Surf-Tipps
Mehr zum Thema Frauen auf der Sonnenseite:
|
Surf-Tipp 213 von 361
:: Bibel in Frauenhand
Sprache hat Wirkung: Deshalb ist es nicht egal, wenn Frauengestalten der Überlieferung einfach per Übersetzung verschwinden. Ein exegetisches Projekt schafft Abhilfe. Seit dreieinhalb Jahren arbeiten mehr als 50 Männer und Frauen an einer neuen Bibelübersetzung. Ihr Ziel: eine Bibel in gerechter Sprache.
Die neue Übersetzung soll denen gerecht werden, die bisher immer nur "mitgemeint" waren - und das sind vor allem die Frauen. Aber Gerechtigkeit soll auch dem Urtext der Heiligen Schrift widerfahren. Denn auch die Übersetzerinnen und Übersetzer vergangener Jahrhunderte, auch der sprachgewaltige Luther, haben ihre Übersetzungen im jeweiligen Kontext der Zeit und durchaus mit dem ihnen eigenen Blickwinkel hergestellt. Und der war oft patriarchal oder beachtete die jüdischen Wurzeln nicht.
"Eine Riesenchance, die Bibel neu unter die Leute zu bringen", sieht; Pfarrerin Hanne Köhler in dem Projekt, das sie leitet und koordiniert. Die Erstauflage wird im Gütersloher Verlagshaus erscheinen. Denn schon in der Arbeitsphase werden die Texte in Bibelkreisen und Frauengruppen erprobt. Hanne Köhler verzeichnet eine Menge Rückmeldungen: positive wie negative, aber niemals indifferente. "Nahezu alle empfinden die Arbeit mit diesen Texten als eine Herausforderung", so ihr vorläufiges Fazit. Die Herausforderung bestehe darin, sich neu mit der Bibel zu befassen, und sich dabei auf eine Sprache einzulassen, die Vertrautes neu und möglicherweise fremd erscheinen lasse.
Das Projekt geht zurück auf das mehr als zehn Jahre währende Engagement des Deutschen Evangelischen Kirchentages. Immer wieder sind dort Bibelabschnitte in gerechter Sprache in Gottesdiensten verwendet und später auch veröffentlicht worden. Eine Übersetzung der ganzen Bibel erschien da nur konsequent. "Wir müssen einfach erkennen, dass Sprache Wirkung hat. Und gottesdienstliche Sprache geht noch weit tiefer als die Alltagssprache", sagt Heidi Rosenstock. Für die Gemeindeberaterin der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau und vielfältig in ihrer Kirche engagierte 72-Jährige ist die "gerechte" Übersetzung längst überfällig: "Die Evangelien wollen eine gerechte Welt. Wie können wir da eine ungerechte Sprache benutzen?", sagt die Geschäftsführerin des Beirats, der das Projekt begleitet.
Ulrike Hofmann, Pfarrerin der evangelischen Paul-Gerhard-Gemeinde in Frankfurt am Main, hat die Texte in Gemeindegruppen erprobt. Sie hat festgestellt, dass Männer und Frauen die Texte recht unterschiedlich lesen. Frauen etwa gelinge es leichter, sich auf neue Formulierungen und Gottesbilder einzulassen. Viele empfänden es als wohltuend, sich nun in der Bibel wiederzufinden, auch wenn sie dies vorher von sich aus nie eingefordert hätten. Immer aber, so die Pfarrerin, stehe die Frage im Raum, welche Übersetzung wohl "die Wahrheit" sei. Die Prägung durch den Luther-Text sei gerade bei älteren Menschen enorm.
Darf man aber die Bibel so einfach "gerechter machen"? Verfälscht die gut gemeinte Intention die Texte nicht, wenn Frauen nun stärker in den Vordergrund rücken? Die Arbeit nahe am Urtext ist die Grundlage der Übersetzung, versichert Hanne Köhler. Wo der Text eindeutig männlich geprägt sei, da bleibe er das auch. So werden im Brief des Paulus an die Gemeinde in Korinth die Frauen weiterhin aufgefordert, in den Gemeindeversammlungen zu schweigen. Wie auch sonst könnten spätere Generationen den langen Kampf der Frauen ums Gemeindepfarramt verstehen?
Wo der Urtext aber eindeutig sei, müssten die Frauen auch ihren Platz in der Übersetzung haben. Klarer Beleg dafür, dass es Apostelinnen gegeben hat - und ein gutes Beispiel für Luthers männliche Sicht - bietet der Römerbrief der in der neuen Übersetzung zum "Brief an die Gemeinde in Rom" wird. Im Kapitel 16, 8 war die Apostelin Junia über Jahrhunderte hinweg hinter dem verfälschenden Männernamen Junias verschwunden. Aber: Könnte Luther nicht Recht gehabt haben, als er aus Junia einen Junias machte? Barg der Urtext vielleicht nur einen Schreibfehler? Dem widersprechen Funde aus damaliger Zeit. 250 archäologische Belege könnten Wissenschaftler für die Existenz des Frauennamens Junia anführen - aber nicht einen für den männlichen Junias, berichtet Hanne Köhler.
Texte "klingen" zu lassen. Schöne Sprache und Poesie sind gefragt. Aber auch da gibt es Probleme, die es sorgfältig zu bedenken gilt. Eines der wohl wichtigsten ist der Umgang mit dem Gottesnamen, der in der hebräischen Bibel nicht ausgesprochen, sondern durch das Tetragramm ersetzt wird. Wie soll der Text lesbar gemacht werden, wenn - wie etwa in den ersten drei Kapiteln des Ersten Buch Mose - die Umschreibung für den Gottesnamen fast 40 Mal genannt wird? In der neuen Bibel wird wohl das Wort "adonaj" mit dem Zusatz "also Gott" eingesetzt werden. "Das nervt", gibt Hanne Köhler zu. Aber: "Es nervt auch im Urtext." Später dann wird "adonaj" zwischen rabbinischen Zeichen für Gott stehen und grau unterlegt sein. Am oberen Seitenrand werden - ausgewählt von einem Zufallsgenerator - mehrere für den Gottesnamen einsetzbare Begriffe angeboten: "Ich bin da, die Lebendige, Er/Sie, der Ewige, Gott" usw.. So können - und müssen - alle, die diese Texte lesen, jedes Mal von neuem entscheiden, welches Gottesbild für sie hier gültig ist. Dadurch werde auch das biblische Bilderverbot deutlicher, meint Hanne Köhler. Ein bestimmtes Gottesbild - wie etwa das vom "Herrgott" - könne sich so nicht verfestigen.
Herausgegeben wird die "Bibel in gerechter Sprache" von einem Kreis protestantischer Theologinnen und Theologen, darunter Frank Crüsemann, Luise Schottroff, Erhard Domay und Claudia Janssen. Ein evangelisches Projekt also? Hanne Köhler zieht den Begriff "reformatorisches Projekt" vor, sieht sie doch den reformatorischen Impuls auch in der katholischen Kirche. Der Beirat, der das Projekt kritisch und kontrovers begleitet, ist ökumenisch besetzt. Ihm gehören unter anderen Elisabeth Raiser, Bärbel Warttenberg-Potter und Norbert Mette an. Den Vorsitz hat der hessen-nassauische Kirchenpräsident Peter Steinacker. Für die jüdische Seite ist Micha Brumlik Mitglied. Die Übersetzungen liegen in den Händen von - vielen - evangelischen Männern und Frauen und - einigen - katholischen. Bei der Erprobung der Texte allerdings hat man das ganze Spektrum der auf der Bibel gründenden Religionen im Blick. Da sind jüdische Gruppen genauso involviert wie evangelische und katholische, methodistische, altkatholische oder evangelikale.
Nicht zuletzt ist dem Herausgabekreis wichtig, dass die "Bibel in gerechter Sprache" ein möglichst breites Publikum erreichen soll. Und das bedeutet, dass sie erschwinglich sein muss. Damit das trotz des enormen Aufwandes geht, wurden schon frühzeitig Menschen gesucht, die das Projekt mit Spenden unterstützen. Eine Besonderheit ist die Möglichkeit, ein bestimmtes Buch der Bibel mit einem festen Betrag zu fördern. Gut die Hälfte der biblischen Bücher ist "schon weg".
Sie haben die Chance sich zu beteiligen am Werden dieses einzigartigen Werkes durch die Erprobung von vorläufigen Übersetzungen und/oder durch Ihre Spende. Damit die Bibel in gerechter Sprache kein teures Fachbuch wird, sondern eine Bibel für alle!
Surftipp:
"Bibel in gerechter Sprache"
Luise Metzler,
Tannenstraße 1, 33729 Bielefeld
Tel. 0521/9384617
E-Mail: metzler@bibel-in-gerechter-sprache.de
Spendenkonto:
Ev. Kreditgenossenschaft - Stichwort: Bibel
KS, BLZ 520 604 10, Konto 41 00 522
"Bibel in gerechter Sprache"
Hrsg. von Ulrike Bail, Frank Crüsemann, Marlene Crüsemann, Erhard Domay, Jürgen Ebach,
Claudia Janssen, Hanne Köhler, Helga Kuhlmann, Martin Leutzsch und Luise Schottroff
1. Auflage 2006 - 2144 S. Geb. - ISBN 3-579-05500-3 - Titel erscheint: 10.2006
"Eine Riesenchance, die Bibel neu unter die Leute zu bringen", sieht; Pfarrerin Hanne Köhler in dem Projekt, das sie leitet und koordiniert. Die Erstauflage wird im Gütersloher Verlagshaus erscheinen. Denn schon in der Arbeitsphase werden die Texte in Bibelkreisen und Frauengruppen erprobt. Hanne Köhler verzeichnet eine Menge Rückmeldungen: positive wie negative, aber niemals indifferente. "Nahezu alle empfinden die Arbeit mit diesen Texten als eine Herausforderung", so ihr vorläufiges Fazit. Die Herausforderung bestehe darin, sich neu mit der Bibel zu befassen, und sich dabei auf eine Sprache einzulassen, die Vertrautes neu und möglicherweise fremd erscheinen lasse.
Das Projekt geht zurück auf das mehr als zehn Jahre währende Engagement des Deutschen Evangelischen Kirchentages. Immer wieder sind dort Bibelabschnitte in gerechter Sprache in Gottesdiensten verwendet und später auch veröffentlicht worden. Eine Übersetzung der ganzen Bibel erschien da nur konsequent. "Wir müssen einfach erkennen, dass Sprache Wirkung hat. Und gottesdienstliche Sprache geht noch weit tiefer als die Alltagssprache", sagt Heidi Rosenstock. Für die Gemeindeberaterin der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau und vielfältig in ihrer Kirche engagierte 72-Jährige ist die "gerechte" Übersetzung längst überfällig: "Die Evangelien wollen eine gerechte Welt. Wie können wir da eine ungerechte Sprache benutzen?", sagt die Geschäftsführerin des Beirats, der das Projekt begleitet.
Ulrike Hofmann, Pfarrerin der evangelischen Paul-Gerhard-Gemeinde in Frankfurt am Main, hat die Texte in Gemeindegruppen erprobt. Sie hat festgestellt, dass Männer und Frauen die Texte recht unterschiedlich lesen. Frauen etwa gelinge es leichter, sich auf neue Formulierungen und Gottesbilder einzulassen. Viele empfänden es als wohltuend, sich nun in der Bibel wiederzufinden, auch wenn sie dies vorher von sich aus nie eingefordert hätten. Immer aber, so die Pfarrerin, stehe die Frage im Raum, welche Übersetzung wohl "die Wahrheit" sei. Die Prägung durch den Luther-Text sei gerade bei älteren Menschen enorm.
Darf man aber die Bibel so einfach "gerechter machen"? Verfälscht die gut gemeinte Intention die Texte nicht, wenn Frauen nun stärker in den Vordergrund rücken? Die Arbeit nahe am Urtext ist die Grundlage der Übersetzung, versichert Hanne Köhler. Wo der Text eindeutig männlich geprägt sei, da bleibe er das auch. So werden im Brief des Paulus an die Gemeinde in Korinth die Frauen weiterhin aufgefordert, in den Gemeindeversammlungen zu schweigen. Wie auch sonst könnten spätere Generationen den langen Kampf der Frauen ums Gemeindepfarramt verstehen?
Wo der Urtext aber eindeutig sei, müssten die Frauen auch ihren Platz in der Übersetzung haben. Klarer Beleg dafür, dass es Apostelinnen gegeben hat - und ein gutes Beispiel für Luthers männliche Sicht - bietet der Römerbrief der in der neuen Übersetzung zum "Brief an die Gemeinde in Rom" wird. Im Kapitel 16, 8 war die Apostelin Junia über Jahrhunderte hinweg hinter dem verfälschenden Männernamen Junias verschwunden. Aber: Könnte Luther nicht Recht gehabt haben, als er aus Junia einen Junias machte? Barg der Urtext vielleicht nur einen Schreibfehler? Dem widersprechen Funde aus damaliger Zeit. 250 archäologische Belege könnten Wissenschaftler für die Existenz des Frauennamens Junia anführen - aber nicht einen für den männlichen Junias, berichtet Hanne Köhler.
Texte "klingen" zu lassen. Schöne Sprache und Poesie sind gefragt. Aber auch da gibt es Probleme, die es sorgfältig zu bedenken gilt. Eines der wohl wichtigsten ist der Umgang mit dem Gottesnamen, der in der hebräischen Bibel nicht ausgesprochen, sondern durch das Tetragramm ersetzt wird. Wie soll der Text lesbar gemacht werden, wenn - wie etwa in den ersten drei Kapiteln des Ersten Buch Mose - die Umschreibung für den Gottesnamen fast 40 Mal genannt wird? In der neuen Bibel wird wohl das Wort "adonaj" mit dem Zusatz "also Gott" eingesetzt werden. "Das nervt", gibt Hanne Köhler zu. Aber: "Es nervt auch im Urtext." Später dann wird "adonaj" zwischen rabbinischen Zeichen für Gott stehen und grau unterlegt sein. Am oberen Seitenrand werden - ausgewählt von einem Zufallsgenerator - mehrere für den Gottesnamen einsetzbare Begriffe angeboten: "Ich bin da, die Lebendige, Er/Sie, der Ewige, Gott" usw.. So können - und müssen - alle, die diese Texte lesen, jedes Mal von neuem entscheiden, welches Gottesbild für sie hier gültig ist. Dadurch werde auch das biblische Bilderverbot deutlicher, meint Hanne Köhler. Ein bestimmtes Gottesbild - wie etwa das vom "Herrgott" - könne sich so nicht verfestigen.
Herausgegeben wird die "Bibel in gerechter Sprache" von einem Kreis protestantischer Theologinnen und Theologen, darunter Frank Crüsemann, Luise Schottroff, Erhard Domay und Claudia Janssen. Ein evangelisches Projekt also? Hanne Köhler zieht den Begriff "reformatorisches Projekt" vor, sieht sie doch den reformatorischen Impuls auch in der katholischen Kirche. Der Beirat, der das Projekt kritisch und kontrovers begleitet, ist ökumenisch besetzt. Ihm gehören unter anderen Elisabeth Raiser, Bärbel Warttenberg-Potter und Norbert Mette an. Den Vorsitz hat der hessen-nassauische Kirchenpräsident Peter Steinacker. Für die jüdische Seite ist Micha Brumlik Mitglied. Die Übersetzungen liegen in den Händen von - vielen - evangelischen Männern und Frauen und - einigen - katholischen. Bei der Erprobung der Texte allerdings hat man das ganze Spektrum der auf der Bibel gründenden Religionen im Blick. Da sind jüdische Gruppen genauso involviert wie evangelische und katholische, methodistische, altkatholische oder evangelikale.
Nicht zuletzt ist dem Herausgabekreis wichtig, dass die "Bibel in gerechter Sprache" ein möglichst breites Publikum erreichen soll. Und das bedeutet, dass sie erschwinglich sein muss. Damit das trotz des enormen Aufwandes geht, wurden schon frühzeitig Menschen gesucht, die das Projekt mit Spenden unterstützen. Eine Besonderheit ist die Möglichkeit, ein bestimmtes Buch der Bibel mit einem festen Betrag zu fördern. Gut die Hälfte der biblischen Bücher ist "schon weg".
Sie haben die Chance sich zu beteiligen am Werden dieses einzigartigen Werkes durch die Erprobung von vorläufigen Übersetzungen und/oder durch Ihre Spende. Damit die Bibel in gerechter Sprache kein teures Fachbuch wird, sondern eine Bibel für alle!
Surftipp:
"Bibel in gerechter Sprache"
Luise Metzler,
Tannenstraße 1, 33729 Bielefeld
Tel. 0521/9384617
E-Mail: metzler@bibel-in-gerechter-sprache.de
Spendenkonto:
Ev. Kreditgenossenschaft - Stichwort: Bibel
KS, BLZ 520 604 10, Konto 41 00 522
"Bibel in gerechter Sprache"
Hrsg. von Ulrike Bail, Frank Crüsemann, Marlene Crüsemann, Erhard Domay, Jürgen Ebach,
Claudia Janssen, Hanne Köhler, Helga Kuhlmann, Martin Leutzsch und Luise Schottroff
1. Auflage 2006 - 2144 S. Geb. - ISBN 3-579-05500-3 - Titel erscheint: 10.2006
Quelle:
Publik-Forum 18.6.04 - von Lieselotte Wendl
Publik-Forum 18.6.04 - von Lieselotte Wendl
|
Surf-Tipp 213 von 361
















