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:: Atomenergie: Gabriel will Endlager wie die Schweizer suchen
Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) hat sich für Standortvergleiche bei der Suche nach Endlagerstätten für Atommüll ausgesprochen. Bei der Prüfung möglicher Endlagerstätten spreche viel für das Schweizer Modell, das mit Kriterien für Standortvergleiche arbeite, sagte Gabriel in Berlin bei der Vorstellung des Jahresberichts der Bundesanstalt für Strahlenschutz.
Das Schweizer Modell sei besser als das deutsche Verfahren. Gabriel will so nicht nur den Salzstock Gorleben als Endlager untersuchen lassen, sondern auch mögliche andere Lager in Ton und Granit.
In Deutschland scheiterten Standortvergleiche bislang am Widerstand der beiden Bundesländer Baden-Württemberg und Bayern. Die befürchteten, dass ihre Granit- und Tonlagerstätten eventuell besser für die langfristige Lagerung radio¬aktiver Ab¬fälle geeignet sind als der Salzstock im niedersächsischen Gorleben. "Die Bereitschaft dieser Länder, sich für die Atomkraft einzusetzen, endet bei der Frage der Endlager in diesen Ländern , sagte Umweltminister Gabriel.
Nach Ansicht des Bundesumweltministeriums soll in einem ergebnisoffenen Verfahren nach dem in Deutschland am besten geeigneten Standort gesucht werden. Bislang wurde in Deutschland nur der Salzstock Gorleben in Niedersachsen für die Einlagerung hochradioaktiver Abfälle erforscht. Nach Auffassung des Bundesumweltministeriums reicht dies jedoch nicht aus. Gorleben soll nun in einem bundesweiten Auswahlverfahren nach festgelegten Kriterien mit anderen möglichen Standorten, deren Wirtsgestein etwa aus Ton oder Granit besteht, zur Atommülllagerung verglichen werden.
Vorbild ist dabei die Schweiz. Während in Deutschland laut Gabriel bisher zunächst Standort-Prioritäten gesetzt werden und dann erst die zugehörigen Kriterien entwickelt würden, gehen die Schweizer in umgekehrter Reihenfolge vor. Sie suchen ihre Standorte für die Endlagerung von hoch- sowie schwach- und mittelradioaktiven Abfällen in einem dreistufigen Einengungsprozess. Das Ziel ist dabei die ergebnisoffene Standortauswahl.
Nach jeder Etappe der Suche erarbeitet die Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) Vorschläge, die von den zuständigen Behörden geprüft werden. Bei dieser Form der Standortsuche haben auch die Bevölkerung und die benachbarten Staaten, beispielsweise Deutschland, ein Mitwirkungsrecht. Erst dann entscheidet der Schweizer Bundesrat.
Das schweizer Konzept für die Suche nach Endlagern für radioaktive Abfälle "entspricht dem derzeit gültigen internationalen Stand von Wissenschaft und Technik , schreibt das Bundesamt für Strahlenschutz. Es sei klar strukturiert und verspreche ein transparentes und unvoreingenommenes Verfahren. Finnland und Schweden gehen ähnlich bei der Suche für ein Atommüll-Endlager vor.
Internationale Kriterien für einen EU-weiten Standortvergleich
Umweltminister Gabriel möchte, dass das Schweizer Verfahren künftig auch in Deutschland praktiziert wird. Außerdem soll nach den aktualisierten Sicherheitsanforderungen des Bundesumweltministeriums künftig für 1 Mio Jahre sichergestellt werden, dass die radioaktiven Abfälle zuverlässig in einem Endlager eingeschlossen werden. In der heute geltenden Verordnung werden keine verpflichtenden Zeiträume genannt. Es wird bislang lediglich empfohlen, dass der zuverlässige Einschluss des Atommülls für 10.000 Jahre gesichert sein muss. Außerdem sollen künftig die Abfallbehälter so stabil sein, dass der Atommüll mindestens 500 Jahre darin bleibt.
Für das Umweltministerium wäre es auch erstrebenswert, wenn es zu einem EU-weiten Standortvergleich für Endlagerstätten kommen würde. Dafür mangele es allerdings an einer internationalen Einigung auf Kriterien für die Standortsuche und die Sicherheit von Atomendlagern. Bislang gehe hier jedes Land seinen eigenen Weg, sagte Bundesumweltminister Gabriel. Wie schwierig die Konzeption von Endlagern sei, zeige sich daran, dass weltweit noch nicht ein einziges Endlager betrieben werde.
Deshalb sei eine internationale Debatte über Kriterien für Endlagerstätten wünschenswert. Sie sollte allerdings von den Ländern begonnen werden, die schon über einen eigenen Endlager-Standort verfügten. Ansonsten bestehe die Gefahr, dass die Länder mit hohem Atommüll-Exportdruck den Import-Ländern "Rabatt bei der Sicherheit gewährten. Davor schützten nur eigene Endlager-Kapazitäten.
Gabriel verteidigte auch die schärferen Sicherheitsanforderungen, die sein Ministerium für die Endlagerung von hochradioaktivem Müll plant. Es gehe um eine optimale Endlagersicherheit. Die Vermutungen, die die "Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) geäußert habe, seien falsch. Die FAZ hatte berichtet, dass der Atomabfall nicht mehr auf ewig vergraben werde und der Umweltminister eine mögliche Rückholung des strahlenden Materials für bis zu 1000 Jahre erwäge. Eine solche Rückholmöglichkeit treibe die Kosten in die Höhe, da die Lagerstätten über Jahrhunderte überwacht werden müssten, berichtete die Zeitung.
"Wir halten es nach wie vor für notwendig, die Lager dauerhaft zu verschließen , sagte Gabriel. Ein Offenhalten der Endlager bedeute zusätzliche Risiken. Allerdings solle auch eine "prinzipielle Nichtrückholbarkeit ausgeschlossen werden, sagte Gabriel. Dazu sollten die Daten der eingelagerten Abfälle dauerhaft dokumentiert werden. Das eröffne künftigen Generationen die Möglichkeit, die Lagerstätten wieder aufzufahren.
Dieser Vorstoß des Ministeriums ist im Kontext mit den massiven Problemen beim Endlager-Projekt Asse II zu sehen. Das Deckgebirge des Höhenzugs droht seine Stabilität zu verlieren. "Das Rausholen des Mülls, das manche fordern, ist nicht so einfach , sagte Gabriel. Ein im September anstehender Statusbericht solle abgewartet werden.
Eine Übernahme der Schachtanlage Asse II als Bundesendlager in die Eigentümerschaft des Bundes schloss Gabriel vorerst aus. Das laufende Gerichtsverfahren solle zunächst abgewartet werden.
Gerwin Klinger/Martine Pfeifer
Atommüll und Endlagerung
Etwa 90% der anfallenden nuklearen Abfälle sind in Deutschland schwach und mittel radioaktiv. Die restlichen 10% sind hoch radioaktiv.
Bis 2040 werden in Deutschland rund 270.000 cbm schwach und mittel radioaktive Abfälle sowie etwa 24.000 cbm hoch aktive Abfälle anfallen.
Hoch radioaktiver Müll wird bisher an den Zwischenlagern Ahaus, Gorleben und Lubmin sowie dezentralen Zwischenlagern an Standorten der Atomkraftwerke gelagert.
Eine Lösung muss es spätestens im Jahr 2035 für diese Abfälle geben. Dann laufen die Aufbewahrungsgenehmigungen für die oberirdischen Transportbehälterlager in Gorleben und Ahaus aus. Bei den Standort-Zwischenlagern ist das etwa 2040 der Fall.
Für hoch radioaktive Abfälle gibt es weltweit noch kein Endlager. In den USA, Japan, Großbritannien, Frankreich und der Schweiz laufen Untersuchungen. In Finnland und Schweden sollen im Jahr 2020 und 2015 Endlager in Betrieb gehen.
In Deutschland scheiterten Standortvergleiche bislang am Widerstand der beiden Bundesländer Baden-Württemberg und Bayern. Die befürchteten, dass ihre Granit- und Tonlagerstätten eventuell besser für die langfristige Lagerung radio¬aktiver Ab¬fälle geeignet sind als der Salzstock im niedersächsischen Gorleben. "Die Bereitschaft dieser Länder, sich für die Atomkraft einzusetzen, endet bei der Frage der Endlager in diesen Ländern , sagte Umweltminister Gabriel.
Nach Ansicht des Bundesumweltministeriums soll in einem ergebnisoffenen Verfahren nach dem in Deutschland am besten geeigneten Standort gesucht werden. Bislang wurde in Deutschland nur der Salzstock Gorleben in Niedersachsen für die Einlagerung hochradioaktiver Abfälle erforscht. Nach Auffassung des Bundesumweltministeriums reicht dies jedoch nicht aus. Gorleben soll nun in einem bundesweiten Auswahlverfahren nach festgelegten Kriterien mit anderen möglichen Standorten, deren Wirtsgestein etwa aus Ton oder Granit besteht, zur Atommülllagerung verglichen werden.
Vorbild ist dabei die Schweiz. Während in Deutschland laut Gabriel bisher zunächst Standort-Prioritäten gesetzt werden und dann erst die zugehörigen Kriterien entwickelt würden, gehen die Schweizer in umgekehrter Reihenfolge vor. Sie suchen ihre Standorte für die Endlagerung von hoch- sowie schwach- und mittelradioaktiven Abfällen in einem dreistufigen Einengungsprozess. Das Ziel ist dabei die ergebnisoffene Standortauswahl.
Nach jeder Etappe der Suche erarbeitet die Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) Vorschläge, die von den zuständigen Behörden geprüft werden. Bei dieser Form der Standortsuche haben auch die Bevölkerung und die benachbarten Staaten, beispielsweise Deutschland, ein Mitwirkungsrecht. Erst dann entscheidet der Schweizer Bundesrat.
Das schweizer Konzept für die Suche nach Endlagern für radioaktive Abfälle "entspricht dem derzeit gültigen internationalen Stand von Wissenschaft und Technik , schreibt das Bundesamt für Strahlenschutz. Es sei klar strukturiert und verspreche ein transparentes und unvoreingenommenes Verfahren. Finnland und Schweden gehen ähnlich bei der Suche für ein Atommüll-Endlager vor.
Internationale Kriterien für einen EU-weiten Standortvergleich
Umweltminister Gabriel möchte, dass das Schweizer Verfahren künftig auch in Deutschland praktiziert wird. Außerdem soll nach den aktualisierten Sicherheitsanforderungen des Bundesumweltministeriums künftig für 1 Mio Jahre sichergestellt werden, dass die radioaktiven Abfälle zuverlässig in einem Endlager eingeschlossen werden. In der heute geltenden Verordnung werden keine verpflichtenden Zeiträume genannt. Es wird bislang lediglich empfohlen, dass der zuverlässige Einschluss des Atommülls für 10.000 Jahre gesichert sein muss. Außerdem sollen künftig die Abfallbehälter so stabil sein, dass der Atommüll mindestens 500 Jahre darin bleibt.
Für das Umweltministerium wäre es auch erstrebenswert, wenn es zu einem EU-weiten Standortvergleich für Endlagerstätten kommen würde. Dafür mangele es allerdings an einer internationalen Einigung auf Kriterien für die Standortsuche und die Sicherheit von Atomendlagern. Bislang gehe hier jedes Land seinen eigenen Weg, sagte Bundesumweltminister Gabriel. Wie schwierig die Konzeption von Endlagern sei, zeige sich daran, dass weltweit noch nicht ein einziges Endlager betrieben werde.
Deshalb sei eine internationale Debatte über Kriterien für Endlagerstätten wünschenswert. Sie sollte allerdings von den Ländern begonnen werden, die schon über einen eigenen Endlager-Standort verfügten. Ansonsten bestehe die Gefahr, dass die Länder mit hohem Atommüll-Exportdruck den Import-Ländern "Rabatt bei der Sicherheit gewährten. Davor schützten nur eigene Endlager-Kapazitäten.
Gabriel verteidigte auch die schärferen Sicherheitsanforderungen, die sein Ministerium für die Endlagerung von hochradioaktivem Müll plant. Es gehe um eine optimale Endlagersicherheit. Die Vermutungen, die die "Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) geäußert habe, seien falsch. Die FAZ hatte berichtet, dass der Atomabfall nicht mehr auf ewig vergraben werde und der Umweltminister eine mögliche Rückholung des strahlenden Materials für bis zu 1000 Jahre erwäge. Eine solche Rückholmöglichkeit treibe die Kosten in die Höhe, da die Lagerstätten über Jahrhunderte überwacht werden müssten, berichtete die Zeitung.
"Wir halten es nach wie vor für notwendig, die Lager dauerhaft zu verschließen , sagte Gabriel. Ein Offenhalten der Endlager bedeute zusätzliche Risiken. Allerdings solle auch eine "prinzipielle Nichtrückholbarkeit ausgeschlossen werden, sagte Gabriel. Dazu sollten die Daten der eingelagerten Abfälle dauerhaft dokumentiert werden. Das eröffne künftigen Generationen die Möglichkeit, die Lagerstätten wieder aufzufahren.
Dieser Vorstoß des Ministeriums ist im Kontext mit den massiven Problemen beim Endlager-Projekt Asse II zu sehen. Das Deckgebirge des Höhenzugs droht seine Stabilität zu verlieren. "Das Rausholen des Mülls, das manche fordern, ist nicht so einfach , sagte Gabriel. Ein im September anstehender Statusbericht solle abgewartet werden.
Eine Übernahme der Schachtanlage Asse II als Bundesendlager in die Eigentümerschaft des Bundes schloss Gabriel vorerst aus. Das laufende Gerichtsverfahren solle zunächst abgewartet werden.
Gerwin Klinger/Martine Pfeifer
Atommüll und Endlagerung
Etwa 90% der anfallenden nuklearen Abfälle sind in Deutschland schwach und mittel radioaktiv. Die restlichen 10% sind hoch radioaktiv.
Bis 2040 werden in Deutschland rund 270.000 cbm schwach und mittel radioaktive Abfälle sowie etwa 24.000 cbm hoch aktive Abfälle anfallen.
Hoch radioaktiver Müll wird bisher an den Zwischenlagern Ahaus, Gorleben und Lubmin sowie dezentralen Zwischenlagern an Standorten der Atomkraftwerke gelagert.
Eine Lösung muss es spätestens im Jahr 2035 für diese Abfälle geben. Dann laufen die Aufbewahrungsgenehmigungen für die oberirdischen Transportbehälterlager in Gorleben und Ahaus aus. Bei den Standort-Zwischenlagern ist das etwa 2040 der Fall.
Für hoch radioaktive Abfälle gibt es weltweit noch kein Endlager. In den USA, Japan, Großbritannien, Frankreich und der Schweiz laufen Untersuchungen. In Finnland und Schweden sollen im Jahr 2020 und 2015 Endlager in Betrieb gehen.
Quelle:
Dow Jones Energy Weekly 2008
Dow Jones Energy Weekly 2008
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