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:: Wie auf den ehemaligen Tagebauflächen von RWE neue Lebensräume entstehen
Der Schutz von unberührter Natur ist eine wichtige Aufgabe für den Erhalt von Artenvielfalt. In einer hochindustrialisierten Gesellschaft aber werden diese Flächen rarer. Verschwindet damit automatisch auch die Biodiversität? Die Erfahrungen des Bergbaus zeigen, dass es auch anders geht. Auf den Flächen von ehemaligen Braunkohletagebauen entstehen Lebensbedingungen für viele Arten, wie es sie in Europa sonst nur noch selten gibt. Seit über 40 Jahren gibt es eine Begleitforschung zur Rekultivierung im rheinischen Revier. Vor 10 Jahren wurde dafür eine eigene Forschungsstelle aufgebaut. Sie untersucht die Entwicklungen der Rekultivierung und erarbeitet Lösungen für ökologisch zukunftsfähige Lebensräume, die in die Aufgabe der Rekultivierung mit einfließen.
Wer in die ausgebeuteten Braunkohletagebaue schaut, mag nicht als erstes an Artenvielfalt und neue Perspektiven für den Naturschutz denken. Kein anderes industriepolitisches Projekt verändert die Landschaft und damit auch den Lebensraum für Tiere und Pflanzen in vergleichbarem Maße. Ganze Natur- und Kulturlandschaften weichen für den Abbau des Energieträgers Braunkohle. Nach der Auskohlung der Gebiete gibt es viel zu tun, um die Flächen landschaftlich ansprechend zu gestalten und für die Landwirtschaft oder auch als Naherholungsgebiete nutzbar zu machen - und dies auf einem großen Gebiet. Über 20.000 Hektar Fläche sind bis heute rekultiviert worden. Rund die Hälfte davon ist landwirtschaftliche Nutzfläche; über 7.700 Hektar sind Wälder und Grünflächen, die eine hohe Artenvielfalt aufweisen.
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Rekultivierung - ein Prozess mit langer Geschichte und strengen Vorgaben
Diese planbare Wiedernutzbarmachung der ehemaligen Abbaufl ächen hat eine lange Tradition und reicht bis ins 18. Jahrhundert zurück. Ursprünglich verfügten kurfürstliche Dekrete und andere vertragliche Vereinbarungen über die Wiederherstellung der Flächen. Heute ist die Rekultivierung qua Gesetzgebung ein fester Bestanteil in den Planungen des Braunkohleabbaus. Sie existiert in dieser modernen Form seit den siebziger Jahren und folgt einem streng vorgegebenen Verfahren. Der Braunkohlenausschuss - das ist der Bezirksplanungsrat für das Braunkohlenrevier - legt zunächst sehr grundsätzlich fest, welche Flächen nach Beendigung der Förderung als landwirtschaftliche Flächen ausgewiesen werden - und wo dagegen Grünzüge, oder auch Gewässer entstehen. Dabei werden auch ganz neue Elemente in der Landschaft geschaffen, wie zum Beispiel Anhöhen, bis hin zu alternativ gestalteten Flussverläufen. Aus diesen Gegebenheiten dann ökologisch wertvolle Lebensräume zu machen - darin sehen die Rekultivierungsabteilung von RWE Power und die Forschungsstelle Rekultivierung ihren Beitrag. Mit dem Kölner Büro für Faunistik wird RWE von einem unabhängigen Gutachter-Büro unterstützt. Die Einrichtung hat die Betreuung der Forschungsstelle übernommen und führt kontinuierlich Untersuchungen in der rekultivierten Landschaft durch. Die wissenschaftlichen Mitarbeiter der Forschungsstelle erarbeiten Analysen und geben Empfehlungen für die Gestaltung der Landschaft. Diese werden dann mit der zuständigen Rekultivierungsabteilung abgestimmt und umgesetzt.
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Aufschüttung und Aufforstung - Grundlagen für eine lebensfähige Landschaft
Voraussetzung für eine erfolgreiche Rekultivierung sind zunächst die Böden, die für Flora und Fauna den geeigneten Lebensraum bereitstellen. So richtet sich die Oberflächengestaltung vor allem danach, dass sie die richtigen Voraussetzungen für die Rekultivierung schafft. Damit sich kein Wasser in einzelnen Erdschichten stauen kann, wird zunächst die Rohkippe mit sandigen oder kiesigen Drainageschichten abgedeckt. Auch beim Auftragen der letzten Schicht, dem neuen Boden, wird darauf geachtet, dass es nicht zu Verdichtungen kommt. Dabei ist die künftige Flächennutzung mit entscheidend. Auf künftigen Waldböden kommt vor allem locker gekippter Forstkies zum Einsatz, da dieser Untergrund die besten Voraussetzungen für schnellen Baumwuchs bietet. Für neues Ackerland wird der reine Löss - der auch von Natur die niederrheinische Bucht prägt - besonders schonend aufgebracht. Die Aufforstung erfolgt zu 80 Prozent mit heimischen Laubhölzern wie Buche und Eiche und den gebietstypischen Mischbaumarten. Rund 15 Prozent nehmen standortfremde Baumarten wie die Kiefer, Lärche und Roteiche als nicht standortheimische Wirtschaftsbaumarten ein; der Rest sind Wiesen und Sukzessionsflächen. Etwa 4.500 Pflanzen werden dann pro Hektar in Gruppenmischung angepflanzt - und dies von Hand.
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Sieben magere Jahre - mit Chancen für ganz bestimmte Tier- und Pflanzenarten
Sieben Jahren sind für die landwirtschaftliche Rekultivierung - die so genannte Zwischenbewirtschaftung - angesetzt. In dieser Zeit herrschen auf den Flächen Bedingungen vor, wie sie sonst in Europa kaum noch vorkommen. Denn durch intensive Bewirtschaftung und den Einsatz von Düngemitteln sind die Böden in der europäischen Kulturlandschaft über die Zeit immer nährstoffreicher geworden. Anders aber die Flächen der ehemaligen Tagebaue - aufgrund ihrer Nährstoffarmut eröffnen sich hier Chancen für die Ansiedlung von Arten, die es auf den nährstoffreichen Böden sonst nicht mehr so leicht haben. Dazu zählen zum Beispiel Orchideenarten, von denen eine ganze Reihe von Arten auf den frisch rekultivierten Flächen zu zählen sind. Aber auch bestimmte Tierarten finden auf den rekultivierten Flächen gute Bedingungen vor. Vogelarten wie die Grauammer, oder auch Amphibien wie die Wechselkröte schätzen die Gebiete. Sie alle benötigen karge, nährstoffarme Böden. Die Flächen bieten jedoch nicht nur Lebensraum für 'Spezialisten', die auf nährstoffreichen Böden Schwierigkeiten haben. Es entwickelt sich zudem ein 'normaler Lebensraum' für andere, sonst auch heimische Arten. Nicht lange dauert es, bis die Artenvielfalt auf den Tagebauflächen der Biodiversität auf Altland entspricht. Besonders die Vielfalt der Vogelarten leistet dazu ihren Beitrag. Zum Vergleich: In Nordrheinwestfalen wird von 166 Brutvogelarten inklusive der Vermehrungsgäste ausgegangen. Davon lassen sich 108 Arten in den rekultivierten Flächen wiederfinden. 37 Prozent dieser Arten gelten als gefährdet. Insgesamt konnten bisher weit über 3.000 Tier- und Pflanzenarten in den Rekultivierungsgebieten im rheinischen Braunkohlenrevier nachgewiesen werden. Viele von ihnen zählen zu den gefährdeten Arten der "Roten Liste".
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Gestaltung im Wandel - von der Landschaftsarchitektur zum Naturschutz
Dass die Flächen wieder rekultiviert werden müssen, ist vom Gesetzgeber vorgeschrieben. Eine besondere Berücksichtigung von Artenvielfalt aber ist darin so nicht festgelegt. Hier leistet die Forschungsstelle Arbeit aus eigenem Antrieb. Ein guter Teil der zunächst nährstoffarmen Böden wird später der Landwirtschaft zurückgegeben. Ziel ist es deshalb die übrige rekultivierte Landschaft mit Wiesen, Wäldern Seen und Flusslandschaften für bestimmte Arten zu erhalten. Dies geschieht vor allem über die Gestaltung und Ausrichtung der Landschaftsgestaltung. Und hier hat sich über die Jahre ein Wandel vollzogen. In den 80er und auch noch 90er Jahren wurde die Rekultivierung vor allem nach Kriterien der Landschaftsarchitektur vorgenommen. Das bedeutete auch, dass auf offener Fläche bevorzugt Hecken angepflanzt wurden. Heute hingegen schauen die Verantwortlichen verstärkt auf die Bedürfnisse bestimmter Tier- und Pflanzenarten. Und für diese Zielarten ist das Anpflanzen von Hecken nicht unbedingt von Vorteil, so dass man heute Wiesen und Felder offen gestaltet, um beispielsweise den typischen - heute seltenen - Arten der Kulturlandschaft einen Lebensraum zu schaffen. Der Erhalt der Biodiversität wäre bei völliger Naturbelassenheit nicht möglich. So würden sicherlich 30 bis 40 Prozent der Arten bald verloren gehen.
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Arten im Fokus - Maßnahmen für den Eisvogel
Der Ansatz der Forschungsstelle geht sogar noch weiter, bis hin zur Förderung von Zielarten durch die aktive Förderung ihrer Lebensbedingungen. Ein Beispiel dafür ist der Eisvogel. Durch die Begradigung vieler Flüsse wurde der Lebensraum des Eisvogels im vergangenen Jahrhundert in Europa deutlich eingeschränkt. Denn er nistet vor allem in Steilwänden an Stillgewässern, oder an natürlichen Flussläufen mit einer geringen Fließgeschwindigkeit. Die rekultivierten Flächen bieten die Möglichkeit, die Landschaft auch nach diesen Bedürfnissen auszurichten und verloren gegangene Bedingungen wieder herzustellen. In diesem Sinne wurde auch die Inde als Fluss rekultiviert. Die Indefloss bereits durch das rheinische Revier, bevor hier Braunkohleabbau betrieben wurde. Über die Zeit war der Fluss dabei deutlich begradigt worden. Im Rahmen der Rekultivierung wurde nun die Möglichkeit genutzt, der Inde in einer "künstlichen" Landschaft ein "natürliches" Flussbett zurückzugeben und damit auch Lebensraum für Arten wie den Eisvogel wieder herzustellen. Seit 2005 fließt die Inde in ihrem neuen Bett. Zahlreiche Hochwasserereignisse haben seitdem dafür gesorgt, dass an vielen Stellen Steilwände entstanden sind, die dem Eisvogel als potentiellem Brutplatz dienen können. Darüber hinaus wurden als zusätzliche Artenschutzmaßnahme so genannte Eisvogelwände als künstliche Brutplätze errichtet. Diese werden bereits seit mehr als 10 Jahren an zahlreichen Stillgewässern im Rheinischen Braunkohlenrevier eingesetzt. Mit diesen verschiedenen Maßnahmen stehen nun die Chancen gut, dass der Eisvogel sich dauerhaft in der Region als Brutvogel ansiedelt.
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Die Wirtschaftsentwicklung schreitet voran - der Schutz von Biodiversität wird wichtiger
Die Umgestaltung der Landschaft schafft so Perspektiven für bestimmte Arten. Für andere jedoch bleibt es eine Herausforderung, diesen Wandel mitzuvollziehen. Vor allem einige Pflanzenarten und Kleintiere, die in alten Wäldern Lebensraum finden, haben es auf den neugestalteten Flächen nach Beobachtungen der Forschungsstelle schwer. Auch deshalb bleibt die Bewahrung bestehender Naturräume weiterhin ein wichtiger Ansatz für den Artenschutz. Die Industrialisierung und damit auch die Nutzbarmachung von Naturflächen schreiten jedoch weltweit weiter voran. Umso wichtiger ist es, auch dafür Lösungen zu erarbeiten, mit denen sich die Entwicklung der Wirtschaft und die Bewahrung von Biodiversität vereinbaren lassen. Die Aktivitäten auf den Tagebauflächen von RWE stellen hier seit Jahrzehnten unter Beweis, wie dies möglich sein kann - und die Erfolge bei der Wiedersansiedlung von Arten zeigen, dass Eingriffe in die Landschaft nicht zwangsläufig den Verlust von Lebensraum mit sich bringen, sondern auch neue Chancen für die heimischen Arten bedeuten.
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