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:: Chinas Größenwahn am Yangtse

ARTE | 10.04.08 | 19:00 Uhr
 Wenn die Welt im kommenden Jahr auf die Olympischen Spiele in Peking blickt, will sich China als ein Land präsentieren, in dem nichts unmöglich scheint. Doch was ist der Preis für das aufstrebende chinesische Wirtschaftswunder? Wie leben die Menschen zwischen Metropolen und ländlichen Traditionen? Die Dokumentation unternimmt eine Reise an den Yangtse, den wichtigsten Fluss Chinas, und blickt hinter die schillernden Fassaden des Landes.

Am Yangtse, Chinas längstem und wirtschaftlich wichtigstem Fluss, stellt die Regierung des Landes seit Anfang der 90er Jahre unter Beweis, dass ihren gigantischen Zukunftsplänen nichts und niemand im Wege steht. Mehr als 2.000 Kilometer von der Hauptstadt Peking entfernt, entsteht mit dem größten Staudamm der Welt ein Bauwerk von kaum vorstellbaren Ausmaßen. Er deckt nicht nur ein Zehntel von Chinas Strombedarf, sondern soll auch die Fahrt ozeangängiger Schiffe bis weit ins Hinterland ermöglichen.

Doch der Fortschritt hat seinen Preis. Mindestens sechs Millionen Menschen werden umgesiedelt, drei Städte und mehr als 1.700 Dörfer überflutet, bedeutende Denkmäler von den Wassermassen bedroht. Aus dem einst reißenden Strom ist ein dahinsiechender Stausee geworden. Die katastrophalen Folgen des Projekts sind schon heute unübersehbar. Hunderte von Müllfischern sammeln den Dreck von der Wasseroberfläche, die Wasserqualität ist bedrohlich schlecht und die angestauten Wassermassen lösen dramatische Erdrutsche aus.

Die Dokumentation nimmt die Zuschauer mit auf eine Reise in eine Region, in der Welten aufeinander treffen. Nirgendwo sonst liegen in China alt und neu, Naturschönheiten und Megacities so dicht beieinander wie am Yangtse.

Bereits 1995, als der Yangtse noch frei fließen durfte, haben die Filmemacher Thomas Weidenbach und Shi Ming dieselbe Route bereist. Der Vergleich mit den Aufnahmen von damals zeigt, wie sehr sich das Leben innerhalb von nur 13 Jahren verändert hat. Vorbei an untergehenden Dörfern, glitzernden Skylines und gigantischen Baustellen begegnen die Filmemacher Menschen, die zwischen Aufbruchstimmung und enttäuschter Hoffnung schwanken.

Obwohl das Filmteam zeitweise von der Polizei beobachtet und Interviewpartner verhört wurden, melden sich viele Chinesen offen zu Wort, die keine Angst vor Repressalien haben: einfache Fischer ebenso wie neureiche Millionäre, kritische Wissenschaftler und euphorische Staudammplaner. Die Dokumentation liefert beeindruckende Zeugnisse aus einer alten und einer neu entstehenden Welt.
Quelle:
ARTE 2008
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