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:: Wenn der Golfstrom das Drehbuch schreibt

Klimawandel und Globalisierung schaffen es ins Mainstreamkino und bewirken ein Umdenken. Von Angela Franz-Bahlsen und Sacha Kagan, Universität Lüneburg.
Zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit macht ein Film zum Thema Klimawandel international Schlagzeilen: „An Inconvenient Truth“. Auch Filme über andere unbequeme Wahrheiten der Globalisierung haben Konjunktur und locken Millionen ins Kino.

In den USA avancierte „An Inconvenient Truth“ zum dritterfolgreichsten Dokumentarfilm aller Zeiten, nach fünf Monaten Spielzeit war er immer noch im Programm. Dokumentiert wird der Einsatz des früheren US-Vizepräsidenten Al Gore, über die Risiken des globalen Klimawandels aufzuklären. Der Film gibt Gores landauf, landab gehaltenen, multimedial gestützten Vortrag in weiten Teilen wieder und zeigt sich ansonsten eher unspektakulär und leise. Aber er zeitigt Effekte: Einige hat der Film so stark bewegt, dass sie große Summen für den Klimaschutz locker machten oder – wie Arnold Schwarzenegger – ihren schweren Geländewagen verkauften.

In Frankreich wurde die Uraufführung, bei der Gore anwesend war, zu einer politischen Großveranstaltung. Rund 250 Parlamentsabgeordnete und Senatoren nahmen teil. Die Tageszeitung „Le Monde“ forderte Frankreichs Politiker zum couragierten Handeln gegen den Klimawandel auf. Solch eine Initialzündung hatte bisher kein Umweltfilm, obwohl diese Filmgattung durchaus schon eine längere Geschichte hat.

Das Genre „Umweltfilm“ ist mit der Umweltbewegung entstanden. Filmemacher artikulieren ihre Sorgen um die Zukunft des Globus besonders dann, wenn sie sich als Mahner gefordert sehen, gegen Ignoranz und politische Kurzsichtigkeit anzukämpfen. In den USA ist das derzeit der Fall.

In Deutschland war der Höhepunkt dieser Entwicklung, die sich vor allem im Programm des Freiburger „Ökomedia-Filmfestivals“ offenbarte, in den 1980er Jahren. Immer gab es auch einige wenige Kinofilme im internationalen Programm, etwa „Septemberweizen“ von Peter Krieg, der schon 1980 die Mechanismen und Konsequenzen eines rücksichtslosen Agrobusiness aufzeigte, wie wir es heute weltweit erleben. In Deutschland entstanden nach 2000 einige Filme zu Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen, sie erweckten aber keine breite Aufmerksamkeit.


Umweltthemen im Großen Saal
Umso größer das Erstaunen, als ab 2004  gleich mehrere Umweltfilme ins Mainstreamkino gelangen: Roland Emmerichs „The Day after Tomorrow“ bedient sich aller Tricks des Katastrophen- und Actionfilms, um am Beispiel Nordamerikas einen Blick auf die paradoxen Folgen der globalen Erwärmung zu werfen. Die Produktion „Darwins Alptraum“ des Österreichers Hubert Sauper löst große Bestürzung und heftige Kontroversen über die fatalen Zusammenhänge zwischen dem Geschäft mit dem Victoriabarsch, Waffenhandel und dem Schicksal der an diesen Geschäften beteiligten Menschen aus. Der Film zieht eine halbe Million Kinobesucher an und wird sogar für einen Oscar nominiert.

2006 schafft es ein weiterer Film aus Österreich an die Spitze: „We Feed the World“ von Erwin Wagenhofer zeigt in langen Einstellungen die zunehmend umweltschädliche und grausame Nahrungsmittelproduktion im Sog der Globalisierung. Die Globalisierung ist neben dem Klimawandel das zweite große Thema aktueller Umweltfilme, die ihren Fokus auf soziale und wirtschaftliche Verflechtungen richten.


Warum unbequeme Wahrheiten im Kino wieder eine Chance haben, lesen Sie in punkt.um, Heft 11/2006
Quelle:
punkt.um Heft 11/2006
Inhalt Heft 11/2006
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