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:: Rückkehr der Sintflut (1/2)

ZDF | 15.04.08 | 20:15 Uhr
ZDF | 22.04.08 | 20:15 Uhr
Wenn das ewige Eis schmilzt (Teil 1)
ZDF | 15.04.08 | 20:15 Uhr

Die Welt hat ihr Gleichgewicht verloren. Und an einigen Orten können wir es beobachten. Zum Beispiel in Grönland. Unaufhaltsam schwindet dort das Eis, um so mehr, als die Temperaturen auf unserer Erde steigen. Manche Experten sind sich sicher, dass die riesigen Eisberge Grönlands ganz abschmelzen und diese Wassermassen große Teile der Welt in Asien, Amerika und Europa auf Dauer überfluten werden. Es sei nur eine Frage der Zeit, sagen sie. Wer es spüren wird, sind unsere Kinder und Enkel. Das Gesicht unseres Planeten wird sich in den kommenden 50 Jahren dramatisch verändern. Als Folge des Treibhauseffektes, den wir Menschen zu verantworten haben.

Schon heute spüren wir die Auswirkungen des Klimawandels. Doch unsere Kinder und Enkel wird die Katastrophe mit voller Wucht treffen. Wie wird sich ihr Leben verändern? Was wird aus den Menschen in so unterschiedlichen Gebieten wie Bangladesch in Asien, New York in Amerika oder Köln in Deutschland? Drei Szenarien, drei Familienschicksale - basierend auf internationalen Forschungsergebnissen - geben darüber Aufschluss und erlauben einen Blick in die Zukunft, über die seriöse Klimaforscher schon heute erstaunlich präzise Aussagen machen können.

Exklusive Dokumentaraufnahmen von Expeditionen zu den Brennpunkten des Klimawandels bilden das wissenschaftliche Fundament des Zweiteilers "Rückkehr der Sintflut". So begleitet im ersten Teil ein ZDF-Team Konrad Steffen auf einer seiner Forschungsreisen nach Grönland, wo der aus der Schweiz stammende Klimaforscher seit über 30 Jahren die Dicke des polaren Eisschildes vermisst. Die Grundlage für die realistische Annahme, dass Grönlands Eismassen unwiederbringlich verschwinden werden.

Der zweite Teil führt die Autoren Thomas Hies und Jens Monath ans andere Ende der Welt: in die Hoch-Anden Perus. Dort forscht der weltweit anerkannte Klimatologe Lonnie Thompson. Auf seiner jüngsten Expedition im vergangenen Jahr hat sich erneut bestätigt, was der US-Amerikaner seit Jahrzehnten beobachtet: Auch die tropischen Gletscher schmelzen in einem fast atemberaubenden Ausmaß. Entwicklungen, wie sie Steffen, Thompson und andere Experten von Weltrang auf Grundlage ihrer aktuellen Messungen vorhersagen, wurden für die Dokumentation "Rückkehr der Sintflut" erstmals in ebenso realistische wie ergreifende Szenarien aus unserer Welt von morgen übertragen.

Teil 1: Wenn das ewige Eis schmilzt Jahr für Jahr fühlt Konrad Steffen dem vermeintlich ewigen Eis Grönlands den Puls. Der weltbekannte Klimaforscher von der Universität Colorado macht sich keine Illusionen mehr: Innerhalb von nur 15 Jahren ist die Temperatur während der Wintermonate um bis zu fünf Grad gestiegen. Pro Jahr verliert Grönland das Eisvolumen der gesamten Alpen. Und nie zuvor waren die Klüfte im Eis so tief: Jene gewaltigen Risse, durch die unablässig wahre Sturzbäche von Schmelzwasser rauschen. Sie sorgen dafür, dass die Eismassen wie auf einem Schmiermittel in Richtung Meer abrutschen. Eine Tatsache, die in keinem Klimamodell bislang berechnet ist und deshalb ganz neue, vor allem erschreckende Erkenntnisse in sich birgt.

Faszinierende Bilder des Schweizer Klimaforschers Konrad Steffen von seiner jüngsten Polarexpedition beweisen, wie eng auf unserem Planeten alle Klimaphänomene zusammenhängen: Dieselbe Erwärmung, die Grönland zum Schmelzen bringt, wird in Köln am Rhein schon in naher Zukunft für extreme Niederschläge sorgen, auf die niemand vorbereitet ist. In 30 Jahren wird sich die Hochwassergefahr mehr als verdreifachen.

Es ist die Welt einer nicht mehr fernen Zukunft, in der Christopher lebt. Der 13-Jährige kennt die Gefahren der gefürchteten Rheinhochwasser, bei denen sich Schmelzwasser aus den Alpen und mehrere Hochwasserwellen auf dem Fluss überlagern, bereits aus eigener Anschauung. Doch als dieses Mal die Dämme überflutet werden, kommt es schlimmer als je zuvor: Seuchen brechen aus, die Trinkwasserversorgung bricht zusammen. Christopher steht jäh vor der größten Herausforderung seines Lebens: Auf sich allein gestellt, muss er seine Familie mit Trinkwasser versorgen und schließlich sogar seine schwerkranke Schwester ins Krankenhaus bringen - ein lebensgefährliches Unterfangen in der meterhoch überschwemmten Altstadt.

Was in Köln wie eine Horrorvision wirkt, ist in Bangladesch schon heute fast jährlich wiederkehrende Realität. Die Zeitabstände zwischen den großen Sturmfluten haben sich deutlich verkürzt. Das ZDF-Team sammelte beklemmende Aufnahmen vom Hochwasser des vergangenen Spätsommers. Doch wie sieht die Zukunft aus für dieses Land, das in weiten Teilen nur Zentimeter über dem Meeresspiegel liegt?

Die Geschichte von Fatima erlaubt einen Ausblick: Als ihr Heimatdorf im Jahr 2032 in den Fluten versinkt, macht sie sich gemeinsam mit ihrer Familie auf den Weg ins Ausland. So wie Zehntausende flieht sie in Richtung jener Länder, die den größten Teil der Verantwortung für den Klimawandel tragen: Europa und die USA. Wenn Länder wie Bangladesch durch den Meeresanstieg nahezu von der Landkarte verschwinden, wird es zu einer Völkerwanderung kommen, so der renommierte deutsche Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber. Denn an den Küsten leben weltweit mehr als eine Milliarde Menschen.

Dass keineswegs nur Länder der so genannten Dritten Welt betroffen sind, zeigt das dritte Szenario des Films: Es führt nach New York, das künftig einer stetig wachsenden Anzahl schwerer Herbst- und Winterstürme ausgesetzt sein wird, ausgelöst durch Warmluft über dem Atlantik. Die kleine Louisa durchlebt einen solchen Sturm - und sieht sich gleichzeitig einer weiteren, neuen Bedrohung ausgesetzt: Ein tropisches Fieber hat sich in New York eingenistet. Ursache ist der unausgesetzte Anstieg der Temperaturen, mit dem Insekten in die Weltstadt vorgedrungen sind, die bislang nicht dort heimisch waren.

Und wie sieht unsere Welt erst aus, wenn unsere Nachkommen mit einem Meeresspiegel leben müssen, der bis zu sieben oder acht Meter angestiegen ist? Reichen die bislang nur zaghaft in Angriff genommenen Gegenmaßnahmen - wie beispielsweise in den Niederlanden - aus, den Wasserfluten der Welt etwas entgegenzusetzen?


Wie unsere Kinder leben werden (Teil 2)
ZDF | 22.04.08 | 20:15 Uhr

Der Quelccaya-Gletscher in den Hochanden Perus, 5.700 Meter über dem Meeresspiegel. Verzweifelt um Luft ringend, kämpft sich Lonnie Thompson die letzten Schritte bis zum Fuß der Eismasse heran. Dann bleibt er stehen, keuchend, in stummem Entsetzen.

Seit mehr als dreißig Jahren steigt der US-amerikanische Paläoklimatologe Jahr für Jahr hier hinauf, um mit Hilfe von Eisbohrkernen Klimadaten vergangener Jahrtausende zu sammeln. Doch noch nie hat sein Gletscher ein so kümmerliches Bild abgegeben: Die Eismasse hat sich um 60 Meter zurückgezogen. Binnen eines Jahres hat sich ein riesiger See aus Schmelzwasser gebildet. Thompson findet Reste von Pflanzen, die 5.000 Jahre lang unter der Eismasse verborgen waren und nun freigegeben werden. Das bedeutet: Seit 5.000 Jahren war der Gletscher nicht mehr so klein wie heute.

Doch Quelccaya ist nur ein Beispiel. Bei allen Gebirgsgletschern weltweit beobachtet Thompson das gleiche Phänomen. Sein Ausblick in die Zukunft ist düster: Wenn wir nur acht Prozent der weltweiten Eismasse verlieren, errechnet sich ein um sechs bis sieben Meter höherer Meeresspiegel. Steigt die Temperatur bis zum Ende des Jahrhunderts um drei Grad, dann ist es auf der Erde so warm wie zuletzt im Pliozän, vor drei Millionen Jahren. Damals lag der Meeresspiegel um rund 25 Meter höher als heute...

Die fiktionale Geschichte der Kinder in Köln und New York zeigt nur die Anfänge einer Entwicklung, die in vielen Teilen der Erde schon heute eingesetzt hat. Doch ihr Schicksal, in Szene gesetzt auf der Grundlage von Prognosen weltweit renommierter Wissenschaftler, ist dramatisch genug: Verzweifelt bemüht sich der Kölner Junge Christopher darum, für seine erkrankte Familie Trinkwasser zu sammeln; die Trinkwasserversorgung ist nach der verheerenden Rheinüberflutung zusammengebrochen. Und in New York flieht die kleine Louisa vor einem lebensgefährlichen Regen aus Glassplittern, als heftige Stürme die Fensterscheiben zahlreicher Hochhäuser zum Bersten bringen.

Lassen sich die Folgen des Klimawandels mildern, können wir uns gar bis zu einem gewissen Grad anpassen? Der Film gibt auch zu diesen Fragen einen Ausblick: In den Niederlanden, dem "Bangladesch des Nordens", dessen Bewohner schon seit mehr als tausend Jahren mit dem Kampf gegen die Fluten leben, rüstet man sich mit innovativen Konzepten gegen die Rückkehr der Sintflut. Schwimmende Häuser, ganze Städte auf dem Meer sollen dort entstehen. Steigt der Meeresspiegel, so werden sie einfach mit nach oben gehoben, ohne Schaden zu nehmen.

Doch solch aufwändige Lösungen werden nur einem Bruchteil der Bevölkerung an den Küsten helfen können. Für alle anderen gilt die nüchterne Analyse des Kieler Klimaforschers Mojib Latif: Die Menschheit wird den geordneten Rückzug antreten müssen - nicht nur in den Küstengebieten, sondern auch an vielen Flüssen. Wie weit dieser Rückzug gehen muss, wie deutlich Meeresspiegelanstieg und Klimaerwärmung ausfallen werden, das liegt noch immer zu großen Teilen in unserer Hand...
Quelle:
ZDF 2008
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