Startseite
zurück zur Übersichtvorheriger Artikelnächster Artikel
Artikel 135 von 488

:: Trittbrettfahrerei ahnden: Spieltheorie zeigt Möglichkeiten für Klimaverhandler

Bei allen internationalen Bemühungen zur Verringerung von Treibhausgas-Emissionen sind Trittbrettfahrer ein Problem. Einen neuen Lösungsansatz für den Umgang mit solchen Staaten zeigt eine Studie aus der ökonomischen Spieltheorie auf, die diese Woche in der renommierten US-Fachzeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences veröffentlicht wird. Zumindest auf dem Papier ist es möglich, ein höheres Maß internationaler Zusammenarbeit zu erreichen, so ermittelten Wissenschaftler des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung.

„Trittbrettfahrer sind Länder, die weiter ungehemmt CO2 ausstoßen, auch wenn sich ein Großteil der internationalen Staatengemeinschaft zur Emissionsreduktion verpflichtet“, sagt Leitautor Jobst Heitzig. Sie profitieren vom Klimaschutz, den andere durch CO2 einsparende Maßnahmen wie beispielsweise die Umstellung auf erneuerbare Energien finanzieren. Dies schreckt dann auch viele jener Nationen ab, die etwas gegen die Erderwärmung tun wollen – wegen der Trittbrettfahrer erscheint ihnen das weniger lohnend. Bisher haben spieltheoretische Untersuchungen deshalb die Chancen für mehr Zusammenarbeit beim Schutz des Weltklimas als eines besonderen öffentlichen Guts „eher pessimistisch eingeschätzt“, so Heitzig.

 

Wenn aber die Staatengemeinschaft ein Ausbrechen aus den Emissionsreduktionen auf eine neuartige Weise zu bestrafen androht, so die Analyse der Forscher, erscheint eine langfristige internationale Kooperation beim Klimaschutz wahrscheinlicher: Stößt ein Land in einer Verpflichtungsperiode mehr CO2 aus als vereinbart, könnten die anderen Staaten in der nächsten Verpflichtungsperiode in einem bestimmten Maß dasselbe tun. „Dann können die Trittbrettfahrer nicht mehr darauf rechnen, dass andere für sie die Aufgabe des Klimaschutzes übernehmen“, so Heitzig. „Sie hätten einen Anreiz, einen eigenen Beitrag zu leisten.“

 

Eine solche Strategie wäre flexibel und dynamisch – sie droht nicht mit einem Abbruch der Kooperation, sondern nur mit graduellen Veränderungen, wobei die Verhältnismäßigkeit der Reaktionen gewahrt bliebe. Kurzfristig könne sich hierbei die Emissionsbilanz verschlechtern, langfristig aber stabilisiere sie sich, so das Kalkül der Wissenschaftler. Statt um bislang diskutierte und für die Weltwirtschaft problematische Sanktionen wie etwa Strafzölle geht es hier um Sanktionen im System der Emissionsreduktionen selbst, beispielsweise durch eine zeitweise Umverteilung von Emissionsrechten.

 

Allerdings seien in dieser Analyse „eine ganze Reihe Annahmen enthalten“, betont Heitzig. Erstens geht die Spieltheorie in der hier verwendeten Form davon aus, dass alle Akteure sich weitgehend rational verhalten. Zweitens wird angenommen, dass die Akteure im Wesentlichen das Ziel des Klimaschutzes teilen. Und drittens ist das Modell der internationalen Klimapolitik stark vereinfacht. „Es ist eine Modellstudie, die von einem im schlimmsten Falle rein eigennützigen Verhalten der Akteure bei ihrer langfristigen Kosten-Nutzen-Optimierung ausgeht.“

 

Jenseits der Kalküle der Spieltheorie gibt es gute Gründe für Staaten, Vorreiter des Klimaschutzes zu sein. „Sie können Vorbild für andere sein. Und wer die Nase vorn hat beim Umbau seines Energiesystems, hat auch gute Aussichten, international zum Technologieführer zu werden und Innovationen gewinnbringend zu exportieren“, erklärt PIK-Direktor Hans Joachim Schellnhuber. „Spieltheorie kann der Realpolitik keine taktischen Anleitungen geben – sie kann aber sehr wohl strategische Optionen aufzeigen.“

 

Die Studie entstand im Rahmen des Potsdamer Forschungs- und Technologieverbundes zu Naturgefahren, Klimawandel und Nachhaltigkeit (PROGRESS), bei dem Geo-, Klima- und Politikwissenschaftler zusammenarbeiten. Gemeinsam entwickeln sie konkrete Optionen auch für Entscheider in Politik und Verwaltung, damit diese Risiken wie dem Klimawandel wirksamer begegnen können. Innerhalb des PROGRESS-Forschungsbereiches Transdisziplinäre Konzepte und Methoden sollen die in der vorliegenden Studie dargestellten Ansätze weiter entwickelt und auf andere Themengebiete angewendet werden.

 

Artikel: Heitzig, J., Lessmann, K., Zou, Y. (2011): Self-enforcing strategies for cooperation in the climate mitigation game and other repeated public good games. Proceedings of the National Academy of Sciences [doi:10.1073/pnas.1106265108]

 

Weblink zur Studie (finale Entwurfsfassung)

Weblink zu PNAS (nach der Veröffentlichung)

zurück zur Übersichtvorheriger Artikelnächster Artikel
Artikel 135 von 488

Auch im Social Web

facebook twitter youtube

Schriftgröße wählen

normal mittel gross

Suche

Klimakassandras - versagt die Klimawissenschaft?

http://www.sonnenseite.com/Umwelt,Klimakassandras+-+versagt+die+Klimawissenschaft,16,a25382.html

Buchtipp

Buchtipp

Menschenrechte und Klimaschutz

www.sonnenseite.com/Politik,Menschenrechte+und+Klimaschutz,95,a16901.html

BILD: So qualvoll sterben Vögel im Ölteppich

www.bild.de/BILD/video/clip/news/vermischtes/2010/06/05/oel-pelikan.html

Walfang auf den Färöer-Inseln - Protestieren Sie!

www.sonnenseite.com/Eine+Welt,Walfang+auf+den+Faeroeer-Inseln,18,a11469.html

Medienpartner

www.heizungsfinder.de/
www.solaranlagen-portal.com/
www.natur.de/

Umwelt-Links

www.sonnenseite.com/Surf-Tipps,Internetdienst+spendet+60v.h.+seiner+Jahreseinnahmen+an+gemeinnuetzige+Umweltprojekte,7,a16601.html

Zukunfts-Report von Franz Alt

Teil 1: Hochwasser, Hitze, Hurrikans – Sind wir noch zu retten? mehr
Teil 2: Bürger zur Sonne, zur Freiheit – das Solarzeitalter beginnt mehr
Teil 3: Auf die Zukunft bauen: Niedrigenergiehaus, Aktiv-Haus, Solarplus-Haus mehr
Teil 4: Die Zukunft der Arbeit – Vollbeschäftigung ist möglich mehr

Stirbt die Artenvielfalt?

Teil 1: mehr Teil 2: mehr

Teil 3: mehr Teil 4: mehr

Teil 5: mehr Teil 6: mehr

Teil 7: mehr Teil 8: mehr

Jahrbuch Ökologie 2010

www.sonnenseite.com/Buch-Tipps,Umwaelzung+der+Erde+%E2%80%93+Konflikte+um+Ressourcen,34,a13695.html

Umweltfilm "HOME"

http://www.youtube.com/homeproject#p/a/f/0/IbDmOt-vIL8

Monsanto, mit Gift und Genen

Newsletter (ab)bestellen

http://www.sonnenseite.com/Newsletter,67.html

Newsletterversand kajomi.de

Jeden Sonntag einen kostenlosen NEWSletter

Bigi+Franz Alt
Chris Alt