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:: Kühlen mit der Kraft der Sonne

Das Kybernetik- und das Plus-Energie-Haus zeigen, wie mannigfaltig Solartechnik inzwischen eingesetzt werden kann, um den Geldbeutel des Bauherren zu schonen. Bericht von Antje Rößler
„Ein Haus steht in Deutschland etwa 80 bis 100 Jahre", sagt Franz Alt, Journa­list und Träger des Umweltpreises der deutschen Wirtschaft. „Wer beim Bauen nicht an die Zukunft denkt, verhält sich irrational". Angesichts des drohenden Klimawandels und der Verknappung fos­siler Brennstoffe ist die Energieversor­gung das Schlüsselthema beim Haus der Zukunft. „Der zukunftsorientierte Bau­herr verzichtet beim Heizen und der Warmwasserbereitung auf Erdöl und Erdgas, stattdessen setzt er auf erneuer­bare Energien", sagt Alt.
 
Damit sei man auch in finanzieller Hin­sicht auf der sicheren Seite, bestätigt Jo­hannes Lang vom Informationsdienst BINE . „Die Kosten für Erd­öl und Erdgas werden langfristig stark steigen", meint der Spezialist für moder­ne Gebäudetechnologien. Er schlussfol­gert: „Wer sich heute ein Passivhaus baut, denkt ökonomisch." Das Passiv­haus hat einen Heizenergiebedarf von et­wa 1,5 Liter Heizöl pro Quadratmeter Wohnfläche im Jahr, das ist nur etwa ein Fünftel der üblichen Menge. Es kommt daher ohne eine konventionelle Heizung aus, ein Wärmeübertrager leitet die Wär­me aus der Abluft in die zugeführte Frischluft. Ein solches Gebäude sei mit marktgängigen Technologien ohne gro­ßen Aufpreis zu verwirklichen, stellt der BINE-Mitarbeiter fest. Für das Passiv­haus sei mit drei bis zehn Prozent Mehr­kosten beim Bau zu rechnen, die sich durch die viel geringeren Betriebskosten und den höheren Wärmekomfort bald amortisierten.
 
Solch eine klimafreundliche Bauweise geht mit einer Verbesserung der Wohn­qualität einher: Lichtdurchflutete Räu­me, saubere Luft, baubiologisch unbe­denkliche Materialien schaffen ein ange­nehmes und gesundes Raumklima, hinzukommen bei vielen Häusern dieser Art üb­rigens multimediale Technik und die Ver­netzung mit dem Internet.
 
Im sogenannten Sentinel-Haus kön­nen auch Allergiker aufatmen: Die Bun­desstiftung Umwelt fördert drei Modell­projekte zum Bau von Holzhäusern, die höchsten Ansprüchen an die Wohnge­sundheit genügen. Verwendet werden ausschließlich Materialien, die das natureplus-Qualitätszeichen tragen. Dieses Siegel kennzeichnet umweltgerechte und gesundheitsverträgliche Wohn- und Bau­produkte (www.sentinel-haus.de).
 
Die Energiequelle der Zukunft ist die Sonne, davon ist Franz Alt überzeugt. „Sie schickt uns täglich 15 000mal mehr Energie als sämtliche Erdenbewohner verbrauchen. Diese Energie ist klima­freundlich, denn Kohlendioxid wird ver­mieden und sie reicht noch viereinhalb Milliarden Jahre." Der Energiebedarf ei­nes Gebäudes könne allein durch die Ausrichtung nach Süden enorm redu­ziert werden. „Durch eine Fensterfront auf der Südseite, Lichtplanung und Wärmeaustauschsysteme kann ein Großteil der Heizkosten eingespart werden", er­läutert Alt.
 
Der Schlüssel zur Minimierung des Energiebedarfs eines Gebäudes ist seine Dämmung. Die bisher meist verwende­ten Dämmstoffe wie Mineralwolle, Glaswolle oder Polystyrolplatten benötigen viel Energie bei ihrer Herstellung; eine Alternative sind Wärmedämmungen aus nachwachsenden Rohstoffen. Der Gebäudeenergieberater Ralf Münzer von der Schwabmünchener Baufirma Öko­Haus schildert die große Vielfalt: „Wir haben Dämmstoffe im Angebot, die auf Zellulose, Holz, Hanf, Flachs oder Kork basieren. Preislich und fachtechnisch können sie mit den konventionellen Ma­terialien konkurrieren, überdies sind sie baubiologisch unbedenklich."
 
Gebäude, die mehr Energie gewinnen, als in ihnen verbraucht wird, entwickelt Rolf Disch: „Das Hausdach und die Fas­sade werden zum Solarkraftwerk. Der Überschuss an Strom wird ins Netz ein­speist und bietet den Besitzern ein dauerhaftes Nebeneinkommen", erläutert der Freiburger Solararchitekt. Inzwischen stehen etwa fünfzig seiner so genannten Plus-Energie-Häuser in Freiburg. Diese zeigen, wie kreativ und viel­seitig die Solartechnik vom Architekten als Bau- und Gestaltungselement einge­setzt werden kann. Solarmodule bilden gleichzeitig Bauteile für Sonnenschutz, Fassadenverkleidung oder Dacheindeckung - das spart Material und Kosten für herkömmliche Baustoffe. Eine ganz eigene Solarästhetik entwickelt sich, in­dem Solarzellen aus verschiedenen Mate­rialien eingesetzt werden.
 
Auch die thermodynamischen Effekte der Sonneneinstrahlung werden heute für innovative Gebäudetechnologien ge­nutzt. „Die Sonne hilft im Sommer küh­len, im Winter heizen. Die Ausnutzung der solaren Einstrahlung reduziert den Energiebedarf des Hauses", sagt Chris­toph Kuhn von pfeifer.kuhn.architekten das Prinzip des so genannten Kyberne­tik-Hauses. „Die erwärmte Luft sam­melt sich unter dem Dach. Ein Kaminzug wird dazu genutzt, diese warme Luft mit einem kleinen Lüfter in die unteren Räu­me zu führen." Die Vorzüge dieses Sys­tems: „Eine zusätzliche Dämmung braucht man nicht, die natürliche Belüf­tung ist mit minimalem Regelaufwand ge­währleistet, die Energie- und Betriebs­kosten sind letztendlich gering."
 
Eine innovative Methode der Energie­gewinnung ist die Brennstoffzelle. Das Zentrum für Sonnenenergie- und Wasser­stoff-Forschung Baden-Württemberg hat unlängst zwei Prototypen eines Brennstoffzellen-Blockheizkraftwerks vorgestellt. Für Ein- und Mehrfamilien­häuser entwickelt, gewinnt es Wasser­stoff aus Erdgas und produziert damit Strom und Wärme. Lagerung und Trans­port von Wasserstoff sind bisher noch technisch problematisch, aber auf diesem Gebiet wird intensiv geforscht. Gut mög­lich, dass für die nächsten Generationen das kleine Blockheizkraftwerk im Keller zum Standard gehört.


Solarenergie
Nicht nur in der Sahara, auch in Deutschland scheint genügend Sonne, um ihre Energie wirksam nutzen zu können. Pro Quadratmeter und Jahr sind es durchschnittlich 1050 Kilowattstunden, was etwa dem Jahresverbrauch einer Person an Haushaltstrom entspricht. Die Strahlungsenergie der Sonne wird entweder mit Hil­fe von Solarzellen (Photovoltaik) direkt in Strom oder über Solarkollektoren (Solarthermie) in Wärme für Brauchwasser und Heizung umgewandelt. Die Nutzung von Solarenergie spart Heizöl oder Erdgas ein, was den Ausstoß von Kohlendioxid re­duziert.
 
Bei der Verbrennung von einem Liter Heizöl gelangen immerhin 2,6 Kilo­gramm des Treibhausgases in die Atmosphäre. In Deutschland gewinnt die Solar­energie an Bedeutung: Der Bundesverband Solarwirtschaft BSW prognostiziert, dass die Mehrzahl der Neubauten im Jahr 2030 Warmwasser und Heizenergie aus solarthermischen Anlagen gewinnen. Auch die Solarstrom-Preise werden fallen, ist sich BSW-Geschäftsführer Carsten Körnig sicher. Er rechnet mit dem Wachs­tum der Branche und der Massenproduktion von Solarmodulen.
Quelle:
Antje Rößler
Süddeutsche Zeitung Nr. 32 | 08.02.2007
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