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:: Interrail, Billigflieger und die ökologische Bredouille

Eine Reise durch Europa mit allen Transportmitteln und einem ökologischen Schönheitsfleck. Kolumne von Martin Unfried

Es ist bekanntlich bei Gruppenreisen gar nicht so einfach, sich auf gemeinsame Reiseziele zu einigen. Ich wollte nämlich wie immer Radfahren. Am besten möglichst weit und lang. “Gähn”, sagte da die Gruppe. Insbesondere ein gewisser Teenager wollte das gar nicht. Eher aus prinzipiellen Gründen, weil er es eben nicht wollte. Er wollte nach Griechenland wegen der originellen Schriftzeichen.

 

Eine Managerin aus der Leitungsebene der Familie wäre gerne nach Kroatien ans istrische Meer gefahren mit dem 3-Liter Lupo. Einfach so zum Chillen und energetisch sehr sparsam. Fand ich auch gut. Aber das war wiederum einer besonders abenteuerlustigen Teenagerin zu langweilig, die etwas ganz Neues, Spannendes erleben und ganz Europa sehen wollte. Am besten auch Metropolen wie Wien, wo “skurrile” Geschäfte sind. Das sind natürlich Interessenskonflikte.

 

Leicht eingeschränkt wurde die europäische Reiseplanung durch den Umstand, dass wir nie in Urlaub fliegen wegen des ganzen ökologischen Überbaus. Für Teenager auch nicht gerade cool. Die waren nämlich noch nie geflogen, was ein bisschen ungerecht ist, da fliegen an sich ja auch eine aufregende Sache ist. Als wir gar nicht mehr weiter wussten, sagte jemand "Interrail"

 

Interrail: Ich hatte ab und zu erzählt, wie wir in den Achtziger Jahren mit der Bahn durch Europa gefahren waren und am Strand, am Bahnhof und auf der Gepäckablage geschlafen hatten. Das wollten die Teenager plötzlich unbedingt.

 

Also radelten wir (mir zuliebe) kurz am Rhein, und stiegen dann in den Zug nach Europa. Natürlich dachte ich auch an Ökosex, wie elegant ökologisch ich den Kindern mit der Bahn den Kontinent zeigen konnte. Und wie ich nebenbei auch noch in meinen Kolumnen mit dieser Ökoreise angeben konnte. Daraus wurde leider nix und ich erzähl gleich warum.

 

Interrail war großartig: wir schliefen im Nachtzug nach Budapest, im Nachtzug nach Venedig, guckten am Tag auf die Adria von Rimini nach Bari. Wir staunten den Lago Maggiore an auf der Panoramastrecke zwischen Mailand und Lausanne und freuten uns in der Wiener Ringbahn im Angesicht der Hofburg.

 

Dufte: weil es nicht immer Liegewagen für alle gab, konnte ich auch mal wieder im Sitzen schlafen. Da war es am nächsten Morgen, das echte Interrailgefühl. Morgens in Budapest und die Frisur sitzt irgendwie falsch.

 

Interrail feiert übrigens seinen vierzigsten Geburtstag und wurde etwas renoviert. Wir Alten über 26 dürfen jetzt auch eine Karte kaufen und man wählt aus einem Menü die Anzahl der Länder und gültigen Tage. Wir hatten 22 Tage Gültigkeit für ganz Europa mit dabei 10 Reisetagen. Das macht das Ganze ein bisschen sperrig, da wir natürlich auch rechnen mussten. Und das hatten wir bis Griechenland nicht getan.

 

Und so guckte ich auf die albanische Küste und steckte in der ökologischen Bredouille. Auf Korfu entdeckten wir nämlich, dass wegen der Krise die Fähren nach Bari stark reduziert waren und nicht mit unserer Ferienwohnung – Interrail für Senioren – korrespondierten. Überhaupt haben sich die Preise heftig verteuert mit lustigen Hafengebühren und Spritzuschlägen. Viele Urlauber haben sogar wegen der hohen Preise der Fähren ganz abgesagt. Doch anders als in den achtziger Jahren der langsamen Post, eröffnet heute das Internet ganz andere Planungsmöglichkeiten in der Krise.

 

Da fand nämlich die Teenagerin einen Flug von Korfu nach Mailand, der zu unserem Schema passte und billiger war als die Fähre zurück nach Italien. So hatte mich im Urlaub die Problematik der nicht internalisierten ökologischen externen Kosten voll eingeholt.

 

Also genossen wir den ersten Familienflug in vollen Zügen und wir verbrieten 330 kg CO2 pro Person, was wiederum bei "atmosfair.de" 9 Euro Kompensation kosten würde. Wir werden wohl in neue Photovoltaik investieren. Bleibt die Frage, um wie viel besser es tatsächlich gewesen wäre wieder mit Fähre und Intercity nach Mailand zu kommen. Kennt jemand die CO2-Bilanz von Fähren?

 

Links zur Kolumne:

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