Die andere sagt zu, das Trinkwasser zu besorgen und den Großeltern mittags etwas zum Essen zu bringen. Unsere Projektmitarbeiterin verspricht, sich ganz besonders um Nagavalli zu kümmern, damit sie in der Schule mitkommt. Da ist plötzlich eine Dynamik, die uns alle erfasst und uns hoffen lässt… Vier Wochen später dann eine Mail von Paul mit einem Foto: Eine strahlende Nagavalli in Schuluniform! Ich staune wieder einmal, was Liebe möglich machen kann….
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„Wieso tue ich das eigentlich?“
Bei meinen Projektbesuchen bin ich immer wieder beeindruckt zu erleben, wie unsere Partner und wie so viele Menschen in den Projekten diese Frage so klar und einfach beantworten können. Es ist gleichzeitig auch die Frage: „Was ist wirklich wichtig?“ Die meisten dieser Menschen stellen keine philosophischen Betrachtungen an und führen keine religiösen Debatten – sie zeigen ganz einfach, ganz praktisch, dass das Leben dann einen Sinn hat, wenn ein Mensch eine kleine Spur der Liebe in diese Welt eingräbt. Nach dem Gesetz von Saat und Ernte wird aus dieser Liebe weitere Liebe wachsen. Hoffnungszeichen….
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„Liebe Deinen Nächsten – ganz praktisch“. Das Schöne dabei ist, dass es mir selbst gut geht, wenn ich Liebe gebe. Ob ich einem Menschen ein Lächeln schenke oder die Starthilfe für den Aufbau einer Existenzgrundlage - es ist eine positive Wirkung, die dadurch erzielt wird. Und genau das gibt mir selbst ein Glücksgefühl und motiviert mich, weiterzumachen. Dabei ist die Orientierung an der Weisung: „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst!“ sehr wertvoll. Gerade Menschen in helfenden Berufen haben häufig die Tendenz, nur den ersten Halbsatz zu hören. Wir alle kennen Helfer, die helfen bis zum Umfallen, die sich selbst völlig außer Acht lassen. Doch das kann nicht lange gut gehen, kann nicht Sinn des Lebens sein. Die Gefahr ist, dass irgendwann entweder das „Burnout“ kommt, oder die (zumindest innere) Anklage: „Wieso erfahre ich nicht mehr Dankbarkeit, nicht mehr Anerkennung, wo ich doch mein ganzes Leben für Andere opfere?“ Nein, so kann das mit der Liebe nicht gemeint sein. Ich will achtsam sein – mit Anderen und ganz besonders mit mir selbst. Achtsam, dass ich nicht selbst „am Helfersyndrom erkranke“ und achtsam, dass ich nicht andere be- oder gar verurteile. Jeder Mensch ist ein Mensch wie ich - auf der Suche nach Glück und Liebe…
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Diese Suche nach Glück und Liebe führt die Menschen so viele unterschiedliche Wege – wer kann schon sagen, welches der richtige ist? Doch eines steht fest: Das Engagement für Not leidende Menschen (seien sie arm oder unterdrückt oder einsam) schafft schon ein kleines Stück „Himmel auf Erden“! Voll Dankbarkeit denke ich an die vielen Menschen – in unseren Projekten und auch hier bei uns – die sich einsetzen für andere: Da sind die Menschen, die die Andheri-Hilfe mit ganz viel Herzblut aufgebaut haben – aus dem Nichts aber mit festem Glauben und praktischem Handeln. Da sind die Menschen, die mit ihren Spenden unsere Projektförderung möglich machen. Ich weiß, dass viele von ihnen nicht vom Überfluss geben, sondern ihre Spende wirklich ein Opfer bedeutet! Da sind die Menschen, die sogar über ihren Tod hinaus ein Zeichen setzen wollen: Deren Erbe neues Leben schafft für Notleidende! Da sind diejenigen, die uns und die Menschen in „unseren“ Projekten mit ihren guten Wünschen und ihren Gebeten begleiten. Eine Kraft, die ich sehr hoch schätze! Da sind die Menschen, die uns mit ihrer „Zeit“ beschenken: als Ehrenamtliche sich einsetzen – in unserer Andheri-Zentrale in Bonn oder an ihrem Wohnort, in ihrer Pfarrei, an ihrer Schule oder in ihrer Firma. Und da sind die hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter: Für niemanden von ihnen ist die Arbeit bei der Andheri-Hilfe „nur ein Job zum Geldverdienen“. Es geht um mehr. Die persönliche Motivation ist so unterschiedlich wie die Menschen selbst, doch die Grundsätze unserer Aufgabe verbinden uns: Gemeinsam für mehr Menschlichkeit in unserer einen Welt! Eine kleine Spur der Liebe eingraben…
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Ein Grundsatz ist uns allen besonders wichtig: „Der Mensch kann nicht entwickelt werden. Er kann sich nur selbst entwickeln.“ Das ist ganz wesentlich. Bei der Prüfung eines jeden Projektantrags, der uns erreicht, ist eine der wichtigsten Fragen: Wer hat ihn geplant? Und wenn noch so wohlmeinende Personen oder Organisationen einen noch so professionellen Plan erstellt haben, aber er kommt nicht von den Menschen selbst, um die es eigentlich geht, dann hat er bei uns keine Chance. Natürlich brauchen Menschen in Not- und Unterdrückungssituationen Hilfestellung. Aber das Wichtigste auch hier: Achtsamkeit und liebevolle Zuwendung. Dem einzelnen Menschen mit Respekt begegnen, ihn wahrnehmen mit seinen Stärken und Schwächen. Niemand ist nur arm oder unwissend, niemand ist nur hilfsbedürftig. Jeder kann auch geben, kann auch schenken – Liebe zum Beispiel. Wie oft habe ich in abgelegenen Dörfern oder in schmutzigen Slums erlebt, dass Menschen gerade in großer Armut und Not einander Zuwendung, Liebe, schenken. Das ist dann immer wieder auch ein Geschenk für mich. Die Liebe steht – ganz gleich unter welchen Lebensbedingungen – an erster Stelle!
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Das Schwerste jedoch ist die Feindesliebe
Noch einmal zurück zu unseren Projekten und zu einem Thema, das für unsere Partner oftmals viel präsenter ist als für uns hier in Deutschland: der Feindesliebe. Wenn wir z.B. das Wort „Christenverfolgung“ hören, dann denken die meisten von uns wahrscheinlich an längst vergangene Zeiten – und nicht etwa an das Jahr 2008. 2008 in Orissa/Indien. Nachdem ein Hindu-Priester umgebracht worden war, brachen in brutaler Stärke Christenverfolgungen aus. Kirchen, christliche Schulen und Einrichtungen wurden niedergebrannt, Priester und Nonnen vergewaltigt, getötet. Zehntausende von Christen flohen vor ihren hinduistischen Nachbarn, mit denen sie jahrzehntelang in Frieden und Eintracht gelebt hatten. Hass war geschürt worden, wo Toleranz herrschte. Dass es wirklich um die Sorge ging, die Hindus würden in großem Stil um Christentum „verführt“, das ist sehr unwahrscheinlich, sinkt doch der Prozentsatz der Christen in den meisten Gegenden Indiens eher, als dass er steigt. Es ist wohl vielmehr die Angst vor etwas anderem: Christliche Priester und Ordensleute, Schulen und Organisationen nehmen sich der an den Rand gedrängten Bevölkerungsgruppen an, die in der hinduistischen Klassengesellschaft ganz unten stehen: der Dalits und der Adivasi. Ihr Anliegen ist jedoch in aller Regel nicht die Missionierung. Sie vermitteln Bildung – auch über die Rechte, die diesen Menschen nach den indischen Gesetzen zustehen. Sie ermutigen, diese Rechte einzufordern – als indische Staatsbürger. Über Jahrhunderte, Jahrtausende war es so einfach, dieser – zwar großen, aber gänzlich ungebildeten – Bevölkerungsgruppe ihren Platz zuzuweisen – den Platz ganz unten! Und jetzt diese „Rebellion“! Nein, das schafft nicht nur Freunde. Paul Pradhan, einer unserer Partner, musste dies bitter erfahren: Sein Haus, sein Büro, alles wurde zerstört. Er, seine Familie und seine Mitarbeiter entkamen nur knapp dem Mob. Sie hatten noch Glück: Freunde, Verwandt verloren ihr Leben… Paul und seine Familie versteckten sich tagelang in den Wäldern und flohen schließlich nach Bhubaneshwar, in die Landeshauptstadt. Hier, in den Slums, konnten sie erst einmal untertauchen. Doch wie sollte es weitergehen?...
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Paul hat er sich nicht für den Weg des Hasses und der Vergeltung entschieden. Er versucht es mit dem Gegenteil – mit der Feindesliebe und der Versöhnungsarbeit. Ob es einen Weg „zurück zur Normalität“ gibt, das weiß heute – 1 ½ Jahre nach den Massakern – noch niemand. Es sieht derzeit nicht danach aus. Die Menschen haben Angst. Entweder, sie sind unter dem Druck der Masse zum Hinduismus konvertiert oder sie bleiben ihren Heimatdörfern fern. Noch immer leben Zehntausende bei Verwandten irgendwo verstreut oder in den Slums von Bhubaneshwar. Dass sie hier nicht immer gern gesehene neue Nachbarn sind, das ist leicht vorstellbar, war doch vorher der Platz schon viel zu eng, die Arbeit, das Essen, die Schulen, die Latrinen usw. zu wenig. Paul versucht zu vermitteln: neue Hoffnung und konkrete Zukunftsperspektiven. Gerade den jungen Menschen. Was, wenn sie nicht mehr nach Hause zurückkehren können? Wie sollen sie die traumatischen Erfahrungen dieser Verfolgung verarbeiten? Wie reagieren auf neue Anfeindungen in der Enge der Slums? Paul bietet mit Unterstützung der Andheri-Hilfe z.B. Kurse zur beruflichen Ausbildung an – für die Flüchtlinge und andere Jugendliche aus den Slums. So werden sie gefordert, so entwickeln sie ihre Fertigkeiten, so lernen sie, wieder Selbstvertrauen zu entwickeln und Freunde zu finden – auch unter den alteingesessenen Nachbarn. Paul fragt nicht, wer was getan hat, wer welche Rolle gespielt hat und welche Position eingenommen hat bei der Christenverfolgung. Er fragt nicht nach der Religionszugehörigkeit. Er sieht die Menschen, die alle die gleiche Sehnsucht nach Glück, Frieden und Liebe haben.
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Feindesliebe ganz praktisch, ganz nah
Ganz ehrlich, ich bin dankbar, in meinem Leben bislang einer Prüfung, wie sie Paul und Hunderttausende von Menschen mit ihm bestehen mussten, noch nicht unterworfen worden zu sein. „Liebe Deine Feinde“ – welch’ eine Herausforderung! Wie würde ich reagieren? Diese Frage lässt sich nicht theoretisch beantworten. Praktisch beantworten lässt sich jedoch die Frage: „Wie gehe ich mit meinem Nächsten um, wenn der sich mir gegenüber – vielleicht nicht direkt feindselig – aber doch z.B. rücksichtslos oder unfreundlich zeigt?“ Wenn dieser Mensch direkt vor mir steht? Wie gehe ich dann mit ihm um – in Gedanken, Worten und Taten? Welche Gefühle regen sich da in mir? Dank wunderbarer Wegbegleiter habe ich etwas ganz Wesentliches gelernt: Ich habe immer die Wahl! Ich kann nicht beeinflussen, was (und wer und wie) auf mich zukommt. Aber ich habe immer die Wahl, wie ich darauf reagiere! Das gibt mir eine große Freiheit – und eine große Verantwortung gleichzeitig. Denn jetzt kann ich nicht mehr „die Anderen“ verantwortlich dafür machen, wenn es mir schlecht geht, wenn ich mich von einem Problem niedergedrückt fühle, wenn Dinge nicht so laufen, wie ich es möchte. ICH habe die WAHL! Paul Pradhan hat sich für die Feindesliebe und die Versöhnungsarbeit entschieden. Er zeigt ganz praktisch, dass wir es in Händen haben, uns selbst ein Stück „Himmel auf Erden“ – oder auch Hölle – zu schaffen. Um „den Himmel“ zu schaffen, ist es wichtig, dass wir unserem Nächsten liebevoll begegnen – in Gedanken, Worten, Taten – und auch in Gefühlen. Es ist wichtig, an das Gute in jedem Menschen zu glauben. Das heißt nicht, zu leugnen, dass es Bosheit und Intrigen gibt. Sondern es heißt, an den guten Kern in jedem Menschen zu glauben, daran, dass niemand aus Lust schwierig oder aus tiefstem Herzen böse ist. Daran zu glauben, dass in jedem Menschen die Sehnsucht nach dem Guten steckt, an das er selbst vielleicht nicht glauben kann, weil niemand sonst daran glaubt. An das Gute in jedem Menschen zu glauben, das ist eine Möglichkeit, neues Leben zu wecken in meinem Gegenüber. Das ist eine großartige Übungschance auch für mich selbst! Da kann ich meine Achtsamkeit üben und meine Haltung der liebevollen Zuwendung: „Dies ist ein Mensch wie ich, der sich auch nach Glück und Liebe sehnt – gleich, was er in diesem Augenblick sagt oder tut.“ Wie gesagt, ich persönlich bin dankbar, noch nicht vor eine so schwere Aufgabe gestellt worden zu sein wie Paul Pradhan. Doch auch für mich gibt es jeden Tag neue Herausforderungen in der Begegnung mit anderen Menschen. Da ist es mir wichtig, achtsam zu sein -  achtsam vor allem mit mir selbst: mit meinen Gedanken und Worten, mit meinen Gefühlen und meinen Handlungen. Das gelingt mir bei weitem nicht immer. Doch was mich tröstet: Ich kann immer wieder neu beginnen, jeden Tag, jeden Augenblick – auf dem Übungsweg der Liebe!
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Der wichtigste Augenblick ist immer der jetzige.
Der wichtigste Mensch ist immer der, der mir gerade gegenübersteht.
Das wichtigste Werk ist immer die Liebe.
(Meister Eckhart)
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* Dalits = Kastenlose, Unberührbare
* Adivasi = Stammesangehörige, Ureinwohner
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Kurzvita Elvira Greiner
Geboren ist Elvira Greiner 1962 in einem kleinen Eifeldorf. Die Liebe und Geborgenheit des Elternhauses prägten ihre Kindheit. Hier wuchsen die Wurzeln ihrer positiven Lebenseinstellung und gleichzeitig die Sehnsucht nach der weiten Welt. Sie studierte Sprachen, ging zum Auswärtigen Amt. Dort „fiel ihr eine Kleinanzeige zu“: Ehrenamtliche Mitarbeit bei Übersetzungen gesucht. Der „Zufall“ wollte es, dass die Andheri-Hilfe ihr Büro genau gegenüber ihrem Apartment hatte. Das ehrenamtliche Engagement gab ihr Einblick in diese so andere Arbeit bei einer Nichtregierungsorganisation. Sie war begeistert zu erleben, wie nah die Andheri-Hilfe mit den Menschen verbunden ist und davon, welche Erfolge gezielte Entwicklungszusammenarbeit konkret bewirken kann. Sie sagte drei Monate Vollzeit-Unterstützung zu. Daraus wurden inzwischen 30 Jahre. Seit 2001 ist Elvira Greiner die 1. Vorsitzende der Andheri-Hilfe. Vieles hat sich verändert. Die Begeisterung ist geblieben. Und die Dankbarkeit, jeden Tag einen kleinen, aber konkreten Beitrag leisten zu dürfen zu mehr Menschlichkeit – mehr Liebe – in unserer einen Welt.
Dieser Beitrag ist erschienen in
Was ist Liebe?: Eine integrale Anthologie über die Facetten der Liebe"
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