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:: Fauler Kompromiss beim Effizienzlabel

Zeichen setzen für Energieeffizienz

Die Energieverbrauchskennzeichnung muss verständlich werden. Aber wie?

Die EU-Institutionen verhandeln seit über einem Jahr über die dringend notwendige Neugestaltung des Energieeffizienzlabels. Nachdem das Parlament im Mai 2009 einen verwirrenden Vorschlag ablehnte, Zusatzklassen wie "A minus 20 Prozent" und "A minus 40 Prozent" einzuführen wird weiter verhandelt. Ein Kompromissvorschlag der schwedischen Ratspräsidentschaft sieht jetzt vor, zu den Klassen A bis G Zusatzklassen von A+ bis A+++ hinzuzufügen. Umwelt- und Verbraucherverbände fordern, die bekannte A bis G-Skala beizubehalten und sie regelmäßig zu aktualisieren.

 

Warum muss das Label überhaupt aktualisiert werden?

Die Zuordnung der Klassen A bis G zu Verbrauchswerten wurde einmalig Mitte der neunziger Jahre vorgenommen und seither nicht mehr an den Stand der Technik angepasst. Für Kunden verwirrend: Wegen des technischen Fortschritts gibt es kaum noch Elektrogeräte der Klasse B oder schlechter. Damit verliert die Klasse A an Aussagekraft. Einzig bei Kühlgeräten wurde mit der Schaffung der Klassen A+ und A++ eine provisorische, wenngleich missverständliche Anpassung vorgenommen. Dass ein A++-Kühlschrank nur die Hälfte eines A-Gerätes verbraucht, erschließt sich kaum jemandem.

 

Zeichen setzen für Energieeffizienz

Derzeitiges EU-Label: Kaum Orientierung für sparwillige Verbraucher.Die Umwelt- und Verbraucherverbände fordern deshalb, die bekannte A bis G-Skala beizubehalten und sie regelmäßig zu aktualisieren. Mindestens alle drei bis fünf Jahre sollten die Produkte den technischen Entwicklungen folgend neu eingestuft werden. Auf die beste Klasse dürften dabei maximal 20 Prozent der Geräte entfallen. So wäre das Label immer auf dem Stand der sparsamsten Technik.

 

Verbraucher müssen sicher gehen können, dass ein A-Gerät tatsächlich das effizienteste Produkt am Markt ist. Studien der Universität St. Gallen und der Deutschen Energie-Agentur zeigen, dass die Kunden bereit sind, für Geräte mit einem A-Label mehr zu investieren. Ein Label mit A+++ hat diese Wirkung nicht.  In der Vergangenheit hat die A bis G-Kennzeichnung maßgeblich dazu beigetragen, die Energieeffizienz von Produkten voranzutreiben. Besonders erfolgreich war das Label bei Kühlgeräten. Im Jahr 2000 trugen nur 21 Prozent der verkauften Geräte ein A. 2008 entsprachen schon über 90 Prozent der Klasse A, A+ oder A++.

 

Komplizierter statt einfacher: Industrie tritt auf die Innovationsbremse

Sein Erfolg droht dem Label nun zum Verhängnis zu werden. Die Industrieverbände wehren sich gegen die Neubewertung der bisherigen Effizienzklassen. Sie befürchten, von A auf B abgewertete Produkte nicht weiter wie bisher verkaufen zu können. In Folge dieses Lobbydrucks einigten sich die EU-Mitgliedsstaaten Ende März 2009 auf einen ersten Vorschlag zur Neugestaltung, dem bisherigen Energielabel Zusatzklassen wie "A minus 20 Prozent" und "A minus 40 Prozent" hinzuzufügen. Das Parlament machte von seinem Prüfrecht Gebrauch und lehnte den Kennzeichnungsvorschlag für TV-Geräte ab.

 

Im Oktober legte die schwedische Ratspräsidentschaft nun einen Kompromissvorschlag vor, zu den Klassen A bis G bis zu drei Zusatzklassen (A+ bis A+++) hinzuzufügen. In einer Trialogverhandlung konnten sich Rat, Kommission und Parlament, die im Mitentscheidungsverfahren über die Kennzeichnungsrahmenrichtline verhandeln, weiterhin nicht einigen. Der EU-Rat, angeführt von Deutschland, Italien, Portugal und Polen, setzt sich vehement für die Zusatzklassen A+, A++, A+++ und sogar A++++ ein – ohne jegliche Neueinordung bisheriger A-Geräte.

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