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:: Tibet - Blutiger Frühling

ARTE | 01.04.08 | 21:00 Uhr
Wenige Monate vor dem Beginn der Olympischen Spiele in Peking demonstrieren Mönche in der tibetischen Hauptstadt Lhasa gegen die chinesische Fremdherrschaft. Den Kundgebungen schließen sich schnell vor allem viele tibetische Jugendliche an. Auch in den an die sogenannte Autonome Region Tibet angrenzenden Provinzen Sichuan, Gansu, Yunan und Qinghai gehen die Menschen auf Straße. Es kommt zu gewalttätigen Ausschreitungen von Seiten der Demonstranten. In Lhasa werden chinesische Geschäfte geplündert, Autos brennen. Die chinesische Militärpolizei reagiert mit dem mutmaßlich größten Massaker seit der blutigen Niederschlagung der Studentenrevolte auf dem Tiananmen-Platz in Peking vor 19 Jahren. Die Gewalt eskaliert. Panzer fahren auf, Massenverhaftungen finden statt. Ausländische Besucher und Journalisten werden des Landes verwiesen, Mobilfunk- und Internetverbindungen auf dem Dach der Welt sind gekappt. Tibet ist von der Außenwelt abgeriegelt. Wer wird über die Wahrheit der Vorgänge berichten?

Jedenfalls weder die staatlich zensierten Medien in China noch die freien westlichen. Von offizieller chinesischer Seite werden 19 Todesopfer gemeldet, davon 18 Zivilisten. Die tibetische Exilregierung meldet 99 Todesopfer. Unabhängige Bestätigungen für diese Zahlen gibt es nicht.

Chinas Premier Wen Jiabao macht den Dalai Lama persönlich für den blutigen Aufstand verantwortlich, beschimpft ihn als "Spalter der Nation", als einen "Wolf in Mönchskutte". Der Dalai Lama wirft der chinesischen Regierung einen "kulturellen Völkermord" vor. Der Dialog zwischen dem Dalai Lama und der chinesischen Regierung scheint ferner denn je.

Während die internationale Öffentlichkeit über einen möglichen Olympia-Boykott diskutiert, droht das geistige Oberhaupt der Tibeter im indischen Exil in Dharamsala mit seinem Rücktritt als Regierungschef der Exilregierung, sollten die gewaltsamen Proteste der Tibeter außer Kontrolle geraten. Der Dalai Lama ruft seine Landsleute nachdrücklich zu Zurückhaltung auf. Gleichzeitig wird die Kritik an der Haltung des Dalai Lama auf tibetischer Seite immer lauter. Gewalt ist für die revoltierenden jungen Tibeter kein Tabu mehr im Kampf für ihre Rechte. Zwischen den tibetischen Mönchen und diesen Jugendlichen liegen Welten. Aus beiden nährt sich die Revolte. Wohin kann sie führen bei so unterschiedlichen Interessen?


21.00 Uhr Tibet – Geschichte einer Tragödie
Wiederholung am Freitag 4. April um 09.55 Uhr und
Mittwoch 16. April um 05.00 Uhr

Die Dokumentation schildert die jüngere Geschichte Tibets und das Leid der tibetischen Bevölkerung unter der chinesischen Besetzung seit fast 60 Jahren.
1938:
Deutsche Forscher bringen erstmals Bilder aus einem fernen und mysteriösen Land: Tibet, ein Hochplateau auf 4.000 Metern Höhe, umgeben von Wüsten und den höchsten Bergen der Welt. Ein Land, in dem es seit Jahrhunderten keine Veränderungen gegeben hat, regiert nach dem Modell einer Feudalherrschaft. Die Macht liegt in der Hand buddhistischer Mönche und einiger Feudalherren. An der Spitze der Macht steht der Dalai Lama, ewige Reinkarnation seines Vorgängers .

1940 filmen die Engländer die Ankunft des neuen Dalai Lama im Potala-Palast in Lhasa. Der damals Fünfjährige ahnte zu diesem Zeitpunkt nicht, welches Schicksal ihn und seine Landsleute erwarten sollte.

Über Jahrhunderte konnte das Land am Himalaya seine kulturelle und politische Unabhängigkeit bewahren. Aber 1949, kurz nach dem Ende des Langen Marsches, drängt Mao Zedong die Tibeter, sich von ihrem feudalen Herrschaftssystem zu befreien. Um „Sicherheit“ zu gewährleisten, marschieren1950 chinesische Truppen in Tibet ein. Dies war der Beginn von bald 60 Jahren Unterdrückung, Massaker und Vernichtung des tibetischen Volkes.

1,2 Millionen Tibeter sind bisher Opfer der chinesischen Besatzungspolitik - mehr als ein Sechstel der Bevölkerung.

Mit einer außergewöhnlichen Sammlung an Archivmaterial erzählt der Film die Geschichte dieser Tragödie, die Geschichte Tibets und die Legende des XIV. Dalai Lama, die untrennbar mit dem Schicksal Tibets verbunden ist.

21.55 Uhr Gesprächsrunde
Quelle:
ARTE 2008
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