|
:: Energieverantwortung den Regionen selbst übertragen
Was muss passieren, um nachhaltiges Denken, Leben und Handeln tatsächlich zu realisieren? Man muss uns selbst die Aufgabe und die Verantwortung übertragen. Wir müssen für unser Tun mit unserem Lebensumfeld „grade stehen“. Erst dann liegt uns das positive Ende am Herzen ... Gastkommentar von Manfred Faustmann
Für die Entwicklung von Nachhaltigkeit geht es um fundamentale Änderungen der Gewohnheiten und Lebenseinstellungen. Dabei spielt die Geschwindigkeit, mit der Nachhaltigkeit und Umdenkprozesse „gemanagt“ (also eingeleitet und umgesetzt) werden, eine große Rolle. Wie rasch aus den vielen, bereits bestehenden Keimzellen eine flächendeckende und durchgängige Selbstverständlichkeit wird, macht den fundamentalen Unterschied aus.
Â
Global gesehen und auf die Erhaltung der Handlungsfähigkeit bezogen, ist die flächendeckende Umstiegsgeschwindigkeit hin zu einem nachhaltigen Denken, Leben und Handeln wahrscheinlich der wichtigste Erfolgsfaktor überhaupt.
Â
Umdenken noch nicht an Basis angekommen
Wo stehen wir heute auf unserem Weg zur Nachhaltigkeit?
Â
Hier nur einige Stichworte aus der internationalen Presse:
• 2010: stärkster Anstieg des weltweiten Energieverbrauches seit 1973 und höchster Anstieg der CO2-Emssionen seit 1969 (BP-Statistical Review of World Energy)
• Weltweit etwa 12-mal mehr Förderung für fossile Energien als für Erneuerbare (Bloomberg New Energy Finance)
• Bisherige Klima-Gipfel: nationale Interessen gehen vor – keine Lösung in Sicht
Â
Im kleinen Rahmen ist das nicht anders: steigendes Umweltbewusstsein der Bevölkerung führt noch nicht zu nachhaltigem Verhalten. Die Menschen vergessen schnell und stumpfen ab. Nach wie vor prägen Gewohnheiten und Einzelinteressen das Verhalten. Das Umdenken ist noch nicht an der Basis angekommen.
Â
Sinn geben und Verantwortung übertragen
Die letzten Jahrzehnte belegen, dass all die Appelle und Aufrufe, Zahlen, Daten und Fakten, Gesetze und Vorgaben sowie Ziele, Förderungen und Sanktionen insgesamt nicht den gewünschten Erfolg einer durchgängigen Umdenkbewegung gebracht haben. Warum ist das so -und vor allem, was fehlt noch? Offenbar sind all die bisher getroffenen Maßnahmen noch nicht ausreichend „motivationsstiftend“. Woher soll dann die Kraft kommen, die man braucht, um das Verhalten zu ändern? Was muss konkret passieren, dass man einen Sinn in der Abkehr vom Gewohnten und hin zu einem nachhaltigen Denken, Leben und Handeln erkennt?
Â
Man muss genau diese Aufgabe uns selbst übertragen – die Verantwortung, für unser Tun und Handeln auch mit unserem unmittelbaren Lebensumfeld „grade zu stehen“. In dem Moment, wo wir für eine bestimmte Sache ernsthaft die Verantwortung übernehmen, ändert sich unser Verhalten. Dann liegt uns das positive Ende am Herzen. Und dann ist es uns auch etwas wert. Hier liegt der Schlüssel für die Lösung.
Â
Denk-Richtung umdrehen
Die Frage der Energie wird zum bestimmenden Faktor bei der Entwicklung unserer Gesellschaft. Angenommen, jede (und wirklich jede) einzelne Region bekommt die Energieverantwortung selbst übertragen. Und damit die Verantwortung für Bereitstellung und Versorgung genauso wie für Nutzung und Umgang und deren Auswirkungen bei Umwelt und Klima. Alles was wir „vor Ort verursachen“, müssten wir demnach auch „vor Ort wieder ausbaden“. Ganz automatisch, ohne Vorgaben, Förderungen und Sanktionen wären wir beim sparsamen Umgang, der effizienten Nutzung und den regional verfügbaren erneuerbaren Energien aus Sonne, Wind, Wasser und Biomasse angelangt.
Â
Der Schlüssel für ein wirkungsvolles Energie- und Nachhaltigkeitsmanagement liegt also in einer fundamentalen Richtungsumkehr. Anstatt die Nachhaltigkeit „von oben“ zu verordnen, sollte sie durch das Übertragen von Verantwortung „von unten“ ausgelöst werden.
Â
Nicht die starren Lösungen mit Zielen und Sanktionen per Anweisung vorgeben, sondern für die selbstständige Erarbeitung der individuell besten regionalen Lösung sorgen. Dann steht die Bevölkerung auch dahinter. Es ist ja ihre eigene Lösung.
Jede Gemeinde kann heute bereits beginnen, ihren eigenen Weg frei nach ihren individuellen Möglichkeiten und Voraussetzungen einzuschlagen oder ihre bisherigen Erfolge weiter auszubauen. Die Bürgermeister sind dabei der Dreh- und Angelpunkt beim Umstieg in das neue Zeitalter. Diese Pole-Position auf dem Weg zur Nachhaltigkeit kann ihnen ohnehin niemand mehr streitig machen …
Â
............................................................................................
Â
Wie wird meine Gemeinde nachhaltig?
Schritt 1: Was wäre, wenn unsere Gemeinde … ?
Aus meiner Sicht ist die „Was-wäre-wenn-Frage“ der wichtigste bisher fehlende Impuls auf dem Weg zu einer nachhaltigen Gemeinde. Warum?
Erstens, es ist eben „nur“ eine Frage und ein Denk-Anstoß. Keine Belehrung, keine Vorgabe, keine Anweisung und auch keine Sanktions-Androhung. Eine Lösung, die durch Druck von oben entsteht, ist niemals nachhaltig. Sie ist auch kein Maßstab für das, was an der Basis wirklich möglich ist.
Zweitens, eine Frage zeigt auch Wertschätzung gegenüber den Menschen und nicht nur Interesse an deren Gedanken und Überlegungen. Sie ist auch der geeignetste Auslöser für eine Selbst-Reflexion des bisherigen Verhaltens. Und die Ideen und Lösungs-Vorschläge, die als Antwort kommen, haben die höchstmögliche Eigen-Identifikation für eine spätere Umsetzung.
Drittens, ich kann die „Was-wäre-wenn-Fragen“ an jede beliebige Zielgruppe weitergeben und habe so die Möglichkeit, die allerbesten Ideen und passendsten Lösungsvorschläge für ein ganz bestimmtes Thema aufzuspüren. Und die auf Grund der Antworten erkennbaren „Gleichgesinnten“ kann ich zur Erhöhung der Wirkung zu einem bestimmten Thema (durchaus auch überregional) noch systematisch unter- und miteinander vernetzen.
Viertens, mit einer „Was-wäre-wenn-Frage“ braucht noch niemand Angst um seine Einzel-Interessen zu haben. Denn da passiert konkret noch gar nichts. Man denkt – und man denkt in Alternativen. Das muss immer erlaubt sein. Der Kreativität und der Phantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt.
Fünftens, wenn einmal am Papier, also am „theoretischen Spielfeld“, eine sinnvolle und machbare Lösung entwickelt ist, so kann ich das Ergebnis dann wieder an die Gemeinde-Bevölkerung zurück kommunizieren. Auch wenn der ein oder andere Vorschlag nicht machbar ist, der nächste Schritt liegt bereits auf der Hand: wenn gute Lösungen nun schon am Tisch sind, warum sie nicht auch umsetzen und damit anstehende Probleme nachhaltig lösen?
Â
Nur als Beispiel (und stellvertretend für unzählige andere) sind an dieser Stelle drei mögliche „Was-wäre-wenn-Fragen“ an die Gemeinde und deren Bevölkerung auf ihrem Weg zur Nachhaltigkeit aufgelistet:
- Was wäre, wenn … wir bei der Energie-Bereitstellung ab 2012 nur mehr auf die Ressourcen in der eigenen Region zurückgreifen könnten? Welche Maßnahmen würden sie dann in den nächsten Monaten setzen?
- Was wäre, wenn … wir ab 2012 nur mehr auf regional verfügbare Lebensmittel zurückgreifen könnten? Welche Auswirkungen hätte das auf ihre Ess-Gewohnheiten und auf ihre Erwartungshaltung (bzw. Vorfreude) hinsichtlich der saisonalen Verfügbarkeit von Lebensmitteln?
- Was wäre, wenn … wir ab 2012 sämtlichen Müll, den wir in unseren Haushalten produzieren und der nicht vermeidbar, wieder-verwendbar oder wieder-verwertbar ist, auch unmittelbar in unseren Haushalten wieder end-entsorgen müssten? Welche Maßnahmen würden sie in den nächsten Monaten setzen?
Die „Was-wäre-wenn-Fragen“ haben mehrere Funktionen gleichzeitig: die Bevölkerung beim Umdenken aktiv einzubinden, über die Reflexion die Auswirkungen des eigenen Verhaltens bewusst zu machen und die besten Lösungen mit der höchsten Umsetzungs-Bereitschaft heraus zu arbeiten.
Â
P.S.: Das Impuls-Zentrum IF-NE erhebt die wirkungsvollsten „Was-wäre-wenn-Fragen“. Ihr Feedback
|
















