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Amerikanische Mink (Neovison vison). Aus Nerzfarmen entlaufene Tiere breiten sich in Europa seit den 1950er Jahren aus und verdrängen den Europäischen Nerz. © ufz.de | André Künzelmann

Die Wandermuschel (Dreissena polymorpha) zählt zu den so genannten Top-Eindringlingen der gebietsfremden Arten, die die größten Auswirkungen in den meisten Kategorien haben. © ufz.de | Dieter Florian, Leipzig
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Artikel 66 von 378

:: Reichtum ist ein größeres Risiko als der Klimawandel

Wohlstand und Bevölkerungsdichte haben größeren Einfluss auf biologische Invasionen als Klima- und Landnutzungswandel. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie von 26 internationalen Forschern. Gestiegener Wohlstand und eine gewachsene Bevölkerung, die zu einem Anstieg des internationalen Handels geführt haben, sind die stärksten Triebkräfte für die Ausbreitung gebietsfremder Tier- und Pflanzenarten, die Ökosysteme stören und verschiedenste Schäden in Natur und Landwirtschaft hervorrufen können.

Menschliche Faktoren wie Wohlstand und Demographie überdecken bei mehreren Gruppen von Lebewesen andere, natürliche Faktoren. Letztlich seien menschliche Aktivitäten für das Ansteigen von biologischen Invasionen und damit für den Rückgang der Einzigartigkeit heimischer Floren und Faunen verantwortlich, schreibt ein internationales Wissenschaftlerteam in der Onlineausgabe des Fachblatts PNAS.

 

Dabei hatten die Forscher Daten der DAISIE-Datenbank über gebietsfremde Tier- und Pflanzenarten in Europa ausgewertet. Das EU-Projekt DAISIE (Delivering Alien Invasive Species Inventories for Europe; www.europe-aliens.org) hatte in den vergangenen Jahren zum ersten Mal für die Länder Europas alle bekannten gebietsfremden Arten erfasst. Über 11.000 Arten sind es insgesamt in Europa. Am Projekt waren Forschungseinrichtungen und Organisationen aus 15 Nationen beteiligt, darunter auch das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ).

 

Für die neue Studie wurden die Anzahl dieser Arten in 55 Ländern und Regionen untersucht. Die Wissenschaftler wollten wissen: Welche geographischen, klimatischen und ökonomischen Faktoren bestimmen das Vorhandensein gebietsfremder Arten am besten? Denn gebietsfremde Arten können das Funktionieren von Ökosysteme stören und hohe Kosten durch landwirtschaftliche Schäden und gesundheitliche Probleme verursachen.

 

 

Für die Mehrzahl der Artengruppen konnten die Forscher die Häufigkeit von gebietsfremden Arten überraschend sicher unter Verwendung des Reichtums und der Einwohneranzahl der jeweiligen Gebiete vorhersagen. Am größten war die Anzahl fremder Arten in Gebieten mit hoher Bevölkerungsdichte und hohem Wohlstand. Spitzenwerte wurden in Regionen mit über 91 Einwohnern pro Quadratkilometer und über einem nationalem Reichtum von 250.000 US-Dollar pro Einwohner erreicht (z.B. Österreich, Spanien, Deutschland).

 

"Invasive Arten sind größtenteils eine Folge des internationalen Handels. Wir konnten als erste zeigen, dass ökonomische und demographische Faktoren, also der menschliche Einfluss entscheidend für das Vorhandensein gebietsfremder Arten ist", erläutert Prof. Petr Pysek von der Akademie der Wissenschaften der Tschechischen Republik in Prag. "Unsere Studie deutet daraufhin, dass natürliche Faktoren oft überschätzt und menschliche Faktoren oft unterschätzt worden sind." So sind viele biologische Invasionen auf den Tierhandel oder verunreinigte Agrarprodukte zurückzuführen.

 

Einfache Lösungen wird es nicht geben, betonen die Forscher. Der erste Schritt sei, die Mechanismen herauszufinden. Anschließend müsse das Monitoring verbessert werden und wahrscheinlich auch verschiedene Importvorschriften. "International fehlt es momentan immer noch an länderübergreifenden Abkommen, um dem Einschleppen von Arten effektiv begegnen zu können", charakterisiert Dr. Marten Winter vom UFZ das Problem.

 

Eine Herausforderung in der Zukunft wird sein, die einzelnen ökonomischen Faktoren zu bestimmen, die am meisten zum Problem der gebietsfremden Arten beitragen. "Nur wenn wir die wirklichen Einzelfaktoren herausfinden wird es möglich sein, biologische Invasionen vorherzusagen und zu managen", sagt Dr. Ingolf Kühn vom UFZ. "Eine höhere Vorhersagegenauigkeit wird zweifellos helfen, Managementstrategien für gebietsfremde Arten zu entwickeln." So ist die Europäische Union im Moment dabei, eine Strategie gegen invasive Arten entwickeln.

 

Biodiversität - das Netz des Lebens erforschen mehr

Die Vereinten Nationen haben 2010 zum internationalen Jahr der biologischen Vielfalt erklärt. Ziel ist es, dass Thema biologische Vielfalt mit seinen vielen Facetten stärker in das öffentliche Bewusstsein zu rücken. Mit seiner Expertise trägt das UFZ dazu bei, die Folgen und Ursachen des Biodiversitätsverlustes zu erforschen sowie Handlungsoptionen zu entwickeln.

 

Die Biodiversitätsforschung in Deutschland ist auf zahlreiche Institutionen wie Hochschulen, außeruniversitäre Einrichtungen und Ressortforschung bis hin zu Naturschutzverbänden und Firmen verteilt. Das Netzwerk-Forum zur Biodiversitätsforschung, ein Projekt im Rahmen von DIVERSITAS-Deutschland, möchte der Forschungs-Community deshalb eine gemeinsame institutionsunabhängige Kommunikationsstruktur und -kultur anbieten - mehr

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