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:: Gretchenfrage: Treibhausgase - wer ist schuld?

Geben die derzeit veröffentlichten Daten zum Klimawandel die Situation richtig wieder? "Je nach Ansatz verursacht ein Deutscher im Durchschnitt die Hälfte mehr an Emissionen als offiziell berechnet", betont Professor Dr. Mario Schmidt, Institut für Angewandte Forschung der Hochschule Pforzheim, anlässlich des Klimagipfels in Kopenhagen.

Gelte als Berechnungsgrundlage der Konsum stiegen die deutschen Emissionswerte auf 15 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr. Nach gängiger Sprachregelung "verursacht" ein deutscher Bundesbürger im Durchschnitt Emissionen von etwa 10 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr. Für China liegt der Wert bei 4,6 Tonnen pro Jahr, für einen US-Amerikaner sogar bei über 19 Tonnen pro Jahr.

 

Diese Werte verschieben sich aber zu Ungunsten der Industrieländer, wenn die Auslagerung bestimmter Produktionen berücksichtigt wird. Viele Emissionen in Ländern wie China oder Indien entstehen für die Herstellung von Produkten, die in Europa und Nordamerika konsumiert werden.

 

Nach dieser Rechnung können einem chinesischen Einwohner nur noch drei Tonnen pro Jahr und einem US-Amerikaner sogar 28 Tonnen pro Jahr angelastet werden.

 

Diese in der Wissenschaft als graue Emissionen oder "embodied emissions" bezeichneten Beiträge haben eine große politische Bedeutung: Entscheidend für die Emissionen ist der Konsum und damit das Wohlstandsniveau, weniger die Frage, wo die Emissionen erfolgen.

 

Die reichen Länder lenken von diesem Tatbestand gerne ab, indem sie auf die großen Absolutmengen der Emissionen aus den bevölkerungsreichen Ländern verweisen.

 

Was für den einzelnen Bürger gilt, ist auch für den Klimafußabdruck eines produzierenden Unternehmens wichtig. Meistens sind es nicht die direkten Kohlendioxidemissionen, der Strom oder die Transporte, die die Klimabilanz eines Unternehmens bestimmen.

 

"Einen wesentlichen Anteil haben die mit den eingekauften Vorprodukten verbundenen Emissionen und ein großer Teil davon wird in anderen Ländern freigesetzt", sagt Professor Schmidt. Mit der Globalisierung des Welthandels könne man die Verantwortlichkeit am Klimaschutz nicht mehr national, sondern nur noch verbrauchsbezogen festmachen.

 

Die richtige Bilanzierung sei deshalb der erste Schritt zum ehrlichen Umgang mit seiner eigenen Rolle in der Klimadiskussion.

 

Prof. Dr. Mario Schmidt ist Direktor des Institutes für Angewandte Forschung und hat die Professur für ökologische Unternehmensführung an der renommierten Fakultät für Wirtschaft und Recht der Hochschule Pforzheim. Er forscht u.a. zur Klimabilanz von Unternehmen und Produkten und ist Mitglied in Normierungsgremien des DIN und des VDI.

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