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Artikel 175 von 300
:: ZUKUNFT ERDE - Teil 41: Das Milliarden-Programm: China und Indien investieren in Windkraft und Solartechnik
Weltweit wird heute auf allen internationalen Konferenzen vor der "neuen gelben Gefahr" gewarnt. Was wird aus unserem Planeten, wenn alle Chinesen und alle Inder unseren Wohlstand nachahmen? Beide Milliardenvölker Asiens haben seit über 10 Jahren bis zu 10 Prozent Wirtschaftswachstum pro Jahr.
Bei anhaltender wirtschaftlicher  Entwicklung fahren bis zum Jahr 2035 in China etwa 500 Millionen Autos und in Indien etwa 600 Millionen. Das sind weit mehr als heute in allen Ländern zusammen. Können wir unseren Planeten noch vor dem ökologischen Kollaps bewahren? Wie kommen China und Indien auf den Weg zur Nachhaltigkeit?Â
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Franz Alt war in den letzten 30 Jahren oft in China und wird Ende Mai wieder in Shanghai referieren. Alts Buch "Die Sonne schickt uns keine Rechnung - Neue Energie - Neue Arbeitsplätze" ist auf chinesisch erschienen - ebenso diese "tz"-Serie in einer chinesischen Wirtschaftszeitung.
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Viele Jahrhunderte hieß Peking "Yenking". Das bedeutet "Hauptstadt der Schwalben". Als ich vor 3o Jahren zum ersten Mal für eine Fernsehreportage in Peking war, gab es noch viele Schwalben. Bei meinem letzten Besuch, 2004, sah ich nur noch wenige. Mein chinesischer Begleiter musste wegen des Kohlenstaubs in der Luft ständig husten und sagte traurig: "Die Schwalben sind für immer weg." Stummer Frühling in Peking.
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Nur die Architektur des Olympiastadions wird 2008 Millionen Besucher aus aller Welt noch an eine Schwalbe erinnern. Aus der "Hauptstadt der Schwalben" wurde die Hauptstadt eines 1,35-Milliarden-Volkes mit der am schnellsten wachsenden Volkswirtschaft der Welt.
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Einige Zahlen:
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Schon 1994 hatte die Stadtverwaltung der südchinesischen Millionenstadt Kanton beschlossen, im Fahrradland Nummer eins der ganzen Welt die Fahrräder aus der Innenstadt zu verbannen. Begründung: "Die Autos brauchen mehr Platz."
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Chinas Wirtschaft wächst gigantisch - aber die Luftqualität in seinen Millionenstädten wird immer schlechter und erfordert viele Tote. 2005 sind in China - nach offiziellen chinesischen Angaben - 400.000 Menschen wegen Luftverschmutzung gestorben. 16 der weltweit 20 Millionenstädte mit der schlimmsten Luftverschmutzung finden wir 2006 im „Reich der Mitte“. In 80 Prozent der chinesischen Städte liegen die Stickstoff- und Schwefeldioxidwerte über den zulässigen Grenzwerten der Weltgesundheitsorganisation. Die Folgen für die olympischen Sommerspiele 2008 werden immer gravierender. Vielleicht müssen Athleten dann mit Sauerstoffgeräten in den Wettkampf! Millionen Chinesen klagen wegen Lungen- und Atemwegserkrankungen. 340 Millionen sind akut vom Wassermangel betroffen.
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Im klassischen Fahrradland China fahren immer mehr Menschen Auto - das Riesenreich steht weltweit an der Spitze der Verkehrsunfälle und Verkehrstoten. Mit zwei Millionen Neuwagen pro Jahr hat das Land Frankreich als viertgrößten Automobilmarkt der Welt bereits überholt.
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In ganz China wachsen Chemiefabriken wie Pilze aus dem Boden – auch deshalb hat die Verseuchung des Oberflächenwassers dramatisch zugenommen und der Grundwasserspiegel ist im Norden Chinas um bis zu 35 Meter in den letzten 20 Jahren gesunken. Chinas Umweltbombe tickt. Das Land befindet sich auf einem Schleuderkurs.
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Umweltminister Zhon Schengxian sagte kürzlich: "Unsere Wirtschaft wächst schnell, aber unsere Umweltprobleme wachsen noch schneller. Wenn wir diesen Prozess nicht stoppen, haben wir langfristig mehr Probleme mit unserem Wirtschaftswachstum als Vorteile." Chinas neuer Wohlstand steht auf schwachen Füßen.
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"Was nützt wirtschaftliches Wachstum, wenn der Gesundheitsstandard und die Lebensqualität unserer Bevölkerung sinken?" fragt mich ein Ökonomieprofessor nach einem Vortrag in Peking. Ich hatte darüber gesprochen, dass auch China bis 2050 zu 100 Prozent auf erneuerbare Energien umsteigen kann und muss.
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Die Veranstalter in Peking hatten sich das Thema: "China ist erneuerbar - Die solare Energiewende" gewünscht. Das wäre noch vor wenigen Jahren in China undenkbar gewesen. Doch jetzt hat Chinas Regierung beschlossen, dass bis 2020 schon über 20 Prozent des gesamten Energieverbrauchs durch regenerative Energien abgedeckt werden muss. Ein realistisches Ziel.
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Beim letzten Volkskongress im März 2006 in Peking hat Chinas Polit-Elite in bisher nicht gewohnter Offenheit die katastrophale Umweltsituation diskutiert und Abhilfe angekündigt. Regierungschef Wen Jiabao hat Umweltschutz soeben zum Staatsziel erklärt. Anfang 2006 hat das Riesenreich - orientiert am entsprechenden deutschen Gesetz - ein "Erneuerbares Energiengesetz" in Kraft gesetzt. Deutschland als heutiger "Windweltmeister" soll bald eingeholt und sogar überholt werden.Â
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Was hier zu Lande fast niemand weiß: Auf Chinas Häusern sind bereits mehr Sonnenkollektoren installiert als in der ganzen übrigen Welt zusammen - nämlich auf knapp 40 Millionen Dächern. In der südchinesischen Millionenstadt Kunming ist so gut wie jedes Haus mit Solaranlagen ausgestattet. Keine deutsche Stadt, nicht einmal ein deutsches Dorf, hat eine ähnliche Solardichte aufzuweisen. Und Indien ist das erste Land der Welt mit einem eigenen Ministerium für Erneuerbare Energien.
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In China ist die Umweltfrage heute explosiver als die soziale Frage. 2005 gab es 86.000 Protestaktionen im ganzen Land gegen die alten Umweltschlampereien. Die Kommunistische Partei muss reagieren, wenn sie nicht hinweg gefegt werden will. Ein chinesischer Bauer sagte mir: "Wir suchen uns einen ökologischen Mao, wenn die Parteibonzen in Peking nicht endlich unsere Umweltprobleme ernst nehmen."
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Der Umweltminister bekannte öffentlich, er habe Angst vor dem nächsten Supergau einer Wasservergiftung am Yangtse oder am Gelben Fluss. Allein an den beiden großen Flüssen stehen heute 10.000 Chemiefabriken. Zehntausend Zeitbomben. "Wir wollen kein Wachstum mehr um jeden Preis" musste der Umweltminister gestehen. China will seine bisherigen Wachstumsraten von 10 Prozent auf 7,5 Prozent in den nächsten Jahren abbremsen - aus ökologischen Gründen. Ein einmaliger Vorgang in der Weltwirtschaft. Deutsche Unternehmer können diese Politik kaum nachvollziehen.
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Schon 2005 musste Chinas Regierung über 30 geplante, ja zum Teil schon begonnene Großprojekte, wieder stoppen - darunter 15 Großkraftwerke – der Umwelt zuliebe. 3000 Kohlebergwerke werden dicht gemacht.
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Das Reich der Mitte gerät außer Balance. China rast auf eine ökologische Katastrophe zu - und damit die ganze Welt. Die Wirtschaft wächst auch in den nächsten Jahren - aber die Umweltschäden fressen bereits acht bis 12 Prozent des Bruttoinlandprodukts - jedes Jahr - Tendenz stark steigend. Vor allem wegen der Entwicklung in Indien und China wird sich der heutige Energieverbrauch bis 2050 weltweit verdreifachen.
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Ist die ganz große Katastrophe noch aufzuhalten?
Chinas Regierung versucht es wenigstens. Schon bis 2010 soll der Energieverbrauch um 20 Prozent reduziert werden. Ein sehr ehrgeiziges Ziel, aber auch ein notwendiges. Konkurrent Japan produziert sechsmal energieeffizienter als China und Indien bereits doppelt so energieeffizient. Die Waldfläche Chinas soll um 20 Prozent wachsen und die Autoabgase sollen um 10 Prozent fallen. Das heißt auch: Wenn deutsche Autohersteller künftig in China Autos verkaufen wollen, müssen sie sparsamere Autos bauen und anbieten.
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Peking hatte schon 2005 zur weltgrößten Konferenz über erneuerbare Energien eingeladen. 2006 wird diese Konferenz wiederholt. Und 2008 will China die Welt mit der "ersten solaren Olympiade" überraschen. China versucht, sein Wirtschaftswunder in ein ökologisches Wirtschaftswunder zu verwandeln. Je mehr in Deutschland mit nachhaltigen Technologien gearbeitet wird, desto mehr können wir davon auch nach Indien und China exportieren. Industriestaaten und ihre Nachhaltigkeitsstrategien sind Vorbilder für entsprechende Entwicklungen in den Ländern der Dritten Welt. Und das heißt auch: Riesige Exportchancen warten auf Deutschland.
Das nächste Thema:
Teil 42: Ölwechsel – Der Kampf um die Ressourcen
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Franz Alt war in den letzten 30 Jahren oft in China und wird Ende Mai wieder in Shanghai referieren. Alts Buch "Die Sonne schickt uns keine Rechnung - Neue Energie - Neue Arbeitsplätze" ist auf chinesisch erschienen - ebenso diese "tz"-Serie in einer chinesischen Wirtschaftszeitung.
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Viele Jahrhunderte hieß Peking "Yenking". Das bedeutet "Hauptstadt der Schwalben". Als ich vor 3o Jahren zum ersten Mal für eine Fernsehreportage in Peking war, gab es noch viele Schwalben. Bei meinem letzten Besuch, 2004, sah ich nur noch wenige. Mein chinesischer Begleiter musste wegen des Kohlenstaubs in der Luft ständig husten und sagte traurig: "Die Schwalben sind für immer weg." Stummer Frühling in Peking.
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Nur die Architektur des Olympiastadions wird 2008 Millionen Besucher aus aller Welt noch an eine Schwalbe erinnern. Aus der "Hauptstadt der Schwalben" wurde die Hauptstadt eines 1,35-Milliarden-Volkes mit der am schnellsten wachsenden Volkswirtschaft der Welt.
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Einige Zahlen:
- Die Stahlproduktion Chinas stieg in den letzten 10 Jahren um 380 Prozent.
- Der Rohölverbrauch stieg um 240 Prozent.
- Der Erdgasverbrauch um 310 Prozent.
- Der Kohleverbrauch um 90 Prozent.
- Insgesamt sind die Treibhausgas-Emissionen in den letzten 50 Jahren um 1000 Prozent gestiegen und
- Chinas Außenhandel um das 750 fache.Â
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Schon 1994 hatte die Stadtverwaltung der südchinesischen Millionenstadt Kanton beschlossen, im Fahrradland Nummer eins der ganzen Welt die Fahrräder aus der Innenstadt zu verbannen. Begründung: "Die Autos brauchen mehr Platz."
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Chinas Wirtschaft wächst gigantisch - aber die Luftqualität in seinen Millionenstädten wird immer schlechter und erfordert viele Tote. 2005 sind in China - nach offiziellen chinesischen Angaben - 400.000 Menschen wegen Luftverschmutzung gestorben. 16 der weltweit 20 Millionenstädte mit der schlimmsten Luftverschmutzung finden wir 2006 im „Reich der Mitte“. In 80 Prozent der chinesischen Städte liegen die Stickstoff- und Schwefeldioxidwerte über den zulässigen Grenzwerten der Weltgesundheitsorganisation. Die Folgen für die olympischen Sommerspiele 2008 werden immer gravierender. Vielleicht müssen Athleten dann mit Sauerstoffgeräten in den Wettkampf! Millionen Chinesen klagen wegen Lungen- und Atemwegserkrankungen. 340 Millionen sind akut vom Wassermangel betroffen.
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Im klassischen Fahrradland China fahren immer mehr Menschen Auto - das Riesenreich steht weltweit an der Spitze der Verkehrsunfälle und Verkehrstoten. Mit zwei Millionen Neuwagen pro Jahr hat das Land Frankreich als viertgrößten Automobilmarkt der Welt bereits überholt.
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In ganz China wachsen Chemiefabriken wie Pilze aus dem Boden – auch deshalb hat die Verseuchung des Oberflächenwassers dramatisch zugenommen und der Grundwasserspiegel ist im Norden Chinas um bis zu 35 Meter in den letzten 20 Jahren gesunken. Chinas Umweltbombe tickt. Das Land befindet sich auf einem Schleuderkurs.
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Umweltminister Zhon Schengxian sagte kürzlich: "Unsere Wirtschaft wächst schnell, aber unsere Umweltprobleme wachsen noch schneller. Wenn wir diesen Prozess nicht stoppen, haben wir langfristig mehr Probleme mit unserem Wirtschaftswachstum als Vorteile." Chinas neuer Wohlstand steht auf schwachen Füßen.
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"Was nützt wirtschaftliches Wachstum, wenn der Gesundheitsstandard und die Lebensqualität unserer Bevölkerung sinken?" fragt mich ein Ökonomieprofessor nach einem Vortrag in Peking. Ich hatte darüber gesprochen, dass auch China bis 2050 zu 100 Prozent auf erneuerbare Energien umsteigen kann und muss.
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Die Veranstalter in Peking hatten sich das Thema: "China ist erneuerbar - Die solare Energiewende" gewünscht. Das wäre noch vor wenigen Jahren in China undenkbar gewesen. Doch jetzt hat Chinas Regierung beschlossen, dass bis 2020 schon über 20 Prozent des gesamten Energieverbrauchs durch regenerative Energien abgedeckt werden muss. Ein realistisches Ziel.
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Beim letzten Volkskongress im März 2006 in Peking hat Chinas Polit-Elite in bisher nicht gewohnter Offenheit die katastrophale Umweltsituation diskutiert und Abhilfe angekündigt. Regierungschef Wen Jiabao hat Umweltschutz soeben zum Staatsziel erklärt. Anfang 2006 hat das Riesenreich - orientiert am entsprechenden deutschen Gesetz - ein "Erneuerbares Energiengesetz" in Kraft gesetzt. Deutschland als heutiger "Windweltmeister" soll bald eingeholt und sogar überholt werden.Â
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Was hier zu Lande fast niemand weiß: Auf Chinas Häusern sind bereits mehr Sonnenkollektoren installiert als in der ganzen übrigen Welt zusammen - nämlich auf knapp 40 Millionen Dächern. In der südchinesischen Millionenstadt Kunming ist so gut wie jedes Haus mit Solaranlagen ausgestattet. Keine deutsche Stadt, nicht einmal ein deutsches Dorf, hat eine ähnliche Solardichte aufzuweisen. Und Indien ist das erste Land der Welt mit einem eigenen Ministerium für Erneuerbare Energien.
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In China ist die Umweltfrage heute explosiver als die soziale Frage. 2005 gab es 86.000 Protestaktionen im ganzen Land gegen die alten Umweltschlampereien. Die Kommunistische Partei muss reagieren, wenn sie nicht hinweg gefegt werden will. Ein chinesischer Bauer sagte mir: "Wir suchen uns einen ökologischen Mao, wenn die Parteibonzen in Peking nicht endlich unsere Umweltprobleme ernst nehmen."
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Der Umweltminister bekannte öffentlich, er habe Angst vor dem nächsten Supergau einer Wasservergiftung am Yangtse oder am Gelben Fluss. Allein an den beiden großen Flüssen stehen heute 10.000 Chemiefabriken. Zehntausend Zeitbomben. "Wir wollen kein Wachstum mehr um jeden Preis" musste der Umweltminister gestehen. China will seine bisherigen Wachstumsraten von 10 Prozent auf 7,5 Prozent in den nächsten Jahren abbremsen - aus ökologischen Gründen. Ein einmaliger Vorgang in der Weltwirtschaft. Deutsche Unternehmer können diese Politik kaum nachvollziehen.
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Schon 2005 musste Chinas Regierung über 30 geplante, ja zum Teil schon begonnene Großprojekte, wieder stoppen - darunter 15 Großkraftwerke – der Umwelt zuliebe. 3000 Kohlebergwerke werden dicht gemacht.
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Das Reich der Mitte gerät außer Balance. China rast auf eine ökologische Katastrophe zu - und damit die ganze Welt. Die Wirtschaft wächst auch in den nächsten Jahren - aber die Umweltschäden fressen bereits acht bis 12 Prozent des Bruttoinlandprodukts - jedes Jahr - Tendenz stark steigend. Vor allem wegen der Entwicklung in Indien und China wird sich der heutige Energieverbrauch bis 2050 weltweit verdreifachen.
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Ist die ganz große Katastrophe noch aufzuhalten?
Chinas Regierung versucht es wenigstens. Schon bis 2010 soll der Energieverbrauch um 20 Prozent reduziert werden. Ein sehr ehrgeiziges Ziel, aber auch ein notwendiges. Konkurrent Japan produziert sechsmal energieeffizienter als China und Indien bereits doppelt so energieeffizient. Die Waldfläche Chinas soll um 20 Prozent wachsen und die Autoabgase sollen um 10 Prozent fallen. Das heißt auch: Wenn deutsche Autohersteller künftig in China Autos verkaufen wollen, müssen sie sparsamere Autos bauen und anbieten.
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Peking hatte schon 2005 zur weltgrößten Konferenz über erneuerbare Energien eingeladen. 2006 wird diese Konferenz wiederholt. Und 2008 will China die Welt mit der "ersten solaren Olympiade" überraschen. China versucht, sein Wirtschaftswunder in ein ökologisches Wirtschaftswunder zu verwandeln. Je mehr in Deutschland mit nachhaltigen Technologien gearbeitet wird, desto mehr können wir davon auch nach Indien und China exportieren. Industriestaaten und ihre Nachhaltigkeitsstrategien sind Vorbilder für entsprechende Entwicklungen in den Ländern der Dritten Welt. Und das heißt auch: Riesige Exportchancen warten auf Deutschland.
Das nächste Thema:
Teil 42: Ölwechsel – Der Kampf um die Ressourcen
Quelle:
Franz Alt 2006
Umweltserie in der "tz" München
Franz Alt 2006
Umweltserie in der "tz" München
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