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:: Versuchstier des Jahres 2010: Das Schwein

Für dieses Jahr hat die Jury des Bundesverbandes das Schwein zum "Versuchstier des Jahres" gewählt. Tausende Schweine landen jedes Jahr in Deutschland im Tierversuch.

Die in Österreich durchgeführten Lawinenexperimente mit Schweinen, bei denen die Tiere im Schnee eingegraben wurden, um Erkenntnisse über Lawinenopfer zu erlangen, erregten vor wenigen Wochen großes Aufsehen, ebenso wie Versuche, die 2002 in Großbritannien stattfanden und bei denen Schweine in die Luft gesprengt wurden, um Effekte von Anschlägen auf Menschen zu untersuchen. Zwar waren die Schweine in beiden Versuchen betäubt und starben noch in Narkose; die Versuche sind jedoch ethisch absolut unvertretbar und auch im Hinblick auf die Ergebnisse äußerst fragwürdig. So lehnte die österreichische Bergrettung die Lawinenexperimente ab, da sie den Sinn infrage stellte.

 

Schweineversuche in Deutschland

Aber auch in Deutschland werden Tierversuche an Schweinen durchgeführt. Im Jahr 2008 wurden über 13000 Schweine in Tierexperimenten eingesetzt, unter anderem in der Grundlagenforschung (über 2500 Tiere), zur Entwicklung von  Medizinprodukten (knapp 6000 Tiere) und in der Aus- und Weiterbildung (über 2000 Tiere, dies umfasst vermutlich Schweine, die in der Weiterbildung von Ärzten eingesetzt werden). In der Grundlagenforschung werden Schweine z. B. in Herz-Kreislauf- sowie in Transplantationsversuchen eingesetzt. Und auch im Bereich der Magen-Darm- Forschung landen Schweine im Versuch. Die Kritik an Tierversuchen besteht natürlich auch hier: Tierexperimente sind aus ethischen, medizinischen und methodischen Gründen abzulehnen. Schweine sind intelligente und soziale Tiere, die Freude und Trauer empfinden können. Schweine können sich im Spiegel erkennen – wozu nach derzeitigem Wissensstand wenige Tierarten in der Lage sind – und haben möglicherweise ein Selbstbewusstsein. Es widerspricht ethischen Grundsätzen, sie in Tierexperimenten zu verwenden. Die Ergebnisse aus Tierversuchen lassen außerdem keine verlässliche Aussage über Reaktionen des Menschen zu.

 

Tierversuchsfreie Forschung

Als Beispiele für existierende alternative Verfahren seien hier einige Modelle aus dem Bereich der Magen-Darm-Forschung genannt. So gibt es Zellkulturen aus Darmschleimhautzellen von Menschen, die zur Testung von Nahrungsmitteln oder Pharmaka verwendet werden können. Diese Zellkulturen verfügen zum Teil über komplexe Funktionsweisen wie Immunreaktionen oder Entzündungsreaktionen und können entsprechend auf die Testsubstanzen reagieren. Weiterhin gibt es einige In-vitro-Modelle, die den menschlichen Magen sowie die Stoffwechselprozesse im Darm nachahmen. Die Benennung des Schweins als Versuchstier des Jahres 2010 soll dazu beitragen, diese liebenswerten Tiere näherzubringen, damit Tierversuche an ihnen bald der Vergangenheit angehören.

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