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:: Stiftungen: Vorbilder für Nachhaltigkeit
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Fast gleichzeitig berichtete die Los Angeles Times über die Finanzanlagen der Gates-Stiftung und löste so eine Debatte aus, die die gute Nachricht weit in den Schatten stellte. Einerseits, so hieß es, würden Milliarden zur Bekämpfung von Krankheit und Armut in der Welt ausgegeben. Andererseits würde der Löwenanteil des Vermögens in Konzerne investiert, die diese Ziele sabotieren, etwa die Umwelt verpesten, Sozialstrukturen zerstören oder Kinderarbeit zulassen. Und in der Tat umfasste das Portfolio der Gates-Stiftung bei Gesamtwerten von 31,9 Mrd. US-$ zu fast einem Drittel Werte von Unternehmen, die wegen Ethikverstößen in der Kritik stehen.
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In der Debatte um das, wie es hieß, „schmutzige Geheimnis“ von Stiftungen ging es im Kern um die Frage, wie sich gemeinnütziges Engagement und notwendige Investments miteinander vereinbaren lassen. Ist es wichtig zu wissen, woher die Mittel kommen, die eine Stiftung für gute Zwecke spendieren kann? Soll man insbesondere als gemeinnützige Stiftung positiven sozialen Wandel auch mit seinen Investment-Strategien erreichen? Ist es Ausdruck der Foundation Governance, der guten Stiftungspraxis, dass Vermögensanlage und Mittelverwendung sich nicht widersprechen?
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Heute werden diese Fragen zunehmend bejaht. Argumentiert wird mit der Vorbildfunktion der Stiftungen, mit der Glaubwürdigkeit für Zustifter oder mit der Stabilität dieser nachhaltigen Geldanlagen. Konstatiert wurde aber auch, dass sich die meisten Stiftungen noch nicht mit dieser Frage auseinandergesetzt haben und die Banken ethisch, sozial und ökologisch ausgerichtete Anlagen (auch Socially Responsible Investments – SRI - genannt) auch nur selten aktiv anbieten. Wie eine Umfrage des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen vom Februar 2008 ergeben hat, betrachten lediglich diversifizierte Stiftungen, die neue Anlageformen aktiv aufgreifen, nachhaltige Investments als selbstverständige Ergänzung des Portfolios. Verbreitet bleibt vielfach eine gedankliche oder sogar organisatorische Firewall zwischen den für Vermögensanlage und Projektarbeit zuständigen Bereichen.
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Gerade in dieser organisatorischen Trennung von Mittelherkunft und Mittelverwendung befindet sich oftmals die entscheidende Schnittstellenproblematik. Bei der Projektvergabe werden andere Prinzipien als bei der Vermögensanlage angewendet. Dies liegt an den divergierenden Interessenlagen der jeweiligen Akteure: Eine Projektförderung unterliegt häufig dem Wunsch nach möglichst dauerhafter Wirkung, wohingegen bei der Finanzanlage die Erzielung möglichst hoher Effektivität mit kurzfristig hoher Rentabilität im Fokus steht. Nachhaltigkeit wird in diesem Zusammenhang oftmals als ein spezieller Investmentstil interpretiert, bei dem aufgrund seiner Restriktionen ein erhöhtes Risiko mit einem geringeren Finanzertrag einhergeht. Dies ist jedoch keineswegs der Fall!
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Das umfassende Prinzip der Nachhaltigkeit hat durchaus auch bei der Vermögensanlage einen wesentlichen Vorteil, weil es mit einer langfristigen Orientierung verbunden ist. Nachhaltigkeit zeigt langfristige Risiken auf und gibt somit auch Hinweise auf dauerhafte Erfolgspotentiale. Insofern bietet der Nachhaltigkeitsansatz eine zusätzliche Dimension in der Unternehmensanalyse. Er zeigt auf, wie die Handlungen von Unternehmen und Staaten auf Menschen, Natur und Umwelt einwirken. Mit diesem Analyseinstrumentarium können die komplexen Verflechtungen viel umfänglicher aufgezeigt werden. Insbesondere bisher externalisierte Kosten im Bereich Umwelt und Soziales werden sichtbar gemacht. Dies schafft Transparenz für langfristige Chancen und Risiken. Langfristige Investoren, wie Stiftungen, deren Existenz von der dauerhaften Rentabilität ihrer Vermögenserträge abhängt, müssen ein Interesse an dieser Systematik haben. Zugleich werden inhaltliche Perspektiven für die Projektarbeit aufgezeigt. Und schließlich wollen sich Stiftungen nicht den in Zukunft sicher immer häufiger geäußerten Vorwurf gefallen lassen, dass sie durch ihre Tätigkeiten eigentlich stets nur reparieren, was die globale Marktwirtschaft zerstört.
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Im Übrigen ist die Idee der Stiftung mit dem Konzept der Nachhaltigkeit eng verwandt. Rechtlich handelt es sich um eine Anerkennungsvoraussetzung, dass das Vermögen der Stiftung so beschaffen ist, dass ihr Zweck dauernd und nachhaltig erfüllt werden kann. Die Stiftung lebt von den Erträgen des ihr zugewandten Vermögens. Oft wird sie mit einem Baum assoziiert, dessen Früchte sie genießt. Und so ist es – wie in der Forstwirtschaft, aus der der Nachhaltigkeitsgedanke ursprünglich stammt -, wichtig, dass nicht mehr Holz geschlagen wird als nachwächst. Auch eine Stiftung darf nicht von der Substanz leben. Und das sollte auch für die Unternehmen gelten, in die sie investiert.
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Zahl und Größe der Stiftungen steigen seit einigen Jahren. Allein in Deutschland wurde im letzten Jahr die Errichtung von 1.134 neuen rechtsfähigen Stiftungen privaten Rechts bekannt; deren Gesamtzahl auf 15.449 stieg. Und es werden immer mehr, denn die Stiftungsform ist wie kaum eine andere in der Lage, Fragen der Vermögensnachfolge personenunabhängig zu lösen und mit gesellschaftlichem Engagement zu verbinden. Insoweit steigt auch die Bedeutung nachhaltig orientierter Investments. Wichtig ist, dass die Perspektive sozial und ökologisch verantwortlicher Vermögensanlage bereits vom Stifter in der Satzung verankert wird. Wir jedenfalls achten in unserer Beratungspraxis darauf.
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Die Autoren:
Thomas Glück ist Vermögensberater der PRO SECUR Vermögensberatung und –verwaltung GmbH in Köln und München.
Dr. Christoph Mecking ist Rechtsanwalt und geschäftsführender Gesellschafter des Instituts für Stiftungsberatung sowie Chefredakteur des führenden Grantmaking-Fachmagazins Stiftung&Sponsoring in Berlin.
Thomas Glück 2008
Christoph Mecking 2008
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