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Das Abschmelzen in der Arktis: das blaue Band ist die Prognose des Weltklimarates, die rote Kurve zeigt die tatsächlichen Messdaten der Satelliten. © Stefan Rahmstorf

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:: Neuer Schmelzrekord in Grönland

Höhere Sommertemperaturen und weniger Schnee: Die Schmelz-Saison dauerte in Grönland mancherorts 50 Tage länger als bisher. Der Eisschwund verstärkt die Erwärmung der Arktis.

2010 ist nicht nur eines der wärmsten Jahre seit Beginn der Wetteraufzeichnungen: Auch die Daten zur Schmelze des Grönlandeises belegen Rekordwerte. Dies geht aus einer Studie hervor, die in der Fachzeitschrift Environmental Research Letters veröffentlicht wurde. Die Schmelz-Saison hat demnach mitunter 50 Tage länger gedauert als im Mittel der Jahre 1979 bis 2009.

 

"Die Schmelze begann im vergangenen Jahr ungewöhnlich früh Ende April und endete relativ spät Mitte September", sagt Studienautor Marco Tedesco vom Cyrospheric Processes Laboratory des City College of New York (CCNY). Für die Studie wurden Anomalien in den Oberflächentemperaturen der grönländischen Eisdecke untersucht und Schmelzdaten durch Satellitenaufnahmen, Bodenbeobachtungen und Modellen ausgewertet. An der Studie nahmen Forscher der Universität Liege in Belgien, der Universtität Utrecht in den Niederlanden und Wissenschaftler des Nationalen Schnee- und Eisdatenzentrums (NSIDC) in den USA teil, finanziert wurde die Arbeit unter anderem von der Umweltstiftung WWF und der NASA.

 

In Grönlands Hauptstadt Nuuk wurde der Studie zufolge der wärmste Frühling und der wärmste Sommer seit Beginn der Aufzeichungen 1973 vermessen. Zudem habe es auch weniger geschneit als sonst. "Bloßes Eis ist viel dunkler als Schnee und absorbiert mehr Wärme", so Tedesco. Auch das Verhalten von Seen an der Gletscheroberfläche, feine Staub- und Rußpartikel auf der Eisdecke und der Fluss von Schmelzwasser gehörten zu den Faktoren, die die Schmelze beeinflusst haben.

 

 

Eine zweite Studie kommt zu dem Schluss, dass sich die Eis-Schmelze in der Arktis selbst beschleunigt: Schmilzt das Eis, treten darunter dunklere Stellen zu Tage, die die Sonnenstrahlen stärker ansaugen, als die reflektierenden Eisflächen. Das wiederum treibt die Eisschmelze weiter vorran, ein fataler Kreislauf.

 

Wissenschaftlern ist dieser Albedo genannte Effekt natürlich längst bekannt. Allerdings wirkt dieser Effekt offenbar deutlich stärker, als bislang in den Berechnungen der Klimaforscher eingegangen. Eine Analyse der Albedo-Rückkopplung innerhalb der letzten 30 Jahre kommt zu dem Schluss, dass das in der Arktis verloren gegangene Reflexionsvermögen tatsächlich doppelt so hoch ist, wie bislang vermutet.

 

Wie US-amerikanische Forscher im Magazin Nature Geoscience schreiben, hat dieser Eisverlust auch negative Auswirkungen auf den Kühlungseffekt der Kryosphäre, also der Gesamtheit aller Schnee- und eisbedeckten Flächen der Erde.

 

Die Forscher analysierten Messdaten zur arktischen Eisbedeckung zwischen 1979 und 2008 und deren Reflektivität. Diese Werte verglichen sie dann mit jenen Werten, die in die 18 gängigen Klimamodelle eingegangen sind. Die Analyse ergab, dass der mittlere Strahlungsantrieb – die Energiemenge, die vom Eis in die Atmosphäre reflektiert wird – zwischen 4,6 und 2,2 Watt pro Quadratmeter liegt. Tendenz deutlich sinkend. Binnen der vergangenen 30 Jahre sank der Kühlungseffekt der Kryosphäre den Untersuchungen zu Folge um 0,45 Watt pro Quadratmeter, vermutlich zu gleichen Teilen verursacht durch das Schwinden von Schnee und das Schmelzen von Meereis.

 

"Die tatsächlichen Messdaten zum Schwund in der Arktis zeigen, dass sich der Rückgang der Eismassen wesentlich schneller vollzieht, als vom IPCC prognostiziert", hatte der Potsdamer Klimaforscher Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung klimaretter.info im Dezember erklärt. Die Forscher glauben nun, mit Ihrer Arbeit die Lücke zwischen Prognose und tatsächlichen Messdaten gefunden zu haben.

 

Das Grönlandeis ist - bis zu 3.000 Meter dick - einer der größten Süßwasserspeicher der Welt. "Würde das Eis komplett abschmelzen, bedeutet das, dass der Meeresspiegel um 7 Meter steigen würde", so Rahmstorf. Das klingt gefährlich, aber die eigentliche Gefahr birgt folgende Erkenntnis der Wissenschaft: Der Weltklimarat IPCC sagt, dass ab einer globalen Erwärmung von 1,9 Grad Celsius im Durchschnitt ein Totalverlust des Grönlandeises nicht mehr zu verhindern ist. "Ein Kippsystem, das bislang unaufhaltsam auf uns zu kommt", sagt Rahmstorf.

Quelle:

Sarah Messina und Nick Reimer 2011

KLIMARETTER.INFO 2011

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