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HÖRZU Zukunftsreport 2/3: Innovative VerkehrsPlanung kann unsere Lebensqualität verbessern, sagt Umweltexperte Franz Alt im zweiten Teil des Zukunfts-Reports.

Sie versprachen uns das Blaue vom Himmel: Alle deutschen Autoher­steller hatten sich gegenüber der Po­litik verpflichtet, bis zum Jahr 2008 Autos zu bauen, die im Schnitt weniger als 140 Gramm CO2 pro Kilometer ausstoßen. Doch im Herbst 2009 sind wir noch immer bei 165 Gramm – das ist leider das Graue vom Himmel. Deshalb kaufen immer mehr um­weltbewusste Deutsche japanische Autos wie das Hybrid-Modell „Prius“ von Toyota.

 

Dabei hatte Volkswagen schon 2002 das Ein-Liter-Auto vorgestellt, es dann aber ins Museum gestellt anstatt auf den Weltmarkt. Erst jetzt heißt es in Wolfsburg: Das Auto, das nur noch einen Liter Sprit auf 100 Kilometern verbraucht, kommt 2013 in Serie. Auf der jüngsten Internationalen Automobilausstel­ lung, der IAA in Frankfurt, haben auch ande­re Autobauer wieder einmal Besserung ge­lobt: Alle wollen jetzt kleinere und sparsame­re Modelle bauen und alle setzen auf alter­native Antriebssysteme: auf Elektroautos, Hybridautos, Wasserstoffautos.

 

Das Auto der Zukunft soll leise sein, nicht mehr stinken oder brummen und auch kein Benzin mehr verbrennen. Es soll nur noch fahren. Wunderbar! Die Energieversorger sa­gen sogar: Millionen Elektroautos könnten, wenn sie nachts keine Fahr-, sondern nur noch „Stehzeuge“ sind, sogar als Speicher für Sonnen- und Windstrom dienen. Heißt das etwa: Das alte Auto-Land ist abgebrannt? Auf in die schöne, neue Autowelt!

 

„Die Zukunft gehört dem Elektro-Auto“, tön­ten VW-Chef Martin Winterkorn und Daim­ler-Boss Dieter Zetsche soeben übereinstim­mend auf der IAA. Und General Motors ver­abschiedet sich in Werbespots sentimental vom fossilen Zeitalter: „Liebes Öl, wir hatten jahrelang eine tolle Beziehung, aber jetzt glauben wir, dass es für uns beide besser wä­re, wenn wir uns nicht mehr so oft sähen.“ Kommt tatsächlich der große Ölwechsel? Fest steht: Die gesamte Autoindustrie steht weltweit am Scheideweg, es erwartet uns ei­ne Kulturrevolution! Ein alter Benzinmotor verpestet mit einem Liter Benzin 10.000 Liter Luft – eine der Ursachen des Klimawandels, den wir stoppen müssen, wenn unsere Kin­der und Enkel auf dieser Erde noch ein schö­nes Leben haben sollen. Ein Benzinmotor verbrennt in einer Stunde, woran die Natur Millionen Jahre gearbeitet hat. Wir brauchen also völlig neue und innovative Antriebe. Umfragen belegen, dass sich inzwischen 70 Prozent der deutschen Autofahrer mehr für die Umweltverträglichkeit als für höhere PS-Zahlen ihres Wagens interessieren. So waren kleine Autos der Haupttrend der IAA. Dabei könnten wir schon lange intelligentere Mo­bilität organisieren.

 

Werner von Siemens fuhr 1882 in Berlin das erste Elektroauto der Welt. Vor 100 Jahren wa­ren auf New Yorks Straßen mehr E-Mobile unterwegs als Benziner. Und Hybridautos, die in Japan und in den USA schon Kult-Sta­tus haben, wurden 1972 an der Hochschule  Aachen entwickelt. Aber kein deutscher Au­tobauer brachte sie auf den Markt. In der Bat­terie-Technologie, dem Pferdefuß des Elekt­roautos, sind uns die Chinesen um beinahe zehn Jahre voraus. Doch das Auto allein bie­tet uns auch keine ausreichende Perspektive für künftige Mobilität und Städteplanung. Ein so dicht­bevölkertes Land wie Deutschland benötigt attrak­tive öffentliche Verkehrssys­teme, um mehr Lebensqua­lität zu erreichen. Sonst kom­men wir nicht heraus aus der Staugesell­schaft, sondern ersticken in ihr.

 

Wie also könnte moderne Verkehrsplanung in einer zukünftigen humanen Stadt aus­sehen? Ich will das in zwei Zukunftssze­narien aufzeigen. Im Jahr 2015 (siehe Kasten Seite 22) wird der motorisier­te Individualverkehr zurückgehen und der öffentliche Verkehr ausge­baut werden. Fahrradfahrer und Fußgänger werden bei der Ver­ kehrsplanung bevorzugt behandelt. Es gibt in ganz Deutschland keine Kommunalpolitikerin und keinen Kommunalpolitiker, die nicht noch heute mit dem Umsetzen dieses Verkehrskonzep­tes 2015 beginnen könnten! In Münster und Frei­burg, in Karlsruhe und Oberstdorf, in Bremen und Solingen, in Heidelberg und Berlin, in Rostock und auf Rügen, in Homburg/Saar und Bielefeld sind diese Vorschläge in einigen Details schon re­alisiert – aber nirgendwo komplett.

 

In Tokio decken öffentliche Verkehrs­mitte 90 Prozent des Gesamtverkehrs ab. Warum sollte das nicht auch in Deutschland möglich sein? Wenn ich in Japan Vorträge halte und von Tokio nach Kyo­to reisen muss, wähle ich selbstverständlich den schnellen, bequemen Hochgeschwindigkeitszug „Shinkansen“ – wie fast alle Japaner. Ich spare da­bei Zeit, Geld und Nerven und schone zudem die Umwelt. Immer weniger Japaner nutzen im In­land noch das Flugzeug. Im verkehrspolitisch rückständigen Deutschland ist es umgekehrt: Es wird im Inland immer mehr geflogen, obwohl es immer weniger Sinn macht. Die Praxis zeigt: Mobilität mit weniger Autos und Flugzeugen wäre schon heute möglich, würde die Politik die Weichen richtig stellen, etwa durch eine Flugbenzin­steuer. Darüber wird seit 30 Jahren diskutiert – aber nichts passiert, weil Politiker ange­sichts der großen Auto-Lobby zu feige sind.

 

Wie können wir langfristig ohne Autos ein­kaufen, zur Arbeit fahren, Güter transportie­ren, Urlaub und Frei­zeit gestalten? Ich kann mir vorstellen, dass ei­ne Politik der kurzen Wege im Jahr 2030 (sie­he Kasten rechts) dafür sorgt, dass viel Ar­beit zu Hause erle­digt wird, die Ar­beitszeit auf weni­ger Tage verteilt ist, dass Arbeitsplatz und Wohnplatz näher zusam­menrücken und Deutschland mit einem dichten Netz schienenge­bundener Verkehrsmittel überzogen ist – ähnlich dem Straßensystem von heute.

 

In vielen Großstädten gibt es zehnmal mehr Autos als Kinderwagen. Ich wünsche unseren Enkeln, dass sie die Straße wieder als Ort der Lernerfahrung und die Großstadt wieder als Heimat erleben, in der Fremdes sich miteinander verbindet: Jung und Alt, Freund und Gegner, Arm und Reich, Deut­sche und Ausländer. Bei den hier skizzierten alternativen Verkehrsszenarien geht es um weniger Energie, eine bessere Umwelt und um neue zukunftssichere Arbeitsplätze. Das hat nichts mit Verzicht oder Askese zu tun, wie uns viele eingefleischte Öko-Anhänger predigen, sondern mit mehr Lebensquali­tät, mehr Freiheit, mehr Sicherheit, mehr Gesundheit und mehr Lebensfreude für alle. Es zeigt sich: Autofah­ren ist heilbar!

 

HÖRZU Zukunftsreport: So ist unsere ERDE noch zu retten 1/3

HÖRZU Zukunftsreport: Stadt von Morgen 2/3

HÖRZU Zukunftsreport: Arbeitgeber Umwelt 3/3

Quelle:

© Franz Alt 2009

Erstveröffentlichung HÖRZU Nr. 43/2009

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Zukunfts-Report von Franz Alt

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