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Matthias Schulz "Atomunfälle: Legenden vom bösen Atom" | DER SPIEGEL (47/2007) - 19.11.2007
Deutsche Forscher untersuchen in Sibirien eine berüchtigte Atomfabrik aus Sowjetzeiten. Die nukleare Verseuchung, so ihr Befund, wurde überschätzt. Starben auch an den Spätfolgen der Superkatastrophen von Hiroshima und Tschernobyl weit weniger Menschen als gedacht?
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Artikel 117 von 300
:: „Der Spiegel“ verbreitet Legenden vom harmlosen Atom
Mit der Veröffentlichung des Artikels „Legenden vom bösen Atom“ von Matthias Schulz in „Der Spiegel“ vom 19. November 2007 betätigt sich das in Hamburg produzierte Nachrichtenmagazin unkommentiert als Verbreiter von Legenden vom angeblich harmlosen Atom. Kommentar von Dr. Sebastian Pflugbeil, Präsident der Gesellschaft für Strahlenschutz e.V..
Der Autor dieses Spiegel-Artikels stützt sich auf alte, längst widerlegte Zahlen sowie auf Aussagen des Münchner Strahlenbiologen Professor Dr. AlÂbrecht Kellerer. Dieser ist als ausgewiesener BefürÂworter der Atomenergie bekannt und hatte die geÂsundheitlichen Folgen von Tschernobyl bereits 1990 bestritten, als diese wissenschaftlich noch überhaupt nicht abgeschätzt waren.
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Der Artikel von Matthias Schulz enthält zu viele irreÂführende Angaben:
Im „Spiegel“ wird behauptet, die Umweltverseuchung durch die sibirische AtomwaffenÂschmiede Majak habe weniger Strahlenopfer gefordert als erwartet. Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall: Das EUÂ-Forschungsprojekt „Soul“ (Southern Urals Radiation Risk Research) hat nicht geÂringere, sondern seinem Leiter Dr. Peter Jacob vom GSF-ForÂschungszentrum für Umwelt und Gesundheit in Neuherberg bei München zufolge etwa 4mal höhere Strahlenschäden in der Umgebung der russiÂschen Atomwaffenschmiede Majak festgestellt als nach dem Risikomodell, das der deutschen StrahlenschutzverÂordnung zugrunde liegt, zu erwarten wären. Das bedeutet nicht Entwarnung für Majak, sondern anstehendes NachÂdenken über erneut zu verÂschärfende deutsche StrahlenÂgrenzwerte.
Wer in der russiÂschen Obrigkeit hat wohl ein Interesse daran, eine JahrÂzehntelang erfolgreich vor der eigenen Bevölkerung und der Weltöffentlichkeit verschwieÂgene Katastrophe jetzt ehrlich aufzuklären? Majak gehörte zu den geheimsten Orten in der UdSSR, alles war geheim, wurde getarnt, Sträflinge aus dem GULAG wurden eingeÂsetzt, wo es am Gefährlichsten war.
Im „Spiegel“ heißt es zu HiroÂshima und Nagasaki, „die beÂrüchtigte Strahlenkrankheit – jenes schleichende Leiden, das ab sechs Gray Dosis zum sicheren Tod führt“ sei nach den Atombombenabwürfen im August 1945 kaum aufgetreÂten. Unter den Überlebenden in Hiroshima und Nagasaki gab es tatsächlich später „nur“ einige hundert Todesfälle, die man als Spätfolgen der Strahlung einordnen kann. Diesen tragischen Bereich als Beispiel für Legendenbildung zu missbrauchen, verschlägt einem die Sprache. Jedes Schulkind kann erklären, dass die überwiegende Mehrzahl der Opfer verdampfte, verÂbrannte oder zerquetscht wurÂde, bevor sie an der StrahlenÂkrankheit sterben konnten.
Obwohl die Daten von HiroÂshima und Nagasaki erhebliÂche Mängel aufweisen (so ließ man zum Beispiel erst fünf Jahre nach der Bombardierung die Datenerfassung einsetzen und nahm als statistische VerÂgleichsgruppe strahlenbelasteÂte Personen) tragen sie bis heute wesentlich zur ErmittÂlung des Strahlenrisikos bei. In den letzten Jahrzehnten hat sich gezeigt, dass das Risiko, nach Strahlenbelastung an Krebs zu sterben, wieder und wieder nach oben korrigiert werden musste. Zusätzlich zu den Krebsfällen nehmen seit einigen Jahren auch verschieÂdene andere Erkrankungen strahlenbedingt zu.
Die Toten von Tschernobyl – Schulz nennt 47 Liquidatoren, 9 Schilddrüsenkrebskinder und irgendwann mal 4000 Tote insgesamt – derart zu beÂschreiben, ignoriert die ErÂgebnisse eines langjährigen Streits um die Wahrheit. Bis heute gibt es „die Wahrheit“ über Tschernobyl nicht, weil jene, die sie formulieren könnten, daran kein Interesse haben. Wenn etwa die ukraiÂnische Katastrophenministerin berichtet, dass mehr als 17.000 Familien in ihrem Land eine Rente bekommen, weil die Väter infolge ihres LiquidatoÂreneinsatzes ums Leben kaÂmen, so wiegt das schwerer, als die gebetsmühlenartig wieÂderholte sowjetrussische AusÂsage von 30, 31 oder 47 geÂstorbenen Liquidatoren.
Die Schilddrüsenkrebserkrankung als harmlos, weil gut operabel hinzustellen, beweist weitere Ahnungslosigkeit im Detail. Die Kinder, denen die SchildÂdrüse entfernt werden musste, sind lebenslang auf Tabletten angewiesen, die die fehlenden Schilddrüsenhormone ersetÂzen. Sie müssen in kurzen AbÂständen zur Nachsorge. Vielen Familien fehlt schon für die Reise zum Arzt das Geld. Was in Deutschland lösbar scheint, bleibt in den desolaten RegioÂnen um Tschernobyl ein leÂbensgefährliches Unterfangen. Bei der WeltgesundheitsorgaÂnisation (WHO) geht man daÂvon aus, dass alleine in dem weißrussischen Gebiet Gomel mehr als 50.000 der damals dort lebenden Kinder im Laufe ihres Lebens SchilddrüÂsenkrebs bekommen. Auch für Erwachsene gibt es das Schilddrüsenkrebsproblem.
Die irgendwann „insgesamt 4000 Toten“ im „Spiegel“ stammen aus einer PresseerÂklärung der Internationalen Atomenergieagentur (IAEA) anlässlich des TschernobylfoÂrums im Herbst 2005 in Wien. In dem Bericht der WHO für dieses Forum findet man aber nicht 4.000, sondern 8.930 Tote. Liest man auch noch die hierfür angegebene wissenÂschaftliche Originalquelle, finÂdet man bei Elisabeth Cardis (vom International Agency for Research on Cancer in Lyon) 9.785 bis 22.160 zusätzliche Krebs- und Leukämietote anÂgegeben. Dabei ging es jedoch nur um die Tschernobylregion selbst.
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Die IAEA musste die kompromittierende PresseerÂklärung mit den 4.000 Tschernobyltoten aus dem Internet zurückziehen, ein einmaliger Vorgang. 2006 legte Frau Cardis in einer im InternatioÂnal Journal of Cancer veröfÂfentlichten internationalen GeÂmeinschaftsstudie nach. Sie kam zu dem Ergebnis, dass es bisher sogar in Europa nach Tschernobyl 1.000 zusätzliche Schilddrüsenkrebsfälle und 4.000 andere Krebsfälle gab. Bis zum Jahre 2065 rechnet sie mit zusätzlich 3.400 bis 72.000 SchilddrüsenkrebserÂkrankungen und 11.000 bis 59.000 anderen Krebsfällen, von denen 6.700 bis 38.000 tödlich ausgehen werden. Michail Malko aus dem InÂstitut für Energie- und KernÂforschung in Sosny (Weißrussland) kommt auf tödlich ausgehende Erkrankungen inÂfolge von Tschernobyl in der Größenordnung von weltweit 180.000. Seine Abschätzung ist durchaus verträglich mit der von Elisabeth Cardis. Er hält Tschernobyl bezüglich des Ausmaßes der KatastroÂphe für vergleichbar mit dem Tsunami in 2004 und der Bombardierung von HiroshiÂma und Nagasaki.
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Die wissenschaftlichen AkaÂdemien in Russland, Weißrussland und Ukraine kamen auch zu anderen Ergebnissen als die IAEA. Sie protestierten scharf gegen die Aussagen der IAEA, wurden aber einfach vom Westen überrollt. Der Kronzeuge von Matthias Schulz – Albrecht Kellerer, Universität München – kam bereits Anfang 1990 für das Rote Kreuz zu folgender MeiÂnung über die Folgen von Tschernobyl und zwar vor jeÂder wissenschaftlichen AnalyÂse: „Ein besonderes Problem sind die Befürchtungen beÂzüglich Störungen der SchildÂdrüsenfunktion, (...). Da nun Schilddrüsentests viel häufiÂger durchgeführt werden, finÂdet man auch weit häufiger Störungen. Diese werden den Strahlenexpositionen zugeÂschrieben, obwohl trotz der hohen Dosen durch Radiojod keine pathologischen VeränÂderungen oder FunktionsstöÂrungen zu erwarten sind.“
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In der Fachzeitschrift AtomwirtÂschaft schrieb er 1993: „... raÂdioaktive Freisetzungen von Kernreaktoren sind weder RiÂsiko noch Bedrohung. (...) Wer neben einem seiner MitÂmenschen steht, erhält durch dessen natürliche RadioaktiÂvität mehr Strahlenexposition als durch den Reaktor in ein paar Kilometer Entfernung.“ Wir sind gespannt auf die in Kürze vorliegende Studie des Mainzer Kinderkrebsregisters zu Krebserkrankungen bei Kindern in der Umgebung deutscher Kernkraftwerke.
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In Zusammenhang mit dem früheren sowjetisch-deutschen Uranbergbaubetrieb WISMUT in Sachsen und Thüringen schreibt Matthias Schulz im „Spiegel“: „Durch StrahlenÂspätschäden, vornehmlich Lungenkrebs, gab es bislang 1221 Tote.“ Tatsächlich wurÂden bei WISMUT-Kumpeln bisher etwa 8.600 KrebserÂkrankungen als arbeitsbedingt anerkannt, vorwiegend LunÂgenkrebs. Die HeilungschanÂcen für Lungenkrebs sind exÂtrem gering.
Noch immer kommen Jahr für Jahr 150 bis 200 neue Krebsfälle dazu. Die Dunkelziffer für KrebserkranÂkungen außerhalb der Lunge ist hoch, weil die AnerkenÂnung als Berufskrankheit so restriktiv gehandhabt wird, dass viele Krebskranke darauf verzichten, einen Antrag zu stellen.
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Der Artikel von Matthias Schulz enthält zu viele irreÂführende Angaben:
Im „Spiegel“ wird behauptet, die Umweltverseuchung durch die sibirische AtomwaffenÂschmiede Majak habe weniger Strahlenopfer gefordert als erwartet. Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall: Das EUÂ-Forschungsprojekt „Soul“ (Southern Urals Radiation Risk Research) hat nicht geÂringere, sondern seinem Leiter Dr. Peter Jacob vom GSF-ForÂschungszentrum für Umwelt und Gesundheit in Neuherberg bei München zufolge etwa 4mal höhere Strahlenschäden in der Umgebung der russiÂschen Atomwaffenschmiede Majak festgestellt als nach dem Risikomodell, das der deutschen StrahlenschutzverÂordnung zugrunde liegt, zu erwarten wären. Das bedeutet nicht Entwarnung für Majak, sondern anstehendes NachÂdenken über erneut zu verÂschärfende deutsche StrahlenÂgrenzwerte.
Wer in der russiÂschen Obrigkeit hat wohl ein Interesse daran, eine JahrÂzehntelang erfolgreich vor der eigenen Bevölkerung und der Weltöffentlichkeit verschwieÂgene Katastrophe jetzt ehrlich aufzuklären? Majak gehörte zu den geheimsten Orten in der UdSSR, alles war geheim, wurde getarnt, Sträflinge aus dem GULAG wurden eingeÂsetzt, wo es am Gefährlichsten war.
Im „Spiegel“ heißt es zu HiroÂshima und Nagasaki, „die beÂrüchtigte Strahlenkrankheit – jenes schleichende Leiden, das ab sechs Gray Dosis zum sicheren Tod führt“ sei nach den Atombombenabwürfen im August 1945 kaum aufgetreÂten. Unter den Überlebenden in Hiroshima und Nagasaki gab es tatsächlich später „nur“ einige hundert Todesfälle, die man als Spätfolgen der Strahlung einordnen kann. Diesen tragischen Bereich als Beispiel für Legendenbildung zu missbrauchen, verschlägt einem die Sprache. Jedes Schulkind kann erklären, dass die überwiegende Mehrzahl der Opfer verdampfte, verÂbrannte oder zerquetscht wurÂde, bevor sie an der StrahlenÂkrankheit sterben konnten.
Obwohl die Daten von HiroÂshima und Nagasaki erhebliÂche Mängel aufweisen (so ließ man zum Beispiel erst fünf Jahre nach der Bombardierung die Datenerfassung einsetzen und nahm als statistische VerÂgleichsgruppe strahlenbelasteÂte Personen) tragen sie bis heute wesentlich zur ErmittÂlung des Strahlenrisikos bei. In den letzten Jahrzehnten hat sich gezeigt, dass das Risiko, nach Strahlenbelastung an Krebs zu sterben, wieder und wieder nach oben korrigiert werden musste. Zusätzlich zu den Krebsfällen nehmen seit einigen Jahren auch verschieÂdene andere Erkrankungen strahlenbedingt zu.
Die Toten von Tschernobyl – Schulz nennt 47 Liquidatoren, 9 Schilddrüsenkrebskinder und irgendwann mal 4000 Tote insgesamt – derart zu beÂschreiben, ignoriert die ErÂgebnisse eines langjährigen Streits um die Wahrheit. Bis heute gibt es „die Wahrheit“ über Tschernobyl nicht, weil jene, die sie formulieren könnten, daran kein Interesse haben. Wenn etwa die ukraiÂnische Katastrophenministerin berichtet, dass mehr als 17.000 Familien in ihrem Land eine Rente bekommen, weil die Väter infolge ihres LiquidatoÂreneinsatzes ums Leben kaÂmen, so wiegt das schwerer, als die gebetsmühlenartig wieÂderholte sowjetrussische AusÂsage von 30, 31 oder 47 geÂstorbenen Liquidatoren.
Die Schilddrüsenkrebserkrankung als harmlos, weil gut operabel hinzustellen, beweist weitere Ahnungslosigkeit im Detail. Die Kinder, denen die SchildÂdrüse entfernt werden musste, sind lebenslang auf Tabletten angewiesen, die die fehlenden Schilddrüsenhormone ersetÂzen. Sie müssen in kurzen AbÂständen zur Nachsorge. Vielen Familien fehlt schon für die Reise zum Arzt das Geld. Was in Deutschland lösbar scheint, bleibt in den desolaten RegioÂnen um Tschernobyl ein leÂbensgefährliches Unterfangen. Bei der WeltgesundheitsorgaÂnisation (WHO) geht man daÂvon aus, dass alleine in dem weißrussischen Gebiet Gomel mehr als 50.000 der damals dort lebenden Kinder im Laufe ihres Lebens SchilddrüÂsenkrebs bekommen. Auch für Erwachsene gibt es das Schilddrüsenkrebsproblem.
Die irgendwann „insgesamt 4000 Toten“ im „Spiegel“ stammen aus einer PresseerÂklärung der Internationalen Atomenergieagentur (IAEA) anlässlich des TschernobylfoÂrums im Herbst 2005 in Wien. In dem Bericht der WHO für dieses Forum findet man aber nicht 4.000, sondern 8.930 Tote. Liest man auch noch die hierfür angegebene wissenÂschaftliche Originalquelle, finÂdet man bei Elisabeth Cardis (vom International Agency for Research on Cancer in Lyon) 9.785 bis 22.160 zusätzliche Krebs- und Leukämietote anÂgegeben. Dabei ging es jedoch nur um die Tschernobylregion selbst.
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Die IAEA musste die kompromittierende PresseerÂklärung mit den 4.000 Tschernobyltoten aus dem Internet zurückziehen, ein einmaliger Vorgang. 2006 legte Frau Cardis in einer im InternatioÂnal Journal of Cancer veröfÂfentlichten internationalen GeÂmeinschaftsstudie nach. Sie kam zu dem Ergebnis, dass es bisher sogar in Europa nach Tschernobyl 1.000 zusätzliche Schilddrüsenkrebsfälle und 4.000 andere Krebsfälle gab. Bis zum Jahre 2065 rechnet sie mit zusätzlich 3.400 bis 72.000 SchilddrüsenkrebserÂkrankungen und 11.000 bis 59.000 anderen Krebsfällen, von denen 6.700 bis 38.000 tödlich ausgehen werden. Michail Malko aus dem InÂstitut für Energie- und KernÂforschung in Sosny (Weißrussland) kommt auf tödlich ausgehende Erkrankungen inÂfolge von Tschernobyl in der Größenordnung von weltweit 180.000. Seine Abschätzung ist durchaus verträglich mit der von Elisabeth Cardis. Er hält Tschernobyl bezüglich des Ausmaßes der KatastroÂphe für vergleichbar mit dem Tsunami in 2004 und der Bombardierung von HiroshiÂma und Nagasaki.
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Die wissenschaftlichen AkaÂdemien in Russland, Weißrussland und Ukraine kamen auch zu anderen Ergebnissen als die IAEA. Sie protestierten scharf gegen die Aussagen der IAEA, wurden aber einfach vom Westen überrollt. Der Kronzeuge von Matthias Schulz – Albrecht Kellerer, Universität München – kam bereits Anfang 1990 für das Rote Kreuz zu folgender MeiÂnung über die Folgen von Tschernobyl und zwar vor jeÂder wissenschaftlichen AnalyÂse: „Ein besonderes Problem sind die Befürchtungen beÂzüglich Störungen der SchildÂdrüsenfunktion, (...). Da nun Schilddrüsentests viel häufiÂger durchgeführt werden, finÂdet man auch weit häufiger Störungen. Diese werden den Strahlenexpositionen zugeÂschrieben, obwohl trotz der hohen Dosen durch Radiojod keine pathologischen VeränÂderungen oder FunktionsstöÂrungen zu erwarten sind.“
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In der Fachzeitschrift AtomwirtÂschaft schrieb er 1993: „... raÂdioaktive Freisetzungen von Kernreaktoren sind weder RiÂsiko noch Bedrohung. (...) Wer neben einem seiner MitÂmenschen steht, erhält durch dessen natürliche RadioaktiÂvität mehr Strahlenexposition als durch den Reaktor in ein paar Kilometer Entfernung.“ Wir sind gespannt auf die in Kürze vorliegende Studie des Mainzer Kinderkrebsregisters zu Krebserkrankungen bei Kindern in der Umgebung deutscher Kernkraftwerke.
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In Zusammenhang mit dem früheren sowjetisch-deutschen Uranbergbaubetrieb WISMUT in Sachsen und Thüringen schreibt Matthias Schulz im „Spiegel“: „Durch StrahlenÂspätschäden, vornehmlich Lungenkrebs, gab es bislang 1221 Tote.“ Tatsächlich wurÂden bei WISMUT-Kumpeln bisher etwa 8.600 KrebserÂkrankungen als arbeitsbedingt anerkannt, vorwiegend LunÂgenkrebs. Die HeilungschanÂcen für Lungenkrebs sind exÂtrem gering.
Noch immer kommen Jahr für Jahr 150 bis 200 neue Krebsfälle dazu. Die Dunkelziffer für KrebserkranÂkungen außerhalb der Lunge ist hoch, weil die AnerkenÂnung als Berufskrankheit so restriktiv gehandhabt wird, dass viele Krebskranke darauf verzichten, einen Antrag zu stellen.
Quelle:
Dr. Sebastian Pflugbeil 2007
Gesellschaft für Strahlenschutz e.V.
Dr. Sebastian Pflugbeil 2007
Gesellschaft für Strahlenschutz e.V.
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